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 ·  StatistikZahnärztliches Investitionsverhalten bei der Existenzgründung 2019

| Schon seit mehr als fünf Jahren entfallen auf Neugründungen von Einzelpraxen meist weniger als 10 Prozent der Niederlassungen, während Übernahmen von Einzelpraxen im gleichen Betrachtungszeitraum ziemlich konstant zwischen 65 und 67 Prozent der Niederlassungen ausmachen. Die restlichen 26 bis 30 Prozent der Niederlassungen finden in Form einer Gründung von oder eines Beitritts in eine Gemeinschaftspraxis statt. Der Fokus des folgenden Beitrags liegt auf der Kostenanalyse von Neugründung, Übernahme und Beitritt der jeweiligen Niederlassungsform. |

Zahnärztliches Investitionsverhalten bei der Existenzgründung 2019
( Bild:  ©200 Degrees - pixabay.com )

 

  • Hintergrund

Die Veröffentlichung von statistischen Daten zum wirtschaftlichen Geschehen rund um die Zahnarztpraxis befindet sich im Umbruch und wird derzeit neu gegliedert. Bisher gab es im Wesentlichen drei Säulen:

  • Das KZBV-Jahrbuch (Kassenabrechnung, betriebswirtschaftliche Zahlen, Privatabrechnung, gesamtwirtschaftliche Daten)
  • Die IDZ-Veröffentlichungen (Kosten der Niederlassung, epidemiologische Studien, Langzeitbetrachtungen zu ausgewählten Themen)
  • Das Jahrbuch der BZÄK (Zahl der Kammerangehörigen, Gliederung der Zahnärzteschaft in verschiedene Berufsgruppen, Ausbildungssektor).

 

In Zukunft werden die Statistiken anders aufgeteilt und gegliedert:

  • Das KZBV-Jahrbuch enthält im Wesentlichen
    • Daten zur Kassenabrechnung
    • Daten zur Privatabrechnung
    • betriebswirtschaftliche Daten in reduziertem Umfang
  • Das IDZ (Institut der Deutschen Zahnärzte) veröffentlicht
    • den InvestMonitor Zahnarztpraxis mit Daten zu Preisen für Zahnarztpraxen bei Praxisneugründungen und Praxisübernahmen
    • epidemiologische Studien und Langzeitbetrachtungen (wie bisher)
  • Das Jahrbuch der BZÄK wird aufgewertet und enthält jetzt im Wesentlichen
    • Daten zur Struktur der Kammermitglieder
    • betriebswirtschaftliche Praxiskennzahlen
    • Daten zur zahnärztlichen Ausbildung und der Ausbildung in zahnärztlichen (Assistenz-)Berufen
    • epidemiologische Daten, die die Zahnmedizin betreffen
  • Das in Arbeit befindliche Zahnärzte-Praxis-Panel (ZÄPP) beinhaltet gegliederte Daten zu betriebswirtschaftlichen Fragestellungen, deren Struktur sich ‒ soweit bekannt ‒ an die entsprechenden Veröffentlichungen im ärztlichen Bereich (ZIPP) anlehnen wird. Diese Daten sind in erster Linie zur Unterstützung der Forderungen der Zahnärzteschaft bei den Verhandlungen mit den Krankenkassen vorgesehen. Ob eine weitergehende Nutzung zum Zweck des „Benchmarking“ und der Optimierung der Praxisabläufe möglich sein wird, scheint noch nicht festzustehen.
 

Merke | Dieser Beitrag beschäftigt sich hauptsächlich mit den Daten, die dem InvestMonitor des IDZ, Ausgabe 2020, entnommen werden können. In der nächsten Ausgabe erscheint ein Beitrag, der praxisrelevante Daten aus dem Jahrbuch 2019/2020 der BZÄK enthält.

Rahmendaten

Die Verhältnisse zwischen Neugründungen und Übernahmen von Einzelpraxen sowie Gründungen von oder Beitritten zu Gemeinschaftspraxen erklären sich zum einen aus den hohen Kosten einer Praxisneugründung, zum anderen aber natürlich auch daraus, dass bei einer Neugründung ein eigener Patientenstamm vollständig neu aufgebaut werden muss, der bei einer Praxisübernahme und insbesondere bei dem Eintritt in eine bestehende Gemeinschaftspraxis zumindest teilweise übernommen werden kann.

