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Aktuelle Fallbeispiele

Bronchopneumonie als Notfall

Winterzeit ist Erkältungszeit. Gerade indieser Jahreszeit nehmen Patienten mit einer Erkältung – bishin zur Pneumonie – häufig den Hausarzt in Anspruch, um ihreBeschwerden zu lindern oder einer möglichen Verschlimmerung desLeidens vorzubeugen. Die dem Husten zugrunde liegenden Ursachen sindunspezifische Atemwegsinfekte, akute und chronische Bronchitiden sowieAsthma bronchiale – aber auch Bronchopneumonien (ICD- 10-Verschlüsselung siehe Kasten).

Gerade weil der Husten als Leitsymptom vielerErkrankungen in Erscheinung tritt, ist besondere Vorsicht geboten. Damit dem Husten meist unspezifische, in der Regel harmloseAtemwegserkrankungen einhergehen, wird dieser leicht bagatellisiert– nicht nur vom Arzt, sondern auch vom Patienten. Auch zeigt derunspezifische Husten in der Bevölkerung mit steigendem Lebensaltereine zunehmende Inzidenz.

Die Diagnostik bzw. die Differentialdiagnostik desHustens als Symptom ist meist mit einfachen Mitteln, nämlich derAnamnese und der körperlichen Untersuchung durchzuführen. Beiproduktivem Husten sollte noch eine Sputumanalyse veranlasst werden.Damit kann in über 80 Prozent der Fälle die endgültigeDiagnose gestellt werden. Ist dies nicht der Fall, sind weitereapparative Untersuchungsmethoden anzuwenden.

Der Fall

Eine 38- jährige Patientin stellt sich am 24.Dezember vormittags als Notfall mit einem starken produktiven Husten inder Praxis vor. Die ansonsten gesunde Patientin gibt an, sie habe einenäußerst starken Husten, der sie vor allem in der Nachtquäle. Außerdem fühle sich sich sehr verschleimt. Dieersten Symptome seien nach einem ausgedehnten Spaziergang, bei dem sievon einem Regenguss überrascht worden sei, aufgetreten. Am Abendzuvor habe sie Schüttelfrost und Fieber von knapp über38°C gehabt. Darüber hinaus klagt sie über einengelblich- grün gefärbten Auswurf sowie Schwäche,Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen.

Die Behandlung und deren Abrechnung

Die Untersuchung offenbart ein verschärftesAtemgeräusch über den Hauptbronchien sowie grobblasigeRasselgeräusche rechts. Hier findet sich auch einabgeschwächtes Atemgeräusch. Die Herzaktionen sindregelmäßig, jedoch leicht tachykard. DieGehörgänge sind unauffällig, es gibt keineLymphknotenschwellungen, die Trommelfelle sind regelrecht.

Zur Nr. 5 EBM wurde im Oktober nochmals von derKBV klargestellt, dass der Leistungsinhalt uneingeschränktgültig ist. Somit ist für eine notfallmäßigeInanspruchnahme eines Arztes am 24. und 31. Dezember – auch imRahmen einer regulären Sprechstunde an diesen Tagen – derZuschlag nach Nr. 5 EBM berechnungsfähig.

Schlechter sieht es diesbezüglich beiBehandlungen von Privatpatienten aus. In der GOÄ findet sich keinHinweis auf den 24. und 31. Dezember, so dass der möglicheZuschlag „D“ für die Inanspruchnahme an Samstagen,Sonn- und Feiertagen dann nicht anzuwenden ist, wenn der 24. bzw. 31.Dezember auf einen Wochentag fällt. Damit würde es sichempfehlen, an diesen Tagen nur notfallmäßig erreichbar zusein und keine reguläre Sprechstunde abzuhalten. Dann wärebei Privatbehandlungen wenigstens der Zuschlag nach Buchstabe AGOÄ für die Inanspruchnahme außerhalb der Sprechstundeberechnungsfähig.

Die Erörterung nach Nr. 3 GOÄ ist nurals alleinige Leistung oder im Zusammenhang mit einer Untersuchung nachden Nrn. 5, 6, 7, 800 oder 801 berechnungsfähig. Da in diesemFalle noch Laboruntersuchungen durchgeführt wurden, muss dieseLeistung entfallen.

Blutentnahme und Laborleistungen

Der Patientin wird zur Bestimmung der Entzündungsparameter Blut entnommen.

Die BKS und die Leukozytenzahl sind starkerhöht – was die Diagnose einer bakteriellenBronchopneumonie unterstützt.

Der Untersuchungsbefund und die Diagnose„akute Bronchopneumonie“ werden mit der Patientin ebensoausführlich erörtert wie die allgemein- therapeutischenMöglichkeiten. Empfohlen werden Inhalationen mittelsKamillendampfbädern sowie reichlich Flüssigkeitszufuhr;außerdem zur besseren Schleimlösung ein Mucolytikum sowiezur Fiebersenkung Acetylsalicylsäure; zusätzlich wird einAntibiotikum verordnet.

Die Hustentherapie zielt in erster Linie auf dieUrsache. In diesem Falle ist es die bakterielle Infektion und der damitverbundene Einsatz eines Antibiotikums. Oftmals ist einezusätzliche symptomatische Therapie notwendig und sinnvoll. Beiden häufig auch durch Viren verursachten Erkältungsinfektenund Bronchitiden ist im Gegensatz zu den bakteriell bedingtenInfektionen eine kausale Therapie nicht möglich. Deshalbbeschränken sich die dann anzuwendenden therapeutischenMaßnahmen im Wesentlichen auf die Symptomlinderung. Zu diesenMaßnahmen zählen eine Anfeuchtung der Schleimhäutedurch Dampfinhalationen mit Mukolytica, gegebenenfalls fiebersenkendeMittel und bei Reizhusten eventuell Antitussiva.

Die Patientin wird zur Kontrolle nach vier Tagen – am Samstagvormittag – wieder einbestellt.

*)Die hier entsprechende Leistung nach Nr. 1GOÄ ist nicht neben der Beratung nach Nr. 3 GOÄberechnungsfähig und entfällt.

**) Da die Patientin in die Samstagsprechstundebestellt war, kann hier nicht die Nr. 5 EBM berechnet werden, sondernnur die Nr. 6 EBM. Nach GOÄ lässt sich für dieInanspruchnahme am Samstag, während einer regulärenSprechstunde, der halbe Kostensatz des Zuschlages nach Buchstabe„D“ berechnen.

Auskultatorisch und perkutorisch zeigt sich beider Patientin eine deutliche Besserung. Auch die Begleitsymptomatik istrückläufig. Mit der Patientin werden nochmals dieMaßnahmen zur Stärkung der Infektabwehr bzw. desImmunsystems besprochen.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 01/2003, Seite 14

Quelle: Ausgabe 01 / 2003 | Seite 14 | ID 100129