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·Fachbeitrag ·Rentabilität - Teil 1

Stehen Aufwand und Umsatz für Ihre IGeL in einem guten Verhältnis?

von Oliver Frielingsdorf, Köln (www.frielingsdorf-consult.de)

| Eines der Entscheidungskriterien für die Auswahl von IGe-Leistungen (IGeL) für die eigene Praxis ist deren Rentabilität und Wirtschaftlichkeit. Um diese zu überprüfen, ist zunächst eine genaue Kenntnis der anfallenden Kosten und der zu erzielenden Einnahmen erforderlich. Erst mit diesen Daten können wichtige Kennziffern wie Rentabilität, Break-even-Punkt und Amortisationsdauer ermittelt werden. Nachfolgend werden die Grundlagen für eine Rentabilitäts-Betrachtung erläutert. |

Was kostet mich eine IGeL überhaupt?

Der Begriff der Kosten erscheint eigentlich relativ klar und unkompliziert. Dennoch beweisen die alle Jahre wiederkehrenden öffentlichen Diskussionen um die betriebswirtschaftliche Rechtfertigung ärztlicher Vergütungssysteme (EBM) genau dies: Die vollständige und korrekte Erfassung von Praxis-Kosten ist mit großen Schwierigkeiten verbunden. Eines der Hauptprobleme liegt darin, dass sich die Kostenkalkulation für eine Arztpraxis meistens an den leicht verfügbaren Zahlen der Praxis-Buchhaltung orientiert. Dies erscheint auf den ersten Blick zweckmäßig und naheliegend, da sich in der steuerlichen Gewinnermittlung, die jede Praxis von ihrem Steuerberater erhält, alle Positionen wiederfinden, die im Laufe eines Jahres vom Praxiskonto bezahlt wurden. Doch leider ist diese Aufstellung der Kosten nicht komplett.

 

Um die Problematik besser zu durchschauen, lösen wir uns für einen Moment von dem Begriff der Kosten und führen stattdessen den Begriff des Aufwands ein. Unter Aufwand ist der Verbrauch von Ressourcen zu verstehen, der bei der Behandlung eines Patienten entsteht. Folgende Ressourcen werden dazu unter anderem benötigt:

 

  • Arbeitszeit des Arztes
  • Arbeitszeit einer Mitarbeiterin/MFA
  • Nutzung von Sprechzimmer und gegebenenfalls Funktionalräumen
  • Einsatz von medizinisch-technischem Gerät
  • Verbrauchsmaterial, Strom

 

Natürlich ist diese Aufstellung keineswegs komplett. Doch an ihr lässt sich schnell erkennen, dass nicht alle anfallenden Aufwandspositionen vom Praxiskonto bezahlt werden müssen. Folgerichtig erscheinen daher auch nicht alle Aufwandspositionen in der Gewinnermittlung des Steuerberaters als Kosten. Die Arbeitszeit des Arztes ist hierfür das beste Beispiel. Zwar wendet der Arzt Tag für Tag viele Stunden seiner Arbeitszeit auf, um in seiner Praxis Patienten zu behandeln. Dieser Aufwand erscheint jedoch nicht in der Buchhaltung der Praxis als Kostenposition. Der Grund liegt darin, dass die Praxis für die Arbeitszeit des Praxisinhabers nichts bezahlen muss.

 

Um eine betriebswirtschaftlich komplette Betrachtung der Rentabilität von IGeL durchführen zu können, müssen wir jedoch den kompletten in der Praxis anfallenden Aufwand erfassen. Dazu definieren wir wie folgt:

 

  • Aufwand, der vom Praxiskonto bezahlt werden muss, heißt Kostenaufwand.
  • Aufwand, der nicht vom Praxiskonto bezahlt wird, heißt Zeitaufwand.

 

In der Gewinnermittlung des Steuerberaters erscheint folglich nur der sogenannten Kostenaufwand. Der Zeitaufwand findet hingegen keinen Eingang in die Buchhaltung der Praxis.

