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·Fachbeitrag ·Praxisorganisation

Vorsorgeuntersuchungen bringen Extra-Umsatz

von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Reilingen (www.vita-lco.de)

| Vorsorgeuntersuchungen zählen umsatztechnisch zu den wichtigsten Leistungen. Sie werden extrabudgetär, das heißt, außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung honoriert. Aus rein ökonomischer Sicht muss daher jede Praxis dafür sorgen, dass diese Leistungen in maximaler Anzahl erbracht werden! Jede Praxis sollte sich intensiv mit den Möglichkeiten der Leistungserbringung der Vorsorgeuntersuchungen auseinandersetzen und nach Möglichkeiten suchen, die Anzahl der durchgeführten Leistungen zu optimieren. |

Vorsicht: Vorgaben der Kassen einhalten!

Im Zusammenhang mit der Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen sollten Sie unbedingt die gebotene Sorgfalt walten lassen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Häufigkeit und Frequenz der Vorsorgeuntersuchungen eindeutig definiert. Allerdings liegt eine Fehlerquelle in den verschiedenen Regelungen einzelner Krankenkassen, sowie in den unterschiedlichen Zusatzverträgen (Hausarztverträge, DMP, u. a.). Hier wird teilweise von der Regelung des G-BA, wonach eine Gesundheitsvorsorgeuntersuchung alle zwei Jahre durchführbar ist, abgewichen.

 

PRAXISHINWEIS | Achten Sie darauf, bei welchen Patienten beispielsweise eine jährliche Gesundheitsuntersuchung möglich ist. Bringen Sie bei den betreffenden Patienten unbedingt einen Vermerk an, dass die Gesundheitsuntersuchung schon nach einem Jahr wiederholt werden kann. Wenn Sie nach einem funktionierendes Recall-System arbeiten, können Sie einfach den Wiederholungstermin bzw. Erinnerungstermin anstatt in 23 Monaten, schon in 11 Monaten vermerken. Das ist umsatztechnisch sehr wichtig, da mit jeder Vorsorgeuntersuchung unbudgetiertes Honorar erwirtschaftet wird.

 

Das Unterschreiten der geforderten Zeitabstände zur Durchführung und Abrechnung von Vorsorgeleistungen ist kein Bagatellvergehen, sondern wird von den Krankenkassen und KVen zum Teil vehement geahndet. Wenn Sie Vorsorgeuntersuchungen zu häufig abrechnen, fordern Sie mit dieser Falschabrechnung ein ungerechtfertigtes Honorar an. Eine entsprechende Honorarkürzung ist dann zwar schmerzhaft, aber durchaus verständlich.

 

Doch meistens kommt es nicht nur zu Honorarkürzungen. In einigen KVen werden Disziplinarverfahren eingeleitet, in anderen KVen kommt es zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Letzteren wohnt immer ein gewisser Überraschungseffekt inne, da die Honorarrückforderung meist schon längst abgeschlossen ist. Mit einem zeitlichen Abstand hört der betroffene Arzt dann von der Staatsanwaltschaft, dass gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs läuft. Das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden.

 

MERKE | Achten Sie peinlichst genau auf die geforderten Zeitabstände, um hier nicht wegen Unachtsamkeit in die Prüfungsmechanismen der zuständigen KVen zu gelangen. Lesen Sie hierzu auch die Übersichtstabelle am Ende dieses Beitrags, in der die wichtigsten Zeitabstände und Häufigkeiten verschiedener Vorsorgeleistungen aufgeführt sind.

 

Die Vorgaben bieten aber auch Chancen! Viele Patienten wünschen öfter als erlaubt eine Gesundheitsuntersuchung bzw. eine Krebsvorsorgeuntersuchung. Diese sind dann als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) privat nach GOÄ zu berechnen.

Zusätzliche Untersuchungen nach IGeL abrechnen!

Wünschen PatientInnen häufiger bzw. außerhalb der vom G-BA vorgeschriebenen Altersgrenzen entsprechende Vorsorgeuntersuchungen, so sind diese als Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) privat abzurechnen und den Patienten nach GOÄ in Rechnung zu stellen.

