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Was tun nach dem Wegfall des halben Steuersatzes?

Steuergestaltungen beim Verkauf der Zahnarztpraxis

Nachdem der halbe Steuersatz fürVeräußerungsgewinne gestrichen wurde, könnenPraxisverkäufe recht teuer werden. Im Extremfall kann einVeräußerungsgewinn einem Steuersatz von mehr als 50 Prozentunterliegen – die Altersversorgung des aufgebenden Zahnarzteswäre dadurch akut gefährdet. Der nachfolgende Beitrag zeigtdaher auf, welche Steuermodelle Sie beim Verkauf Ihrer Zahnarztpraxisheute noch wählen können, um Ihre Steuerlast zu mindern.Vorweg sei gesagt, daß nur Anregungen gegeben werden können.Die konkrete Ausgestaltung muß jedem Einzelfall vorbehaltenbleiben, da die Höhe des Veräußerungsgewinns, dielaufenden Einkünfte und das Alter des Zahnarztes Einfluß aufdie zu wählenden Schritte haben.

Die Steuerlast ohne Steuergestaltungen

Der Gewinn aus der Veräußerung einerZahnarztpraxis ermittelt sich, indem von dem Verkaufspreis diesteuerlichen Buchwerte abgezogen werden. Angenommen, der Zahnarzterzielt einen Verkaufspreis von 400.000 DM und hat Buchwerte fürdie Praxiseinrichtung, Geräte, Praxis-Pkw etc. von 100.000 DM, sohat er einen Gewinn von 300.000 DM.

Von diesem Gewinn ist ein Freibetrag von 60.000 DMabzuziehen, so daß der Zahnarzt 240.000 DMVeräußerungsgewinn versteuern muß. Voraussetzungfür den Abzug des Freibetrages ist, daß der Zahnarzt das 55.Lebensjahr vollendet hat oder dauernd berufsunfähig ist. Imübrigen wird der Freibetrag nur dann in voller Höhegewährt, wenn der Veräußerungsgewinn 300.000 DM nichtübersteigt. Für jede Mark darüber schmilzt derFreibetrag um 1 DM ab. Wird also ein Veräußerungsgewinn von350.000 DM erzielt, beträgt der Freibetrag nur noch 10.000 DM (zuversteuern wären dann 340.000 DM); ab 360.000 DMVeräußerungsgewinn gibt es gar keinen Freibetrag mehr (zuversteuern wären dann die vollen 360.000 DM).

Bislang unterlag der steuerpflichtigeVeräußerungsgewinn dem halben durchschnittlichen Steuersatzdes Zahnarztes. Bei einem Spitzensteuersatz von 53 Prozent konnten alsomaximal 26,5 Prozent Steuern auf den Veräußerungsgewinnanfallen (allerdings plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag).Ab 1999 sieht dies anders aus: Den halben Steuersatz gibt es nichtmehr; zudem wurde der Spitzensteuersatz unverändert gelassen.Dementsprechend kann ein Veräußerungsgewinn einem Steuersatzvon sage und schreibe 53 Prozent unterliegen. Rechnet man Kirchensteuerund Solidaritätszuschlag hinzu, sind schnell 60 Prozent desVeräußerungsgewinnes „wegbesteuert“. Zwar gibtes jetzt eine sogenannte Fünftel-Regelung; das heißt, eswird für Zwecke der Steuersatz-Berechnung so getan, als wenn derVeräußerungsgewinn in fünf gleichen Jahresratenangefallen wäre. Diese Verteilung wirkt sich aber nur beikleineren Gewinnen aus. Und um Mißverständnissenvorzubeugen: Zwar wird der Steuersatz so berechnet, als wenn der Gewinnin fünf Jahren zugeflossen wäre, fällig ist die Steueraber im Jahr der Veräußerung! Zur Verdeutlichung derNeuregelung zwei Beispiele:

Beispiel 1

Ein verheirateter Zahnarztveräußert seine Praxis im Jahre 1999. Er erzielt in 1999noch einen laufenden Gewinn von 120.000 DM und einenVeräußerungsgewinn von 350.000 DM (Freibetrag bereitsabgezogen). Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungenfallen mit 10.000 DM an. Lösung: Der Zahnarzt muß im Jahre 1999 Einkommensteuern in Höhe von 160.792 DM zahlen; bei gleichem Sachverhalt wären im Jahre 1998 nur 100.778 DM Einkommensteuern angefallen.

