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06.06.2011 |Investmenttipp des Monats

Alternative Investments - Hedge-Fonds

von Oliver Weber, HSBC Trinkaus & Burkhardt, Düsseldorf

In SB 11, 98 widmeten wir uns dem Thema Asset Allocation von Stiftungsvermögen. Die Diversifikation des Stiftungsvermögens ist eine elementare Voraussetzung für eine langfristig optimierte Vermögensaufteilung. In den nächsten Ausgaben des „StiftungsBrief“ sollen jeweils unterschiedliche Alternative Investments erläutert und beleuchtet werden.  

 

Grundlagen 

Hedge-Fonds gibt es schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts. Der Begriff „Hedge“ (englisch: Absicherung) ist allerdings irreführend, da nicht die Absicherung von Vermögen im Fordergrund steht. Gemäß Investmentgesetz handelt es sich bei solchen Fonds um Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken. Die Fondsmanager sind weitestgehend frei in ihren Anlageentscheidungen und dürfen auch Investments tätigen und Strategien verfolgen, die klassische Investmentfonds nicht tätigen dürfen. Hier liegen die Chancen, aber auch gleichzeitig die Risiken eines solchen Investments.  

 

Motivation der Hedge-Fonds-Manager

Hedge-Fonds verfolgen häufig das Ziel, unabhängig von der Marktent-wicklung eine absolute, positive Rendite zu erwirtschaften. Eine relative Performance, d.h. ein Vergleich mit einer Benchmark, ist in der Regel nicht das primäre Ziel. Häufig hat der Manager selbst mit einem für ihn signifikanten Anteil im Fonds investiert, ein großer Teil der Vergütung orientiert sich an der Wertentwicklung. Diese Faktoren sind eine besondere Motivation für den Manager, eine gute Wertentwicklung zu erzielen, können aber auch gleichzeitig ein Risiko darstellen. Ob also ein Hedge-Fonds langfristig eine zufriedenstellende Performance erzielt, hängt sehr stark von den Fertigkeiten des Managements ab. Die Transparenz der getätigten Investments ist nicht oder nur stark eingeschränkt mit entsprechender Zeitverzögerung gegeben. Viele Hedge-Fonds haben ihren Sitz an Finanzplätzen, die nicht unseren Regulierungs- und Transparenzvorschriften unterliegen (Offshore-Finanzplätze). Solche Fonds sind häufig steuerlich nicht transparent und daher für den Vertrieb in Deutschland nicht geeignet.  

 

Strategien

Hedge-Fonds verfolgen unterschiedliche Strategien und sind nur schwer miteinander vergleichbar. Häufig verfolgte Ausrichtungen sind u.a.  

 

  • Long-/Short-Equity-Strategien (Kauf von unterbewerteten Aktien und gleichzeitiger Leerverkauf von überbewerteten Aktien),
  • Managed Futures (Systematischer Handel mit Terminkontrakten an Aktien-, Renten- und Warenmärkten),
  • Global Macro (Ausnutzung von globalen Trends) oder
  • Event Driven (Beteiligung aufgrund von Spezialsituationen wie z.B. Firmenübernahmen).

 

Zusätzlich können Investments in den Strategien gehebelt werden, d.h. der Hedge-Fonds nimmt einen Kredit auf, um die Investitionssumme und damit die Renditemöglichkeiten zu steigern. Durch diese Maßnahme wird allerdings auch das Risiko deutlich erhöht.  

 

Chancen

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass durch den Einsatz Alternativer Investments die Effizienz von Portfolios erhöht werden kann. Hedge-Fonds können einen positiven Einfluss auf das jeweilige Chance-/ Risikoverhältnis eines Portfolios leisten, da sie häufig eine absolute Rendite als Zielsetzung haben und sich wenig bzw. unkorreliert zu anderen Anlageklassen entwickeln sollen. Jedoch hat sich in der Finanzmarktkrise gezeigt, dass viele Hedge-Fonds ebenfalls starke Verluste erlitten haben und die Korrelation zu klassischen Aktieninvestments, je nach Strategie, deutlich zugenommen hat. Daher ist es aktuell nicht absehbar, ob und wie sich Hedge-Fonds in den nächsten Jahren, insbesondere in Krisenzeiten, entwickeln werden.  

 

Risiken

Nachteilig ist für Stiftungen, dass es bei Hedge-Fonds in der Regel keine laufenden Ausschüttungen gibt. Des Weiteren ist die Kostenstruktur meist höher als bei traditionellen Anlagen. Auch ist die Liquidierbarkeit häufig nur eingeschränkt gegeben, d.h. eine Veräußerung ist oft nur monatlich, quartalsweise oder halbjährig möglich. Während der letzten Finanzmarktkrise war die Veräußerung vieler Hedge-Fonds gar nicht möglich. Das Bestreben der Branche ist allerdings eine tägliche Handelbarkeit in normalen Zeiten zu ermöglichen. Allerdings hängt die Liquidierbarkeit auch häufig von der jeweiligen Strategie des Fonds und der entsprechenden Fristigkeit der Investments ab.  

 

Investitionsmöglichkeiten

Eine Anlage ist möglich in einen Single-Hedge-Fonds mit nur einem Manager, einen Dach-Hedge-Fonds der selbst in verschiedene Single-Hedge-Fonds mit verschiedenen Manager investiert und eine entsprechend Risiko- diversifikation aufweist, oder als Zertifikat auf einen Hedge Fonds bzw. auf einen Hedge Fonds Index. Auch gibt es schon ETFs auf Hedge Fonds Indizes. Ein Investment in einen einzelnen Single-Hedge-Fonds bietet sich aufgrund der verminderten Risikodiversifikation nicht an. Obwohl die Konstruktion eines Dach-Hedge-Fonds teurer ist, sollte aus Risikogesichtspunkten eine solche Anlageform bevorzugt werden. Da ein Zertifikat eine Inhaberschuldverschreibung ist, muss zusätzlich das Emittentenrisiko berücksichtigt werden.  

 

Praxishinweis

Hedge-Fonds können für die Anlage des Stiftungsvermögens eine sinnvolle und positive Ergänzung sein. Die Umsetzung ist jedoch mit Mehraufwand verbunden. Der Auswahl des Managers kommt eine besondere Bedeutung zu, eine ausreichende Risikostreuung sowie eine eingeschränkte Liquidierbarkeit muss ebenfalls berücksichtigt werden. Auf jeden Fall sollte in den Anlagerichtlinien eine Investitionsquote für Alternative Investment in Bezug auf das Gesamtportfolio festgelegt und begrenzt werden. 

 

 

Quelle: Ausgabe 06 / 2011 | Seite 119 | ID 145671