logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

·Fachbeitrag ·Materialkosten

Die korrekte Materialkostenberechnung in der GOZ

von Erika Reitz-Scheunemann, www.Training-mit-Biss.de

| Die Berechnung von Material- und Laborkosten in der GOZ 2012 umfasst die Praxiskosten entsprechend dem § 4 Abs. 3 GOZ und die Auslagen für zahntechnische Leistungen gemäß § 9 GOZ. Die Bemessung der Gebührenhöhe und die gestiegenen Kosten - nicht zuletzt auch durch den notwendigen Hygieneaufwand mit der Verwendung von Einmalmaterialien - erfordern einen kritischen Blick auf die Berechnungsmöglichkeiten. |

Welche Praxiskosten sind in den Gebühren enthalten?

Mit den Gebühren für die zahnärztlichen Leistungen sind die Praxiskosten einschließlich der Kosten für Füllungsmaterial, den Sprechstundenbedarf, die Anwendung von Instrumenten und Apparaten sowie für Lagerhaltung abgegolten, soweit nicht im Gebührenverzeichnis etwas anderes bestimmt ist (GOZ § 4 Abs. 3, Satz 1). Diese Kosten dürfen nicht gesondert berechnet werden und eine Abtretung des Vergütungsanspruchs in Höhe solcher Kosten ist gegenüber dem Zahlungspflichtigen unwirksam (§ 4 Abs. 4 GOZ). Abweichend hiervon gibt es die konsentierten Beschlüsse des Beratungsforums zu Gebührenordnungsfragen und die sogenannte „Zumutbarkeitsgrenze“.

Welche Kosten sind gesondert berechnungsfähig?

Entsprechend den Bestimmungen im Allgemeinen Teil der Gebührenabschnitte sowie im Leistungstext der GOZ sind folgende Kosten gesondert berechenbar:

 

A. Allgemeine zahnärztliche Leistungen: Abformungsmaterialien, verwendete Anästhetika zu den GOZ-Nrn. 0090, 0100

 

C. Konservierende Leistungen: Nur einmal verwendbare Nickel-Titan-Instrumente zur Wurzelkanalaufbereitung, Verankerungselemente zur GOZ-Nr. 2195 (zum Beispiel Glasfaserstift), konfektionierte Kronen (GOZ-Nr. 2250), konfektionierte Provisorien (GOZ-Nrn. 2260, 2270)

 

D. Chirurgische Leistungen: Knochenersatzmaterialien, Materialien zur Förderung der Blutgerinnung oder der Geweberegeneration (zum Beispiel Membranen), Materialien zum Verschluss von oberflächlichen Blutungen bei hämorrhagischen Diathesen oder zum Schutz wichtiger anatomischer Strukturen (zum Beispiel Nerven), atraumatisches Nahtmaterial, nur einmal verwendbare Explantationsfräsen, die Kosten für konfektionierte apikale Stiftsysteme (GOZ-Nrn. 3110 und 3120)

 

E. Leistungen bei Erkrankungen der Mundschleimhaut und des Parodontiums

Knochenersatzmaterialien, Materialien zur Förderung der Blutgerinnung oder der Geweberegeneration (zum Beispiel Membranen - GOZ-Nr. 4138), Materialien zum Verschluss von oberflächlichen Blutungen bei hämorrhagischen Diathesen oder zum Schutz wichtiger anatomischer Strukturen (zum Beispiel Nerven), atraumatisches Nahtmaterial und Materialien zur Fixierung von Membranen, antibakterielle Materialien (GOZ-Nr. 4025), einmal verwendbarer Knochenkollektor oder Knochenschaber (GOZ-Nr. 4110)

 

