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Rechtsprechungsübersicht

§ 84 Abs. 2 BRAGO ist nach zwischenzeitlich herrschender Meinung auch in Bußgeldverfahren anwendbar

Seit der Änderung des § 84 Abs. 2 BRAGO durch das KostRÄndG 1994 sind nun schon beinahe drei Jahre vergangen. Eine der streitigsten Fragen der Gesetzesänderung war, ob § 84 Abs. 2 BRAGO auch in Bußgeldverfahren anwendbar ist. Wir haben dies schon immer vertreten (siehe „BRAGO professionell“ Nrn. 4/96, 7/96, 10/96 und 11/96). Zwischenzeitlich hat sich diese Auffassung, die in der Literatur herrschend ist, auch in der Rechtsprechung durchgesetzt. Dennoch:

Rechtsschutzversicherungen berufen sich nach wie vor auf die Mindermeinung

Nach wie vor lehnen Rechtsschutzversicherer die Abrechnung der anwaltlichen Tätigkeit in Bußgeldverfahren aus dem vollen Gebührenrahmen des § 83 Abs. 1 Satz 3 BRAGO ab. Sie berufen sich dabei auf die Entscheidung einiger Land- und Amtsgerichte (wie zum Beispiel LG Berlin JurBüro 1997, 25; AG Frankfurt AGS 1996, 20 mit ablehnender Anmerkung von Schneider; AG Gelsenkirchen JurBüro 1997, 25; AG Gelsenkirchen-Buer JurBüro 1996, 47; AG Hadamar Zfs 1996, 71; AG Hannover JurBüro 1996, 471; AG Karlsruhe r + s 1996, 63 = JurBüro 1996, 247; AG Maulbronn JurBüro 1997, 25; AG Plön JurBüro 1997, 26 = MDR 1997, 108; AG Solingen JurBüro 1996, 466; AG Wesel JurBüro 1997, 26).

Hinweis: Immer noch berufen sich die Versicherer auf die Entscheidung des LG Karlsruhe (aaO). Dieses Gericht hat seine Meinung in der Zwischenzeit aber geändert und bejaht nun ausdrücklich die Anwendbarkeit des § 84 Abs. 2 BRAGO. Diese Entscheidung ist veröffentlicht in Zfs 1996, 309 = r + s 1996, 63 = DAR 1996, 309 = AGS 1996, 88 = AnwBl. 1996, 478.

Übersicht über anwaltsfreundliche Entscheidungen

Nachfolgend haben wir für Sie amtsgerichtliche und landgerichtliche Entscheidungen zusammengestellt, die die Anwendbarkeit des § 84 Abs. 2 BRAGO in Bußgeldverfahren bejahen. Zum Teil wurden diese Entscheidungen von „BRAGO professionell“-Lesern erstritten.

Der besseren Übersicht wegen haben wir die Entscheidungen alphabetisch nach dem Anfangsbuchstaben des entscheidenden Gerichts geordnet und jeweils das Datum der Entscheidung sowie das Aktenzeichen - soweit bekannt - aufgeführt.

