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  • · Fachbeitrag · Praxisangebot

    Aktive Gelenkkontrolle statt passives Dehnen: Kinstretch in der Physiopraxis

    von Physiotherapeut/Sportwissenschaftler Thomas Colshorn, M. A., Bremen

    Wer sich in den vergangenen Jahren mit Mobility-Training beschäftigt hat, ist vermutlich früher oder später auf Begriffe wie Functional Range Conditioning (FRC) oder Kinstretch gestoßen. Während klassisches Dehnen (vgl. PP 07/2026, Seite 4 f.) sich lediglich auf bessere Beweglichkeit beschränkt, verfolgt Kinstretch einen anderen Ansatz: Beweglichkeit soll nicht nur vorhanden sein, sondern aktiv kontrolliert und unter Belastung genutzt werden können. Genau diese Kombination aus Mobilität, Kraft und Körperkontrolle macht das Konzept für Physiotherapiepraxen interessant.

    Mehr als klassisches Dehnen

    Kinstretch wurde von dem kanadischen Chiropraktiker Andreo Spina entwickelt und entstand als Weiterentwicklung seines Functional Range Conditioning (FRC), einem Konzept zur Verbesserung von Gelenkfunktion, Bewegungsqualität und neuromuskulärer Kontrolle. Während FRC den Fokus auf das Einzelsetting mit Sportlern oder Patienten legt, ist Kinstretch speziell auf das Kursformat zugeschnitten. Ziel ist es, die Prinzipien des FRC in ein strukturiertes Kursformat zu übertragen, das sowohl Einsteigern als auch sportlich Aktiven zugänglich ist. Im Mittelpunkt steht dabei nicht klassisches Stretching. Stattdessen sollen Athleten oder Patienten eine sogenannte „Usable Range of Motion“ entwickeln, also einen Bewegungsumfang, den sie aktiv kontrollieren und bei alltäglicher oder sportlicher Belastung nutzen können. Auf Basis dieses selbst gesetzten Anspruchs hat sich das Konzept in den vergangenen Jahren vor allem im Functional-Training, aber auch in Rehabilitation und Therapie verbreitet.

    Isometrische Anspannung in endgradigen Positionen

    Eine Kinstretch-Stunde unterscheidet sich deutlich von einer klassischen Yoga- oder Stretching-Einheit. Der typische Unterricht beginnt mit sogenannten Controlled Articular Rotations (CARs). Dabei werden einzelne Gelenke, z. B. Schulter, Hüfte oder Sprunggelenk, langsam und kontrolliert durch ihren maximal verfügbaren Bewegungsumfang geführt. Das verdeutlicht Defizite und dient damit zugleich als Assessment, Wahrnehmungsübung und aktive Gelenkkontrolle.