 

Noch ein zweiter wichtiger Aspekt lässt sich an der beispielhaften Aufstellung des Aufwands weiter oben erkennen. Einige der erwähnten Aufwandspositionen sind abhängig von der Patientenzahl. Dies trifft zum Beispiel auf die Arbeitszeit des Arztes und die Arbeitszeit der Mitarbeiter zu. Werden viele Patienten behandelt, ist der zeitliche Aufwand von Arzt und Mitarbeitern hoch, bei wenigen Patienten ist ihr Aufwand geringer. Daneben gibt es Aufwandspositionen, deren Höhe nicht unmittelbar mit der Anzahl der Behandlungen in Verbindung steht, beispielsweise die Räume und Geräte.

 

Für die weiteren Betrachtungen vereinbaren wir zur besseren Unterscheidung also auch noch Folgendes:

 

  • Variabler Aufwand ist von der Höhe der Patientenzahl abhängig.
  • Fixer Aufwand ist nicht von der Patientenzahl abhängig.

Kostenkalkulation muss vollständig sein!

Was etwas kompliziert klingt, ist im Prinzip einfach. Zu beachten ist lediglich die vollständige Erfassung des Aufwands, der durch Erbringung einer IGeL anfällt. Denn leider tendieren viele Praxisinhaber bei der Prüfung der Wirtschaftlichkeit einer IGeL dazu, den fixen Aufwand und den Zeitaufwand zu ignorieren. So bleiben häufig der eigene zeitliche Aufwand (Zeitaufwand) oder die Bereitstellung von Praxisräumlichkeiten (fixer Aufwand) bei einer Rentabilitätsbetrachtung unberücksichtigt, weil diese Ressourcen ja „eh da“ sind (sogenannte „Eh da“-Kosten) oder nicht vom Praxiskonto bezahlt werden müssen (eigene Arbeitszeit). Dieses betriebswirtschaftlich nicht komplette Vorgehen führt zu beschönigten Ergebnissen, die im schlimmsten Fall eine nicht vorhandene Wirtschaftlichkeit vorgaukeln.

 

MERKE | Aufgrund der Abrechnung nach GOÄ ist in der Regel bei IGeL eine gute Rentabilität gegeben. Die exakte Lage des sogenannten Break-even-Punkts, also der Anzahl an Behandlungen, ab der sich eine Investition rechnet, kann sich jedoch bei unvollständiger Kostenkalkulation erheblich verschieben und somit eine Investitionsentscheidung unsachgemäß beeinflussen.

 

Die folgende Aufstellung zeigt die wichtigsten Aufwands-Positionen, mit deren Kenntnis eine Rentabilitäts-Kalkulation bereits durchgeführt werden kann.

 

  • Übersicht über zu berücksichtigende Aufwandspositionen
Variabler Aufwand
Fixer Aufwand
  • Arbeitszeit des Arztes
  • Arbeitszeit der MFA
  • Verbrauch von Praxismaterial
  • Raumnutzung
  • Gerätenutzung (Zinsen, Abschreibungen und Leasing)
 

 

Variabler Aufwand - Arbeitszeit des Arztes

Zur Erbringung von IGe-Leistungen sind häufig ärztliche Leistungen erforderlich, zum Beispiel

  • Erstgespräch und Beratung,
  • Untersuchungen,
  • Befundbesprechung und Therapieplanung.

 

Diese ärztliche Arbeitszeit muss bei der Rentabilitätskalkulation von IGeL als Aufwandsposition berücksichtigt werden. Es handelt sich dabei um eine variable Aufwandsposition, denn es gibt - anders als bei angestelltem Personal - keine Grundarbeitszeit, die auch dann zu leisten und zu bezahlen ist, wenn gar nicht gearbeitet wird. Daneben ist die ärztliche Arbeitszeit als typisches Beispiel für Zeitaufwand hervorzuheben, der (anders als der sogenannte Kostenaufwand) nicht zu einer unmittelbaren Auszahlung vom Praxiskonto führt. Dennoch handelt es sich um Praxis-Aufwand, der in eine Rentabilitätskalkulation von IGeL unbedingt einbezogen werden muss.

