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·Fachbeitrag ·Beratungspraxis

Hautkrebsvorsorge auch bei Privatpatienten

von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Reilingen, www.vita-LCO.de

| Hautkrebs ist die weltweit am häufigsten auftretende Krebserkrankung. In Deutschland erkranken jährlich ca. 140.000 Menschen neu an Hautkrebs; bis zum Alter von 75 Jahren tritt bei jedem Achten Hautkrebs auf. Die Tendenz ist steigend - in Deutschland wie auch weltweit. |

Hautkrebsvorsorge keine eigentliche Leistung der PKV

Während gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren seit 1. Juli 2008 alle zwei Jahre einen Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs (sogenanntes „Hautkrebs-Screening“) haben, ist diese reine Vorsorgeuntersuchung keine eigentliche Leistung der privaten Krankenversicherung. Dennoch ist bei auffälligen Hauterscheinungen eine entsprechende Hautuntersuchung durchzuführen. Dies lässt sich aus § 1 Abs. 2 GOÄ eindeutig ableiten: „Vergütungen darf der Arzt nur für Leistungen berechnen, die nach den Regeln der ärztlichen Kunst für eine medizinisch notwendige ärztliche Versorgung erforderlich sind. Leistungen, die über das Maß einer medizinisch notwendigen ärztlichen Versorgung hinausgehen, darf er nur berechnen, wenn sie auf Verlangen des Zahlungspflichtigen erbracht worden sind.“

 

Aus praktischen Erwägungen heraus ist zu überlegen, den privat Versicherten eine Hautkrebsvorsorge anzubieten und dies als Ausschlussdiagnostik (Malignomausschluss, Ausschluss Basaliom, z. B. Präkanzerose) bei fraglichen Hautveränderungen zu dokumentieren. Auch wenn beim privaten Kunden die Bestimmungen des Hautkrebsscreenings des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) keine Gültigkeit haben, können Sie sich zumindest daran orientieren. Finden sich bei der Untersuchung verdächtige Hauterscheinungen, ist dann eine Probeexzision oder bei kleineren Arealen sofort die komplette Exzision durchzuführen.

Der Fall aus der Praxis

Ein 46-jähriger Patient berichtet über eine, schon seit längerem bestehende Schwellung mit leichter Rötung am Rücken. Anamnestisch ist der als Versicherungskaufmann tätige Patient bisher immer gesund gewesen. Vor fünf Monaten wurden die Gesundheitsvorsorgeuntersuchung und die Krebsvorsorgeuntersuchung bei seinem Hausarzt durchgeführt. Dabei wurden keinerlei pathologische Befunde erhoben. Bei der Untersuchung zeigt sich oberflächlich ein mittlerweile knapp taubeneigroßes Atherom, das beim Tasten fest und etwas druckdolent erscheint. Nebenbefundlich sind einige Naevi festzustellen. Nach der Aufklärung des Patienten erfolgt die Atheromentfernung in Lokalanästhesie. Da das Atherom in toto entfernt werden konnte, erfolgt der primäre Wundverschluss per Naht. Der Patient wird noch auf die Naevi am Rücken angesprochen und für den nächsten Tag im Rahmen des Verbandwechsels die Durchführung einer Hautkrebsvorsorge vereinbart.

 

  • Atheromentfernung
GO-Nr.
Punkte
Faktor 2,3
Faktor 3,5
Leistung
Tipp

1

80

10,72

16,32

Beratung/OP-Aufklärung

Faktorerhöhung: Beratungsintensives Krankheitsbild

5

80

10,72

16,32

Symptombezogene Untersuchung

491

121

16,22

24,68

Infiltrationsanästhesie

2404

554

74,27

113,02

Exzision einer größeren Geschwulst

443

750

43,72*

-

Zuschlag ambulante OP

*OP-Zuschläge sind nur mit dem einfachen Faktor berechnungsfähig

200

-

-

-

Verband - ohne Berechnung

Nicht neben operativen Leistungen berechnungsfähig, dennoch sind die Sachkosten nach § 10 zu berechnen

204

95

12,74

19,38

Druckverband

Ändern Sie die komplexe Leistungslegende der Nr. 204 in „Druckverband“

 

PRAXISHINWEIS | Denken Sie bei Verbandleistungen - wie auch bei den operativen Leistungen - an die vollständige Berechnung der Sachkosten entsprechend § 10 GOÄ. Auch wenn der Verband nicht neben der operativen Leistung berechnungsfähig ist, so sind dennoch die entstandenen Kosten in Rechnung zu stellen.

Am nächsten Tag zeigen sich im Rahmen der Wundkontrolle reizlose Narbenverhältnisse. Nach dem Verbandwechsel wird die Hautkrebsvorsorgeuntersuchung durchgeführt und der Patient ausführlich beraten.

