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·Fachbeitrag ·Kostenfaktoren

5. Externer Betriebsvergleich 2010/11: Wareneinsatz und Personalkosten drücken die Ergebnisse

| Der vorliegende Betriebsvergleich schlüsselt die Ergebnisentwicklung der Apotheken in den Jahren 2010/2011 im Detail auf. Nachdem die letzten Jahre einen deutlichen Abwärtstrend der Betriebsergebnisse mit sich brachten, konnte dieser 2010 durch die Rückzahlung der zuvor zu viel gezahlten Kassenabschläge etwas gedämpft werden. Da diese Notbremse 2011 nicht mehr im gleichen Maße für Linderung sorgte, führen die Ergebnisse nun unverfälscht den vorherigen Trend fort. Der Wegfall der Rückzahlungen ist an der starken Veränderung im Bereich der neutralen Erträge abzulesen. |

Datenhintergrund

Bei der Auswertung werden Ost- und West-Apotheken unterschieden, da noch immer starke Unterschiede bezüglich der Personal- und Raumkosten zwischen den alten und den neuen Bundesländern bestehen. Innerhalb dieser beiden Pools findet keine weitere Untergliederung statt.

 

Ausgehend von den Mittelwerten kann bei Apotheken im ländlichen Bereich unterstellt werden, dass die Personalkosten ca. ein Prozent und die Raumkosten zwei Prozent unter den Mittelwerten liegen. Für Apotheken in Center- oder Innenstadtlage müssen demgegenüber die gleichen Werte auf die Personal- und Raumkosten addiert werden. Im Betriebsergebnis finden sich diese beiden Abweichungen jedoch nur in abgeschwächter Form wieder, da die Landapotheke zwar geringere Kosten aufweist, allerdings aufgrund des niedrigeren OTC-Anteils einen höheren Wareneinsatz verbucht. Umgekehrt profitieren Center- und Innenstadt-Apotheken von ihrem hohen OTC-Anteil, kämpfen aber mit hohen Mietkosten und dem hohen Personalaufwand, der von langen Öffnungszeiten und hoher Kundenfrequenz herrührt.

Ergebnisse der West-Apotheken

Die West-Apotheken erwirtschafteten 2011 im Durchschnitt einen Umsatzzuwachs von 1,54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das entspricht einer Verbesserung von 25.710 Euro auf 1.698.853 Euro. Die Steigerung ist primär den um 3,19 Prozent gesteigerten Erlösen im Bereich der Tageskasse zu verdanken. Da der Wareneinsatz nur geringfügig um 0,07 Prozentpunkte anstieg, erhöhte sich der Rohertrag um 5.672 Euro auf 442.790 Euro.

 

Betrachtet man die Kosten der Apotheken im Westen, fallen zuerst die Personalkosten ins Auge, da diese um 10.161 Euro auf 192.027 Euro anstiegen. Sie liegen mit 11,3 Prozent um 0,4 Prozentpunkte über denen des Vorjahres. Da auch die Raumkosten im Vergleich zu 2010 um 1.934 Euro stiegen - sie lagen 2011 bei 1,7 Prozent - und die anderen Kostenarten stagnierten oder nur leicht sanken, steht unterm Strich eine Steigerung der Gesamtkosten um 4,3 Prozent. Mit 333.194 Euro übersteigen Sie die Werte des Jahres zuvor um 13.779 Euro.

 

In Summe betrachtet, errechnet sich aus den Veränderungen ein um 5,5 Prozentpunkte respektive 6.490 Euro gesunkenes Betriebsergebnis. Lag dieses 2010 noch bei 7,08 Prozent des Umsatzes, waren es 2011 nur noch 6,59 Prozent, was 111.902 Euro entspricht.

 

  • West
2010
% Erlöse
2011
% Erlöse
Veränderung

Erlöse Tageskasse

527.766

31,54 %

544.616

32,06 %

3,19 %

Erlöse Krankenkasse

1.145.377

68,46 %

1.154.236

67,94 %

0,77 %

Erlöse insgesamt

1.673.143

100,00 %

1.698.853

100,00 %

1,54 %

Wareneinsatz

1.236.025

73,87 %

1.256.062

73,94 %

1,62 %

Rohgewinn I

437.118

26,13 %

442.790

26,06 %

1,30 %

Erlöse geringe Aufschläge

30.776

1,84 %

55.750

3,28 %

81,15 %

Wareneinkauf geringe Aufschläge

30.087

1,80 %

53.445

3,15 %

77,64 %

Rohgewinn II

690

0,04 %

2.305

0,14 %

234,33 %

Rohgewinn insgesamt

437.807

26,17 %

445.096

26,20 %

1,66 %

Personalkosten

181.866

10,87 %

192.027

11,30 %

5,59 %

Raumkosten

27.011

1,61%

28.945

1,70 %

7,16 %

Apothekenspezifische Kosten

15.565

0,93%

15.804

0,93 %

1,53 %

Kfz-Kosten

6.780

0,41%

6.608

0,39 %

- 2,54 %

Werbekosten

16.230

0,97%

16.680

0,98 %

2,77 %

Weitere Kosten

71.963

4,30%

73.130

4,30 %

1,62 %

Gesamtkosten

319.415

19,09%

333.194

19,61 %

4,31 %

Betriebsergebnis

118.392

7,08%

111.902

6,59 %

- 5,48 %

Neutrales Ergebnis

17.123

1,02%

1.149

0,07 %

- 93,29 %

Vorläufiges Ergebnis

135.515

8,10%

113.050

6,65 %

- 16,58 %

 

