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03.01.2011 |Zwischenruf

Mündelsichere Anlage - ein guter Rat?

von RA Dr. K. Jan Schiffer, Bonn (www.stiftungsrecht-plus.de)

Ab dieser Ausgabe finden Sie im Stiftungsbrief den Zwischenruf eines „Insiders“ zu einem aktuellen Thema aus der Stiftungsszene. Heute zu der Frage: Wie ist das Stiftungsvermögen „richtig“ anzulegen? 

 

Stifterwille als oberstes Primat 

Kürzlich habe ich von einem Stiftungslenker, der zugleich eine hohe Funktion in der Wirtschaft bekleidet, gehört, man lege angesichts der Risiken am Kapitalmarkt das Vermögen der Stiftung jetzt vorsichtshalber „mündelsicher“ an. Auf meinen Einwand, das sei ja wohl der größtmögliche Fehler, war der Herr wirklich überrascht.  

 

Aber es ist doch so: Stiftungsorgane haben die Aufgabe, den Stiftungszweck im Sinne des Stifters nach dessen Stifterwillen zu erfüllen. Sie haben nicht einfach nur die Aufgabe, das Stiftungsvermögen zu erhalten. Eine Stiftung hat nicht den Selbstzweck, ihre Existenz sicherzustellen. Die Stiftungsorgane haben den Stiftungszweck zu erfüllen und das möglichst optimal, d.h. umfangreich. Dafür hat der Stifter „seine“ Stiftung errichtet. Das Vermögen der Stiftung ist für die Zweckerfüllung anzulegen. (Motto: "Vergraben alleine genügt nicht!") Zweckerfüllung als erstes und Vermögenserhaltung als zweites - das sind in der genannten Reihenfolge die Eckpunkte für die Vermögensverwaltung bei einer Stiftung. 

 

Richtige Anlage durch klare Vorgaben 

Es scheint mir mit Blick auf die Zweckerfüllung aktuell unerlässlich, dass sich gemeinnützige Stiftungen auch mit neuartigen Vermögensanlagen beschäftigen, um „passende Erträge“ zu generieren, ohne die damit gegebenenfalls einhergehenden Risiken und vor allem das Thema Vermögenserhaltung aus dem Auge zu verlieren. Eine passende Vermögensanlage kann, wenn das die Stiftungssatzung im Einzelfall zulässt, auch die Investition in einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb sein, wie wir ihn etwa bei Fonds in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft finden, solange die die Stiftung nicht prägen. 

 

Nur auf professionelles Fundraising zu setzen und ansonsten ohne große Rendite, aber dafür "sicher" anzulegen, wird kaum ausreichen, um den Stifterwillen zu erfüllen. Wohlfeile Ratschläge, die oft gar nicht so gut sind, finden sich leicht. Tatsächlich bleibt auch aus Haftungsgründen für die Stiftungsorganmitglieder nur, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen und sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden. Das wird, ehrlich gesagt, manchen ehrenamtlich Tätigen zeitlich überfordern. Hier ist die Beraterzunft aufgerufen, in der Praxis zu unterstützen, d.h. etwa bei der Erarbeitung möglichst klarer Vorgaben (Anlagerichtlinien) zu helfen und etwaige steuerliche Problempunkte zu klären. Auch die Stiftungsbehörde ist aufgerufen im Einzelfall zu unterstützen und nicht etwa Steine in den Weg zu legen. Die „mündelsichere Anlage“ ist in der Regel kein guter Rat. 

 

Quelle: Ausgabe 01 / 2011 | Seite 1 | ID 141136