 

  • Die häufigsten Vorsorgeuntersuchungen bei Erwachsenen
EBM
GOÄ

Ziffern

Punkte

Euro

Legende

Ziffern

Punkte

01730

180

18,49

Krebsvorsorge der Frau

27

320

01731

143

14,69

Krebsvorsorge beim Mann

28

280

01732

302

31,02

Gesundheitsvorsorge (Check-Up)

29

440

01734

25

2,57

Untersuchung auf Blut im Stuhl

3500

3650

90

60

01735

103

10,58

Beratung zur Teilnahme an Früherkennungsmaßnahmen

1

3

80

150

01740

103

10,58

Beratung zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms

3

150

01745

214

21,98

Hautkrebsscreening

7

+750

160

+120

01746

170

17,46

Zuschlag zur GO-Nr. 01732 für Hautkrebsscreening

-*

-

 

* Hierfür gibt es in der GOÄ keine entsprechende Gebühr

Laborleistungen bei Gesundheitsuntersuchung

Achten Sie im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen ebenfalls auf die korrekte Berechnung der zugehörigen Laborleistungen. Diese werden ebenfalls extrabudgetär vergütet und belasten somit nicht das Laborbudget. Für die Laboruntersuchungen im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung nach EBM-Nr. 01732 stehen drei Laborleistungspositionen zur Verfügung:

 

EBM-Nr. 32880

Laborpauschale Teststreifen Urin

0,50 Euro

EBM-Nr. 32881

Laborpauschale Glukose

0,25 Euro

EBM-Nr. 32882

Laborpauschale Cholesterin gesamt

0,25 Euro

 

Berechnungsbeispiel

Das folgende Berechnungsbeispiel zeigt, in welcher Höhe sich Quartalsumsätze in einer Allgemeinpraxis mittlerer Größe generieren lassen. Sie müssen nur konsequent die Leistungen anbieten und durchführen.

 

Vorsorge
EBM-Nr.
Punkte
Anzahl
Patienten
Gesamtpunktzahl
Euro/Quartal

Männervorsorge

01731

143

25

3575

367,22

Check-Up

01732

302

100

30200

3.102,08

Stuhltest

01734

25

9

225

23,11

Beratung

Kolorektales Ca.

01740

103

40

4120

423,20

Hautkrebsscreening

01745

214

150

32100

3.297,25

Dito zu Check-up*

01746

170

50

8500

873,10

Summe

8.085,96

 

* Die EBM-Nr. 01732 ist im Quartal nicht neben Nr. 01745 berechnungsfähig. Dafür muss die EBM-Nr. 01746 angesetzt werden.

Recall-Systeme nutzen!

Für die betriebswirtschaftlich wichtigen Vorsorgeuntersuchungen sollten Sie sich unbedingt ein Recall-System einrichten. Damit werden Sie in Ihrer Praxis konsequent an anstehende Termine Ihrer Patienten erinnert. Jede Praxissoftware verfügt über ein eingebautes Memory-System, es muss nur aktiviert bzw. auch genutzt werden. Hierbei kann systematisch vorgegangen werden. In den nächsten 4 bis 6 Wochen werden alle Patienten herausgesucht, bei denen in den letzten beiden Jahren keine Gesundheitsuntersuchung bzw. im letzten Jahr keine Krebsvorsorgeuntersuchung durchgeführt wurde. Diese werden benachrichtigt oder beim nächsten Kontakt auf die Möglichkeit der entsprechenden Vorsorgeuntersuchung hingewiesen. Danach ist sofort der Folgetermin im Memory-System festzulegen.

