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·Fachbeitrag ·Informationsmanagement

Adressermittlung: Wo ist er hin, der Schuldner?

| Ein Kernelement der Forderungsbeitreibung ist es, mit dem Schuldner schriftlich, fernmündlich oder persönlich Kontakt aufzunehmen, um eine gütliche Einigung über den Ausgleich der Außenstände erreichen zu können. Oft ist der Schuldner aber nicht zu erreichen, weil z.B. eine zustellungsfähige Anschrift nicht bekannt oder die bekannte Adresse nicht mehr aktuell ist. Das erschwert zwar das Beitreibungsverfahren, darf es aber im Ergebnis nicht unmöglich machen. Der folgende Beitrag zeigt daher, wie dem Problem begegnet werden kann. |

1. Forderungen aus einem schriftlichen Vertrag

Bereits beim Abschluss eines schriftlichen Vertrags des Mandanten mit dem Schuldner kann angesetzt werden: Vorzugsweise sollten die Angaben des Schuldners bezüglich Name, Adresse und Geburtsdatum mit seinem Personalausweis abgeglichen werden. Zugleich sollten auch immer der Geburtsort und das Geburtsdatum im Vertrag erfasst werden, da dies den Zugriff auf das Personenstandsregister sichert. Die Gesamtheit der Daten ermöglicht unterschiedliche Formen der Adressermittlung.

2. So geht es mit dem Einwohnermeldeamt

Eine Adressanfrage beim Einwohnermeldeamt ist einfach und oft effektiv. Hierzu reicht ein kurzer Brief an das zuständige Meldeamt am letzten bekannten Wohnsitz des Schuldners aus. Eine tatsächliche Adressermittlung des zuständigen Einwohnermeldeamts ist nicht erforderlich: Einfach im Adressfeld „Stadtverwaltung ... - Einwohnermeldeamt - ...-stadt“ angeben. Die Postbeamten wissen Ihre Anfrage meist entsprechend zuzustellen. Die Anfrage selbst kann formlos erfolgen. Die Mitteilung der bekannten Anschrift und - sofern bekannt - des Geburtsdatums reichen vollkommen aus. Belege für ein berechtigtes Interesse o.Ä. müssen nicht beigefügt werden. Das Verfahren ist daher unkompliziert und kann problemlos automatisiert werden.

 

PRAXISHINWEIS | Oft stimmt das Geburtsdatum nicht mit dem bei der Behörde gespeichertem Datum überein. Folge: Die Auskunft lautet „unbekannt“. Umgekehrt können sich bei einem nicht benannten Geburtsdatum zu viele Treffer ergeben. Daher kann es ratsam sein, bei einer negativen Auskunft dieselbe Anfrage erneut ohne Angabe des Geburtsdatums zu tätigen. Gibt es nun kein abgleichbares Datum lautet die Antwortet vermutlich „Es könnte sich um ..., aktuelle Anschrift: ...-straße ..., in ...“ handeln.

Bei einem ohne Geburtsdatenabgleich ermitteltem Schuldner sollten Sie in der nachgerichtlichen Bearbeitung nicht direkt den Gerichtsvollzieher beauftragen. Mittels einer zuvor versendeten Zahlungsaufforderung (gegebenenfalls mit Zwangsvollstreckungsankündigung) lässt sich anhand des Postrücklaufs prüfen, ob es sich tatsächlich um den gesuchten Schuldner handelt.

3. Problembereiche der Einwohnermeldeauskünfte

Meist sind es zwei Problemschwerpunkte, die sich mit dem Einschalten des Einwohnermeldeamts ergeben:

 

  • Einige - zumeist größere - Behörden brauchen teilweise mehrere Wochen bis die Auskunft vorliegt.

 

  • Die Kosten für eine Auskunft können erheblich sein. Sie variieren von 8 bis 20 EUR. Auch die akzeptierten Zahlungsarten variieren. Um Zeitverzögerungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, direkt einen Scheckvordruck mit an das Amt zu übersenden. Der Großteil der Ämter akzeptiert diese Zahlmethode (noch). Viele Einwohnermeldeämter gehen dazu über, nur noch im Voraus bezahlte Anfragen zu bearbeiten. Das heißt: Sie stellen die Anfrage, das Amt schickt Ihnen eine Rechnung, Sie überweisen die Rechnung und erhalten erst nach Zahlungseingang die Auskunft - unter zeitlichen Aspekten eine Katastrophe!

 

  • Bei größeren Behörden, z.B. beim Einwohnermeldeamt Berlin, können Sie auch ein Zahlungsdepot einrichten, auf dem Sie vorsorglich Geld einzahlen. Das Amt zieht die Kosten dann automatisch von dort ein und schickt Ihnen nur noch einen Rechnungsbeleg. Denkbar erscheint die Erteilung einer Einzugsermächtigung.

