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Private Schuldzinsen abziehen

Der Große Senat des Bundesfinanzhofs erkennt das Zwei-Konten-Modell an

Der Rahmen war gut gewählt:Anläßlich der Jahrespressekonferenz des Bundesfinanzhofs(BFH) verkündete ein sichtlich gut gelaunter Professor KlausOfferhaus, Präsident des BFH, die positive Entscheidung desGroßen Senats zum Zwei-Konten-Modell. Die wesentlichen Aspekteder Entscheidung stellen wir Ihnen vor (Beschluß vom 8.12.1997,Az: GrS 1-2/95, DStR 1998, 159; Abruf-Nr. 98083).

Die Entscheidung des Großen Senats

Der Große Senat des BFH hat entschieden,daß die sogenannten Zwei- und Mehr-Konten-Modelle zulässigsind. Der Clou: Zahnärzte können damit private Schuldzinsenin den Praxisbereich verlagern und dann als Betriebsausgaben von derSteuer absetzen. Zur Entscheidung des Großen Senats kam es, weilder X. und der XI. Senat unterschiedlicher Auffassung waren. In beidenVerfahren ging es um die Anerkennung von Schuldzinsen alsBetriebsausgaben. In einem Fall hatte ein Apotheker sein betrieblichesKonto ins Minus geführt und Einnahmen auf seinem privaten Kontoverbucht, um damit anschließend den Kauf eines privatenWohnhauses zu finanzieren. In dem anderen Fall hatte einBlumenhändler ein Privatdarlehen für sein Wohnhaus mitbetrieblichen Mitteln abgelöst.

Das Zwei-Konten-Modell

Nachfolgend gehen wir auf die vier wichtigsten Fragen zur Anwendung des Zwei-Konten-Modells ein:

1. Wie funktioniert das Zwei-Konten-Modell?

Das Modell funktioniert folgendermaßen: Sierichten zwei Konten ein. Auf Konto Eins lassen Sie alle in Ihrer Praxiserzielten Einnahmen laufen. Über Konto Zwei werden allebetrieblichen Ausgaben abgewickelt. Mit den Einnahmen auf Konto Einsbegleichen Sie Ihre Privatausgaben.

Da das Ausgaben-Konto sehr bald hoch im Minussteht, nehmen Sie ein Darlehen (das Sie sonst für die Abzahlungder privaten Schuldzinsen hätten aufnehmen müssen) auf, mitdem Sie den Negativsaldo des Ausgabenkontos ausgleichen. Die dafürfälligen Schuldzinsen ziehen Sie als Betriebsausgaben ab.

2. Was bringt das Zwei-Konten-Modell?

Die steuerliche Wirkung des Modells läßt sich am besten anhand eines Beispiels darstellen.

Beispiel: Sie wollenein privates Einfamilienhaus bauen und müssen dafürFremdkapital in Höhe von 500.000 DM aufnehmen. Bei einem Zinssatzvon 6,5 Prozent zahlen Sie jährlich 32.500 DM an Zinsen. Handeltes sich bei den Finanzierungskosten um private Schulden, wirken sichdie Schuldzinsen steuerlich nicht aus. Wesentlich günstigerwäre die Finanzierung, wenn statt der privaten Schulden inHöhe von 500.000 DM Betriebsschulden entstanden wären. Dannwären die dafür fälligen Schuldzinsen Betriebsausgabenund Ihre Zinsbelastung könnte deutlich verringert werden, exakt inder Höhe Ihres individuellen Steuersatzes.

Die Steuerersparnis beträgt in unseremBeispiel – abhängig vom Steuersatz – bis zu 17.225 DM.Der Betrag erhöht sich noch um die Ersparnisse bei derKirchensteuer und beim Solidaritätszuschlag.

Beachten Sie: Etwasgemindert wird die Steuerersparnis durch Kosten, die das Modellverursacht. Das sind vor allem die Gebühren für das zweiteKonto. Bei einer Umschuldung kommen eventuell eineVorfälligkeitsentschädigung wegen vorzeitiger Tilgung desKredits sowie anfallende Notar- oder Gerichtskosten hinzu.

3. Wo wendet man das Zwei-Konten-Modell an?

Das Zwei-Konten-Modell kann überall dortangewendet werden, wo private Schulden in betriebliche umgewandeltwerden sollen. So können beispielsweise

  • die Errichtung eines privaten Hauses,
  • die Vermögensauseinandersetzung bei einer Ehescheidung,
  • ein Darlehen an den Sohn oder die Tochter,
  • die Aussteuer der Tochter,
  • die Abfindung bei einer Erbauseinandersetzung,
  • die Begleichung von Steuernachzahlungen oder
  • sonstige größere private Anschaffungen (Pkw, Segelyacht usw.)

durch betriebliche Schulden finanziert werden.