 

Bei der Festlegung dieser Termine im Memory-System kommt es nicht genau auf den Tag an. Ist beispielsweise bei einem Patienten am 8. Juni 2014 eine Gesundheitsvorsorge und eine Krebsvorsorgeuntersuchung durchgeführt worden, so werden im Memory-System sofort der 8. Juni 2015 als Termin für die nächste Krebsvorsorge eingegeben und der 8. Juni 2016 für die nächste Gesundheitsuntersuchung. Bei einer wöchentlichen Abrufung der Patienten, für die ein Termin ansteht, werden dann alle angegebenen Termine der vergangenen Woche aufgelistet. Danach sind die dort aufgeführten Patienten zu benachrichtigen und ein entsprechender Termin für die anstehende Untersuchung oder Leistung kann vereinbart werden.

 

PRAXISHINWEIS | Privatpatienten sind meist äußerst dankbar, wenn sie von ihrem „Spezialisten für Gesundheit“, auf fällige Vorsorgeuntersuchungen, Kontrolluntersuchungen oder anstehende Impftermine aufmerksam gemacht werden.

 

 

  • Maßnahmen zur Früherkennung von Krebskrankheiten nach EBM und als Selbstzahlerleistungen*
Untersuchung
Alter
Frequenz
Abrechnung

Krebsfrüherkennung der Frau

ab 20. Geburtstag

1 x pro Kalenderjahr

EBM-Nr. 01730

vor dem 20. Geburtstag

oder mehr als 1 x

GOÄ-Nr. 27

Krebsfrüherkennung der Frau, plus Untersuchung der Mammae

ab 30. Geburtstag

1 x pro Kalenderjahr

EBM-Nr. 01730

vor 30. Geburtstag

oder mehr als 1 x

GOÄ-Nr. 27

Krebsfrüherkennung bei der Frau, plus Untersuchung der Mammae, plus digitale rektale

Untersuchung

ab 50. Geburtstag

1 x pro Kalenderjahr

EBM-Nr. 01730

vor 50. Geburtstag

oder mehr als 1 x

GOÄ-Nr. 27

Krebsfrüherkennung beim Mann

ab 45. Geburtstag

1 x pro Kalenderjahr

EBM-Nr. 01731

vor 45. Geburtstag

oder mehr als 1 x

GOÄ-Nr. 28

Krebsfrüherkennung beim Mann, plus digitale rektale Untersuchung

ab 50. Geburtstag

1 x pro Kalenderjahr

EBM-Nr. 01731

vor 50. Geburtstag

oder mehr als 1 x

GOÄ-Nr. 28

Stuhluntersuchung auf occultes Blut bei Mann und Frau

50. - 55. Geburtstag

1 x pro Kalenderjahr

EBM-Nr. 01734

vor 50. Geburtstag

oder mehr als 1 x

GOÄ-Nr. 3500

GOÄ-Nr. 3650**

Stuhluntersuchung auf occultes Blut bei Mann und Frau

ab 55. Geburtstag, jedes 2. Kalenderjahr (wenn keine Koloskopie)

EBM-Nr. 01734

öfter als jedes 2. Jahr

GOÄ-Nr. 3500

GOÄ-Nr. 3650**

Beratung und Motivation zur Darmkrebsfrüherkennung

ab 55. Geburtstag

EBM-Nr. 01740

ab 55. Geburtstag oder häufiger

GOÄ-Nr. 3

Koloskopie zur Darmkrebsfrüherkennung bei Mann/Frau (Erstkoloskopie)

ab 55. Geburtstag

einmal in 10 Jahren

EBM-Nr. 01741

vor 55. Geburtstag oder häufiger

GOÄ-Nr. 687

Koloskopie zur Darmkrebsfrüherkennung bei Mann/Frau (Zweitkoloskopie)

frühestens 10 Jahre nach Erstkoloskopie

EBM-Nr. 01741

früher oder häufiger

GOÄ-Nr. 687

 

* Beachten Sie eventuelle Sonderregelungen der einzelnen KVen!

** GOÄ-Nr. 3650 gehört zum Kapitel M III. GOÄ und ist somit als Leistung des Speziallabors nur von den Ärzten gegenüber dem Patienten direkt in Rechnung zu stellen, die diese Leistung auch persönlich erbracht haben.

Quelle: Ausgabe 05 / 2015 | Seite 13 | ID 43115074