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·Fachbeitrag ·Ausbildungskosten

Ausgaben für Erststudium sind (nur) Sonderausgaben: So trotzen Sie BFH und Gesetzgeber

| Aufwendungen für ein Erststudium sind nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar. Das hat der BFH klargestellt und gleich noch mitgeteilt, dass die Entscheidung des Gesetzgebers, diese Kosten nur beschränkt auf 6.000 Euro pro Jahr als Sonderausgaben zuzulassen, nicht gegen die Verfassung verstößt. Erfahren Sie, mit welchen Gestaltungen Sie BFH und Gesetzgeber trotzdem ein Schnippchen schlagen können. |

Der steuerliche Hintergrund

Der Gesetzgeber hat mit einer Ergänzung von § 4 EStG klargestellt, dass Berufsausbildungskosten für eine erstmalige Berufsausbildung oder für ein Erststudium, das zugleich eine Erstausbildung vermittelt, vom vorweggenommenen Werbungskosten- oder Betriebsausgabenabzug ausgeschlossen sind (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 in Verbindung mit § 9 Abs. 6 EStG). Seit 2012 gestattet er nur noch einen Sonderausgabenabzug in Höhe von maximal 6.000 Euro, und zwar auch rückwirkend für alle offenen Fälle (Beitreibungsrichtlinie-Umsetzungsgesetz; Abruf-Nr. 111913).

 

BFH bestätigt Verbot des Werbungskostenabzugs für Erststudium

Ein solcher Rückwirkungsfall war jetzt Gegenstand eines Verfahrens vor dem BFH. Ein Jurastudent beantragte für sein Erststudium vorweggenommene Betriebsausgaben für seine geplante freiberufliche Tätigkeit als Rechtsanwalt.

 

Der BFH sagte „Nein“ und verwies auf die oben genannte Gesetzesänderung. Die Münchner Richter erachten diese Neuregelung auch als verfassungsgemäß. Sie verstoße weder gegen das Rückwirkungsverbot noch gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes in dessen Ausprägung durch das Prinzip der Leistungsfähigkeit und das Gebot der Folgerichtigkeit. Der Gesetzgeber habe nur das langjährige und bis 2011 auch vom BFH anerkannte grundsätzliche Abzugsverbot für Kosten der beruflichen Erstausbildung nochmals bestätigt (BFH, Urteil vom 5.11.2013, Az. VIII R 22/12; Abruf-Nr. 140052).

 

Letzter Strohhalm: Weiteres Verfahren beim VI. BFH-Senat

Alle Hoffnungen der Steuerzahler richten sich jetzt auf ein weiteres Revisionsverfahren zu dieser Thematik, das beim sechsten Senat des BFH anhängig ist. Es trägt das Aktenzeichen VI R 2/13 (WISO 7/2013, Seite 5).

 

Der VI. Senat beurteilt Ausbildungsfragen seit vielen Jahren steuerzahlerfreundlich. Er müsste jetzt aber wohl eine Vorlage ans BVerfG machen, wenn er das rückwirkende Gesetz kippen will. Weil der VI. Senat auch die früheren Nachbesserungen des Gesetzgebers ausgehebelt und im Sinne der Steuerzahler entschieden hat, schließen es Insider nicht gänzlich aus. Die Wahrscheinlichkeit liegt dafür aber deutlich unter 50 Prozent.

Mit alternativen Strategien Werbungskostenabzug sichern

Wer den Werbungskostenabzug nicht von der Hoffnung auf eine positive Entscheidung des VI. BFH-Senats abhängig machen, sondern selbst beeinflussen möchte, kann dies tun.

 

Kurzausbildung vor dem Studium führt zu Werbungskosten

In Berufsausbildung befindet sich, wer sein Berufsziel noch nicht erreicht hat, sich aber ernsthaft darauf vorbereitet. Der Vorbereitung auf ein Berufsziel dienen alle Maßnahmen, bei denen es sich um den Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen handelt, die als Grundlage für die Ausübung des angestrebten Berufs geeignet sind.

 

Um aus dem Studium nach dem Abitur eine Zweitausbildung zu machen, deren Kosten als vorweggenommene Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abziehbar sind, genügt es also, wenn der Abiturient eine Kurzausbildung absolviert. Denkbar sind folgende Kurzausbildungen als Erstausbildung vor Aufnahme des Studiums:

 

  • Ausbildung zum Rettungssanitäter (BFH, Urteil vom 7.10.2011, Az. VI R 52/10; Abruf-Nr. 114271).

 

PRAXISHINWEIS | Nach diesen Urteilen müsste es für eine Erstausbildung vor dem Studium sogar ausreichen, wenn der Schüler nach dem Abitur eine Kurz-ausbildung zum Taxifahrer absolviert. Den Taxischein kann man im Schnellverfahren innerhalb von sechs Wochen erwerben. Einziges Manko beim Taxischein: Der Abiturient muss mindestens 21 Jahre alt sein.

 

Masterstudium im Anschluss an Bachelor ist begünstigtes Zweitstudium

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass der Bachelor-Titel unbestritten den Abschluss eines „Erststudiums“ darstellt. Wer hier noch den Master dranhängt, absolviert ein „Zweitstudium“ und kann die Kosten steuerlich voll als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen.

 

FAZIT | Das Absolvieren einer Kurzausbildung gewinnt bei kostspieligen Ausbildungen, die der Auszubildende aus eigener Tasche finanzieren muss, noch mehr an Bedeutung (Piloten, Heilpraktiker, Physiotherapeuten). Die dabei anfallenden Ausbildungskosten können nur dann mit späteren Einkünften verrechnet werden, wenn die teure Ausbildung die Zweitausbildung darstellt.

 

Weiterführende Hinweise

  • Beitrag „Aufwendungen für ein Erststudium im Anschluss an eine Berufsausbildung sind Werbungskosten“, WISO 11/2009, Seite 7
Quelle: Ausgabe 02 / 2014 | Seite 6 | ID 42488857