logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.03.2006 | EBM 2000plus

Überweisungen von Laborleistungen an andere Hausärzte: Vorteile für die Abrechnung

Der Umfang der in der hausärztlichen Praxis erforderlichen Laborwerte hängt stark vom Leistungsspektrum der jeweiligen Praxis ab. Zumindest für diejenigen Hausärzte, die relativ wenig Laborwerte für die Behandlung ihrer Patienten benötigen, kann sich die Frage stellen, ob es unbedingt erforderlich ist, für die Beschaffung der Laboruntersuchungen Mitglied einer Laborgemeinschaft zu sein oder diese von Laborärzten bzw. von anderen Hausärzten zu beziehen. Für letztere ergeben sich nach dem neuen EBM interessante Abrechnungsmöglichkeiten. 

Alternative 1: Überweisung zum Laborarzt

Hausärzte können sämtliche Laborleistungen – auch das Basislabor – per Überweisung von einem Laborarzt anfordern. Auch wenn der Hausarzt selbst überhaupt kein Labor oder gegebenenfalls nur die leicht durchzuführenden Reagenzstreifentests erbringt, werden dennoch die Laborgrundgebühr Nr. 32000 (15 Punkte je Fall) und der Wirtschaftlichkeitsbonus Nr. 32001 (40 Punkte je Fall) vergütet.  

 

Andererseits sind die Laborärzte durchaus daran interessiert, nicht nur Überweisungen zur Durchführung von Speziallaborleistungen zu erhalten. Auch das Basislabor ist für Laborärzte interessant: Der Laborarzt erhält nämlich für jeden Überweisungsfall mit Auftragsleistungen zur Erbringung von Laboruntersuchungen eine Grundpauschale von 65 Punkten – auch dann, wenn ausschließlich Leistungen des Basislabors in Auftrag gegeben werden. Der Laborarzt rechnet die überwiesenen Leistungen selbst ab und teilt dem überweisenden Hausarzt die Ergebnisse mit.  

Alternative 2: Überweisung an einen anderen Hausarzt

Mit dem neuen EBM hat sich für Hausärzte hinsichtlich der Ausführung von Laborleistungen eine besonders interessante Variante ergeben: Kein Hausarzt ist verpflichtet, Mitglied einer Laborgemeinschaft zu sein bzw. Laboruntersuchungen selbst zu erbringen. Gemäß § 25 Abs. 2 Bundesmantelvertrag sind Überweisungen zur Durchführung von Laboruntersuchungen zulässig, auch für das Basislabor. Im Bundesmantelvertrag ist nicht festgelegt, dass Überweisungen für Laborbestimmungen nur an Laborärzte vorgenommen werden dürfen.  

 

Gemäß § 24 Abs. 4 Bundesmantelvertrag sind Überweisungen an einen anderen Vertragsarzt derselben Arztgruppe zulässig, wenn besondere Untersuchungs- und Behandlungsmethoden erforderlich sind, die vom behandelnden Vertragsarzt selbst nicht erbracht werden. Damit ist gemäß Bundesmantelvertrag die Überweisung von Laboruntersuchungen von Hausarzt zu Hausarzt möglich, wenn ein Hausarzt selbst keine Laborleistungen erbringt bzw. nicht Mitglied einer Laborgemeinschaft ist. Die Laboruntersuchungen können an einen anderen Hausarzt oder auch an einen Arzt einer anderen Arztgruppe überwiesen werden.  

 

Der Arzt, der die Laborüberweisungen erhält, kann die in Auftrag gegebenen Laborleistungen gegebenenfalls auch in einer Laborgemeinschaft erbringen lassen und dem überweisenden Arzt die Ergebnisse mitteilen.  

Abrechnungsmöglichkeiten des Hausarztes bei Labor-Auftragsleistungen

Für den Hausarzt, der die Überweisungen zur Durchführung von Laboruntersuchungen erhält, ergeben sich nach dem neuen EBM interessante Abrechnungsmöglichkeiten:  

 

  • Die versorgungsbereichsspezifische Bereitschaftspauschale Nr. 03005 (320 Punkte) wird automatisch vergütet, da diese Pauschale für jeden kurativ-ambulanten Behandlungsfall der Abrechnung zugesetzt wird, auch für Fälle nur mit Auftragsleistungen und damit auch für Fälle mit Auftragsleistungen zur Durchführung von Laboruntersuchungen.

 

  • Der die Laborüberweisungen annehmende Arzt – auch ein Hausarzt – erhält außerdem für die Erbringung der Laborleistungen die Grundpauschale Nr. 12225 (15 Punkte) für jeden überwiesenen Fall einmal pro Quartal.

 

  • Stellt der die Überweisung annehmende Hausarzt auch das Versandmaterial für die Laboruntersuchungen zur Verfügung, kann er außerdem je überwiesenem Fall die Kostenpauschale Nr. 40100 (2,60 Euro) berechnen.

 

Damit ergeben sich für den Hausarzt, der Überweisungsfälle zur Durchführung von Laboruntersuchungen erhält, insgesamt 335 Punkte und die Versandkostenpauschale in Höhe von 2,60 Euro. Die erbrachten Laborleistungen sind selbstverständlich zusätzlich berechnungsfähig.  

 

Ob diese Variante für die Erbringung von Laborleistungen bei der Beschlussfassung des neuen EBM in dieser Form berücksichtigt wurde, kann dahingestellt bleiben. Die Konstellationen des neuen EBM lassen dies jedenfalls zu. Damit ist es auch gerechtfertigt, dass Hausärzte diese Möglichkeit aufgreifen.  

Quelle: Ausgabe 03 / 2006 | Seite 10 | ID 84406