 

Dabei entfallen auf Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern und Ballungsräume zwischen 35 und 40 Prozent aller Niederlassungen mit leicht steigender Tendenz, obwohl dort nur 31,8 Prozent der Wohnbevölkerung leben. Die Gründe für diese Präferenz sind vielfältig, aber nicht genau bezifferbar: als wichtige Bestimmungsgrößen werden z. B. das Angebot an kulturellen Einrichtungen, Schulen und Freizeitgestaltung genannt, aber auch die in Ballungsgebieten höhere Kaufkraft der Bevölkerung. Auch Großpraxen und MVZ werden vor allem in Großstädten gegründet und betrieben.

 

Der „mittelstädtische Raum“ umfasst Gemeinden mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern, in denen 28,6 Prozent der Bevölkerung leben. In den letzten Jahren fanden hier 26 bis 30 Prozent der Niederlassungen statt, was in etwa dem dort lebenden Bevölkerungsanteil entspricht. Zum „ländlichen Raum“ zählen alle Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern. Hier leben zwar 39,6 Prozent der Gesamtbevölkerung, aber nur etwa 32 bis 35 Prozent der Niederlassungen wurden hier realisiert.

 

Deshalb nimmt in den Großstädten und Ballungsgebieten die Zahnarztdichte tendenziell allmählich zu und in den ländlichen Regionen allmählich ab.

 

Die bekannten Trends, dass das Durchschnittsalter der Praxisgründer allmählich zunimmt (es liegt im Bundesdurchschnitt mittlerweile bei 36,1 Jahren) und die Zahnmedizin immer „weiblicher“ wird (bei den Niederlassungen halten sich Männer und Frauen die Waage, bei den angestellten Zahnärzten überwiegen die Frauen deutlich), sind ungebrochen.

 

Für alle nachfolgend dargestellten Tabellen gilt, dass größere jährliche Schwankungen bei einzelnen Positionen zum Teil der vergleichsweise geringen Zahl beobachteter Fälle zuzuschreiben sind. Für die Interpretation der Daten wichtiger ist die generelle Tendenz, die die Durchschnittswerte zeigen.

Einzelpraxen

Für die Neugründung von Einzelpraxen wurden folgende durchschnittliche Kosten ermittelt:

 

  • Tab. 1: Kosten einer Einzelpraxis-Neugründung in TEuro
2015
2016
2017
2018
2019

Modernisierung/Umbau Praxisräume

66

48

83

95

71

Medizintechnik, Einrichtung, EDV

288

280

280

321

300

Sonstige Investitionen

67

142

78

106

122

Praxisinvestitionen gesamt

421

470

441

522

493

Betriebsmittelkredit

63

58

63

76

64

Finanzierungsvolumen gesamt

484

528

504

598

557

 

Bei der Übernahme einer Einzelpraxis wurden die nachfolgend aufgeführten Beträge ausgewiesen:

 

  • Tab. 2: Kosten einer Einzelpraxis-Übernahme in TEuro
2015
2016
2017
2018
2019

Ideeller Praxiswert (Goodwill)

124

117

128

129

116

Materieller Praxiswert (Substanzwert)

48

44

56

49

60

Übernahmepreis

172

161

184

178

176

Modernisierung/Umbau Praxisräume

18

20

18

25

25

Medizintechnik, Einrichtung, EDV

60

69

73

91

98

Sonstige Investitionen

23

34

34

46

55

Praxisinvestitionen gesamt

273

284

309

340

354

Betriebsmittelkredit

53

58

58

54

56

Finanzierungsvolumen gesamt

326

342

367

394

410

 

Interessant ist auch der Vergleich der Kosten einer Praxisneugründung mit den Kosten einer Praxisübernahme:

 

  • Tab. 3: Vergleich des Finanzierungsvolumens (Einzelpraxis) in TEuro
2015
2016
2017
2018
2019

