logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

·Fachbeitrag ·Impfungen

Neue Impfempfehlungen der STIKO veröffentlicht

| Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat ihre aktualisierten Impfempfehlungen veröffentlicht. Änderungen gibt es bei der Impfung gegen Pneumokokken im Säuglings- und Kleinkindalter (Impfschema), der Impfung gegen Meningokokken (Indikationsimpfung gegen Meningokokken B), bei der Impfung gegen Gelbfieber und bei der passiven Immunisierung gegen Varizellen. |

Abrechnung erst nach Übernahme in Schutzimpfungsrichtlinie

Die Impfempfehlungen der STIKO bedeuten nicht, dass diese Impfungen zulasten der GKV durchgeführt werden können. Nur die in der Schutzimpfungs-Richtlinie (SI-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aufgeführten Impfungen gehören generell in den Leistungsumfang der GKV. Der G-BA ist gesetzlich verpflichtet, hinsichtlich der Übernahme der neuen Impfempfehlungen der STIKO in die SI-RL innerhalb von drei Monaten nach Vorliegen der Empfehlung samt Begründung zu entscheiden. Danach erfolgt noch die Prüfung des Beschlusses durch das Bundesministerium für Gesundheit, für die dieses eine Frist von zwei Monaten hat.

Die neuen Empfehlungen der STIKO

Die folgenden Änderungen wurden in den Impfempfehlungen vorgenommen.

 

Impfung gegen Pneumokokken

Hier wurde die Impfempfehlung für Säuglinge geändert. Die STIKO unterscheidet nunmehr zwischen „Reif“- und „Früh“-geborenen.

 

  • Reifgeborene Sauglinge erhalten jetzt insgesamt 3 (statt bisher 4) Impfdosen eines Pneumokokken-Konjugatimpfstoffes, die im Alter von 2 und 4 Monaten und im Alter zwischen 11 und 14 Monaten gegeben werden sollen (2+1 Impfschema). Hierbei soll zwischen der ersten und zweiten Impfdosis ein Abstand von 2 Monaten und zwischen der zweiten und dritten Impfung ein Mindestabstand von sechs Monaten eingehalten werden.

 

  • Frühgeborene Säuglinge erhalten wie bisher 4 Impfdosen eines Pneumokokken-Konjugatimpfstoffes, die im Alter von 2, 3, 4 und 11 bis 14 Monaten gegeben werden sollen (3+1 Impfschema).

 

Die von der STIKO vorgenommene Unterscheidung ist auf die Zulassung des Pneumokokken-Konjugatimpfstoffes zurückzuführen. In dieser ist die Anwendung des 2+1 Impfschemas derzeit auf Reifgeborene beschränkt. Die STIKO folgt mit der vorgenommenen Umstellung auf das 2+1 Impfschema dem Beispiel der meisten EU-Länder, die mit wenigen Ausnahmen ebenfalls auf dieses Schema umgestellt bzw. dieses von vornherein empfohlen haben. Sie weist auf den Vorteil hin, dass reifgeborenen Säuglingen bei gleicher Schutzwirkung eine Impfdosis weniger verabreicht werden muss.

 

MERKE | Die STIKO weist wie in den vergangenen Jahren darauf hin, dass für die Pneumokokkenimpfung (im Gegensatz zu den meisten anderen Impfungen, für die eine Nachholung bis zum vollendeten 18. Lebensjahr empfohlen wird), nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung steht. So wird die Impfung gegen Pneumokokken nur bis zum zweiten Geburtstag nachgeholt.

Impfung gegen Meningokokken B

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken B derzeit nicht als Standardimpfung, sondern nur als Indikationsimpfung für gesundheitlich gefährdete Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz bzw. Immunsuppression. Neu in die Indikationsgruppe gesundheitlich Gefährdeter wurden Personen unter Eculizumab-Therapie aufgenommen. Die Empfehlung für die Indikationsimpfung lautet nunmehr (Änderungen gefettet):

 

Meningokokken-Infektionen

I

gesundheitlich gefährdete Personen mit angeborener oder erworbener Immun-defizienz bzw. -suppression mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion, insbesondere

  • Komplement-/Properdindefekte
  • Eculizumab-Therapie (monoklonaler Antikörper gegen die terminale Komplementkomponente C5)
  • Hypogammaglobulinämie
  • funktioneller oder anatomischer Asplenie

Impfung gegen die Serogruppen A, C, W, Y und/oder B, sofern die verfügbaren Impfstoffe für die Altersgruppe zugelassen sind.

Die STIKO weist bezüglich ihrer Impfempfehlung explizit darauf hin, dass ...

 

  • ... derzeit keine Daten zur Immunogenität und Wirksamkeit der Meningokokken B-Impfung vorliegen. Es sei jedoch wahrscheinlich, dass eine Immunantwort eher schwächer und von kürzerer Dauer ausfällt als bei gesunden Personen.

