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·Fachbeitrag ·Therapieangebot

Implementierung von Präventionskursen

von Physiotherapeut/Sportwissenschaftler M. A. Thomas Colshorn, Bremen

| Präventionskurse können ein wichtiger, ja sogar essenzieller Bestandteil des wirtschaftlichen Zweigs einer Praxis sein. Die rein formalen Hürden für Physiotherapeuten sind dabei nicht sonderlich hoch: Eine Grundqualifikation liegt mit der Ausbildung/dem Studium automatisch vor, die Kriterien für erforderliche Fortbildungen sind genau definiert, die Zertifizierung daher nur eine Formsache. Dennoch sollten Sie den Einstieg in den zweiten Gesundheitsmarkt im Voraus planen, um sich nicht zu verzetteln. |

Was möchte ich anbieten?

Bevor Sie Präventionskurse in Ihrer Praxis anbieten, sollte Ihnen klar sein, welche Kurse das sein sollen. Der Markt für derartige Angebote ist groß und es wäre wenig sinnvoll, sich wahllos auf irgendeinen Bereich zu stürzen.

 

  • Angebote von Präventionskursen: Diese Fragen sollten Sie klären
  • Welcher Bereich interessiert mich/spricht mich an? Wenn Sie eher der sportliche Typ sind, für den Bewegung an erster Stelle steht, werden Sie vermutlich wenig Freude an Entspannungstraining haben.
  • Wie sieht die Marktlage in Ihrer Umgebung aus (Angebot und Nachfrage)?
    • Angebot: Recherchieren Sie (z. B. über Google Maps), welche Angebote bereits in Ihrem Umfeld existieren. Befindet sich gegenüber Ihrer Praxis ein Pilatesstudio, wäre es wenig sinnvoll, ebenfalls Pilateskurse anzubieten (außer in Form einer Kooperation). Lesen Sie dazu auch PP 06/2016, Seite 6.
    • Nachfrage: Verschaffen Sie sich einen Überblick über Interesse, Bedarf und maximale Zahlungsbereitschaft durch eine Patientenumfrage.
  • Was bin ich bereit für eine entsprechende Fortbildung auszugeben? Je nach Fortbildung müssen Sie zwischen 300 und 8.000 Euro bzw. ein Wochenende bis mehrere Jahre investieren. Auch hier spielt eine große Rolle, wo Sie sich mittelfristig sehen und welcher Bereich Sie besonders interessiert.
 

Fortbildung und Zertifizierung

Als Physiotherapeut können Sie sich zertifizieren lassen für Rückenschule, Pilates, Qigong/Taijiquan, Yoga, Entspannungstraining (Autogenes Training [AT] und Progressive Muskelrelaxation [PMR]), Nordic Walking und Aquafit. Da es in diesem Beitrag vorrangig um Angebote in den eigenen Praxisräumen geht, werden Nordic Walking und Aquafit in PP 07/2016 gesondert behandelt.

 

Achten Sie bei der Wahl Ihres Fortbildungsinstituts darauf, dass die Voraussetzungen zur Durchführung von Präventionsmaßnahmen erfüllt sind. Vor allem bei Pilates-Fortbildungen kommt es nicht nur auf die Dauer der Fortbildung an, sondern auch darauf, dass der Ausbilder Mitglied im Deutschen Pilates-Verband e. V. ist. Grundlegende Informationen sowie inhaltliche und formale Richtlinien zu den einzelnen Lehrgängen finden Sie beim jeweiligen Verband:

 

  • Konförderation der deutschen Rückenschulen: www.kddr.de
  • Deutscher Dachverband für Qigong und Taijiquan e. V. (DDQT): www.ddqt.de

 

MERKE | Für Entspannungstechniken existieren zwar ebenfalls entsprechende Verbände, allerdings sind die Regelungen hier etwas weniger restriktiv. Wichtig ist hier, dass die geforderte Anzahl an Unterrichtseinheiten (UE) erreicht wird

 

Gestalten Sie das Angebot betriebswirtschaftlich sinnvoll

Nur wenn Sie Ihr Kursangebot betriebswirtschaftlich sinnvoll gestalten, werden Sie es langfristig aufrechterhalten können. Eine besondere Rolle spielen dabei der Kursraum, der Kursbeitrag und die anfallenden Fortbildungskosten.

 

Der Kursraum

Kleingruppen mit zwei oder drei Personen sind aus pädagogischer Sicht zwar von Vorteil und erlauben eine bessere Betreuung. Als selbstständiger Kursanbieter müssen Sie aber auch Ihre Finanzen im Blick behalten. Planen Sie langfristig mit mindestens fünf Teilnehmern pro Kurs. Dazu muss der zur Verfügung stehende Kursraum natürlich die entsprechende Größe haben.