Finanzierungsvolumen Neugründung

484

528

504

598

557

Finanzierungsvolumen Übernahme

326

342

367

394

410

Differenz

158

186

137

204

147

 

Leider liegen keine aussagekräftigen Statistiken vor, welche die Frage beantworten können, ob die höheren Kosten einer Praxisneugründung in den Folgejahren durch höhere Praxisgewinne ausgeglichen oder übertroffen werden. Auf lange Sicht ist das Investitionsvolumen bei beiden Niederlassungsformen vergleichbar (der Praxisübernehmer wird höhere Ersatzinvestitionen als der Praxisgründer stemmen müssen, der Praxisgründer wird einen eigenen Goodwill aufbauen, für den er kein Geld ausgeben musste), ob aber diese „Vorteile“ bzw. „Nachteile“ bei der Existenzgründung dem Unterschiedsbetrag des Finanzierungsvolumens entsprechen, ist nicht bekannt.

Berufsausübungsgemeinschaften (BAG)

Bei BAG werden drei Fallkonstellationen unterschieden:

 

  • Neugründung (Tabelle: NG): Zwei oder mehr Zahnärzte gründen eine BAG. Dies ist der am wenigsten übliche Weg in die Niederlassung.
  • Übernahme (Tabelle: ÜB): Zwei oder mehr Zahnärzte übernehmen eine BAG. Dies kommt etwas häufiger vor als eine Neugründung, ist aber nur möglich, wenn alle „altenc“ Eigentümer der BAG gemeinsam aus dem Berufsleben ausscheiden möchten.
  • Beitritt/Einstieg (Tabelle BE): Ein Zahnarzt tritt einer BAG bei, entweder, indem er die Anzahl der Teilhaber vergrößert, oder indem er einen ausscheidenden Partner ersetzt. Dies ist die häufigste Form der Niederlassung im Rahmen einer BAG.

 

Interessant ist in Tab. 4 die Beobachtung, dass der Beitritt zu einer BAG von allen Niederlassungsformen die günstigste Alternative ist, auch dann, wenn man die Niederlassungsmöglichkeiten als Einzelpraxis miteinbezieht:

 

  • Tab. 4: Berufsausübungsgemeinschaften (Kosten in TEuro)
2015
2016
2017
2018
2019

NG

ÜB

BE

NG

ÜB

BE

NG

ÜB

BE

NG

ÜB

BE

NG

ÜB

BE

Goodwill

0

116

195

0

123

134

0

135

160

0

145

159

0

95

145

Substanzwert

0

41

58

0

39

46

0

41

49

0

92

47

0

33

79

Übernahmepreis

0

157

253

0

162

180

0

176

209

0

237

206

0

128

224

Modernisierung/Umbau

45

25

11

53

29

4

60

20

1

57

25

10

168

42

11

Praxiseinrichtung

202

53

18

193

68

16

154

60

12

197

24

23

217

88

42

Sonstige Investitionen

50

15

7

56

17

9

162

43

14

112

37

21

85

30

15

Investitionen gesamt

297

250

289

302

276

209

376

299

236

366

323

260

470

288

292

Betriebsmittelkredit

33

42

21

37

42

29

36

43

27

45

39

27

41

53

29

Finanzierungsvolumen

330

292

310

339

318

238

412

342

263

411

362

287

511

341

321

 

Kieferorthopädische und oralchirurgische Fachpraxen

Die statistischen Daten für kieferorthopädische bzw. oralchirurgische/kieferchirurgische Praxen sind wegen der geringen Fallzahlen nur eingeschränkt aussagekräftig, zeigen aber dennoch die zu erwartenden Entwicklungen auf. Unterschieden wird in beiden Gruppen lediglich zwischen Praxisneugründungen (Tabelle: NG) und Praxisübernahmen inkl. Beitritt in eine BAG (Tabelle: BAG).

