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Aussetzer bei der Videosprechstunde machen (Zahn-)Ärzte unsympathisch
In der modernen medizinischen Praxis sind Videoanrufe zum Standardkommunikationsmittel geworden, insbesondere für Arztkonsultationen. Diese Form der Kommunikation bringt jedoch ein neues Problem mit sich: Geringfügige audiovisuelle Störungen – wie kurze Aussetzer oder Verzerrungen – können die Beurteilung des Arztes erheblich beeinträchtigen.
Eine Metaanalyse von Forschern der Columbia Business School, Cornell University und der University of Missouri-Kansas City zeigt, dass selbst winzige, flüchtige Störungen während der Videosprechstunden das Vertrauen und die Sympathie für den Arzt unterminieren. Die Studie befasst sich mit dem Phänomen der „Unheimlichkeit“, das auftritt, wenn etwas an der menschlichen Präsenz, wie dem Gesicht oder der Stimme, plötzlich von dem abweicht, was als normal oder natürlich empfunden wird. Diese feinen Störungen brechen die Illusion einer persönlichen Verbindung und erzeugen ein Gefühl des Unbehagens oder der Vertrautheit, das als unangenehm und irritierend wahrgenommen wird. Das führt dazu, dass Patienten sich weniger gehört und gemocht fühlen, selbst wenn die technischen Störungen nur von kurzer Dauer sind.
In einer Untersuchung mit 1.645 Videogesprächen berichteten Personen, die Störungen erlebten, über eine reduzierte soziale Verbindung zum Arzt – sie mochten ihre Gesprächspartner weniger und fühlten sich weniger „gehörte“. In kontrollierten Experimenten in der Telemedizin wurde festgestellt, dass bereits kurze Störungen während natürlicher Sprechpausen die Bewertungen des Arztes negativ beeinflussten, obwohl keine Informationen verloren gingen.
Darüber hinaus ergab die Analyse von Protokollen aus Videobesprechungen, dass bei Gesprächspartnern, die Störungen erlebten, das Vertrauen in medizinische Anbieter signifikant abnahm. Diese technischen Probleme störten nicht nur den Kommunikationsfluss, sondern verstärkten auch negative Wahrnehmungen.
Somit ist die Qualität der Internetverbindung entscheidend: Eine ungleiche Internetqualität bedeutet, dass bestimmten Gruppen, die über schlechtere Verbindungen verfügen, häufiger Störungen erlebt, was zu ungünstigeren Erfahrungen in der medizinischen Versorgung führen kann. Es ist wichtig, sich dieser Dynamik bewusst zu sein, da Störungen möglicherweise nie vollständig verschwinden, aber die Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis erheblich sein können.
Quellen
- Brucks, M.S., Rifkin, J.R. & Johnson, J.S. Video-call glitches trigger uncanniness and harm consequential life outcomes. Nature (2025). https://doi.org/10.1038/s41586-025-09823-0