 

MERKE | Die Problematik bei der Erfassung der ärztlichen Arbeitszeit als Aufwandsposition besteht in deren korrekter und angemessener Bewertung. Ist ein Stundensatz von 100 Euro angemessen oder einer von 200 Euro? Dies liegt letztlich im Ermessen des Arztes selbst. Was sind Sie sich wert? Da die Arztzeit regelmäßig zu den wertvollsten Ressourcen zählt, führt die große Freiheit bei der Bewertung dieser Ressource unter Umständen zu erheblich unterschiedlichen Rentabilitätsaussagen - je nachdem, wer die Rentabilitätsberechnung mit welchem Ziel durchführt.

 

Variabler Aufwand - Arbeitszeit der Mitarbeiter

Für viele IGeL ist neben dem Arzt auch der Einsatz von Mitarbeitern/MFA notwendig. Dies kann zum Beispiel im Rahmen der Vorbereitung einer ärztlichen Leistung der Fall sein. Bei delegierbaren Leistungen wird die MFA sogar bei der Ausführung der Leistung aktiv. Je IGeL sind dabei einige Minuten (bis zu einer Stunde) Arbeitszeit zu investieren - es entsteht Praxisaufwand. Es handelt sich bei Personalaufwand eigentlich um fixen Aufwand, denn die Grundgehälter des Praxisteams fallen immer an, unabhängig von der Patientenzahl. Die Mitarbeiter/MFA arbeiten jedoch nicht ausschließlich im IGeL-Bereich. Der auf IGeL entfallende Anteil ihrer Arbeitszeit ist variabel, daher wird der Personalaufwand im Rahmen der Rentabilitätskalkulation als variabler Aufwand erfasst.

 

Über den Monatslohn einer MFA lässt sich der Personalaufwand pro eingesetzter Arbeitsstunde leicht errechnen. Vergessen Sie dabei nicht die zu zahlenden Sozialabgaben. Das folgende Beispiel zeigt die Kalkulation des Arbeitsaufwands pro MFA-Stunde anhand der Grundgehälter.

 

  • Beispiel

Monatsgehalt brutto

1.600 Euro

+ Sozialabgaben 20 Prozent

320 Euro

Summe (monatlicher Aufwand)

1.920 Euro

Aufwand pro Stunde (inkl. Urlaub, Feiertage, Krankheit)

ca. 13 Euro

 

 

Multipliziert mit dem zeitlichen Aufwand lässt sich so der Personalaufwand für eine bestimmte IGeL leicht ermitteln.

 

Variabler Aufwand - Verbrauch von Praxismaterial

Je nach erbrachter IGeL wird mehr oder weniger Praxismaterial verbraucht. Hierzu zählen unter anderem die Positionen Strom/Energie, Wasser, Papier, Praxisbedarf (Kanülen, Spritzen, Präparate etc.).

 

MERKE | Medikamente und Präparate, die der Patient selber bezahlt, sind als durchlaufende Posten nicht in einer Rentabilitätsrechnung für die Praxis zu berücksichtigen. Auch Laborleistungen nach MIII/IV sind als durchlaufende Posten für die Praxisrentabilität irrelevant, da sie in der Regel von dem erbringenden Labor, nicht aber vom Praxisinhaber, zu liquidieren sind.

 

Die exakte Ermittlung des Materialaufwands (= variabler Kostenaufwand) pro erbrachter IGeL ist häufig schwierig. Relativ unkompliziert lässt sich meist der Verbrauch an Praxisbedarf ermitteln. Positionen wie der Verbrauch von Energie sind hingegen häufig nur nach Rücksprache mit dem Hersteller des verwendeten Geräts zu bewerten.

