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·Fachbeitrag ·Praxisorganisation

Halten Sie Ihre Materialpreise aktuell!

von Tanja Jacobs, Dortmund, www.coaching-schmiedel.de

| Wann haben Sie das letzte Mal die Materialpreise für Abformmaterial, Anästhetikum oder Implantate überprüft? In den meisten Praxen werden die Preise ordentlich in das System eingepflegt und bleiben jahrelang unverändert, obwohl die Hersteller ihre Preise regelmäßig „anpassen“. Das hat natürlich negative Folgen für die Wirtschaftlichkeit der Praxis. |

Honorarverluste beim Material vermeiden

Gerade bei Versorgungen, die zeitintensiv und schlecht bewertet sind, macht sich der Verlust bei den Materialien zusätzlich schmerzhaft bemerkbar.

 

  • Beispiel: Unterfütterung einer Totalprothese im OK mit funktioneller Randgestaltung bei einem Kassenpatienten
Termin
Leistung
Behand-
lungsdauer
Nr.
PW
Honorar
(Euro)

1. Termin

Aufbringen von Material auf den Prothesenrändern zur funktionellen Randgestaltung + Abformung der Wangenbänder

 

Abformung (zweites Material) der Gaumenplatte

30 Min.

100e

81

71,44

2. Termin

Abgabe der Prothese mit „einfacher“ Kontrolle

2 Min.

Anmerkung: Es ist durchaus möglich, dass nach einer Unterfütterung Druckstellen entstehen und dass daher ein dritter Termin notwendig wird, um diese Druckstellen zu beseitigen. Meistens ist die Entfernung der Druckstelle sehr zeitintensiv.

3. Termin

Entfernung einer Druckstelle im Oberkiefer auf der rechten Seite (Regio 23, 24 / Wangenband setzt sehr tief an)

15 Min.

 

Das Hauptproblem in diesem Beispiel ist, dass für den dritten Termin kein Honorar berechnet werden kann, da mit den Leistungen nach der BEMA-Nr. 100 alle Nachbehandlungen abgegolten sind. In diesem Beispiel beläuft sich somit das zahnärztliche Honorar auf 71,44 Euro ‒ was in Anbetracht der eingesetzten gesamten Behandlungsdauer von 45 Minuten völlig unzureichend ist.

 

Die Wirtschaftlichkeit dieser Behandlung kann selbstverständlich durch korrekt berechnete Materialpreise nicht „gerettet“ werden. Wir möchten Ihnen jedoch an diesem Beispiel zeigen, welche Auswirkungen es haben kann, wenn Sie Ihre Materialpreise schon lange nicht mehr aktualisiert haben.

 

  • Kalkulation des Unterfütterungsmaterials

Zwei-Komponenten-Silikon

Mischung 1:1 / 150 ml +120 ml

Nettokosten

205,00 Euro + 19 % MwSt

Bruttokosten

243,95 Euro

Preis pro ml

0,904 Euro

Benötigte ml bei OK Totale

20 ml

Entstandene Materialkosten: 18,07 Euro für die Abformung der Gaumenplatte

Material zur Randgestaltung

15 g

Nettokosten

6,25 Euro + 19 % MwSt

Bruttokosten

7,44 Euro

Preis pro g

0,50 Euro

Benötigte Menge

2,5 g

Entstandene Materialkosten: 1,25 Euro für die funktionelle Randgestaltung

 

Somit kostet das gesamte Unterfütterungsmaterial in unserem Beispiel 19,25 Euro. Jetzt stellt sich die Frage: Welche Einbußen hat eine Praxis, die das Material ein Jahr lang nicht aktualisiert hat und den alten Preis von 18,05 Euro ansetzt? Die folgende Tabelle gibt darüber Aufschluss:

 

  • Verluste pro Jahr beim Unterfütterungsmaterial
Anzahl Unterfütterungen pro Woche
Anzahl Unterfütterungen pro Jahr
Berechnete Kosten für Material
Tatsächliche Kosten für Material
Verlust
pro Jahr

1

52

18,05 Euro

19,25 Euro

62,40 Euro

2

104

18,05 Euro

19,25 Euro

124,80 Euro

3

156

18,05 Euro

19,25 Euro

187,20 Euro

 

Sie können leicht den wirtschaftlichen Schaden hochrechnen, wenn Sie sich vor Augen halten, wie viel Abformmaterial, Material für Provisoriumsherstellung, konfektionierte Stifte, Knochenersatzmaterial, Implantate usw. Sie täglich verbrauchen. Der Preisunterschied für jedes einzelne Material muss gar nicht so gravierend sein, um auf erhebliche Gesamtsummen zu kommen.