Ergebnisse der Ost-Apotheken

Der Blick auf die Umsatzentwicklung der Apotheken in den neuen Bundesländern zeigt einen Rückgang des Umsatzes um 1,57 Prozent. Mit 1.802.966 Euro lag dieser 2011 um 28.802 Euro unter dem Umsatz von 2010. Grund hierfür ist in erster Linie der um 1,72 Prozent gesunkene Umsatz im Bereich der GKV. Hinzu kam ein um nahezu ein Prozent auf 77,34 Prozent gestiegener Wareneinsatz. Beides zusammen mündet in einem Rohertrag, der mit 408.559 Euro um 24.338 Euro niedriger ist, als der des Vorjahres.

 

Die Kosten entwickelten sich im Bereich der Personalkosten ebenfalls nach oben. Diese stiegen um 0,3 Prozentpunkte auf 9,58 Prozent. Damit liegen sie zwar immer noch um 1,7 Prozentpunkte unter denen im Westen, erreichen für den Osten aber mit 172.702 Euro einen neuen Höchstwert. Während die Raumkosten stagnierten, fallen die Werbekosten sogar durch eine deutliche Senkung auf. Sie reduzierten sich von 1,43 Prozent auf 1,05 Prozent. Die absoluten Werbekosten gingen dadurch um 7.304 Euro auf 18.967 Euro zurück. Dieser Kostenrückgang sorgte auch dafür, dass die Gesamtkosten sich um 6.807 Euro auf 301.402 Euro verringerten. Sie betrugen 16,72 Prozent des Umsatzes.

 

Der Rückgang der Kosten reicht nicht aus, um den gesunkenen Umsatz wettzumachen. Das Betriebsergebnis sank 2011 gegenüber 2010 um 14,64 Prozent respektive 19.096 Euro. Mit 111.306 Euro beträgt es 6,17 Prozent des Umsatzes.

 

  • Ost
2010
% Erlöse
2011
% Erlöse
Veränderung

Erlöse Tageskasse

314.675

17,18 %

311.959

17,30 %

- 0,86 %

Erlöse Krankenkasse

1.517.092

82,82 %

1.491.008

82,70 %

- 1,72 %

Erlöse insgesamt

1.831.768

100,00 %

1.802.966

100,00 %

- 1,57 %

Wareneinsatz

1.398.870

76,37 %

1.394.408

77,34 %

- 0,32 %

Rohgewinn I

432.897

23,63 %

408.559

22,66 %

- 5,62 %

Erlöse geringe Aufschläge

65.879

3,60 %

53.429

2,96 %

- 18,90 %

Wareneinkauf geringe Aufschläge

60.165

3,28 %

49.280

2,73 %

- 18,09 %

Rohgewinn II

5.714

0,31 %

4.149

0,23 %

- 27,38 %

Rohgewinn insgesamt

438.611

23,94 %

412.708

22,89 %

-5,91 %

Personalkosten

169.713

9,26 %

172.702

9,58 %

1,76 %

Raumkosten

28.002

1,53 %

27.985

1,55 %

- 0,06 %

Apothekenspezifische Kosten

15.135

0,83 %

15.070

0,84 %

- 0,43 %

Kfz-Kosten

4.789

0,26 %

5.277

0,29 %

10,21 %

Werbekosten

26.271

1,43 %

18.967

1,05 %

- 27,80 %

Weitere Kosten

64.301

3,51 %

61.400

3,41 %

- 4,51 %

Gesamtkosten

308.209

16,83 %

301.402

16,72 %

- 2,21 %

Betriebsergebnis

130.402

7,12 %

111.306

6,17 %

- 14,64 %

Neutrales Ergebnis

21.972

1,20 %

5.188

0,29 %

- 76,39 %

Vorläufiges Ergebnis

152.374

8,32 %

116.494

6,46 %

- 23,55 %

 

Bewertung

Die Durchschnittsapotheke musste im Jahr 2011 ein - im Vergleich zu 2010 - deutlich gesunkenes Betriebsergebnis hinnehmen. Dafür sind in erster Linie der Wareneinsatz und die Personalkosten verantwortlich. Erstgenannter stieg allen Befürchtungen aufgrund des AMNOG zum Trotz zwar nur moderat an, allerdings steht der diesbezüglich größte Sprung auch erst 2012 mit der Umstellung auf die endgültige Vergütungsform des Großhandels an. Die ersten Verhandlungsgespräche mit den Großhändlern zeigten jedenfalls deutlich schlechtere Rabatte für die Apotheken als in den Jahren zuvor.

 

Für die Verschlechterung des Ergebnisses waren die deutlich höheren Personalkosten noch entscheidender, da 2011 eine Tariflohnerhöhung durchgesetzt wurde. Erschwerend kamen der nach wie vor hohe Beratungsbedarf aufgrund der Rabattverträge sowie ein allgemein immer stärkerer Verwaltungsaufwand in den Apotheken hinzu.

 

Hinweis | Im Osten wurden die oben beschriebenen Auswirkungen noch durch einen Umsatzrückgang verstärkt, sodass hier auch die Verschlechterung des Betriebsergebnisses deutlicher ausfällt als in den alten Bundesländern.

Quelle: Sonderausgabe 02 / 2016 | Seite 22 | ID 44172428