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·Fachbeitrag ·Mitarbeitergewinnung

Ausbildung ist Ehrensache

von Alexander Jost, Lauf, www.jost-ag.de

| Der Fachkräftemangel ist im Berufsstand angekommen. Das ist für die Steuerberater kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, wie die Studie „Nachfolgemanagement in Steuerberaterkanzleien 2019“ des Instituts für Freie Berufe und der Jost AG zeigt. Vielmehr nimmt der Berufsstand den Engpass zum Anlass, sich verstärkt für die Ausbildung zu engagieren. |

Über die Hälfte bildet aktuell aus

Die Tatsache, dass derzeit 54,9 % der befragten Kanzleien Auszubildende beschäftigen, zeigt den Wert der Berufsausbildung in der Branche. Zum Vergleich: Quer über die Wirtschaftszweige betrachtet liegt diese Quote gerade einmal bei knapp 20 %. Der Berufsbildungsbericht 2019 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wies zwar zuletzt eine steigende Anzahl von ausbildenden Betrieben aus. Die Quote lag aber aufgrund des noch stärkeren Anstiegs der Betriebszahl insgesamt nur bei 19,8 %.

 

 

Besonders wichtig ist die hohe Ausbildungsquote und die gelebte Überzeugung der Steuerberater, dass die Ausbildung der beste Weg ist, auch künftig genug qualifiziertes Personal zu gewinnen. So glauben 57,4 % der 662 Teilnehmenden, dass eine Verstärkung des Engagements in diesem Bereich die Lage entspannen kann. Zudem ist die Modernisierung der Ausbildung ein Thema und die Möglichkeit, ein duales Studium auf breiter Ebene anzubieten.

Jüngere Kanzleien engagieren sich stärker

Zwischen männlichen und weiblichen Befragten sind in Sachen Ausbildungsengagement keine statistisch signifikanten Abweichungen festzustellen. Jedoch differiert es stark zwischen den jeweiligen Altersklassen: Die unter 45-Jährigen und die 45- bis 54-Jährigen gaben jeweils an, zu über 60 %, Auszubildende zu beschäftigen (60,8 % beziehungsweise 67,3 %). Bei den 55- bis 64-Jährigen liegt der entsprechende Anteil nur noch bei 48,0 % und bei den über 64-Jährigen lediglich bei 35,8 %. Dieser Befund lässt im Wesentlichen zwei Interpretationen zu:

 

  • Zum einen sind die jüngeren Kanzleichefs möglicherweise noch stärker mit dem Thema Kanzleiwachstum befasst. Der Aufbau eines Personalstamms hat für sie eine tendenziell größere Bedeutung.

 

  • Zum anderen trifft die verringerte Ausbildungsaktivität der Älteren auf eine insgesamt reduzierte Anstrengung, in Zukunftsthemen der Kanzlei zu investieren. Frei nach der Devise: Satt sein und den Erfolg über die Zeit ins Ziel tragen. Auf der anderen Seite zeigt der Markt für Kanzleien gerade klar die Tendenz, einen arrivierten Mandantenstamm mit respektablen Kauferlösen und gut ausgebildetes Personal in einer gemischten Altersstruktur zu honorieren.

Mehrheitlich einen Ausbildungsplatz

Für eine ausgeglichene Personalstruktur ist die Ausbildung von Nachwuchskräften und die Stetigkeit dieses Engagements unerlässlich. Von letztgenannter ist insbesondere auch deshalb auszugehen, weil der Großteil der Ausbildungskanzleien nur einen oder zwei Azubis hat. Laut Studie beschäftigten von den ausbildenden Steuerberatern

  • 52,9 % lediglich einen Auszubildenden,
  • 20,1 % hatten zwei Auszubildende,
  • 14,6 % der Befragten drei Auszubildende in der Kanzlei und
  • 12,4 % der Berufsträger nannten vier oder mehr Auszubildende.

