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·Fachbeitrag ·Stiftungsvermögen

Ohne „Kohle“ geht es nicht

von RA Dr. K. Jan Schiffer, Bonn, www.schiffer.de

| Der Ansatz „jedem seine Stiftung“, den Verbände und wir Berater über Jahre propagiert haben, war falsch. Eine Stiftung mit einem Grundstockvermögen von 50.000 EUR zu errichten, war schon vor zehn Jahren gewagt. Heute ist so ein Vorhaben unsinnig. |

 

Ehrlichkeit tut Not

50.000 EUR brachten schon damals kaum mehr als wenige Tausend EUR Ertrag. Damit ließ sich ein Stiftungszweck kaum nachhaltig verfolgen. Heute ist es unmöglich. Trotzdem ernte ich überwiegend krasses Missfallen, wenn ich deshalb heute ein Stiftungsgrundstockvermögen von mindestens 1 Mio. EUR empfehle, um mit der Stiftung etwas erreichen zu können. Dabei ist meine Empfehlung nur das Ergebnis eines realitätsnahen Blicks.

 

Was folgt daraus für die heutige Stiftungsberatung?

Rechtsfähige Stiftungen mit einem geringen Stiftungsvermögen machen aktuell keinen Sinn. Sie können nicht nachhaltig wirken. Aktuell ist als Faustregel wohl ein Stiftungsvermögen von 1 Mio. EUR die Untergrenze.

 

Es kann Ausnahmen von dem o. g. Hinweis geben, wenn im Einzelfall eine realistische Möglichkeit besteht, in absehbarer Zeit ein passendes hinreichendes Stiftungsvermögen zur Erfüllung des Stiftungszwecks einzusammeln. Bürgerstiftungen setzen darauf. Oft ist das aber ein Trugschluss. Da bedarf es einer realitätsbewussten konkreten Prüfung im Einzelfall, ob das potenziell zu erreichende Stiftungsvermögen zur nachhaltigen Zweckerfüllung ausreichen wird.

 

Auch Bürgerstiftungen und deren Stifter sowie deren Mitstreiter sollten sich, gerade weil dort i. d. R. zahlreiche Menschen mit großem Einsatz und ohne wesentlichen Vermögenseinsatz ein großes Engagement einbringen, vergegenwärtigen, dass Stiftungen langfristig ein erhebliches Vermögen zur Zweckerfüllung erfordern. Zeit- und Einsatzspenden reichen in aller Regel nicht! Bürgerstiftungen sind deshalb von der Konstruktion her ein Problem.

 

Mitunter suchen Menschen nach Lösungen etwa für ihre Immobilie, ihre Kunst- oder sonstige Sammlung und deren Zukunft. Sie denken dann mehr oder weniger verzweifelt an eine Stiftung. Da ist von Beraterseite ausgesprochene Ehrlichkeit gefragt, denn eine Stiftung ist dafür i. d. R. keine passende Lösung.

 

Beachten Sie | Eine Stiftung schafft kein Vermögen. Sie erfordert vielmehr Vermögen, das ausreichende Erträge für die Erreichung des Stiftungszwecks erwirtschaften kann. Dies gilt ganz besonders für eine „Künstlerstiftung“. Ein Künstler sollte also „Geld“ für seine Stiftung mitbringen und am besten auch noch Unterstützer, die in der Stiftung wirken wollen.

Quelle: Ausgabe 08 / 2019 | Seite 141 | ID 45930099