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·Fachbeitrag ·Apothekennachfolge, Teil 1

Die Erfolgsfaktoren der Nachfolgeplanung

von Dipl.-Kfm. Dr. Norbert Medelnik, München, beratung@medelnik.com

| In der Praxis lässt sich beobachten, dass es oft an strategischer Planung und vorausschauender Vorbereitung sowie einer betriebswirtschaftlich stichhaltigen Unternehmensbewertung mangelt. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn wird in Deutschland in den kommenden Jahren die Nachfolge für ca. 110.000 mittelständische Familienunternehmen anstehen - darunter auch viele Apotheken. Neben der altersbedingten Nachfolge kommt es immer wieder zu Übernahmen, die durch Notfälle verursacht werden. AH zeigt, wie Sie Ihre Nachfolge vorausschauend angehen. |

Die Nachfolge ist ein komplexes Thema

Bei einer vorausschauenden Nachfolgeplanung muss eine Reihe wichtiger Aspekte aufeinander abgestimmt werden. Die Abb. 1 gibt einen Überblick über die Aspekte der Nachfolgeplanung und deren gegenseitige Abhängigkeiten.

Die Basis der Nachfolgeplanung bildet der wirtschaftliche Rahmen der Apotheke, denn daraus leitet sich der Apothekenwert ab. Dieser bestimmt erfahrungsgemäß in hohem Maße die Größe des Nachfolgekandidaten-Pools: Größere Apotheken aus höheren Umsatzgrößenklassen ziehen eine höhere Zahl an Übernahme- bzw. Kaufinteressenten an. Die Herkunft des Nachfolgekandidaten (z. B. aus der Familie, dem Kreis der Mitarbeiter oder extern) beeinflusst die Form der Nachfolge (z. B. Verkauf, Verpachtung usw.), die Zeitplanung und die Funktion des Seniors nach der Übergabe der Apotheke. Schließlich muss eine umsichtige Nachfolgeplanung auch geeignet sein, die Interessen der übrigen Familienmitglieder zu berücksichtigen, um den Familienfrieden dauerhaft wahren zu können.

 

Dies alles macht deutlich, dass jede Nachfolgeplanung eine individuelle Betrachtung benötigt, da die Situation und die Ausprägungen der Einflussfaktoren zum Teil vollkommen unterschiedlich gelagert sind. Klar wird auch, dass eine Nachfolgeplanung rechtzeitig vorgenommen werden muss, wenn sie geeignet sein soll, alle genannten Aspekte möglichst gut zu berücksichtigen.

Die vier zentralen Erfolgsfaktoren der Nachfolge

Nach den Erfahrungen aus der Beratungspraxis sind es in erster Linie vier Faktoren, die sich entscheidend auf den Erfolg einer Nachfolge auswirken: die Apotheke, der Kandidat, der Zeitplan und die Konditionen.

 

Apotheke

Wichtige Aspekte zur Beurteilung des Unternehmens bzw. der Apotheke sind:

 

  • Die Qualität des Standortes
  • Die Struktur des Ärztebesatzes
  • Die Intensität des Wettbewerbs
  • Die aktuelle und zukünftige Rentabilität
  • Die Modernität bzw. der Investitionsbedarf
  • Das Ausmaß der Inhaberabhängigkeit

 

Kandidat

Einem Nachfolgekandidaten werden im Allgemeinen dann gute Chancen zugeschrieben, wenn er sich durch folgende Eigenschaften auszeichnet:

 

  • Solide fachliche und betriebswirtschaftliche Ausbildung
  • Den Willen und die Fähigkeit, Überdurchschnittliches zu leisten
  • Ein hohes Maß an Kreativität und Mut, sich von Traditionen zu lösen
  • Kenntnisse anderer Apotheken und Betriebsformen durch „Wanderjahre“
  • Hohe Belastbarkeit, gesundheitliche, physische und psychische Stabilität
  • Menschenkenntnis, Team- und Führungsfähigkeit

 

Zeitplan und Konditionen

Auch der Zeitplan ist als ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Nachfolge anzusehen. Im Idealfall wird bei einem geplanten Ausstiegsalter von 65 Jahren bereits mit ca. 50 Jahren ein Nachfolgekonzept entwickelt:

 

 

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass die Nachfolge z. B. aufgrund eines Krankheitsfalles über Nacht vollzogen werden muss, sodass alle Planungsphasen auf den Übergabezeitpunkt zusammengedrängt werden. Es liegt auf der Hand, dass die Ergebnisse in diesen Fällen suboptimal ausfallen bzw. immer wieder viel Vermögen verloren geht.