 

PRAXISHINWEIS | Pro Teilnehmer benötigen Sie etwa drei bis vier Quadratmeter, damit für jeden Teilnehmer genügend Bewegungsfreiheit bleibt und auch für Sie, um Teilnehmer zu korrigieren und ggf. Übungen vormachen zu können. Für einen Kurs mit fünf Teilnehmern und Ihnen als Kursleiter benötigen Sie demnach mindestens 21 Quadratmeter. Messen Sie Ihren Kursraum vorher aus und schauen Sie, ob Sie mit dem vorhandenen Platz wirtschaftlich arbeiten können.

 

Der Kursbeitrag

Allein mit der Anwesenheit in der Kursstunde haben Sie Ihre Arbeit noch nicht getan: Die Zertifizierung bei der Zentralen Prüfstelle Prävention erfordert ebenfalls Aufwand (siehe dazu PP 01/2016, Seite 3 und PP 02/2016, Seite 13). Darüber hinaus müssen Sie Zeit und Geld in Fortbildung, Marketing und Verwaltung investieren. Als Selbstständiger sollten Sie daher von 70 Euro Stundenhonorar ausgehen. Dafür müssen Sie je nach Raumgröße und Interessenlage mit 14 Euro pro Stunde pro Teilnehmer kalkulieren. Für einen Acht-Stunden-Kurs ergibt sich damit ein Gesamtbeitrag von 112 Euro; einen Zehn-Stunden-Kurs sollten Sie mit 140 Euro veranschlagen.

 

PRAXISHINWEIS | Informieren Sie sich auch bei der Preisgestaltung vorher über die ortsüblichen Tarife. In der Stadt sind meist höhere Beiträge möglich als auf dem Land! Zwar erstattet die Krankenkasse den Teilnehmern einen Großteil der Kosten, sodass der Beitrag, rein finanziell betrachtet, nur Nebensache ist. Trotzdem sollten Sie mit Ihrer Preisgestaltung nicht zu sehr aus dem Rahmen fallen.

 

Die Fortbildungskosten

In die 70 Euro Stundenhonorar fließen auch die anfallenden Fortbildungskosten ein. Kosten und Zeitaufwand variieren je nach Fortbildung.

 

  • Kosten und Zeitaufwand für diverse Fortbildungen
Fortbildung
Kosten
zeitlicher Aufwand

Entspannung (AT + PMR)

320 bis 400 Euro

32 UE (ca. 3 Tage)

Rückenschule

400 bis 800 Euro

60 UE (ca. 3 Wochenenden)

Pilates

1.500 bis 2.000 Euro

mind. 60 UE (ca. 6 Monate)

Qigong/Taijiquan

1.500 bis 3.000 Euro

jeweils 300 UE über mindestens zwei Jahre

Yoga

5.000 bis 8.000 Euro

mindestens 500 UE über mindestens zwei Jahre

 

Wichtig | Sie verdienen so lange nichts, bis Sie Ihre Fortbildungskosten wieder hereingeholt haben. Je mehr Kurse Sie geben und je mehr Teilnehmer Sie haben, desto schneller schreiben Sie schwarze Zahlen. Je mehr Sie verdienen, desto mehr müssen Sie aber auch auf steuerliche Fragen achten.

Die Umsatzsteuer

Das Einkommen aus Präventionskursen wird nicht auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung erwirtschaftet. Da die Leistung keine Erbringung von Heilmitteln darstellt, fällt sie unter die Umsatzsteuerpflicht. Das heißt, dass in jedem Euro, den Sie damit erwirtschaften, 19 Prozent Umsatzsteuer enthalten sind, die Sie an das Finanzamt abführen müssen. Allerdings können Sie die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Umsatzsteuergesetz (UStG) für sich beanspruchen. Nach dieser Regelung fällt keine Umsatzsteuer an, wenn Sie mit den Kursen im abgelaufenen Jahr weniger als 17.500 Euro Umsatz und im laufenden Jahr weniger als 50.000 Euro Umsatz erwirtschaften.

 

PRAXISHINWEIS | Die Kleinunternehmerregelung ist eine „und“-Regelung, d. h., es müssen beide Voraussetzungen erfüllt sein, um als Kleinunternehmer eingestuft zu werden. Entfällt eine der beiden Voraussetzungen, sind Sie umsatzsteuerpflichtig. Darüber hinaus ist der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn zu beachten. Gewinn bezeichnet alles, was Ihnen nach Abzug aller Ausgaben bleibt, wohingegen mit Umsatz sämtliche Einnahmen gemeint sind, die Sie tätigen. Bezugsgröße für die Umsatzsteuer ist der Umsatz - nicht der Gewinn.

 

Benötige ich für Kurse einen Gewerbeschein?

Um Präventionskurse anzubieten, benötigen Sie keinen Gewerbeschein. Bieten Sie Kurse an und führen diese selber durch, sind Sie als Fitnesstrainer tätig. Das fällt nach Einschätzung des Bundesfinanzhofs (BFH) in den Bereich der „unterrichtenden Tätigkeiten“, die wiederum nach § 18, Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG), als Freie Berufe einzuordnen sind. Wenn Sie sichergehen möchten, erkundigen Sie sich bei ihrem zuständigen Finanzamt.

Quelle: Ausgabe 06 / 2016 | Seite 9 | ID 44083161