 

  • Tabelle 5: Kieferorthopädische Fachpraxen (Kosten in TEuro)
2015
2016
2017
2018
2019

NG

BAG

NG

BAG

NG

BAG

NG

BAG

NG

BAG

Goodwill

0

227

0

182

0

266

0

200

0

184

Substanzwert

0

68

0

71

0

85

0

79

0

96

Übernahmepreis

0

295

0

253

0

351

0

279

0

280

Modernisierung/Umbau

81

4

96

31

89

11

118

21

155

27

Praxiseinrichtung

211

13

261

50

215

77

302

53

287

73

Sonstige Investitionen

133

27

100

43

126

46

137

48

95

54

Investitionen gesamt

425

339

457

377

430

485

557

401

537

434

Betriebsmittelkredit

59

64

60

45

68

48

79

57

64

63

Finanzierungsvolumen gesamt

484

403

517

422

498

533

636

458

601

497

 

Wie schon bei den (Allgemein-)Zahnärzten beobachtet, sind die Kosten bei einer Praxisübernahme in der Regel geringer als die Kosten bei einer Praxisneugründung. Die Kosten der Neugründung einer kieferorthopädischen Praxis entsprechen dabei in etwa den Kosten, die bei der Neugründung einer Zahnarztpraxis anfallen (vgl. Tab. 1). Bei Praxisübernahmen sind die Zahlen nicht direkt mit allgemeinzahnärztlichen Praxen vergleichbar, tendenziell muss aber für die Übernahme einer kieferorthopädischen Praxis mehr investiert werden als für die Übernahme einer Zahnarztpraxis.

 

  • Tabelle 6: Oral- und kieferchirurgische Fachpraxen (Kosten in TEuro)
2015
2016
2017
2018
2019

NG

BAG

NG

BAG

NG

BAG

NG

BAG

NG

BAG

Goodwill

0

299

0

374

0

339

0

265

0

236

Substanzwert

0

96

0

48

0

140

0

115

0

76

Übernahmepreis

0

395

0

422

0

479

0

380

0

312

Modernisierung/Umbau

141

19

122

28

143

12

125

21

124

9

Praxiseinrichtung

272

38

329

41

384

39

330

107

418

46

Sonstige Investitionen

71

47

106

15

69

70

163

43

107

92

Investitionen gesamt

484

499

557

506

596

600

618

551

649

459

Betriebsmittelkredit

58

57

83

40

64

49

42

48

49

45

Finanzierungsvolumen gesamt

542

556

640

546

660

649

660

599

698

504

 

Von allen untersuchten Praxisarten sind die oral- bzw. kieferchirurgischen Niederlassungen am teuersten, was aber in Anbetracht der hohen Kosten für die medizintechnische Ausstattung nicht überrascht. Schwerer verständlich ist, dass bei der Übernahme kieferchirurgischer Praxen für den Goodwill mehr als das Doppelte des Preises als für den Goodwill einer Zahnarztpraxis entrichtet wird, obwohl eine kieferchirurgische Praxis im klassischen Sinn keine „Stammpatienten“ hat. Für oralchirurgische Praxen sieht das etwas anders aus, weil Oralchirurgen auch allgemeinzahnärztliche Tätigkeiten ausführen dürfen. Aber ich kenne niemanden, der freiwillig in regelmäßigen zeitlichen Abständen immer den gleichen Kieferchirurgen aufsucht.

 

FAZIT | Obwohl der „Praxismarkt“ derzeit ein „Käufermarkt“ ist, weil mehr Zahnärzte sich zur Ruhe setzen als niederlassen wollen, bleiben die Kaufpreise bei Praxisübernahmen bisher auf fast konstantem Niveau. Trotzdem steigt das Gesamtfinanzierungsvolumen allmählich. Zu einem beträchtlichen Teil dürfte dies auf gestiegene Preise für die (zahn-)medizintechnische und EDV-technische Ausstattung der Praxis zurückzuführen sein. Die Kosten für den Betriebsmittelkredit sind in den letzten Jahren weitgehend konstant geblieben, was in Anbetracht der anhaltenden Niedrigzinspolitik nicht überrascht. Bei Praxisneugründungen fällt auf, dass die Kosten für den Umbau der Praxisräume deutlich steigen.

 

Quelle: ID 47060481