· Fachbeitrag · Praxisangebot
Die Wechseljahre aktiv gestalten: Menopausen-Training in der Physiopraxis
von Physiotherapeut/Sportwissenschaftler Thomas Colshorn M. A., Bremen
Trainingsangebote, die sich an Frauen in der Menopause richten, bieten für Physiopraxen bgroßes Potenzial. Zum einen ist eine enorme Zielgruppe betroffen: Die Altersverteilung nach Daten des Statistischen Bundesamts (online unter iww.de/s15622 ), zeigt mittlerweile eine Art Baum, dessen Krone mittlerweile die 50- bis 60-Jährigen bilden. Zum anderen suchen viele Frauen gerade in den Wechseljahren nach professioneller Begleitung, möchten aber keine klassische Fitnessstudio-Atmosphäre. Ein Menopause-Training als Gruppe oder als Personal Training kann daher das Angebot an bestehenden Selbstzahlerleistungen sinnvoll ergänzen.
Wechseljahre wecken Wunsch nach aktiver Lebensgestaltung
Zwar sind die Wechseljahre kein Tabuthema mehr, aber dennoch eines, über das man sich im privaten Bereich nicht unbedingt gerne und intensiv auslässt, und für die meisten Männer ohnehin ein Buch mit sieben Siegeln. Gewichtszunahme, Muskelabbau, Schlafprobleme, Gelenkbeschwerden, sinkende Belastbarkeit, Stimmungsschwankungen oder auch eine veränderte Körperwahrnehmung – die immensen Umstellungen und Veränderungen, die der weibliche Körper in diesem Lebensabschnitt durchläuft, werden erst seit einigen Jahren intensiver wissenschaftlich durchleuchtet.
In der Menopause sinken vor allem die Spiegel von Östrogen und Progesteron, den beiden primären weiblichen Hormonen. Das hat mehrere Folgen: Im Stoffwechsel sinkt die Insulinsensitivität, d. h. Glukose wird schlechter in Muskel- und Leberzellen aufgenommen, die Speicherung von viszeralem Fett wird begünstigt. Zusätzlich verschlechtert sich das Verhältnis von „schlechtem“ LDL-Cholesterin zu „gutem“ HDL-Cholesterin. Beide Entwicklungen steigern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darüber hinaus sinkt die Effizienz der Mitochondrien, was die Produktion von ATP negativ beeinflusst: man fühlt sich abgeschlagen und müde. Gleichzeitig reduziert sich die Proteinbiosynthese und Muskeln werden abgebaut (Sarkopenie). Dasselbe wiederholt sich im Knochen- und Bindegewebe. Die Folgen sind Osteoporose und weniger elastisches Bindegewebe.
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