 

Fixer Aufwand - Raumnutzung

Für einige IGeL, vor allem für die meisten Geräteleistungen, werden Flächen in der Praxis benötigt. Die Bereitstellung dieser Flächen ist ein fixer Aufwandsfaktor, denn die beanspruchte Fläche kann auch in Stillstandszeiten in der Regel nicht anderweitig genutzt werden. Solche fixen Aufwandspositionen werden jedoch häufig bei der Rentabilitätsberechnung von IGeL vernachlässigt, da diese Ressourcen „eh da“ sind (sogenannte „Eh da“-Kosten). So sind beispielsweise die Praxisräume gemietet und die Miete verändert sich nicht, ob nun ein Raumteil für eine IGeL genutzt wird oder einfach nur leer steht.

 

Die Rentabilitätsbetrachtung bleibt jedoch unvollständig, wenn fixe Aufwandspositionen nicht korrekt berücksichtigt werden und weist dann ein zu positives Ergebnis aus. Die angemessene Höhe des Aufwands für Raumnutzung lässt sich einfach über den Quadratmeter-Mietpreis zuzüglich der Nebenkosten ermitteln.

 

  • Beispiel

Quadratmetermiete monatlich

9 Euro/m²

Nebenkosten monatlich

2 Euro/m²

Summe (monatlicher Aufwand)

11 Euro/m²

Summe (jährlicher Aufwand)

132 Euro/m²

 

 

Bei einer benötigten Fläche von zum Beispiel 10 m² ergibt sich daraus unmittelbar ein Aufwand für Raumnutzung in Höhe von 110 Euro/Monat, also 1.320 Euro/Jahr.

 

Fixer Aufwand - Gerätenutzung

Ein benötigtes medizinisches Gerät kann (sofern nicht vorhanden) entweder finanziert (gekauft) oder aber geleast werden. Ein Geräteleasing verursacht fixen Kostenaufwand, da jeden Monat die Leasingrate vom Praxiskonto eingezogen wird. Der finanzierte Kauf eines medizinischen Geräts ist hingegen nicht unmittelbarer Aufwand. Vielmehr handelt es sich um eine Investition, die erst durch die nachfolgende Nutzung des Geräts jährlichen Aufwand für Abnutzung und Alterung des medizinischen Geräts verursacht. Zur Ermittlung des jährlichen fixen Aufwands für die Gerätenutzung ist daher der Neupreis auf die voraussichtliche Nutzungsdauer zu verteilen.

 

  • Beispiel

Geräte-Neupreis

10.000 Euro

Voraussichtliche Nutzungsdauer

10 Jahre

Jährlicher Aufwand für Abnutzung und Alterung

1.000 Euro

 

 

Hinzu kommen häufig noch die Wartungskosten für ein medizinisches Gerät. Betragen diese beispielsweise rund 200 Euro/Jahr, dann beläuft sich der Gesamtaufwand für Gerätenutzung auf 1.200 Euro/Jahr oder 100 Euro pro Monat.

Umsatz

Mit Umsätzen sind die Honorar-Einnahmen pro erbrachter IGeL gemeint. Diese rechnet der Arzt nach GOÄ (gegebenenfalls analog) mit dem Patienten ab. Der dabei zufließende Betrag wird nachfolgend als Umsatz bezeichnet. Von dieser Größe wurden noch keinerlei Praxiskosten abgezogen. Daher darf der Umsatz pro Leistung keinesfalls herangezogen werden, um eine Aussage über die Rentabilität und Wirtschaftlichkeit einer IGeL abzuleiten. Ein hoher IGeL-Umsatz wirkt auf den ersten Blick verlockend. Nicht selten stellt sich jedoch bei näherer Betrachtung heraus, dass die anfallenden Praxiskosten ebenfalls sehr hoch sind, sodass kaum ein Gewinn für den Praxisinhaber verbleibt.

Rentabilität und Break-even

Mithilfe der hier beschriebenen Aufwandsgrößen sowie mithilfe der bekannten GOÄ-Honorare für eine Leistung können für IGeL wichtige betriebswirtschaftliche Kennziffern wie Rentabilität und Break-even leicht ermittelt werden. Wie Sie dabei genau vorgehen, erfahren Sie in AAA 02/2015 u.a. anhand von Rechenbeispielen.

 

Weiterführende Hinweise

Quelle: Ausgabe 01 / 2015 | Seite 16 | ID 42569308