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·Fachbeitrag ·Kassensturz

Bestandsaufnahmen zum Jahresbeginn

von Wirtschaftsjournalist Michael Vetter, Dortmund

| Die ersten Wochen des neuen Jahres sollten von Stiftungsvorständen genutzt werden, sich im Hinblick auf das ihnen anvertraute Kapital zu orientieren und danach mit den jeweiligen Geschäftsbanken zu reden und zu verhandeln. Im Zeitraum um den Jahreswechsel herum versenden Banken nämlich bekanntlich ihre Depotjahresauszüge. |

 

Bilanz bei der Anlageentwicklung ziehen

Die Kontoabrechnungen für den vergangenen Abrechnungszeitraum liegen dann ebenfalls vor. Darüber hinaus überprüfen Kreditinstitute ihre bisherigen Anlagestrategien, von denen vor allem auch Stiftungen im abgelaufenen Jahr (und natürlich auch in den kommenden Jahren) profitieren sollten. Der Aufwand, sich mit all diesen Punkten sorgfältig auseinanderzusetzen, ist zugegeben nicht gering, aber für Stiftungen im Ergebnis ohne Alternative. Immerhin werden Stiftungen nach wie vor gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen: Während die Stifter eine angemessene Wertentwicklung ihres Vermögens erwarten, versuchen die Vermögensverwalter, also in der Regel die Banken, ihre Gebühren zumindest halbwegs auf dem gleichem Niveau wie in den Vorjahren zu halten bzw. sie zu steigern.

 

Denn daran sollte nicht der geringste Zweifel bestehen: Jede Stiftung wird bei den Instituten auf der Basis eines „Kundennutzens“ geführt und zwar unabhängig von ihrer Größe. Bankintern werden ebenfalls zum Jahreswechsel sehr detailliert Kauf- und Verkaufsspesen, Depot- und Verwaltungsgebühren, zusätzliche Kursgewinne bei Käufen, Verkäufen und Wertpapiereinlösungen, erfolgsabhängige zusätzliche Gebühren ermittelt und den Zahlen des Vorjahrs gegenübergestellt. Dies nicht zuletzt auch bei den Kosten für die Kontoführung einschließlich der möglichen Kreditkosten bei vorübergehender Überziehung des Geschäftskredits auf dem Giro- oder Verrechnungskonto der Stiftung. Ergeben sich hier Rückgänge im erwähnten Kundennutzen, muss der zuständige Anlageberater und Mitarbeiter der Bank schon gute Argumente besitzen, um diese Rückgänge zu rechtfertigen. Zielvorgaben oder Zielvereinbarungen sind nämlich nach wie vor fester Bestandteil der Unternehmenspolitik vieler Banken. Da macht es kaum Unterschiede, wie diese Ertragserwartungen aufseiten der Banken in der Praxis auch umschrieben werden.

 

Verdeutlichung dieses Zusammenhangs

Stiftungsvorstände würden also fast schon fahrlässig handeln, wenn sie diese Tatsachen und Zusammenhänge ignorierten. Die zu Beginn angesprochene Orientierungsphase sollte also in einer ausführlichen Bestandsaufnahme der dort genannten Punkte führen und zwar idealerweise unmittelbar verbunden mit einem Vergleich zum Jahresultimo 2013. Spätestens dann wird deutlich, in welchem Umfang die beteiligten Banken ihre eigenen Gebühren angepasst, also erhöht haben und ob diesen Erhöhungen eine in zumindest gleicher Höhe erzielte Wertentwicklung des Anlagevermögens gegenübersteht. Diese Wertentwicklung geht aus den Depotauszügen hervor, die allerdings nicht bei jeder Anlageposition einen aktuellen Jahresschlusskurs ausweisen. Es handelt sich bei derartigen Positionen meist um Wertpapiere, die nicht börsentäglich gehandelt werden. Um dennoch einen aussagefähigen Kurs zu erhalten, kann die verwahrende Bank gebeten werden, einen „Annäherungskurs“ zu ermitteln. Dies ist meist problemlos möglich und erleichtert es der Stiftung, das Gesamtvermögen möglichst realitätsnah einzuschätzen und sich nicht auf eigene vage Kursschätzungen verlassen zu müssen.

 

Struktur des Wertpapierdepots

Jahresdepotauszüge bieten einen weiteren wichtigen Vorteil für Stiftungen: Da es heute bei den meisten Banken üblich ist, in diesen Auszügen sämtliche Wertpapiere nach ihrer Kategorisierung auszuweisen (Aktien, Anleihen, Investmentfonds, Fremdwährungswertpapiere usw.), erhält der Betrachter gleichzeitig eine nahezu perfekte Übersicht über die Struktur des investierten Vermögens und damit über den Spekulationsumfang einschließlich der jeweiligen Wertpapierquoten. So ist mit einem Blick erkennbar, ob und in welchem Umfang im bevorstehenden Jahr an der jeweiligen Spekulationsquote gearbeitet werden muss oder ob die bisherige Aufteilung beibehalten werden kann. Darüber hinaus ist in aller Regel auch bei jeder Anlage erkennbar, wie sich ihr Wert in den vergangenen zwölf Monaten einschließlich möglicher Zins- oder Dividendenerträge und sonstiger Ausschüttungen verändert hat.

 

Vergleich mehrerer Banken

Da mittlerweile die wohl meisten Stiftungen mit mehreren Banken zusammenarbeiten, kann ein Vergleich der meist identischen Kostenpositionen bereits bei einer ersten Orientierung helfen. Ausreißer nach oben oder nach unten werden unter den Anlagebanken hier sehr schnell erkannt. Zu einem professionellen Kostenvergleich gehören aber nicht nur Konto- und Wertpapiergebühren, sondern auch eventuelle Kreditzinsen. Immer, wenn das Girokonto kurz- oder sogar längerfristig überzogen werden muss (meist geschieht das dann, wenn schnellstmöglich auf ein interessantes Anlageangebot zurückgegriffen werden soll), fallen Kredit- und möglicherweise auch Überziehungszinsen an. Im Ergebnis kommen so Zinssätze von bis zu fünfzehn, sechzehn Prozent p.a. zusammen. Um dies zu vermeiden, sollten sich Stiftungen grundsätzlich ein Kreditlimit einräumen lassen, sodass, wenn überhaupt, ausschließlich Kredit- und keine Überziehungszinsen (bis zu etwa sechs Prozent p.a.) anfallen. Die kostenlose Bereitstellung eines solchen Limits ist in aller Regel problemlos möglich.

 

Extratipp: Fremdwährungskonten

Stiftungen sind heute je nach Strategie und Anlagegrundsätzen auch auf Anlagen in Fremdwährungen angewiesen, um halbwegs interessante Renditen zu erzielen. Da diese Fremdwährungen beispielsweise bei Wertpapierfälligkeiten vorübergehend auf entsprechenden Fremdwährungskonten „geparkt“ werden, sollten hier rechtzeitig klare Zinsvereinbarungen getroffen werden. Häufig werden diese Konten nämlich mit einem „Nullzins“ geführt, wenn sich Stiftungsverantwortliche dazu nicht ausdrücklich zu Wort melden und eine wenigstens minimale Verzinsung einfordern. Je nach Höhe des Guthabens sind auch hier hartnäckige Verhandlungen also durchaus sinnvoll und rentabel.

Quelle: Ausgabe 01 / 2015 | Seite 7 | ID 43119992