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Aktuelle Fallbeispiele

„Urlaubsmitbringsel“ Reisediarrhoe – Diagnose, Therapie und Abrechnung der Leistungen

Eine der häufigsten Reiseerkrankungen ist der akute Durchfall. Wenngleich die „Reisediarrhoe“ vorwiegend bei Aufenthalten in tropischen und subtropischen Gegenden aufzutreten droht, ist mit ihr auch in anderen Urlaubsgebieten zu rechnen. Die akute Reisediarrhoe wird fast immer durch Infektionserreger ausgelöst. Die häufigsten Krankheitserreger sind die enterotoxischen Vertreter von Escherichia coli, Shigellen, Viren, Protozen (wie Amöben und Lamblien), Salmonellen und Campylobacter. Die sekretorische Diarrhoe ist gekennzeichnet durch eine erreger- bzw. toxinbedingte vermehrte Darmsekretion, die auch unter Nahrungskarenz nicht zum Stillstand kommt. Dagegen liegt bei der osmotischen Diarrhoe eine gestörte Darmresorption vor, die durch Malabsorption, Maldigestion oder schwer resorbierbare Substanzen verursacht wird. Bei dieser Form der Diarrhoe führt eine Nahrungskarenz sofort zum Stillstand. Bei einer chronischen (länger als drei Wochen andauernden) Diarrhoe muss ein breites Spektrum differentialdiagnostischer Möglichkeiten (Maldigestion, Malabsorption, endokrinaktive Tumore, pseudomembranöse Colitis, hormonelle Störungen, Nahrungsmittelallergien, Intoxikationen, Medikamente und psychosomatische Reaktionen) beachtet werden.

ICD-10

Diagnose

ICD-10

Diarrhoe durch Protozoen

A07.9

Diarrhoe durch Viren

A08.4

Diarrhoe, infektiös

A09

Diarrhoe, akut

A09

Diarrhoe mit Exsiccose

A09

Gastroenteritis, toxisch

K52.1

Gastroenteritis, nicht infektiös

K52.9

Diarrhoe, postantibiotisch

K52.1

Funktionelle Diarrhoe

K59.1

Der Fall

Eine 38-jährige Patientin in deutlich reduziertem Allgemeinzustand und mit ängstlich-depressivem Gesichtsausdruck stellt sich wegen eines seit etwa zweieinhalb Wochen bestehenden Durchfalls sowie unangenehmem Druckgefühl im linken Unterbauch in der Praxis vor. Sie berichtet von einem drei Wochen zurückliegenden Urlaub in Ägypten; die ersten Zeichen der Diarrhoe stellten sich drei Tage nach der Rückkehr aus dem Urlaub ein. Die wachsende Sorge über eine Ernsthaftigkeit der Krankheitsursache, bedingt durch das zweimalige Auftreten hellroter Blutauflagen auf dem Stuhl, und das zunehmende Krankheitsgefühl haben sie veranlasst, jetzt den Hausarzt aufzusuchen, zumal auch die bisherige Selbstmedikation (Hefepilzpräparat, Kohletabletten und Metoclopramid) keinen Erfolg brachte.

Bei der Untersuchung zeigt sich eine eingefallene Bauchdecke ohne tastbare Resistenzen, Leber und Milz sind nicht vergrößert. Die typischen Zeichen einer beginnenden Exsikkose sind feststellbar. Es besteht eine leichte Tachykardie, die psychoreaktiv zu werten ist. Laborwerte und Sonographie sollen – insbesondere wegen der Dauer der Erkrankung – die Diagnostik ergänzen.

Erste Konsultation

EBM

GOÄ

Nrn.

Punkte

Legende

Nrn.

