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30.05.2008 |Kapitalanlagen

Wie Sie die Auswirkungen der neuen Abgeltungsteuer optimal nutzen können

Ab dem 1. Januar 2009 wird bekanntlich eine Abgeltungsteuer für alle privaten Kapitaleinkünfte eingeführt, die Ihnen nach dem 31. Dezember 2008 zufließen. Einheitlich für alle Zinserträge aus Geldanlagen bei Sparkassen und Banken, Dividenden aus Aktiendepots, Erträge aus Investmentfonds, festverzinslichen Anlagen oder Termingeschäften wird dabei direkt an der Quelle eine Pauschalbesteuerung durchgeführt (ausführlich „Apotheker Berater“ Nr. 12/2007, S. 11 ff.). Damit Sie sich rechtzeitig auf die Neuregelung einstellen können, erhalten Sie die erforderlichen Informationen über die Auswirkungen der neuen Abgeltungsteuer auf die verschiedenen Formen der Kapitalanlagen. Übergangsregelungen ermöglichen Ihnen zudem einige Steueroptimierungen. 

Erleichterungen bei der Einkommensteuer-Erklärung

Bisher muss jeder Kapitalanleger seine privaten Kapitalerträge in der Einkommensteuer-Erklärung als Einkünfte aus Kapitalvermögen angeben und mit dem individuellen Steuersatz versteuern, in der Spitze mit 45 Prozent. Die auf die gutgeschriebenen Ausschüttungen usw. von der Bank erhobenen Steuerabzugsbeträge wie Kapitalertragsteuer beispielsweise auf Dividenden mit 20 Prozent der Zinsabschläge von 30 Prozent werden auf die Einkommensteuerschuld angerechnet. 

 

Ab 2009 wird als Abgeltungsteuer ein einheitlicher Steuerabzug in Höhe von 25 Prozent für Erträge aus allen privaten Kapitalanlagen eingeführt. Die Kreditinstitute werden die Abgeltungsteuer direkt und anonym an das Finanzamt abführen. Die Anonymität der Anlage und der niedrige Steuersatz sollen den Finanzplatz Deutschland stärken. In der Einkommensteuer-Erklärung brauchen die pauschal versteuerten Erträge dann nicht mehr angegeben zu werden. Damit werden die Finanzämter auch künftig auf viele Kontenabfragen verzichten. 

 

Hinweis: Zur Abgeltungsteuer hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent und gegebenenfalls die Kirchensteuer je nach Bundesland von 8 oder 9 Prozent der Abgeltungsteuer, sodass sich eine effektive Belastung von zwischen 26 und 29 Prozent ergeben wird. 

Sonderregelung für die Kirchensteuer

Bei der Kirchensteuer gibt es eine Sonderregelung: Die Kirchensteuer können Sie bereits bei der Auszahlung von Zinsen und anderen Kapitalerträgen abziehen lassen. Dann müssen Sie das nicht erst in Ihrer Einkommensteuer-Erklärung erledigen. Die Bank berücksichtigt dabei, dass Sie die Kirchensteuer wie bisher bei den Sonderausgaben absetzen können. Sie mindert deshalb die Abgeltungsteuer bei 9 Prozent Kirchensteuer auf 24,45 Prozent (409/100) und bei einer achtprozentigen Kirchensteuer auf 24,51 Prozent.  

 

Beispiel

Bei einer Zinsgutschrift von 100 Euro und 9 Prozent Kirchensteuer bleiben Ihnen damit beispielsweise 

 

Zinsgutschrift 

100,00 Euro 

Abgeltungsteuer 24,45 Prozent 

- 24,45 Euro 

Soli-Zuschlag (5,5 Prozent von 24,45 Euro) 

- 1,35 Euro 

Kirchensteuer (9 Prozent von 24,45 Euro) 

- 2,20 Euro 

Zinsen nach Steuern 

71,00 Euro 

Werbungskosten sind nicht mehr abzugsfähig

Neu ab dem Jahr 2009 ist der Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro für Alleinstehende bzw. 1.602 Euro bei einer Zusammenveranlagung. Der bis 2008 berücksichtigte Sparer-Freibetrag von 750 bzw. 1.500 Euro bei den Einkünften aus Kapitalvermögen sowie die Werbungskosten-Pauschale von 51 bzw. 102 Euro entfallen. Tatsächliche Werbungskosten (Depot- und Bearbeitungsgebühren, Schuldzinsen) sind künftig nicht mehr abzugsfähig. 

