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·Fachbeitrag ·Prävention

Entspannungstraining als Zusatzangebot der Praxis

von Physiotherapeut/Sportwissenschaftler M.A., Thomas Colshorn, Bremen

| Entspannungstraining gewinnt als Präventionsangebot eine immer größere Bedeutung. Die Zahlen für stressbedingte Erkrankungen steigen den Berichten der Krankenkassen zufolge seit Jahren relativ konstant an. Vor diesem Hintergrund sind Entspannungskurse eine Möglichkeit, sein Angebotsspektrum als Physiotherapeut zu erweitern und sich breiter aufzustellen. Im Folgenden soll es um die im Rahmen der Primärprävention (§ 20 SGB V) förderungswürdigen Angebote gehen, die für gesetzlich Versicherte eine (auch finanziell) attraktive Option bieten und daher leicht zu bewerben sind. |

Voraussetzungen für eine Zertifizierung

Der GKV-Spitzenverband hat im „Leitfaden Prävention“ dargelegt, welche Entspannungstechniken nach dem Präventionsgesetz förderungswürdig sind. Unter das dort beschriebene sogenannte „palliativ-regenerative Stressmanagement“ fallen das Autogene Training (AT), die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR), Yoga, Taijiquan und Qigong sowie die Mindfulness Based Stress Reduction nach Jon Kabat-Zinn (MBSR).

 

Für diese Angebote sieht das Präventionsgesetz einen Zuschuss vor - allerdings nur für gesetzlich Versicherte. Diese haben nach Abschluss des Kurses die Möglichkeit, einen Teil des Kursbeitrags gegen Vorlage einer Teilnahmebescheinigung von ihrer Krankenkasse zurückzuerhalten. Damit das klappt, müssen sowohl Anbieter als auch Teilnehmer gewisse Regeln beachten.

 

Voraussetzungen auf Anbieterseite

Der Anbieter - in diesem Fall Sie - muss eine Fortbildung zu der angebotenen Entspannungstechnik absolviert haben und über eine gültige Kursleiterlizenz verfügen. Dabei reicht es nicht, eine allgemeine Fortbildung für Entspannungstraining zu belegen, sondern es muss die spezifische Technik in der Kursbeschreibung genannt sein („Kursleiter für Autogenes Training“ o.ä.).

 

PRAXISHINWEIS | Stellen Sie vor Beginn einer Fortbildung sicher, dass die Fortbildung den Anforderungen für eine Anerkennung nach dem Präventionsgesetz erfüllt, um böse Überraschungen zu vermeiden. Fragen Sie am besten direkt nach; ausschlaggebend ist in jedem Fall, dass die geforderte Stundenzahl erreicht wird.

Erst wenn eine Lizenz vorliegt und die Fortbildung hinsichtlich Stundenumfang die im „Leitfaden Prävention“ genannten Anforderungen erfüllt, kann für das Angebot eine Zertifizierung bei der Zentralen Prüfstelle für Prävention beantragt werden. Das erfolgt online und gratis über die Website der Prüfstelle (www.zentrale-pruefstelle-praevention.de) und wird in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen bearbeitet.

 

MERKE | Die Zertifizierung läuft nach drei Jahren ab und muss erneuert werden!

Voraussetzungen auf Teilnehmerseite

Für die Teilnehmer gilt: Möchten Sie einen Zuschuss in Anspruch nehmen, müssen sie mindestens 80 Prozent der angebotenen Termine wahrnehmen. Da ein Kurs normalerweise acht bis zehn Termine umfasst, müssten also mindestens sieben bzw. acht besucht werden. Die Höhe der Erstattung liegt je nach Krankenkasse zwischen 70 und 90 Prozent der Kursgebühr. Als Anbieter rechnen Sie direkt mit den Teilnehmern ab. Erfahrungsgemäß ist es am leichtesten, wenn die Teilnehmer vor dem ersten Termin die Gebühr überweisen oder zum ersten Termin mitbringen.

Übersicht der förderungswürdigen Entspannungstechniken

Keine Entspannungstechnik ist von sich aus grundsätzlich besser als die andere. Was Sie anbieten, entscheiden Sie danach, welche Technik Ihnen als Kursleiter liegt und welche Angebote nachgefragt werden. Entscheidungskriterium kann die Dauer der Fortbildung sein, die sich von Technik zu Technik teilweise erheblich unterscheidet.

 

Autogenes Training (AT)

Das AT wirkt mittels bestimmter Formeln (zum Beispiel „Mein rechter Arm ist schwer“), die sich auf Muskelspannung, Atmung, Herztätigkeit u.a. beziehen. Da die Technik meist im Liegen oder Sitzen vermittelt wird, ist vergleichsweise wenig Platz vonnöten. Anforderungen für Kursleiter gemäß „Leitfaden Prävention“: Fortbildung über 32 Einheiten à 45 Minuten (normalerweise drei Tage).

