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·Fachbeitrag ·Investmenttipp des Monats

Unternehmensanleihen zur Depotbeimischung

von Wirtschaftsjournalist Michael Vetter, Dortmund

| Der folgende Beitrag befasst sich mit Unternehmensanleihen. Wenn auch nicht ohne Risiko, so sind bei diesen Wertpapieren immerhin noch Renditen zwischen 3 % und 4 % pro Jahr erzielbar. Eine sorgfältige Prüfung der einzelnen Titel kann sich für Stiftungsverantwortliche daher durchaus lohnen. |

1. Ausgangsüberlegung

Das Zinsszenario bleibt für institutionelle Geldanleger trostlos. Sowohl bei kurzfristigen als auch bei mittelfristigen Anlageformen sind derzeit kaum mehr Zinsen als 1 % bis 2 % pro Jahr zu erzielen. Über langfristige Anlagen auch nur nachzudenken, dürfte ebenso wenig zielführend sein. Kommt es irgendwann nämlich tatsächlich zu einer Zinswende, drohen hier Kursverluste. Die Strategie von Stiftungsverantwortlichen wird also auch in absehbarer Zeit wohl darauf hinauslaufen, sich vor allem Wertpapiere anzusehen, die aufgrund ihrer Risikostruktur den einen oder anderen Prozentpunkt mehr an Zinsen versprechen. Unternehmensanleihen gehören zu diesen Wertpapieren. Andererseits eignen sie sich wegen dieser Risikostruktur in aller Regel aber lediglich als Beimischung zu einem konservativen und sicheren Gesamtportfolio.

2. Breite Angebotspalette

Unterschieden werden Unternehmensanleihen in sogenannte „financials“ und „non-financials“.

  • Während es sich bei den „financials“ vor allem um Anleihen von Banken und Versicherungen handelt,
  • geht es bei den „non-financials“ regelmäßig um „klassische“ Wertpapiere mehr oder weniger gut bekannter Industrieunternehmen.

 

Unternehmen beider Gruppen finanzieren sich übrigens nicht nur über Anleihen, sondern auch über die Ausgabe von Aktien. Darunter befinden sich auch weltweit bekannte deutsche Firmen wie etwa die Deutsche Bank, Daimler oder Continental. Aber Namen sind bekanntlich Schall und Rauch. Gerade für Stiftungsvorstände ist es von elementarer Bedeutung, wie diese klangvollen Namen „geratet“, also in ihrer Kreditwürdigkeit beurteilt werden, um letztlich eine solide Entscheidungsgrundlage zu einem möglichen Kauf dieser Wertpapiere heranziehen zu können. Bei dieser Beurteilung helfen Bankinstitute, die nahezu jede Unternehmensanleihe selbst einschätzen oder Ratings von externen Agenturen anbieten können. Darüber hinaus ist der sogenannte „Outlook“, also der Ausblick auf die weitere Entwicklung der jeweiligen Anleihe bzw. des dahinter stehenden Unternehmens wichtig. Bisher stabile Verhältnisse können sehr schnell zum Umdenken zwingen, wenn der mittelfristige Ausblick bankseitig auf „negativ“ steht. Früher mag es im Einzelfall übrigens durchaus ausgereicht haben, wenn das jeweils aktuelle Rating zufriedenstellend war. Heute sollte von dieser rückwärts gewandten Betrachtung Abstand genommen werden. In derart unsicheren Zeiten sind gerade institutionelle Anleger darauf angewiesen, möglichst belastbare Zahlen und Einschätzungen auch für die nahe und ferne Zukunft zu erhalten.

3. Diverse Unterscheidungsmerkmale

Unternehmensanleihen unterscheiden sich nicht nur in der Qualität der sie herausgebenden Schuldner, auch in der Form der jeweiligen Zinszahlung gibt es mittlerweile diverse Varianten der Verzinsung, z.B.

  • variabel,
  • an einem Referenzzinssatz orientiert,
  • Stufenverzinsung mit unterschiedlichen Zinssätzen oder
  • eine eher herkömmlich, feste jährliche Verzinsung.

 

Hier muss im Einzelfall geprüft werden, welches Wertpapier die Mischung des Gesamtvermögens sinnvoll ergänzen kann. Ebenso wichtig ist die sogenannte „Kurspflege“, die sicherstellen soll, dass zu jedem Zeitpunkt ein marktgerechter Kurs auch bei einem Verkauf erzielt werden kann. Dies sollte bereits vor einem Kauf mit der anbietenden Bank geklärt werden, damit es bei einem möglichen Verkauf vor dem Fälligkeitstermin nicht zu Irritationen kommt, wenn ein marktgerechter Kurs nicht garantiert werden kann.

 

Von Bedeutung ist darüber hinaus die jeweilige Wertpapier-Stückelung. Unternehmensanleihen gibt es je nach Emittent oder Herausgeber meist zwischen 1.000 EUR und 100.000 EUR. Gerade bei größeren Stiftungen mit einer hohen Dotation sind Investitionen in Größenordnungen im sechsstelligen Bereich durchaus möglich, sodass auch hier rechtzeitig geprüft werden sollte, wie schnell und „marktfair“ ein überraschender Verkauf in einer solchen Dimension zu welchem Kurs möglich ist.

 

PRAXISHINWEIS | Die unsichere Zinsentwicklung, sowie eher zunehmende Zweifel an der Kreditwürdigkeit einer ganzen Reihe von Anlageschuldnern erfordern ein Umdenken bei Stiftungsverantwortlichen. Während es in der Vergangenheit häufig ausreichte, eher sporadisch die einzelnen Vermögenspositionen auf Werthaltigkeit hin durchzusehen, sind in Zeiten der Finanzkrise weitaus häufigere Prüfintervalle erforderlich. Hier kann es sich im Übrigen bewähren, wenn das die Vermögenswerte verwahrende Kreditinstitut ebenfalls eingebunden und seinerseits um gleichzeitige Prüfungen gebeten wird. So sind Veränderungen etwa in der Qualität einzelner Schuldner oder Zinsbewegungen meist schneller erkennbar, sodass Maßnahmen frühzeitig ergriffen werden können.

Weiterführende Hinweise

  • Zu Unternehmensanleihen aus Schwellenländern, SB 12, 180
  • Zu Unternehmensanleihen aus dem Mittelstandsegment, SB 11, 239
  • Zu Aktienanleihen, SB 11, 230
Quelle: Ausgabe 12 / 2012 | Seite 239 | ID 36908160