Freistellungsaufträge stellen

Um die pauschale Versteuerung mit 25 Prozent künftig zu vermeiden, können Sie wie bisher einen Freistellungsauftrag bei der Bank bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrags vorlegen. Bei Gutschriften wird dann bis zur Höhe des Freistellungsbetrags kein Steuerabzug vorgenommen. Bereits vor dem 1. Januar 2009 erteilte Freistellungsaufträge bleiben gültig. Sie brauchen in diesem Fall nichts zu veranlassen. Sie können die Gelegenheit aber auch für eine künftig optimale Neuverteilung Ihres Freistellungsbetrags nutzen.  

 

Beispiel

Der verheiratete konfessionslose Apotheker A hat Einnahmen aus Kapitalvermögen aus einem Depot mit Bundesanleihen, Sparkassenbriefen usw. von insgesamt 5.000 Euro. Auf einem Festgeldkonto spart er außerdem bis zu 20.000 Euro für die vierteljährlichen Einkommensteuer-Vorauszahlungen an. An Werbungskosten (Depot- und andere Gebühren) fallen jährlich etwa 120 Euro an. Welche Steuern fallen an? 

 

Lösung

Der Vergleich zwischen der Einkommensteuer 2008 und der Abgeltungsteuer ab 2009 zeigt folgende Steuerlast: 

 

 

Versteuerung in 2008 

Geltendes Steuerrecht 

Versteuerung ab 2009 

Künftiges Steuerrecht 

Zinsen Depot 

5.000 Euro 

5.000 Euro 

Festgeldkonto 

400 Euro 

400 Euro 

Sparbuch Ehefrau 

300 Euro 

300 Euro 

zusammen 

5.700 Euro 

5.700 Euro 

Sparer-Freibetrag 

- 1.500 Euro 

Werbungskosten 

- 120 Euro 

Sparer-Pauschbetrag 

- 

- 1.602 Euro 

zu versteuern 

4.080 Euro 

4.098 Euro 

Persönlicher Steuersatz 40 Prozent 

- 1.631 Euro 

Abgeltungsteuer 25 Prozent 

- 1024 Euro 

Soli-Zuschlag 5,5 Prozent 

- 90 Euro 

- 56 Euro 

Verbleiben netto 

2.358 Euro 

3.018 Euro 

 

Ergebnis: Bei Einnahmen in gleicher Höhe spart der Apotheker mit der Abgeltungsteuer von 25 Prozent im Jahr 2009 immerhin 660 Euro. 

Option für den persönlichen Steuersatz

Für die meisten Kapitalanleger - auch für Steuerzahler mit geringen Einkünften - wird ab 2009 keine höhere steuerliche Belastung durch die Abgeltungsteuer entstehen. Es wäre daher völlig falsch, sich noch im laufenden Jahr beispielsweise von gut laufenden Aktien oder Fonds zu trennen.  

 

Wenn der persönliche Steuersatz unterhalb des Abgeltungsteuersatzes von 25 Prozent liegt, gilt Folgendes: Der persönliche Steuersatz beträgt weniger als 25 Prozent bei einem zu versteuernden Einkommensbetrag bei Ledigen von weniger als 15.000 Euro bzw. bei der Zusammenveranlagung von weniger als 30.000 Euro. In diesem Fall kann eine Einkommensteuer-Festsetzung beantragt werden. Die mit 25 Prozent versteuerten Kapitaleinkünfte werden dann mit dem persönlichen, nämlich dem niedrigeren Steuersatz versteuert.  