 

Wer viele Einwohnermeldeamtsanfragen zu bewältigen hat, kann dies schneller und kostengünstiger mit einem Adressdienstleister erledigen. Zu nennen sind etwa Regis 24, Riser, Deltavista oder infoscore, aber auch die klassischen Auskunfteien wie Creditreform oder Bürgel. Der Vorteil dieser Auskünfte liegt darin, dass sie meist auch noch aus anderen Quellen angereichert werden und deshalb zielgenauer als isolierte Einwohnermeldeauskünfte sind, ohne dass sie teurer sein müssen. Hier empfiehlt es sich allerdings, bei der Kooperation nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Datenqualität zu achten. Ein Test mit Echtdaten kann helfen. Solche Tests sollten dann regelmäßig wiederholt werden (Benchmarck).

4. Aktuell - Reform der Sachaufklärung

Verfügt der Gläubiger bereits über einen Vollstreckungstitel, kann er künftig versuchen, den Schuldner über den Gerichtsvollzieher zu ermitteln. Auf der ersten Stufe wendet sich allerdings auch der Gerichtsvollzieher zunächst nur an das örtlich zuständige Einwohnermeldeamt, was neben den Gebühren des Amtes zusätzliche Kosten beim Gerichtsvollzieher von 13 EUR (10 EUR Gebühr und 3 EUR Auslagenpauschale) nebst der Dokumentenpauschale verursacht. Diese Kosten kann sich der Gläubiger sparen.

5. Forderungen aus Online-Verträgen

Anders sieht die Situation bei Forderungen aus Online-Verträgen aus. Schuldner geben hier häufig nicht ganz korrekte oder sogar vollständig falsche Adressen an.

 

  • Gibt der Schuldner nur eine falsche Hausnummer an, ist eine Zustellung in der Regel dennoch möglich. Hier ist von Vorteil, dass die Postboten ihren Bezirk in der Regel sehr gut kennen und zum Teil gar nicht mehr auf die Anschrift, sondern nur noch auf den Namen im Adressfeld schauen.

 

  • Hat der Kunde eine Adresse angegeben, die objektiv nicht existiert, ist eine reguläre Adressermittlung aussichtslos.

 

PRAXISHINWEIS | Häufen sich diese Fälle, ist dem Mandanten zu empfehlen, seine Bestellsoftware um eine entsprechende Adressprüfung ergänzen zu lassen. Dies kann auf Dauer kostengünstiger als der regelmäßige Forderungsausfall sein, zumal die Tendenz zu o.g. Vorgehensweisen steigt. Die Adressprüfung muss nicht zwingend ein kostenpflichtiges Antragsscoring sein. Oft reicht eine einfache Plausibilitätsprüfung schon aus, um die schwarzen Schafe herauszupicken.

Aber auch an diese Schuldner mit erfundenen Adressen kommt man heran. Denn jeder Kunde bezweckt mit einem Vertragsabschluss einen Vorteil für sich selbst - oft den Erhalt eines Produkts. Gibt er z.B. einen Dritten als Lieferadressaten ein, kann die Adressermittlung bei diesem ansetzen.

 

Anders ist es etwa bei Klingeltonabos. Hier muss der Kunde mindestens eine wahre Angabe machen, nämlich seine Mobiltelefonnummer, um das Abo nutzen zu können. Über die Telefonnummer lässt er sich nicht nur fernmündlich erreichen, sondern auch auffinden. Bei Anmeldungen auf kostenpflichtigen Chatseiten, Flirtportalen etc. ist es erforderlich, dass der Kunde seine korrekte E-Mail-Adresse angibt, da er sonst keine Nachrichten empfangen könnte. Auch dies ist ein guter Ausgangspunkt für eine Personenermittlung - im Zeitalter von Facebook, Yasni, Google etc. genügt oft allein die E-Mail-Adresse, um viel über den Schuldner herausfinden (s.u., „Weiterführende Hinweise“).

 

PRAXISHINWEIS | Die E-Mail-Adresse kann dann als Kontaktaufnahmeweg zum Schuldner genutzt werden. Die Zahlungsaufforderung muss nicht zwingend auf postalischem Weg erfolgen.

Lädt sich der Schuldner ein Computerspiel herunter, hinterlässt er seine IP-Adresse. Anhand dieser kann der Standort des verwandten PCs ermittelt werden. Eine kostenlose Ermittlungsvariante, die aber noch nicht alle Wünsche erfüllt, ist z.B. www.ip-adresse-ermitteln.de/. Kommerzielle Anbieter zeigen professionellere Lösungen, die auch die Adresse des Nutzers umfasst. Am besten ist es, Sie googeln, um den passenden Anbieter herauszufinden.

 

Weiterführende Hinweise

Quelle: Ausgabe 07 / 2012 | Seite 124 | ID 34317620