LG Arnsberg, Beschluß vom August 10. 1996, Az.: 2 Qs 127/96, JurBüro 1997, 24;
AG Aurich vom 4. März 1996, Az.: 15 C 11/96, AnwBl. 1997, 43;
AG Backnang vom 30. August 1996, Az.: 4 C 652/96, DAR 1996, 474 = AGS 1996, 226;
AG Berlin Tiergarten, Az.: 308 OWi 1117/95, n.v.;
AG Bochum, MittBl. 1996, 21;
LG Bochum vom 15. Februar 1996, Az.: 21 Qs 21/96, n.v.;
LG Darmstadt vom 5. Juli 1995, DAR 1996, 115; vom 30. November 1995, Az.: 2 Qs 743/95, JurBüro 1996, 469;
AG Dessau vom 5. Juni 1996, Az.: OWi 183/96, AGS 1996, 102;
AG Düsseldorf vom 1. Juli 1996, Az.: 46 C 6407/96, AGS 1996, 100 = AnwBl. 1997, 43; vom 22. Dezember 1995, Az.: 32 C 15364/95, MDR 1996, 427, 428 = AGS 1996, 59;
LG Düsseldorf vom 9. November 1995, Az.: 1 Qs OWi 52/95, n.v.;
AG Donaueschingen vom 11. Oktober 1996, Az.: 4 OWi 137/96, n.v.;
AG Freiburg vom 5. November 1996, Az.: 28 Gs (OWi) 83/96, n.v.;
AG Hagen vom 7. März 1996, Az.: 9 C 570/95, AGS 1996, 66;
AG Hannover vom 7. Juli 1995, Az.: 214 OWi A 10/95, n.v.;
AG Heidelberg vom 21. Juli 1995, Az.: 26 C 161/95, n.v.;
LG Karlsruhe vom 10. Mai 1996, Az.: 1 Qs 8/96, Zfs 1996, 309 = r+s 1996, 63 = DAR 1996, 309 = AGS 1996, 88 = AnwBl. 1996, 478;
LG Kassel vom 12. Oktober 1995, Az.: 3 Qs OWi 58/95, n.v.;
LG Köln vom 24. August 1995, Az.: 105 Qs OWi 593/95, n.v.; vom 27. September 1995, Az.: 107 Qs OWi 296/95, DAR 1995, 506 = AnwBl. 1995, 593;
AG Mannheim vom 15. Dezember 1995, Az.: 28 Gs 111/95, n.v.;
AG Mainz vom 13. Juni 1996, Az.: 25 OWi 1470/95, AGS 1996, 126;
AG Marbach vom 17. Juni 1996, Az.: 1 C 155/96, DAR 1996, 474;  vom 22. Juli 1996, Az.: 1 C 118/96, DAR 1996, 474;
AG Oberhausen vom 25. Januar 1996, Az.: 24 OWi 346/95, n.v.;
LG Oldenburg vom 8. Januar 1996, Az.: V Qs 1/96, n.v.;
AG Überlingen vom 25. April 1996, Mittbl. 1996, 67;
AG Wiesbaden vom 24. April 1995, Az.: 77 Gs 28/95, n.v.;
LG Wuppertal, Beschluß vom 12. Juli 1996, Az.: 21a Qs 54/96, JurBüro 1997, 24.

Tip: Bei Abrechnungen mit Rechtsschutzversicherern sowie in Ordnungswidrigkeiten-Verfahren oder in Zivilprozessen gegenüber Rechtsschutzversicherern sollte der Anwalt die bislang ergangenen anwaltsfreundlichen Entscheidungen zitieren und ausdrücklich darauf hinweisen, daß die herrschende Meinung die Anwendung des § 84 Abs. 2 BRAGO in Bußgeldsachen bejaht.

Literatur ist durchweg für Anwendung des § 84 Abs. 2 BRAGO

Auch neuere Literaturbeiträge, die sich mit der Problematik befassen, befürworten durchgängig die Anwendung des § 84 Abs. 2 BRAGO für das Bußgeldverfahren (so zum Beispiel Beck, in: Zfs 1996, 361; Chemnitz, in: AGS 1997, 71; v. Eicken/Madert, in: DAR 1995, 423; Madert, in: Zfs 1996, 191; Schneider, in: AGS 1996, 20).

Anmerkung der Redaktion: Haben Sie Urteile zu dieser Problematik erstritten? Schicken Sie uns Ihre anwaltsfreundlichen Entscheidungen. Wir werden sie in „BRAGO professionell“ veröffentlichen.

Quelle: RVG professionell - Ausgabe 03/1997, Seite 6

Quelle: Ausgabe 03 / 1997 | Seite 6 | ID 106042