Die Ausnahmen von der Abgeltungsteuer

Erträge aus betrieblichen Konten werden auch künftig als Gewinne aus Gewerbebetrieb mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Aber Hinweis: Haben Sie als Apotheker ein betriebliches Konto bei einer Genossenschaftsbank, müssen Sie ab 2009 für die Dividende auf die Anteilsausschüttungen eine Abgeltungsteuer bezahlen. Die Sonderregelung, nach der Genossenschaftsmitglieder bisher bis zu 51 Euro Dividende steuerfrei kassieren konnten, entfällt.  

 

Eine weitere Ausnahme von der Abgeltungsteuer gilt bei Darlehen zwischen nahen Angehörigen. Die Zinsen daraus unterliegen weiterhin dem individuellen Einkommensteuersatz. Wer insofern als naher Angehöriger anzusehen ist, muss allerdings das Bundesministerium für Finanzen noch endgültig klären. Der Ehegatte und die Verwandten des Apothekers in gerader Linie werden sicherlich dazu gehören.  

 

Bei der gesetzlich geförderten privaten Altersvorsorge wie Riester- und Rürup-Rente sowie bei der betrieblichen Altersvorsorge (beispielsweise durch Entgeltumwandlung) werden von den laufend gutgeschriebenen Erträgen keine Abgeltungsteuern erhoben. Die späteren Renten aus diesen Altersvorsorgeprodukten müssen aufgrund der ab 2005 eingeführten nachgelagerten Besteuerung erst in der Auszahlungsphase voll bzw. im Rahmen einer Übergangsregelung nur teilweise versteuert werden. 

 

Für Lebensversicherungsverträge, die nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossen werden, gibt es keine steuerlichen Vergünstigungen mehr. Die Erträge aus diesen Lebensversicherungsverträgen sind in vollem Umfang einkommensteuerpflichtig - und zwar ohne Rücksicht darauf, ob es sich um rechnungs- oder außerrechnungsmäßige Zinsen aus den Sparanteilen handelt. Als Erträge behandelt das Finanzamt die Differenz zwischen dem Auszahlungsbetrag und den entrichteten Beiträgen. Erfolgt die Auszahlung aber nach Ihrem 60. Lebensjahr und beträgt die Laufzeit der Lebensversicherung mindestens zwölf Jahre, bleibt die Hälfte der Erträge steuerfrei (siehe aber auch „Apotheker Berater“ Nr. 2/2007, S. 2 - KI). 

 

Die Beiträge zu einer ab dem 1. Januar 2005 geschlossenen privaten Rentenversicherung können Sie nicht mehr als Sonderausgaben von der Einkommensteuer abziehen. Da hier ebenso die nachgelagerte Besteuerung gilt, brauchen Sie für die laufend gutgeschriebenen Zinsen keine Abgeltungsteuer zu zahlen. Eine später gezahlte lebenslange Rente versteuern Sie je nach Lebensalter bei Rentenbeginn dauerhaft nur mit dem Ertragsanteil. Bei einer Teil-Kapitalauszahlung, werden - wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen - der ausgezahlte Betrag nur zur Hälfte und die lebenslange Rente begünstigt besteuert. 

 

Praxistipp: Für viele Apotheker wird die Abgeltungsteuer deutlich niedriger sein als der bisherige Grenzsteuersatz von bis zu 45 Prozent. Ihre kurzfristige Strategie sollte daher jetzt sein, möglichst viele Erträge des Jahres 2008 auf die Jahre 2009 und später zu verschieben. So entsteht beispielsweise die Steuerpflicht für Zinsen aus abgezinsten Finanzschätzchen oder bei Bundesschatzbriefen Typ B erst im Jahr der Fälligkeit. Wer jetzt eine mehrjährige Variante wählt, kassiert dann mit der Abgeltungsteuer einen höheren Nettobetrag. 

 

Quelle: Ausgabe 06 / 2008 | Seite 14 | ID 119577