 

Der notwendige Zeitbedarf für eine Apothekennachfolge richtet sich u. a. auch nach der Übergabeform: Soll die Apotheke beispielsweise auf einen oder mehrere Mitarbeiter übertragen werden, so ist in der Regel ein längerer Vorlauf nötig, da die erforderlichen Qualifikationen erst Schritt für Schritt aufgebaut werden müssen. Dagegen lässt sich ein Verkauf an Externe häufig deutlich schneller realisieren, sofern die Apotheke eine überdurchschnittliche Konstitution (Höhe des Apothekenwertes sowie Qualität) bietet und deshalb von potenziellen Käufern als attraktiv eingestuft wird. Somit üben auch die Konditionen, zu denen das Unternehmen übergeben werden soll, einen großen Einfluss auf den Erfolg einer Unternehmensnachfolge aus.

Apothekenwert: Dreh- und Angelpunkt der Nachfolgeplanung

Für die Bewertung von Unternehmen haben sich in der wissenschaftlichen Literatur und in der Praxis mehrere Verfahren herausgebildet. Die bekanntesten werden nachfolgend kurz beschrieben und kommentiert.

 

Multiplikator-Verfahren

Das Multiplikator-Verfahren ist bei Praktikern aufgrund seiner Einfachheit beliebt: Es wird davon ausgegangen, dass der Unternehmens- bzw. Apothekenwert durch die einfache Multiplikation des Umsatzes mit einem bestimmten Faktor errechnet werden kann. Andere Multiplikator-Verfahren multiplizieren den Gewinn eines Unternehmens mit einem bestimmten Faktor, um den Unternehmens- bzw. Apothekenwert zu quantifizieren.

 

Allerdings lässt das Multiplikator-Verfahren die individuellen Zukunftsaussichten einer Apotheke vollkommen unberücksichtigt. Diese können im Einzelfall sehr unterschiedlich ausfallen. Beispielsweise kann sich die Struktur des umliegenden Arztbesatzes an einem Standort aus Perspektive der Wirtschaftlichkeit einer Apotheke deutlich verbessern, an einem anderen Standort aber deutlich verschlechtern. Auch die Intensität des lokalen Apothekenwettbewerbs unterscheidet sich von Standort zu Standort zum Teil sehr stark. Somit wird das Multiplikator-Verfahren der Komplexität der Apothekenbewertung nicht einmal ansatzweise gerecht.

 

Substanzwertverfahren

Unter dem Substanzwert versteht man grundsätzlich die Summe der mit ihren Wiederbeschaffungspreisen angesetzten einzelnen Vermögensobjekte eines Unternehmens bzw. einer Apotheke, wobei die Verbindlichkeiten zu berücksichtigen sind. Das Substanzwertverfahren beantwortet demnach die Frage, welcher Betrag aufzuwenden wäre, um die Apotheke im aktuellen Zustand „auf der grünen Wiese noch einmal zu errichten“.

 

Schwachpunkt des Substanzwertes ist, dass er keinerlei Auskunft über die Rendite des eingesetzten Kapitals gibt. Der Substanzwert sagt nichts darüber aus, ob die enthaltenen Vermögensgegenstände wirtschaftlich eingesetzt werden und ob mit ihnen ein adäquater Ertrag erwirtschaftet werden kann. Darüber hinaus berücksichtigt der Substanzwert nicht den Firmenwert bzw. „Goodwill“ (Differenz zwischen Ertrags- und Substanzwert). Deshalb ist auch das Substanzwertverfahren für die Bewertung einer rentablen Apotheke grundsätzlich als ungeeignet einzustufen. Der Substanzwert kann allerdings insofern von Bedeutung sein, als dass er Auskunft über das beleihungsfähige Betriebsvermögen geben kann.

 

Ertragswertverfahren

Der Wert einer rentablen Apotheke orientiert sich ausschließlich an den Erträgen, die sie in Zukunft erwirtschaften wird. Der Ertragswert wird durch die zukünftigen Erträge bestimmt. Im Gegensatz zum Substanzwert- werden beim Ertragswertverfahren nicht die Werte einzelner Vermögensgegenstände addiert, sondern die Apotheke wird als eine Bewertungseinheit betrachtet. Zukunftsbezogene Ertragswertverfahren stellen auf geschätzte zukünftige Betriebsergebnisse oder Netto-Ausschüttungen (= Saldo der Auszahlungen und Einzahlungen = Cashflow) des Unternehmens ab. Letztendlich wird im Zuge des Ertragswertverfahrens die Frage beantwortet, wie viel Kapital für eine Geldanlage eingesetzt werden müsste, um damit ähnliche Erträge wie die zu bewertende Apotheke zu erzielen.

 

Somit sind für rentable Apotheken das Ertragswertverfahren bzw. das Discounted-Cashflow-Verfahren (Variante des Ertragswertverfahrens) als geeignete Bewertungsverfahren anzusehen. Sie werden in der Praxis am häufigsten angewandt und finden auch international bei der Bewertung von Unternehmen und Unternehmensteilen Anwendung.

 

Weiterführender Hinweis

  • Im nächsten Teil der Beitragsserie wird die Systematik des Ertragswertverfahrens für die Bewertung einer Apotheke genauer aufgezeigt.
Quelle: Ausgabe 09 / 2016 | Seite 3 | ID 44199836