Beispiel 2

wie Beispiel 1, der Zahnarzt hat im Jahre 1999 aber laufende Einkünfte von 250.000 DM. Lösung: Der Zahnarzt muß im Jahre 1999 Einkommensteuern in Höhe von 266.874 DM entrichten; bei gleichem Sachverhalt wären im Jahre 1998 nur 160.700 DM Einkommensteuern fällig gewesen.

Tip 1: Veräußerungsgewinn ins nächste Jahr verlagern

Die Beispiele zeigen, daß gegenüber1998 eine Steuerverschärfung eingetreten ist. Sie zeigen aberauch, wo man bei einer Steuergestaltung ansetzen soll: DerVeräußerungsgewinn sollte nämlich in ein Jahr verlagertwerden, in dem keine oder nur geringe Einkünfte aus der laufendenPraxistätigkeit zu verbuchen sind. Es bietet sich alsoregelmäßig an, die Veräußerung am 2. Januar(beispielsweise am 2. Januar 2000) vorzunehmen und diezahnärztliche Tätigkeit dann zu beenden.

Begründung: Der Steuersatz, der für denVeräußerungsgewinn maßgebend ist, wird auch durch dieHöhe der laufenden Einkünfte beeinflußt. Merke: jehöher die laufenden Einkünfte, um so höher derSteuersatz für den Veräußerungsgewinn. Fallen keineoder nur geringe laufenden Einkünfte im Jahr derPraxisveräußerung an, so ist auch der Steuersatz fürden Veräußerungsgewinn niedriger. Angenommen, der Zahnarztim Beispiel 2 hätte seine Praxis am 2. Januar 2000veräußert und er hätte im Jahr 2000 keine weiterenEinkünfte, so müßte er auf denVeräußerungsgewinn Einkommensteuern von 57.560 DM zahlen.Auf den laufenden Gewinn wären im Jahr 1999 Einkommensteuern von81.414 DM entfallen. Rechnet man die Steuerbelastung 1999 und 2000zusammen, so kommt man auf 138.974 DM, also insgesamt 127.900  DM weniger Steuern als bei einem Verkauf in 1999!

Praxistip 1: Es bietetsich eine Veräußerung am 2. Januar und nicht am 1. Januaran, da es sonst einen juristischen Streit darüber gebenkönnte, ob die Veräußerung nicht doch schon am 31.Dezember um 24.00 Uhr erfolgt ist. Das sind Spitzfindigkeiten, die zwarwirtschaftlich keine, steuerlich dafür aber erhebliche Auswirkunghaben können.

Praxistip 2: Es kannsinnvoll sein, im Jahr vor der Praxisveräußerung, hier alsoin 1999, zur Bilanzierung überzugehen. Dadurch wird erreicht,daß die im Jahre 1999 erwirtschafteten, aber erst in 2000gezahlten Honorare bereits in 1999 versteuert werden. Vorteil: DieHonorare erhöhen nicht den Steuersatz desVeräußerungsgewinns in 2000.

Praxistip 3: Um denSteuersatz im Verkaufsjahr 2000 weiter zu senken, könnte auchdaran gedacht werden, aufgestauten Reparaturaufwand an vermietetenImmobilien im Jahre 2000 durchzuführen.