4. Welche Fehler sollten unbedingt vermieden werden?

Die Finanzverwaltung stellte sich bisher stur underkannte das Modell nicht an, wenn zwischen der privaten Ausgabe undder Darlehensaufnahme ein enger zeitlicher undbetragsmäßiger Zusammenhang bestand. Dieses Hindernis hatder Große Senat beseitigt: Entscheidend sei lediglich, wofürdie Darlehensmittel tatsächlich eingesetzt worden sind. Wenn derDarlehensbetrag einen betrieblichen Sollsaldo tilge, handele es sich umein betriebliches Darlehen. Die Schuldzinsen seien Betriebsausgaben.Gleichwohl gibt es eine ganze Reihe von Fehlern, die das Modellsteuerlich zu Fall bringen können oder unter wirtschaftlichenGesichtspunkten uninteressant werden lassen. Steuerlich nichtabzugsfähig sind die Schuldzinsen beispielsweise in folgendenFällen:

  1. Das betriebliche Darlehen wird versehentlich nicht auf dasBetriebsausgaben-Konto, sondern auf das Einnahmekonto ausbezahlt unddas Geld für private Zwecke entnommen.
  2. Das Darlehen wirdfalsch bezeichnet. Achten Sie darauf, daß das Darlehen fürdas Betriebsausgaben-Konto stets als „Betriebsdarlehen“oder „Betriebsmitteldarlehen“ bezeichnet wird.
  3. Die beiden getrennten Zahlungskreise des Betriebsausgaben-Kontos und des Einnahmekontos werden durchbrochen.
  4. DieBank führt eine gemeinsame Zinsstaffel (Zinsverrechnung) fürbeide Konten. Sie zahlen dann zwar weniger Zinsen, können aber dieSchuldzinsen nicht abziehen, weil steuerlich nur ein Konto mit zweiUnterkonten vorliegt.
  5. Der Praxis stehen keineentnahmefähigen Barmittel zur Verfügung und die Entnahme vonBarmitteln wird erst dadurch möglich, daß Darlehensmittel inden Praxisbereich fließen. Dieser Fall kommt aber beiZahnarztpraxen höchst selten vor.

Das Zwei-Konten-Modell anwenden sollten Sie nur,wenn es auch wirtschaftlich Sinn macht. Wirtschaftlich sinnvoll ist es,wenn private Schulden vorliegen oder in der nächsten Zeit erwartetwerden. Weitere Punkte, die die Wirtschaftlichkeit desZwei-Konten-Modells beeinträchtigen, sind zum Beispiel:

  1. Mit dem Zwei-Konten-Modell wird zu spät begonnen, sodaß die benötigten Mittel im Zeitpunkt der privatenInvestition noch nicht auf dem Einnahmekonto angesammelt sind.
  2. Die Bank verlangt zu hohe Zinsen.
  3. DasZwei-Konten-Modell wird nach der Entnahme der für Privatzweckebenötigten Mittel unendlich weitergeführt. In diesem Falldrohen hohe Zinsverluste, weil das Einnahmekonto nur minimal verzinstwird, auf dem Betriebsausgaben-Konto sich aber hohe Schuldzinsenansammeln.

Umschuldungen

Nach der Entscheidung des BFH ist es auchmöglich, bereits aufgenommene Privatkredite in betrieblicheDarlehen umzuwandeln und die Schuldzinsen dann als Betriebsausgabeabzuziehen. Beispiel: Sie haben für Ihr privates Einfamilienhausein Darlehen über 200.000 DM aufgenommen. Nun möchten Sie inIhrer Praxis ebenfalls in Höhe von etwa 200.000 DM investieren;über die entsprechenden liquiden Mittel verfügen Sie. Hierbietet es sich an, das Privatdarlehen in ein betriebliches Darlehenumzuwandeln. Aber Achtung: Die Umschuldung muß tatsächlichvollzogen werden. Das heißt, daß das (neue) Darlehentatsächlich ausgezahlt und in den Praxisbereich fließenmuß; das alte Darlehen ist zu tilgen. Es reicht nicht aus, nurden Verwendungszweck des Darlehens zu ändern.

Fazit

Der Große Senat hat fürRechtssicherheit gesorgt. Richtig angewendet, ist dasZwei-Konten-Modell ein hervorragendes Instrument, um größerePrivatausgaben über die Praxis zu finanzieren und anfallendeSchuldzinsen steuermindernd geltend zu machen. Zwar haben einigePolitiker bereits lautstark gefordert, das Zwei-Konten-Modellgesetzlich zu verbieten; zumindest vor der Bundestagswahl ist abernicht davon auszugehen, daß das Modell per Gesetzeingeschränkt wird.

Quelle: Zahnärzte-Wirtschaftsdienst - Ausgabe 03/1998, Seite 14

Quelle: Ausgabe 03 / 1998 | Seite 14 | ID 108420