Punkte

       1

   265

Ordinationsgebühr

1

80

     60

   320

Ganzkörperstatus

8

260

   360

     90

Digitale rektale Untersuchung

11

60

   378

   520

Sonographie Oberbauch

410+
3 x 420*)

200+
3 x 80

     10

   300

Erörterung

–**)

––

*)   Die sonographische Untersuchung eines Organs ist nach Nr. 410 GOÄ abzurechnen. Für jedes weitere Organ ist die Nr. 420 (maximal dreimal) berechnungsfähig. Dabei muss das jeweils untersuchte Organ angegeben werden. Als Organ zählt ein Zellverband, der eine Einheit mit bestimmten Funktionen darstellt. Somit ist eine einzelne Niere oder ein Eierstock jeweils als ein Organ anzusehen.

**)  Die der Erörterung nach Nr. 10 EBM entsprechende Nr. 3 GOÄ ist nicht neben der Beratung nach Nr. 1 GOÄ und nicht neben Sonderleistungen berechnungsfähig. Deshalb entfällt hier der Ansatz.

 

Laboruntersuchung

EBM

GOÄ

Nrn.

DM

Legende

Nrn.

Punkte

Blutentnahme

250

40

3550

0,50

BKS

3501

60

3841

1,00

Kleines Blutbild und Thrombos

3550

60

3500

0,95

Streifentest

3511

50

3501

0,50

Harn – mikroskopisch

3531

70

3520

2,85

Blut im Stuhl

3500

90

3661

0,50

Glucose

3560*

40

3669

0,50

Harnstoff

3584.H1

40

3670

0,50

Kreatinin

3585.H1

40

3683

0,50

y-GT

3592.H1

40

3681

0,50

GOT

3594.H1

40

3682

0,50

GPT

3595.H1

40

3660

0,50

Gesamteiweiß

3573.H1

30

3694

0,50

Kalium

3557

30

3695

0.50

Calcium

3555

40

3696

0,50

Natrium

3558

30

3800

1,65

Eiweißelektrophorese

3574

200

*)   Hier sind Nrn. des M-II-Labors aufgeführt, gegebenenfalls ist nach M I abzurechnen.

 

Bei der Laboruntersuchung zeigt sich als Zeichen eines infektiösen Geschehens eine geringe Erhöhung der BKS. Die Leukozytenzahl sowie andere Parameter liegen im Normbereich. Nach eingehender Erörterung über allgemeine Maßnahmen, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und entsprechende Ernährung wird ein Kontrolltermin vereinbart. Zu diesem Termin besteht die Diarrhoe – in etwas abgeschwächter Form – noch immer. Nachdem auch die tropenmedizinische Untersuchung kein pathologisches Ergebnis bringt, werden in einem ausführlichen, die Patientin beruhigenden Gespräch die Laborwerte und die Ergebnisse der Stuhluntersuchung besprochen.

Zweite Konsultation

EBM

GOÄ

Nrn.

Punkte

Legende

Nrn.

Punkte

2

50

Konsultationsgebühr

Organuntersuchung

7

160

17

300

Eingehende Erörterung

3

150

18

300

Zuschlag bei mehr als
30 Minuten Dauer

Bei schlechten Hygienezuständen lässt sich eine Aufnahme kontaminierter Speisen kaum vermeiden

Die wichtigste Maßnahme ist bei der akuten Reisediarrhoe – wie bei allen Durchfallerkrankungen – die ausreichende Flüssigkeitszufuhr, in Kombination mit Glukose und Elektrolyten. Nach der Diagnostik ist die Erörterung des Krankheitsbildes und der Verhaltensmaßnahmen mit dem Patienten angebracht. Dass man selbst bei Einhaltung der unbedingt notwendigen Vorsichtsmaßnahmen während eines Auslandsaufenthaltes nicht vor einer Reisediarrhoe gefeit ist, ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass bei schlechten Hygienezuständen eine perorale Keimaufnahme kaum zu vermeiden ist. Grundsätzlich empfiehlt man dem Patienten am besten die Beachtung einer Regel, die von englischen Militärangehörigen, die in den Tropen ihren Dienst versehen mussten, formuliert wurde: „Cook it, boil it, peel it – or let it.“

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 10/2000, Seite 13

Quelle: Seite 13 | ID 99912