G. Kieferorthopädische Leistungen: Die Leistungen nach den GOZ-Nrn. 6100 (Eingliedern eines Klebebrackets ...), 6120 (Eingliederung eines Bandes ...), 6140 (Eingliederung eines Teilbogens) und 6150 (Eingliederung eines unge-

teilten Bogens) enthalten auch die Material- und Laborkosten für Standardmaterialien wie zum Beispiel unprogrammierte Edelstahlbrackets, unprogrammierte Attachments und Edelstahlbänder. Werden darüber hinausgehende Materialien verwendet, so können die Mehrkosten für diese Materialien gesondert berechnet werden, wenn dies vor der Verwendung mit dem Zahlungspflichtigen nach persönlicher Absprache schriftlich vereinbart worden ist. Diese Vereinbarung hat Angaben über die voraussichtliche Höhe der einzelnen Material- und Laborkosten und die Material- und Laborkosten der in Abzug zu bringenden Standardmaterialien zu enthalten. In der Vereinbarung ist darauf hinzuweisen, dass eine Erstattung durch Erstattungsstellen möglicherweise nicht im vollen Umfang gewährleistet ist.

 

Die Kosten für die eingegliederten Hilfsmittel nach den Nrn. 6160 und 6170 sind gesondert berechnungsfähig.

 

J. Funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen: Materialien für die Bissnahme, Stützstiftbesteck

 

K. Implantologische Leistungen: Die verwendeten Implantate, Implantatteile und nur einmal verwendbare Implantatfräsen sind gesondert berechnungsfähig. Knochenersatzmaterialien sowie Materialien zur Förderung der Blutgerinnung oder der Geweberegeneration (zum Beispiel Membranen), zur Fixierung von Membranen, zum Verschluss von oberflächlichen Blutungen bei hämorrhagischen Diathesen oder wenn dies zum Schutz wichtiger anatomischer Strukturen (zum Beispiel Nerven) erforderlich ist sowie atraumatisches Nahtmaterial oder nur einmal verwendbare Explantationsfräsen sind gesondert berechnungsfähig. Darüber hinaus gilt dies für einmal verwendbare Knochenkollektoren oder Knochenschaber (GOZ-Nr. 9090) und Fixierungselemente für Navigationsschablone (Nr. 9005).

 

Ersatz von Auslagen für zahntechnische Leistungen

Der Ersatz von Auslagen für zahntechnische Leistungen (§ 9 GOZ) kann neben den Gebühren für die zahnärztliche Leistung und den berechnungsfähigen Kosten (§ 4 Abs. 3 GOZ) in der Höhe der tatsächlich entstandenen und angemessenen Kosten berechnet werden. Ausgeschlossen hiervon sind Kosten, die bereits in den Gebühren berücksichtigt wurden. Es gibt kein Laborverzeichnis zur GOZ, sondern mit der BEB nur eine Empfehlung des VDZI.

 

Beispiel: Die Herstellung einer individuell gefertigten Schiene als Medikamententräger zur GOZ-Nr. 1030 (zum Beispiel Tiefziehschiene) ist als zusätzlich berechnungsfähig in der Gebührenordnung aufgeführt. Diese individuell gefertigte Schiene erfordert in der Regel eine Abformung und die Herstellung im zahntechnischen Labor. Sie wird somit dem § 9 der GOZ zugeordnet.

Die korrekte Berechnung nicht gesondert aufgeführter Kosten

Hier gibt es Abrechnungsempfehlungen mit Verlagerungen dieser Kosten in andere Bereiche. Das ist keine Lösung, die einer schlüssigen Argumentation folgen kann; betriebswirtschaftlich verständlich ist sie allerdings. Das Missverhältnis von Honorar und Materialkosten und die unterschiedlichen Kommentierungen werden am Beispiel der Behandlung von überempfindlichen Zahnflächen dargestellt. Dies ist auf einige Bereiche in der GOZ übertragbar. Die Behandlung von überempfindlichen Zahnflächen ist an bleibenden Zähnen und Milchzähnen berechnungsfähig. Die GOZ-Nr. 2010 wird konventionell durch die Anwendung von verschiedenen Materialien (zum Beispiel Fluoridgel) mit dem Ziel der Desensibilisierung erbracht.

