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Die richtige Anwendung der BRAGO

Was muß der Anwalt bei der Bewilligung von Teil-PKH beachten?

Häufig bewilligt ein Gericht lediglich für einen Teil des geltend gemachten Anspruchs oder nur für eine von mehreren  Forderungen PKH – so insbesondere bei nur teilweisen Erfolgsaussichten der Klage. Dies wirft Fragen bei der anwaltlichen Gebührenberechnung auf, die von Literatur und Rechtsprechung höchst unterschiedlich beantwortet werden.

Der Anwalt erhält eine Vergütung aus der Bundes- oder Landeskasse

Gemäß § 121 BRAGO erhält der im Wege der PKH beigeordnete Rechtsanwalt eine Vergütung aus der Staatskasse. Sein Anspruch bestimmt sich nach den Beschlüssen, durch welche die PKH bewilligt wurde und die Beiordnung erfolgte (§ 122 Abs. 1 BRAGO). Sind PKH-Bewilligung und Beiordnung nur zu einem Teil erfolgt, so hat der Anwalt auch nur hinsichtlich jenes Teils einen Anspruch auf Auszahlung einer Vergütung aus der Staatskasse nach der PKH-Tabelle. Dies gilt auch dann, wenn der Anwalt für den Teil der Forderung, für welchen keine PKH bewilligt wurde, als Wahlanwalt tätig wird (OLG München JurBüro 1983, 1205; OLG Köln JurBüro 1981, 1011; a. A.: OVG Bremen, Beschluß vom 14. Juli 1989, JurBüro 1989, 1689 mit ablehnender Anmerkung Mümmler). Hierzu folgendes

Beispiel:

Bei einer Klage über 40.000 DM wird dem Kläger für eine Forderung von 28.000 DM PKH bewilligt. In dem gleichen Umfang erfolgt die Beiordnung seines Anwalts, der im Termin die Sach- und Rechtslage erörtert. Der Anwalt kann nach der PKH-Tabelle aus der Staatskasse folgende Gebühren verlangen:

10/10-Prozeßgebühr aus 28.000 DM                                                             565,00 DM
10/10-Erörterungsgebühr aus 28.000 DM                                                      565,00 DM
Telekommunikationspauschale                                                                        40,00 DM
15 % Umsatzsteuer                                                                                        175,50 DM
Summe                                                                                                        1.345,50 DM

Bei Teil-PKH gilt die Forderungssperre nur in dem Umfang der PKH-Bewilligung

Die PKH-Bewilligung bewirkt, daß der beigeordnete Anwalt gemäß § 122 Abs. 1 Nr. 3 ZPO keine Ansprüche gegen die von ihm vertretene Partei geltend machen kann.  Diese Forderungssperre bereitet bei der vollumfänglichen Bewilligung von PKH keine Probleme: Der Anwalt ist einfach gehindert, den Anspruch gegenüber seinem Mandanten geltend zu machen. Damit ist auch ein etwaiges Verfahren gemäß § 19 BRAGO unzulässig.

Anders ist die Rechtslage zu beurteilen, wenn PKH nur zum Teil bewilligt wurde.  Führt dies einerseits zu einem Anspruch gegen die Staatskasse nur in Höhe der Bewilligung und Beiordnung, so eröffnet dies andererseits die folgende Möglichkeit: In dem Umfang der Nicht-Bewilligung kann der Gebührenanspruch gegen den Mandanten geltend gemacht werden. Dies führt gegebenenfalls also auch zu einem Festsetzungsverfahren gemäß § 19 BRAGO.

Abrechnungsschema: Wahlanwaltsvergütung nach dem vollen Streitwert abzüglich Wahlanwaltsvergütung nach dem PKH-Wert

Aufgrund von zwei Tabellen und zwei Streitwerten gibt es also theoretisch vier verschiedene Berechnungsmethoden der Anwaltsvergütung. Für weitere Berechnungen wird hier nur die herrschende Meinung zugrunde gelegt (vergleiche BGH BGHZ 13, 373 = NJW 1954, 1406; LG Osnabrück DAR 1989, 229; KG JurBüro 1988, 728; OLG Zweibrücken Rpfleger 1995, 74; a. A.: OLG Köln JurBüro 1981,1011). Danach gilt

- für das Anwaltshonorar:

a) Wahlanwaltsvergütung nach dem Gesamtstreitwert

b) Wahlanwaltsvergütung nach dem PKH-Wert

c) PKH-Vergütung nach dem Gesamtstreitwert  (also PKH-Tabelle)

d) PKH-Vergütung nach dem PKH-Wert  (ebenfalls PKH-Tabelle)

- für die Vergütung des Anwalts, die er von seinem Mandanten einfordern kann:

          Wahlanwaltsvergütung nach Gesamtstreitwert
./.       Wahlanwaltsvergütung nach PKH-Wert
=       Vergütung vom Mandanten

Berechnung – dargestellt anhand des Beispielsfalles

Rechnerisch ist der gegenüber dem Mandanten geltend gemachte Teil der Anwaltsvergütung demnach wie folgt anzusetzen:

a) Wahlanwaltsvergütung  nach dem Gesamtstreitwert (40.000 DM)
 
10/10-Prozeßgebühr                                                                               1.265,00 DM
10/10-Erörterungsgebühr                                                                        1.265,00 DM
Telekommunikationspauschale                                                                    40,00 DM
Umsatzsteuer                                                                                             385,50 DM
Summe                                                                                                    2.955,50 DM

b) Wahlanwaltsvergütung nach dem PKH-Wert (28.000 DM)
 
10/10-Prozeßgebühr                                                                               1.105,00 DM
10/10-Erörterungsgebühr                                                                        1.105,00 DM
Telekommunikationspauschale                                                                   40,00 DM
Umsatzsteuer                                                                                             337,50 DM
Summe                                                                                                    2.587,50 DM

c) PKH-Vergütung nach dem Gesamtstreitwert (40.000 DM)
 
10/10-Prozeßgebühr                                                                                   645,00 DM
10/10-Erörterungsgebühr                                                                            645,00 DM
Telekommunikationspauschale                                                                    40,00 DM
Umsatzsteuer                                                                                              199,50 DM
Summe                                                                                                    1.529,50 DM

d) PKH-Vergütung nach dem PKH-Wert (28.000 DM)
 
10/10-Prozeßgebühr                                                                                  565,00 DM
10/10-Erörterungsgebühr                                                                           565,00 DM
Telekommunikationspauschale                                                                   40,00 DM
Umsatzsteuer                                                                                             175,50 DM
Summe                                                                                                    1.345,50 DM

Fazit: Der Rechtsanwalt kann einmal aus der Staatskasse die unter d) genannte Vergütung in Höhe von 1.345,50 DM erstattet verlangen. Zum anderen steht ihm gegenüber seinem Mandanten zusätzlich der Anspruch aus der Differenz zwischen a) und b), also 368 DM, zu. Insgesamt erhält der Anwalt eine Vergütung von 1.713,50 DM.

Quelle: RVG professionell - Ausgabe 10/1997, Seite 7

Quelle: Ausgabe 10 / 1997 | Seite 7 | ID 106079