Tip 2: Verkauf gegen Rente

Als steuergestalterische Maßnahme kann essich auch anbieten, die Praxis gegen eine laufende Rentenzahlung zuverkaufen. Dem abgebenden Zahnarzt bietet sich dann nämlich eininteressantes Wahlrecht: Er kann die sogenannte Sofortbesteuerungwählen. In diesem Fall ergeben sich in etwa die gleichen Folgenwie in den obigen Beispielen. Der Zahnarzt kann aber auch diesogenannte Zuflußbesteuerung wählen. Der Clou: DieRentenzahlungen sind erst zu versteuern, wenn die zugeflossenenBeträge insgesamt den steuerlichen Buchwert desPraxisvermögens und eventuelle Veräußerungskostenübersteigen.

Beispiel

Ein verheirateter Zahnarztveräußert seine Praxis gegen monatliche Rentenzahlungen von5.000 DM. Die steuerlichen Buchwerte seines Praxisvermögensbetragen insgesamt 100.000 DM.

Der Zahnarzt muß die Rentenzahlungen erst ab dem 21. Monat derRentenzahlung versteuern, da dann die Buchwerte überschrittenwerden (20 Monate x 5.000 DM = 100.000 DM). Er versteuert dann 5.000 DMpro Monat, also 60.000 DM pro Jahr. Hat der Zahnarzt keine weiterenEinkünfte, fallen auf die Rentenzahlungen Steuern von etwa 6.000DM jährlich an. Die Versteuerung desVeräußerungsgewinns erfolgt somit in Raten.

Rentenvereinbarungen sind zwar steuerlichvorteilhaft, können allerdings wirtschaftliche Nachteile bringen.Zunächst einmal verfügt der Zahnarzt nicht sofort überden vollen Kaufpreis, sondern bekommt sein Geld nur Monat fürMonat. Gerät der Erwerber in wirtschaftliche Schwierigkeiten undkann die Rentenzahlungen nicht mehr aufbringen, so könnte dieAltersversorgung des Veräußerers gefährdet sein. Aberauch für den Erwerber ist eine Rente naturgemäß mitUnwägbarkeiten verbunden: Wurde vereinbart, daß die Rentebis zum Lebensende des Veräußerers zu zahlen ist, underfreut sich der übertragende Zahnarzt eines langen Lebens, sowird der Erwerber irgendwann den Tag bereuen, an dem er derRentenvereinbarung zugestimmt hat. Allerdings kann man diegeschilderten Probleme in den Griff bekommen:

  • Damit der Veräußerer im Falle einesVermögensverlustes des Erwerbers geschützt ist, könnteer sich beispielsweise eine Grundschuld oder eine Hypothek an einerImmobilie des Erwerbers eintragen lassen. Im übrigen sollte ereine Wertsicherungsklausel vereinbaren, um die Rente wertbeständigzu halten. Die Wertsicherungsklausel könnte an denLebenshaltungskosten-Index gekoppelt werden.
  • Es besteht zudem die Möglichkeit, eine sogenannteMindestzeitrente zu vereinbaren. Formulierungsbeispiel: „DieRente wird bis zum Lebensende des Veräußerers geleistet,mindestens aber für 15 Jahre ab dem Zeitpunkt der Übertragungder Praxis“. Vorteil: Verstirbt der übertragende Zahnarztunerwartet früh, erhalten seine Erben für einen bestimmtenZeitraum die Rente weiter.
  • Andererseits kann auch eine sogenannte Höchstzeitrentevereinbart werden. Formulierungsbeispiel: „Die Rente wird bis zumLebensende des Veräußerers geleistet, höchstens aberfür 15 Jahre ab dem Zeitpunkt der Übertragung derPraxis“. Vorteil: Für den Erwerber ist die wirtschaftlicheBelastung aufgrund der Praxisübertragung kalkulierbar.
  • Esbesteht auch die Möglichkeit, gegen eine Rente plusEinmalbetrag zu veräußern. Beispielsweise könnte eineEinmalzahlung bei Praxisübertragung von 100.000 DM vereinbartwerden, wobei dann die monatlichen Rentenzahlungen geringer ausfallen.