 

Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR)

Die PMR hat einen mehr körperlichen Ansatz als das AT. Das Grundprinzip ist, dass alle Muskelgruppen des Körpers nacheinander im Wechsel angespannt und wieder entspannt werden. Das verbessert die Körperwahrnehmung und führt zu einer verbesserten Muskelkontrolle. Auch hier wird im Sitzen oder Liegen geübt. Anforderungen für Kursleiter gemäß „Leitfaden Prävention“: Fortbildung über 32 Einheiten à 45 Minuten (normalerweise drei Tage).

 

Qigong

Das Qigong ist dem Taijiquan in vielen Punkten sehr ähnlich, hat aber andere, rein auf Gesundheit ausgerichtete Wurzeln. Es ist vergleichsweise einfach zu lernen und daher gerade für ältere Personen gut geeignet. Anforderungen für Kursleiter gemäß „Leitfaden Prävention“: Fortbildung über 500 Einheiten à 45 Minuten über mindestens zwei Jahre.

 

Yoga

Yoga stammt aus Indien und hat seit den 60er-Jahren seinen festen Platz als Entspannungsmethode in der westlichen Welt. Übersehen wird dabei gerne, dass Yoga durchaus anstrengend ist und nicht nur aus reiner Entspannung besteht. Diese soll langfristig über eine bessere Körperkontrolle und Atmung erreicht werden. Je nach Yoga-Richtung (Power Yoga, Kundalini Yoga, Yin Yoga ...) wird mehr Wert auf Kräftigung oder Entspannung gelegt. Anforderungen für Kursleiter gemäß „Leitfaden Prävention“: Fortbildung über 500 Einheiten à 45 Minuten über mindestens zwei Jahre.

 

Taijiquan

Ursprünglich eine Kampfkunst, wird das Taijiquan heute hauptsächlich als Entspannungsmethode gelehrt. Je nach Schule umfasst es eine Reihe unterschiedlicher, teils sehr komplexer Bewegungen, die ihrer Erscheinung wegen auch als „Schattenboxen“ bezeichnet werden. Taijiquan richtig zu lernen, dauert vergleichsweise lange. Es fördert langfristig vor allem das Gleichgewicht und die Körperwahrnehmung. Anforderungen für Kursleiter gemäß „Leitfaden Prävention“: Fortbildung über 300 Einheiten à 45 Minuten über mindestens zwei Jahre.

 

Mindfulness-Based Stress Reduction nach Kabat-Zinn (MBSR)

Die von Jon Kabat-Zinn entwickelte MBSR ist eine Mischtechnik, die Elemente aus dem Yoga, östlicher Meditation und Atemübungen enthält. Im Zentrum steht dabei die Achtsamkeit, mit der alle diese Übungen ausgeführt werden sollen. Anforderungen für Kursleiter gemäß „Leitfaden Prävention“: Fortbildung über 245 Einheiten à 45 Minuten über mindestens ein Jahr; zusätzlich mindestens zwei Jahre vorherige eigene Meditationserfahrung.

Die Umgebung muss passen!

Entspannungstraining sollte verständlicherweise in ruhig gelegenen Räumen stattfinden. Für die mehr körperorientierten Methoden wie Yoga oder Taijiquan sollte der Raum groß genug sein, um den Teilnehmern ausreichend Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Für die klassischen Techniken wie AT und PMR sollten neben Sportmatten auch Decken vorhanden sein, ebenso Knie- und/oder Nackenrollen.

Umsatzsteuer

Für alle Kurse, die im Bereich der Primärprävention (§ 20 SGB V) ohne ärztliche Verordnung durchgeführt werden, besteht Umsatzsteuerpflicht in Höhe von 19 Prozent. Nur wenn Sie unter die Kleinunternehmerregelung fallen, müssen Sie keine Umsatzsteuer abführen. Als Kleinunternehmer gelten Sie, wenn Ihre umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen im Vorjahr 17.500 Euro nicht überstiegen haben (und im laufenden Jahr 50.000 Euro nicht übersteigen werden). Um Ihren Status zu prüfen, müssen Sie Ihre Vorjahreseinnahmen aus Behandlungen ohne Rezept, Sportkursen, Verkauf von Trainingsgeräten, Kissen etc. zusammenzählen. Übersteigen diese Einnahmen die Summe von 17.500 Euro, müssen Sie Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Ob die Umsatzsteuer für Sie ein Thema ist oder nicht, können Sie mithilfe unseres Prüfungsschemas herausfinden unter pp.iww.de > Downloads > Arbeitshilfen.

 

Weiterführende Hinweise

  • Yogakurse sind keine Heilbehandlungen (PP 02/2013, Seite 1)
Quelle: Ausgabe 10 / 2015 | Seite 10 | ID 43569375