So machen Sie es sich einfach

Nutzen Sie die Formeln in Excel. Wenn Sie die Excel-Tabelle einmal ordentlich angelegt haben, ist die Kontrolle der Materialpreise schnell durchgeführt. Sie müssen nur noch die aktuellen Preise eintragen ‒ und den Rest erledigt das Programm. Auf diese Weise wird es Ihnen leichter fallen, die Aktualisierung mindestens einmal jährlich vorzunehmen.

 

  • Beispiel für eine Excel-Tabelle mit Materialkostenkalkulation
Produktname
Stück/ml/g pro Packung
Preis netto
(Euro)
Rabatt
in %
Preis inkl.
Rabatt
(Euro)
MwSt in %
Gesamt-
preis
(Euro)
Stück-
preis
(Euro)
Verbrauchsmenge
Tats. entst.
Materialkosten
(Euro)

Abutment

1

249,00

10

224,10

19

266,68

266,68

1

266,68

Alginat Color Löffelgröße 1

10.800

124,90

5

118,66

19

141,20

0,013

14

0,18

Alginat Color Löffelgröße 2

10.800

124,90

5

118,66

19

141,20

0,013

21

0,27

Alginat Color Löffelgröße 3

10.800

124,90

5

118,66

19

141,20

0,013

28

0,37

Unterfütterungsmaterial

270

205,00

205,00

19

243,95

0,904

20

18,07

 

PRAXISHINWEIS | Die entsprechende Tabelle zu den Materialkosten müssen Sie gar nicht selbst anlegen. Eine Vorlage dazu mit hinterlegten Formeln finden Sie unter dem Dokumentennamen „Vorlage-Materialkostenkalkulation“ im Online-Service unter ppz.iww.de bei Downloads (Rubrik „Praxisorganisation“).

 

Machen Sie es genau

Gerade bei teuren Abformmaterialien macht es einen großen Unterschied, wie viel Material Sie verwenden. So benötigen Sie für die Unterfütterung einer Teilprothese deutlich weniger Material als für eine Totalprothese im Oberkiefer. Machen Sie sich die Mühe, Materialpreise für verschiedene Mengen anzulegen. Denken Sie bei der Berechnung auch an die Anmischkanülen und Tips.

 

  • Beispiel für mögliche Differenzierung bei Prothesen
  • Unterfütterungsmaterial für Teilprothese
  • Unterfütterungsmaterial für Totalprothese Oberkiefer
  • Unterfütterungsmaterial für Totalprothese Unterkiefer
 

Richtig berechnen ‒ auch eine gesetzliche Anforderung

Legen Sie den Preis zugrunde, den Sie für die Beschaffung des Materials bezahlen. Zusätzliche Lagerhaltungskosten dürfen Sie nicht berechnen. Rabatte müssen an die Patienten weitergegeben werden.

 

  • Auszug aus der Info-Broschüre „Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen“ der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe

Handelt ein Zahnarzt bei der Bestellung von Dentalmaterialien einen Mengen- bzw. Preisrabatt aus, ist dies unproblematisch, sofern die Rabatte 1 : 1 an den Patienten oder den Kostenträger weitergegeben werden.

 

Die Gewährung eines Skontobetrags von bis zu 3 %, der für einen kurzfristigen Rechnungsausgleich eingeräumt wird, ist stets zulässig. Dieser ist auch nicht als Rabatt, sondern als Zinsausgleich einzuordnen.

 

Anders liegt es bei intransparenten bzw. verdeckten Preisnachlässen, die ausschließlich dem Heilberufsangehörigen zufließen ‒ etwa Boni, Geschenke, „Treueprämien“ oder umsatzbezogene Rückvergütungen („Kick-backs“).

 

Denken Sie auch daran, die Mehrwertsteuer in die Berechnung einzubeziehen. Die Hersteller geben in ihren Katalogen häufig die Nettopreise an. Die Praxis muss jedoch den Bruttopreis an den Patienten weitergeben, da sie selbst nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist.

 

FAZIT | Ein Überblick über die Materialkosten in allen Bereichen ist wichtig. Sehr hilfreich kann es dabei sein, sich diesen Überblick über eine Excel-Tabelle zu verschaffen. Ist diese einmal ordentlich angelegt, ist die Kontrolle und ggf. Anpassung der Materialpreise schnell erledigt. Eine solche Kontrolle sollte mindestens einmal jährlich erfolgen.

 
Quelle: Seite 2 | ID 44744754