Tip 3: Schrittweiser Verkauf (Übergangsgemeinschaft)

Will sich der Veräußerer nicht sofortaus dem Berufsleben zurückziehen, sondern noch einige Jahremitarbeiten, könnte auch eine sogenannteÜbergangsgemeinschaft mit schrittweisem Verkauf der Zahnarztpraxisin Betracht kommen.

Beispiel

Zahnarzt Dr. A plant, in fünf Jahren ausdem Berufsleben auszuscheiden. Nachfolger soll der bereits bei ihmangestellte Zahnarzt Dr. B werden. Die Praxis hat einen Wert (inklusivegood-will) von 500.000 DM, der Veräußerungsgewinn nach Abzugder Buchwerte beträgt 400.000 DM. Bei einem Verkauf der ganzenPraxis „in einem Zuge“ müßte Dr. A 400.000 DMversteuern; ein Freibetrag wäre nicht zu gewähren, da die„kritische“ Grenze von 360.000 DM überschritten wird.

Dr. A sollte in einem solchen Fall in Erwägung ziehen, die Praxisin fünf Schritten zu veräußern. Das heißt, in denJahren 1999 bis 2003 werden jeweils 20 Prozent der Praxis auf Dr. Bübertragen. Bei Dr. A fällt dann in den Jahren 1999 bis 2003ein Veräußerungsgewinn von jeweils 80.000 DM an (400.000 DM: 5 Jahre).

Das Besondere dieser schrittweisen Veräußerung:Zunächst einmal wird der Steuersatz durch denVeräußerungsgewinn nicht so sehr in die Höhe getrieben,wie es bei einem Einmalverkauf der Fall wäre. Die sogenannteFünftel-Regelung (siehe Seite 9) entfaltet in vielen Fällenvoll ihre steuermindernde Wirkung. Bei einem schrittweisen Verkauf wirdzudem der Freibetrag von 60.000 DM gewährt. Denn für diePrüfung, ob ein Freibetrag zu gewähren ist, werden nicht alleSchritte zusammengerechnet, sondern getrennt beurteilt. Das heißtin diesem Fall: Bei den Übertragungsschritten wird jeweils nur einVeräußerungsgewinn von 80.000 DM realisiert; dieser liegtunter 300.000 DM, so daß der Freibetrag von 60.000 DM voll zuberücksichtigen ist. Unterm Strich sind somit nach fünfJahren 340.000 DM zu versteuern und nicht 400.000 DM. (Hinweis: DerFreibetrag wird nur einmal im Leben, also nur für einen derÜbertragungsschritte gewährt.)

Hinweis für Ihren Steuerberater: DerFreibetrag ist erst beim zweiten Übertragungsschritt abziehbar, dainsoweit eine Übertragung eines Mitunternehmeranteils im Sinne von§ 16 Abs. 1 Nr. 2, § 18 des Einkommensteuergesetzes vorliegt.Auch die Fünftel-Regelung greift erst ab dem zweiten Schritt. Beimersten Schritt liegt steuerlich nur die anteilige Übertragung vonEinzelwirtschaftsgütern vor.

Fazit

Es gibt noch Möglichkeiten, dieSteuerbelastung bei einem Verkauf der Zahnarztpraxis zu mindern.Allerdings ist eine frühzeitige Planung erforderlich, dieunbedingt gemeinsam mit dem Steuerberater und einem Rechtsanwalterfolgen sollte. Beachten Sie bitte, daß unsere Ausführungennur bei Übertragungen zwischen fremden Dritten gelten.

Quelle: Zahnärzte-Wirtschaftsdienst - Ausgabe 06/1999, Seite 9

Quelle: Ausgabe 06 / 1999 | Seite 9 | ID 108587