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·Fachbeitrag ·Investmenttipp des Monats

Unternehmensanleihen aus dem Mittelstandssegment

von Oliver Weber, HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Düsseldorf

| Seit mittlerweile über einem Jahr haben Investoren die Möglichkeit, an deutschen Börsen festverzinsliche Unternehmensanleihen aus dem Mittelstandssegment zu erwerben. Die Börse Stuttgart war mit ihrem Handelssegment Bondm Vorreiter, die Börsen Frankfurt (Entry Standard), Düsseldorf (mittelstandsmarkt), München (m:access) und Hamburg-Hannover (Mittelstandsbörse Deutschland) folgten in den letzten Monaten und gründeten ebenfalls spezielle Marktsegmente. |

1. Neue Kapitalbeschaffungsform für den Mittelstand

Mittelständige Unternehmen haben nun die Möglichkeit, sich an institutionelle sowie private Anleger zu wenden und über die Börsen Fremdkapital einzusammeln. Damit erweitern sie ihre Möglichkeiten, sich zu refinanzieren, und besitzen nun eine Alternative zu Bankkrediten.

 

Für Anleger existiert seitdem ein neues Anlagesegment. Zielgruppe der mittelständischen Unternehmen sind häufig Privatkunden sowie kleinere institutionelle Kunden, da die Mindeststückelung in der Regel maximal 1.000 EUR beträgt.

 

Die Verzinsung der bisher emittierten Anleihen liegt deutlich über der von Bundesanleihen oder Unternehmensanleihen mit einem Investment Grade Rating. Häufig werden Anleihen mit Zinssätzen von 7 % und höher emittiert.

2. Risiken von Anleihen im Mittelstandssegment

Einer höheren Renditeerwartung steht allerdings immer auch ein höheres Risiko gegenüber. Die Emissionen sind häufig nur sehr klein. An der Düsseldorfer Börse liegt die Mindestgröße z.B. nur bei 10 Mio. EUR, bei anderen Börsen gibt es sogar keine Mindestgröße. Emissionen von festverzinslichen Wertpapieren, die von institutionellen Anlegern erworben werden, sind in der Regel mindestens zwischen 500 Mio. EUR und 1 Mrd. EUR groß.

 

  • Dies bedeutet, dass die Handelbarkeit von größeren Volumina bei Anleihen aus dem Mittelstandssegment schwieriger ist. Bei einer geringen Liquidität ist der Unterschied zwischen dem An- und Verkaufskurs der jeweiligen Anleihe (Geld-Brief-Spanne) auch häufig deutlich höher als bei liquiden Wertpapieren.

 

  • Des Weiteren müssen die Emittenten teilweise über kein Rating bzw. über kein international anerkanntes Rating einer großen Agentur (S&P, Moodys, Fitch) verfügen. Dies macht es für den Anleger häufig schwer, die Risiken der Anleihe abzuschätzen und zu vergleichen. Sollte ein Emittentenrating vorhanden sein, erfolgt häufig kein zusätzliches Rating für die einzelne Anleiheemission. Der Unterschied ist, dass Besonderheiten der Anleihe (z.B. Nachrang) dadurch im Rating nicht berücksichtigt werden.

3. Unterschiedliche Standards an den Börsenplätzen

Ebenfalls nachteilig für den Anleger ist, dass es an den Börsenplätzen keine einheitlichen Qualitätsstandards gibt.

 

  • Je nach Börse gibt es Unterschiede bei den jeweiligen Transparenzvorschriften, welche die einzelnen Unternehmen leisten müssen, im Mindestvolumen der jeweiligen Anleihenemission, in der Anforderung an das Rating etc.

 

  • Darüber hinaus gibt es keine allgemeingültigen Qualitätsstandards an die Anleiheemissionen z.B. in Bezug auf eine eventuelle Besicherung der Anleihe (Nachrang).

 

  • Auch fehlen häufig für den Anleger vorteilhafte Klauseln im Wertpapierprospekt, wie z.B. ein Kündigungsrecht für den Fall des Eigentümerwechsels beim Emittenten (Change of Control-Klausel). Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Anforderungen der Emissionen im Mittelstandssegment unterhalb der Anforderungen im regulierten Markt liegen.

4. Möglichkeiten zum Erwerb der Anleihen

Anleger können solche Anleihen entweder über die Börse oder ihre Bank bei Emission zeichnen beziehungsweise nach Emission über die Börse im Sekundärmarkt erwerben. Die meisten Börsen unterstützen den Emittenten bei der Platzierung der Anleiheemission an ihrer Börse, z.B. durch gezielte Werbung auf der Internetseite der Börse oder durch Hinweise in Börsennewslettern. Dafür erhalten die Börsen vom jeweiligen Emittenten eine entsprechende Gebühr.

 

PRAXISHINWEIS | Eine Investition in Anleihen aus dem Mittelstandssegment ist für Stiftungen aus den oben genannten Gründen riskant. Einem optisch hohen Kupon stehen entsprechende Risiken (Ausfallrisiko des Emittenten, Liquiditätsrisiko etc.) gegenüber. Sollten sie trotz der Risiken in dieses Marktsegment investieren, müssen sie

  • die Entwicklung der Unternehmen verfolgen und bewerten und

  • auf eine ausreichende Risikostreuung achten, damit der Ausfall eines Investments keine zu großen negativen Einflüsse auf das gesamte Stiftungsvermögen hat.

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2011 | Seite 239 | ID 30290750