 

  • ... das Risiko, an einer invasiven Meningokokken-Infektion zu erkranken, je nach Grunderkrankung unterschiedlich hoch ausfällt. Beispiel | Personen mit terminalen Komplementdefekten sowie Properdindefizienz: bis zu 10.000-fach höher als die Allgemeinbevölkerung. Personen mit Asplenie: ca. 20- bis 30-fach höher. Bei Patienten mit HIV oder mit Hypogammaglobulinämie liegt das Risiko noch niedriger.

 

  • ... die Daten der Zulassungsstudie zur Reaktogenität und Sicherheit des Impfstoffes zeigen, dass nach der Impfung schwere lokale Schmerzen in allen Altersgruppen, Fieberreaktionen bei Säuglingen und Jugendlichen sowie Kopfschmerzen bei Jugendlichen und Erwachsenen signifikant häufiger in der Verum- als in der Placebogruppe auftraten. Sehr seltene potenziell gefährliche Nebenwirkungen konnten bei der eingeschlossenen Fallzahl in den Zulassungsstudien nicht bewertet werden.

 

  • ... der Arzt die Entscheidung für eine Meningokokken-B-Impfung nach individueller Risikoabschätzung treffen soll.

 

Außerdem empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Meningokokken B als berufliche Indikationsimpfung für gefährdetes Laborpersonal (bei Arbeiten mit dem Risiko eines N.-menigitides-haltigen Aerosols).

Impfung gegen Gelbfieber

Die STIKO hat hier aufgrund aktueller Änderungen in den „Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV)“ ihre Impfempfehlung dahingehend angepasst, dass nach einmaliger Impfung gegen Gelbfieber ein lebenslanger Schutz besteht und keine Auffrischimpfung mehr erforderlich ist. Die Impfempfehlung lautet nunmehr wie folgt:

 

Gelbfieber

R

  • vor Aufenthalt in bekannten Gelbfieber-Endemiegebieten im tropischen Afrika und in Südamerika (Hinweise der WHO zu Gelbfieber-Infektionsgebieten beachten)

oder

  • entsprechend den Anforderungen eines Gelbfieber-Impfnachweises der Ziel- oder Transitländer*

Einmalige Impfung in einer von den Gesundheitsbehörden zugelassenen Gelbfieber-Impfstelle

B

  • bei Tätigkeiten mit Kontakt zu Gelb-fieber-Virus (z.B. in Forschungseinrichtungen oder Laboratorien)

Einmalige Impfung in einer von den Gesundheitsbehörden zugelassenen Gelbfieber-Impfstelle

* Da die Umsetzung der aktuellen Änderungen in den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV), wonach nach einmaliger Gelbfieber-Impfung ein lebenslanger Schutz besteht und keine Auffrischimpfung im 10-jährigen Abstand mehr notwendig ist, bis Juli 2016 dauern kann, sollten bis dahin Hinweise zu Einreisebestimmungen berücksichtigt werden.

 

Postexpositionelle Gabe von Varizella-Zoster-Immunglobulin

Die STIKO hat hier ihre Empfehlung zur postexpositionellen Anwendung von Varizella-Zoster-Immunglobulin (VZIG) hinsichtlich des Personenkreises und des Zeitraumes der Anwendung angepasst. Zusätzlich zu den bisher genannten Gruppen umfasst die Empfehlung nun auch Frühgeborene nach Exposition in der Neonatalperiode. Die passive Immunisierung ist hier empfohlen

  • bei Frühgeborenen, die vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, unabhängig vom Immunitätsstatus der Mutter

 

  • bei Frühgeborenen, die ab der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, deren Mütter keine Immunität aufweisen.

 

VZIG soll entsprechend der Fachinformation des angewandten Präparates möglichst früh innerhalb von 3 Tagen und maximal bis zu 10 Tagen nach Exposition verabreicht werden.

 

MERKE | Da die postexpositionelle Gabe von Immunglobulinen als „Behandlung“ nicht Bestandteil der Schutzimpfungs-Richtlinie ist, kann diese bereits jetzt entsprechend der Empfehlungen der STIKO zulasten der GKV erfolgen.

Weiterführender Hinweis

  • Die aktuellen Impfempfehlungen der STIKO sowie die Begründungen hierzu können auf der Web-Site des Robert Koch-Institutes (www.rki.de) unter „Empfehlungen der STIKO“ abgerufen werden. Die Impfempfehlungen wurden im Epidemiologischen Bulletin Nr. 34 vom 24. August 2015, die Erläuterungen und Begründungen in den Epidemiologischen Bulletins 35 bis 37 veröffentlicht.
Quelle: Ausgabe 10 / 2015 | Seite 18 | ID 43595173