 

  • Verbandwechsel und Hautkrebsvorsorge
GO-Nr.
Punkte
Faktor 2,3
Faktor 3,5
Leistungslegende
Tipp

34

300

40,22

61,20

Ausführliche Erörterung

7

160

21,45

32,64

Untersuchung Hautorgan

750

120

16,09

24,48

Auflichtmikroskopie

Faktorerhöhung bei Untersuchung und Dokumentation vieler Hautveränderungen

612 A

757

79,42

110,31

Videosystemgestützte Untersuchung und Bilddokumentation von Muttermalen, einschl. Bildverarbeitung

200

45

6,03

9,18

Verband

204

95

12,74

19,38

Druckverband

Ändern Sie die komplexe Leistungslegende in „Druckverband“

Im Zusammenhang mit dem Verbandwechsel sind die Nrn. 200 und 204 (für den Druckverband) zu berechnen. Hinzu kommen noch die jeweiligen Sachkosten für das Verbandmaterial. Für die ausführliche Beratung im Zusammenhang mit Änderung der Verhaltensweise bezüglich der Sonnenbestrahlung der Haut, Verwendung von Schutzcremes mit Sonnenschutzfaktor kommt in Abhängigkeit des Zeitaufwandes die Nr. 3 bzw. Nr. 34 zur Abrechnung. Da die Nr. 3 jedoch neben anderen Leistungen (mit Ausnahme der Untersuchungsleistungen nach den Nrn. 5, 6, 7, 8, 800 und 801) nicht berechnungsfähig ist, kann diese nicht berechnet werden.

 

Die Beratung nach Nr. 1 GOÄ ist im Behandlungsfall nur einmal neben Sonderleistungen der Abschnitte C bis O berechnungsfähig. Da die Beratung jedoch im Rahmen der Hautkrebsvorsorge durchgeführt wird, handelt es sich um einen neuen Behandlungsfall im Sinne der Definition der GOÄ. Somit wäre die Nr. 1 mit Begründung „NBF“ („Neuer Behandlungsfall“) neben den anfallenden Sonderleistungen dennoch zu berechnen, dann - bei entsprechendem Zeitaufwand - mit Faktorerhöhung.

 

Für die Erörterung nach Nr. 34 gibt es keinen entsprechenden Ausschluss. Damit ist für die ausführliche Erörterung mit einer Mindestdauer von 20 Minuten die Leistung nach Nr. 34 zu berechnen.

 

BEACHTEN SIE | Von vielen privaten Versicherungen wird die Berechnung der Leistung nach Nr. 750 neben der Leistung nach Nr. 612 A den privat Versicherten nicht erstattet. Dies erfolgt unter dem Hinweis, dass diese beiden Leistungen nicht nebeneinander berechnungsfähig seien. Das ist jedoch nicht korrekt, denn es gibt keine entsprechende Ausschlussregelung. Meist wird als Begründung § 4 Abs. 2a GOÄ angeführt. Hier heißt es: „Für eine Leistung, die Bestandteil oder eine besondere Ausführung einer anderen Leistung nach dem Gebührenverzeichnis ist, kann der Arzt eine Gebühr nicht berechnen, wenn er für die andere Leistung eine Gebühr berechnet.“ Da sich jedoch die spezielle Untersuchung von Hautveränderungen nach der Nr. 612 A als konsequente weiterführende (Differential-) Diagnostische Stufe zur Grunduntersuchung nach Nr. 750 ergibt, ist dieser Passus des § 4 Abs. 2a GOÄ nicht zutreffend.

Es empfiehlt sich die Leistungslegende der Nr. 750 abzuändern in: „Handdermatoskopische Grunduntersuchung“. Damit wird die Stufendiagnostik und die Unterschiedlichkeit der Untersuchungsgänge deutlich gemacht.

Die Folgekonsultationen dienen dem Verbandwechsel. Dabei ist jetzt bei der sich wiederholenden Leistungskombination aus Beratung (Nr. 1), symptombezogener Untersuchung (Nr. 5) und Verband (Nr. 200) zu entscheiden, welche Leistungspositionen abgerechnet werden. Die Berechnung der Nrn. 1 und 5 bringt eine höhere Punktzahl (160 Punkte), als der Verband nach Nr. 200 (45 Punkte). Deshalb wird die Kombination aus den Nrn. 1 und 5 berechnet. Zusätzlich auch noch die Sachkosten für das Verbandmaterial.

 

  • Weitere Verbandwechsel
GO-Nr.
Punkte
Faktor 2,3
Faktor 3,5
Leistungslegende
Tipp

1

80

10,72

16,32

Beratung

Wegen der Ausschlussbestimmungen ist auf die Verbandsleistung nach Nr. 200 zu verzichten. Allerdings sind die Sachkosten für das Verbandsmaterial zu berechnen.

5

80

10,72

16,32

Symptombezogene Untersuchung

 

Die abschließende Konsultation dient schließlich dem Fadenzug. Auch im Rahmen dieser Konsultation ist auf die Leistung nach Nr. 2007 (Entfernung von Fäden) wegen der niedrigeren Bewertung und der Ausschlussbestimmungen zugunsten der Leistungen nach den Nrn. 1 und 5 zu verzichten. Allerdings sind die Sachkosten für das Verbandsmaterial zu berechnen.

Quelle: Ausgabe 02 / 2012 | Seite 12 | ID 31375330