 

Daraus ergibt sich ein Durchschnittswert von zwei Auszubildenden pro Kanzlei. Wenn in die Analyse alle Studienteilnehmer mit einbezogen werden, auch jene, die angeben, aktuell keine Auszubildenden zu beschäftigen, wird durchschnittlich eine Person pro Steuerberater ausgebildet.

 

Laut Statistik der BStBK ist die Durchschnittsgröße der Steuerberatungskanzleien nach wie vor die Einzelkanzlei. Es zeigt sich, dass dieser Durchschnittswert auf ein gesundes Verhältnis von Auszubildenden und Ausbildenden schließen lässt und sich die Berufsangehörigen weder durch ihr Engagement überfordern noch die Qualität der Ausbildung gefährden.

 

 

Gleichmäßiges und nachhaltiges Engagement

Die Tatsache, dass sich eine knappe Mehrheit der Auszubildenden im ersten Lehrjahr (37,7 %) befindet, gefolgt von 34,4 % im zweiten und 27,9 % im dritten, zeigt die Kontinuität in Sachen Ausbildung im Berufsstand. Zudem ist ein Abbruch der Berufsausbildung in der Branche seltener als in anderen Wirtschaftszweigen.

Gründe, die gegen das Ausbilden sprechen

Die Hälfte der Kanzleien bildet aus und es gibt auch eine Menge Kanzleien, die darauf verzichten. Befragt nach ihren Gründen gaben sie unterschiedliche Aspekte an:

 

  • 54 % der Kanzleien, die nicht ausbilden, nannten fehlende Kapazitäten. Dies ist nachvollziehbar, da Ausbildung immer auch mit zeitlichen Ressourcen einhergeht, die oftmals der Kanzleiinhaber selbst höchstpersönlich aufbringen muss.

 

  • Mit großem Abstand (27,2 %) folgte die Aussage, keine geeigneten Bewerber zu finden. Ein Fünftel der Berufsträger hat bereits schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht. Von fachlich ungeeigneten Bewerbern berichteten 18,4 %. Die mangelnde Ausbildungsreife der Bewerber führten 17,6 % an und 9,6 % der Antwortenden nannten falsche Jobvorstellungen der Bewerber als Grund.

 

  • 14,7 % teilten mit, keine Bewerber zu haben. Eine hohe Konkurrenz durch andere Unternehmen beklagten 5,2 %. Andere Ursachen (wie Absagen, unpassende Gehaltsvorstellungen oder ein zu hohes Alter der Bewerber) kommen selten vor.

 

 

Mehr Ausbildung in Zukunft geplant, aber bitte keine Quote

Steuerberater, die zum Zeitpunkt der Befragung nicht ausbildeten, wurden im Rahmen der Studie außerdem gefragt, ob sie planen, im kommenden Jahr auszubilden. 29,7 % der Befragten bejahten dies, dabei haben Männer tendenziell etwas häufiger vor, künftig auszubilden. Bei der Betrachtung nach Alter sind deutliche Unterschiede feststellbar: Je älter die Teilnehmer, desto seltener gaben sie an, im nächsten Jahr Auszubildende anstellen zu wollen. Von den unter 45-Jährigen teilen 51,7 % mit, eine Beschäftigung von Auszubildenden anzustreben, bei den 45- bis 54-Jährigen ist es bereits nur noch ein Drittel. In der Gruppe der über 65-Jährigen sinkt dieser Anteil schließlich auf 20,8 %. Für die Studienteilnehmer ist die Ausbildung der Königsweg aus der Fachkräftemisere, jedoch lehnen 72,7 % von ihnen einen quotalen Pflichtausbildungsanteil für Kanzleien ab. Hierin unterscheiden sich Frauen und Männer nicht in ihren Antworten, und auch das Alter spielt keine Rolle. Ein „Diktat“ der Beschäftigungsverhältnisse im eigenen Betrieb kommt für den freien Berufsstand offenbar nicht infrage.

Quelle: Ausgabe 02 / 2020 | Seite 26 | ID 46252833