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·Fachbeitrag ·Abrechnungsorganisation

Selbst abrechnen – Pro und Kontra

von Jasmin Clegg, Staatlich anerkannte Physiotherapeutin, Redakteurin des Blogs mobiLEOS Physio der HMM Deutschland GmbH

| Bei der Frage, ob man selbst abrechnet oder nicht ( PP 08/2018, Seite 11 ), stehen sich mehrere Argumente gegenüber: Verantwortung, Zeit, Sicherheit, Liquidität. Der folgende Beitrag zeigt die Vor- und Nachteile der Selbstabrechnung auf und nennt mögliche Fallen bei der Dienstleisterauswahl. |

Selber abrechnen – Pro

Für die Selbstabrechnung sprechen in erster Linie geringere Kosten und Aspekte der unternehmerischen Kontrolle des Praxisinhabers:

 

  • Es entstehen keine zusätzlichen – sichtbaren – Kosten.
  • Gebühren für die Abrechnung, das sog. „Factoring“ und Kosten für eine Vorfinanzierung oder andere Leistungen des Abrechnungszentrums, entfallen.

 

  • Das eigene Sicherheitsempfinden bleibt.
  • Fehlabrechnungen fallen sofort auf, wenn man sie selber macht.

 

  • Der Praxisinhaber kennt die eigenen Prozesse der Abrechnung.
  • Das Wissen über die Abrechnung in der Praxis ist wichtig, um die Praxis gut führen zu können.

Selbst abrechnen – Kontra

Gegen die Selbstabrechnung sprechen vor allem ein höherer administrativer Aufwand und ein höheres unternehmerisches Risiko:

 

  • Selbst abrechnen bedeutet, dass Wissen erarbeitet werden muss.
  • Wer die Abrechnung ohne fremde Hilfe durchführt, braucht eine gewisse Vorkenntnis zum „Ablauf der Abrechnung“, die z. T. entfällt, wenn man sich externe Hilfe beschafft. Kompetenzen, die außerhalb des alltäglichen Leistungsbereichs erforderlich werden, sind:
  •  
    • Basiswissen in Finanzbuchhaltung (Verständnis für Brutto-/Nettosummen, Vorbereitung der Daten für den Steuerberater, Nachverfolgung der Bezahlung, Vermeidung von Doppelauszahlungen, etc.)
    • Mathematikkenntnisse (für die Berechnung von Zuzahlung und Bruttorezeptwert)
    • Vorwissen zum Heilmittelkatalog
    • Kenntnisse zu kassenindividuellen Vorgaben
    • Rechnungsstellung
    • Erstellung eines maschinenlesbaren Abrechnungssatzes nach § 302 SGB V
    • Beschaffung aktueller Preislisten der Kassen

 

  • Der Zeitaufwand für Selbstabrechner ist höher.
  • Einige Aufgaben der Abrechnung kosten Zeit, die man einberechnen muss. Darunter fallen folgende Punkte:
  •  
    • Wissen sammeln und verinnerlichen
    • Verordnungsprüfung
    • Erstellung der Abrechnungsdatensätze
    • Codierung
    • Taxierung
    • Absetzungen bearbeiten

 

  • PRAXISTIPP | Es kann nützen, die benötigte Zeit in Arbeitsstunden umzurechnen, um den erhöhten Kostenaufwand abzuschätzen, der dadurch entsteht.

     

 

  • Die Verantwortung liegt beim Praxisinhaber.
  • Sind Fehler in der Abrechnung, haftet der Praxisinhaber und verliert somit ggf. Geld.

 

  • Das Honorar wird nicht vorfinanziert.
  • Die Auszahlung des Lohns findet erst am Zahlungstag der Krankenkasse statt. Dieser kann sich je nach Kasse auch über einen Monat hinziehen. Das erschwert die pünktliche Zahlung der Praxisabgaben (Lohn, Miete).

Die Alternative: abrechnen lassen

Über einen Dienstleister abzurechnen, hat den Vorteil, dass einzelne Schritte im Abrechnungsprozess abgegeben werden können. Dazu gehört sowohl die Abgabe von Verantwortung, eine zeitnahe Auszahlung des Honorars, mehr berufliche und private Freiheit bzw. weniger direkte Verantwortung für Prozesse, die nicht die eigenen Kernkompetenzen darstellen. Aber wo Arbeit eingespart wird, ist auch weniger Kontrolle über den Vorgang. Außerdem fallen Kosten an.

Wahl des Abrechnungsdienstleisters: Darauf kommt es an

Den passenden Dienstleister zu finden, bedarf sorgfältiger Recherche. Jeder Anbieter hat sein eigenes Leistungspaket und seine eigenen Preise. Fragen Sie sich immer, was Sie für Ihr Geld bekommen (Freiheit vom Schreibtisch? Sicherheit? Mehr Zeit?) Vergleichen lohnt sich (PP 03/2019, Seite 10).

 

  • Digitale Abrechnung: Fallen bei der Dienstleisterauswahl
  • Informationen über Preise sind oft nicht transparent gestaltet. Einzelleistungen müssen häufig zusätzlich gebucht und bezahlt werden!
  • Lassen Sie sich nicht allein von der Höhe der Grundgebühr leiten. Auch das darin enthaltene Leistungspaket zählt.
  • Erfragen Sie alle Konditionen bei den Anbietern. Viele geben diese nicht vollständig auf der Webseite an.
  • Das Anfragen von Konditionen bedeutet nicht, dass Sie zusagen müssen – lassen Sie sich nicht drängen.
  • Errechnen Sie alle Kosten für die gewünschten Leistungen pro Anbieter und vergleichen Sie diese.
  • Viele Abrechnungszentren haben Kooperationen zu einer Praxissoftware. Diese kostet oft zusätzliches Geld, kann Ihnen aber im Praxisalltag behilflich sein.
 
Quelle: Ausgabe 03 / 2019 | Seite 8 | ID 45742872