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·Fachbeitrag ·Zwischenruf

Treuhandstiftungen zur Unternehmensnachfolge?

RA Dr. K.Jan Schiffer, Bonn (www.stiftungsrecht-plus.de)

| Nicht nur einmal habe ich in den letzten Monaten gehört, dass Treuhandstiftungen ein Lösungsansatz für die Unternehmensnachfolgeregelung sein sollen. Ich wäre mit einem entsprechenden Ratschlag sehr vorsichtig. |

 

Worum geht es bei der Regelung der Unternehmensnachfolge?

Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge ist die Krönung eines Unternehmerlebens. Über eine unternehmensverbundene Stiftung denken Unternehmer vor allem nach, wenn im Kreise der Familie niemand bereit, in der Lage oder vorhanden ist, das Familienunternehmen fortzuführen. Viele Unternehmer befürchten zudem, dass Interessenkonflikte unter ihren Erben oder das generelle Fehlen geeigneter Unternehmerpersönlichkeiten in den Folgegenerationen den Bestand des Familienunternehmens gefährden.

 

Unternehmensnachfolge durch Stiftungsgestaltung

Allgemein gültige Musterlösungen gibt es hier für den Einsatz von Stiftungen aber nicht! Die Erfahrung zeigt, dass jeder Fall eine ganz spezifische Lösung erfordert. Eine Unternehmensnachfolge durch eine Stiftungsgestaltung kann ein gangbarer Weg sein, wenn er zu dem speziellen Lebenssachverhalt passt. Es gibt jedoch auch Stiftungen, die im Zuge einer Unternehmensnachfolgeregelung errichtet wurden und ihre Beteiligungen wieder veräußern mussten, weil sich die Rahmenbedingungen geändert hatten.

 

Besonders wichtig ist für Unternehmer, dass ihr Unternehmen - das zudem regelmäßig den Hauptteil des Familienvermögens ausmacht - über ihren Tod hinaus zusammengehalten wird. Auch soll eine hohe Steuerbelastung möglichst vermieden werden, um den Liquiditätsabzug aus dem Unternehmen zu begrenzen. Die Stiftung ist hier wegen ihrer Nachhaltigkeit und Ewigkeitstendenz attraktiv. Sie bietet dem Unternehmer, seinem Nachfolger und dem Unternehmen als sozialer Einheit den Vorteil der Sicherung der Unternehmenskontinuität. Damit kann im objektivierten Interesse aller Beteiligten auch den Gefahren wirkungsvoll begegnet werden, die sich für Familienunternehmen bei einer Mehrzahl von Erben ergeben. Der Vorteil der Kontinuität kann jedoch im negativen Fall mit mangelnder Flexibilität einhergehen.

 

Treuhandstiftung zur Unternehmensnachfolge nur bedingt geeignet

Vor diesem Hintergrund muss uns klar sein, dass die treuhänderische Stiftung, anders als die der staatlichen Stiftungsaufsicht unterliegende rechtsfähige Stiftung, eine fragile Rechtsfigur ist. Sie steht und fällt mit dem Treuhänder. Schon deshalb ist sie i.d. Regel für eine Unternehmensnachfolge nicht geeignet. Sie bietet nicht die Rechtssicherheit, die Nachhaltigkeit und die Stabilität einer rechtsfähigen Stiftung. Die genannten Kernwerte sucht der Unternehmer typischerweise aber gerade für die Regelung seiner Unternehmensnachfolge. Allenfalls für eine Übergangslösung würde ich die treuhänderische Stiftung im vorliegenden Zusammenhang in Erwägung ziehen.

Quelle: Ausgabe 01 / 2015 | Seite 1 | ID 43084319