 

  • GOZ-Nr. 2010
Leistungstext
Gebühr in Euro

Behandlung überempfindlicher Zahnflächen, je Kiefer

2,81 (Faktor 1,0); 6,47 (Faktor 2,3); 9,84 (Faktor 3,5)

 

Die Materialkosten für die hygienefreundliche Single-Dosis eines marktüblichen Präparates für diese Behandlung betragen ca. 1,95 Euro. Das Material ist in der GOZ nicht gesondert aufgeführt und daher ist die Berechnungsmöglichkeit für die zahnärztliche Praxis nicht eindeutig geregelt.

 

Zur Berechnungsfähigkeit solcher Materialien vertritt die Bundeszahnärztekammer in ihrem GOZ-Kommentar (Stand: 1. Oktober 2014) die folgende Auffassung: „Aufgrund des BGH-Urteils vom 27.05 2004 (Az. III ZR 264/03) muss davon ausgegangen werden, dass sich die Instanzen der Bewertung des BGH anschließen werden, der die Materialkosten als getrennt berechenbar ansieht, sofern die Zumutbarkeitsgrenze überschritten ist. Ausgehend hiervon ist die Zumutbarkeitsgrenze mindestens dann überschritten, wenn die Materialkosten den Einfachsatz der zugrunde liegenden Gebühr aufbrauchen.“

 

Andere Zahnärztekammern vertreten die Auffassung, dass die Zumutbarkeitsgrenze bereits bei 30 Prozent des Einfachsatzes erreicht ist, weil solche Materialkosten - in Relation zu den zugrunde liegenden Leistungen - unzumutbar hoch sind. Überschreiten die Materialkosten diesen Satz, sind sie gesondert berechnungsfähig (LZÄK Baden-Württemberg, Stand: Februar 2015).

Das Beratungsforum zu Gebührenordnungsfragen

Das Beratungsforum zu Gebührenordnungsfragen - besetzt mit Vertretern der BZÄK, dem PKV-Verband und den Beihilfestellen - hat unter Berücksichtigung des BGH-Urteils die Materialkostenberechnung von Oraquix® bei GOZ-Nr. 0080 und im Zusammenhang mit der Nr. 2440 die Materialien Harvard MTA OptiCaps® und ProRoot MTA® als gesondert berechnungsfähig konsentiert.

 

Einige Zahnärztekammern werten das BGH-Urteil als keine Grundsatz- oder Leitsatzentscheidung, weshalb die „Unzumutbarkeitsgrenze“ nicht abgeleitet werden kann. Sie empfehlen für eine rechtssichere Liquidation den Abschluss einer Vergütungsvereinbarung gemäß § 2 Abs. 1 und 2 der GOZ. Diese Auffassung kann auch aus den weiteren Ausführungen der BZÄK abgeleitet werden. Zitat: „Dessen ungeachtet ist, wenn besonders teure Materialien zur Anwendung kommen, der Abschluss einer Vergütungsvereinbarung, die die Materialkosten hinreichend berücksichtigt, das Mittel der Wahl.“

 

Der Abschluss einer Vergütungsvereinbarung erfordert ein vom Verordnungsgeber vorgeschriebenes aufwendiges Procedere. Dazu zählen die Patientenaufklärung, die individuelle Wahl des Steigerungsfaktors und die schriftliche Vereinbarung vor Beginn der Behandlung. Es dürfte wohl eher praxisfern sein, diesen Aufwand für einen derart geringen Betrag zu betreiben - vor allem wenn es sich um einen Schmerzpatienten handelt.

 

  • Beispiel für die Rechnungslegung mit Auslagen unter Berücksichtigung des BGH-Urteils
Datum
Region
Nr.
Leistungsbeschreibung
Begr.
Faktor
Anz.
Euro

12.02.

15-25

2010

Behandlung überempfindlicher Zahnflächen, je Kiefer

1

3,5

1

9,84

§ 3, § 4 GOZ Materialkosten

Tats. Kosten

 

1 Begründung: Weit überdurchschnittliche Schwierigkeit durch die Anzahl der behandelten Flächen

Quelle: Seite 5 | ID 43220528