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·Fachbeitrag ·ABC der Abrechnung

„IG“ - Inkontinenz

von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Reilingen, www.vita-lco.de 

| Die Harninkontinenz ist ein weit verbreitetes Leiden, das Männer und Frauen aller Altersstufen gleichsam betrifft. Durch die zunehmende Lebenserwartung kommt dieser Erkrankung immer größere medizinische und gesellschaftliche Bedeutung zu. So sind in Deutschland etwa sechs Mio. Menschen an einer Harninkontinenz erkrankt. Oft wird dieses Leiden vom Patienten aus Schamgefühl selbst dem Arzt gegenüber nicht erwähnt. |

Die Diagnostik

Anamneseerhebung und körperliche Untersuchung reichen oft schon aus, um den Verdacht auf eine Harninkontinenz zu erhärten und erste therapeutische Schritte einzuleiten. Im Einzelnen sind folgende diagnostische Schritte zu unterscheiden: Urinuntersuchung, Sonographie, Zystometrie und Zystoskopie.

 

  • Die wichtigsten ICD-10-GM Schlüsselnummern*
Diagnose
ICD-10

Harninkontinenz

R32

Dranginkontinenz

N39.42

Dranginkontinenz organisch

N39.48

Dranginkontinenz extraurethral

N39.43

Neurogene Dranginkontinenz

N31.0

Dranginkontinenz, nicht organisch

F98.0

Stressinkontinenz

N39.3

Überlaufinkontinenz

N39.41

 

* Zur Abrechnung ist die Zusatzkennung mit A=Ausschluss, G=Gesichert, V=Verdacht, Z=Zustand nach... zwingend vorgeschrieben. Lokalisationsangabe ist fakultativ: R=rechts, L=links, B=beidseits.

Der Fall

Eine 56-jährige Patientin stellt sich in der Sprechstunde mit unfreiwilligem Harnabgang vor. Hier ist die Anamnese wichtig. Es sollen Angaben über die Häufigkeit des unfreiwilligen Harnabgangs, über die Mengen, die Auslöser, den tageszeitlichen Verlauf, eventuelle Beschwerden sowie Geburten und Operationen in der Vorgeschichte und Angaben über die Einnahme bestimmter Medikamente erhoben werden. Die Patientin ist verheiratet, hat zwei Kinder und ein normales Sexualleben. Aus der Anamnese ergeben sich keine Vorerkrankungen. Sie trinke etwa 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag, habe keinerlei Blasenschmerzen. Nykturie wird mit ein- bis zweimal pro Nacht angegeben. Die Untersuchung des Abdomens und des Nierenlagers ergeben keinerlei pathologischen Befunde. Der Urin ist unauffällig. Bei der gynäkologischen Untersuchung fällt ein leichter Descensus versicae auf, sonst keinerlei pathologische Befunde. Die abdominelle Sonographie einschließlich der Nieren und ableitenden Harnwege ergänzt die Diagnostik.

 

  • 1. Konsultation (1. Kontakt im Behandlungsfall)
EBM
GOÄ

Ziffern

Punkte

Euro

Legende

Ziffern

Punkte

03004

157

15,90

Versichertenpauschale / Beratung

1

80

03040

144

14,59

Vorhaltepauschale

-*

-

03230

90

9,12

Hausärztliches Gespräch

-***

-

-**

-

-

Körperliche Untersuchung

7

160

32030

-

0,50

Urinstreifentest

3511

50

32031

-

0,25

Urinsediment

3531

70

-**

-

-

Blutentnahme

250

40

33042

157

15,90

Sonographie (Blase, Nieren, Nebennieren, beim Mann: Prostata)

410+

3x 420****

200+

3x 80

 

* Dafür gibt es keine entsprechende Gebühr in der GOÄ

** Diese Leistungen sind im EBM nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhangs 1, gelten diese Leistungen mit der Versichertenpauschale als abgegolten.

*** Die hier abzurechnende Gebühr nach GO-Nr. 3 ist nur als alleinige Leistung oder im Zusammenhang mit Untersuchungsleistungen nach den GO-Nrn. 5, 6, 7, 8, 800, 801 berechnungsfähig und entfällt. Ggf. ist dafür die Beratung nach GO-Nr. 1 mit höherem Faktor abzurechnen.

**** Nach GOÄ sind die untersuchten Organe anzugeben

 

PRAXISHINWEIS | Im urologisch-fachärztlichen Bereich käme noch die EBM-Nr. 26313 (Zusatzpauschale apparative Untersuchung bei Harninkontinenz oder neurogener Blasenentleerungsstörung) zusätzlich zur urologischen Grundpauschale zur Abrechnung. Diese Zuschlagpauschale im urologischen Versorgungsbereich beinhaltet die Urethrozystoskopie (EBM-Nrn. 26310 und 26311) und die Urethradruckprofilmessung (EBM-Nr. 26312). Die Leistungen können gegebenenfalls auch einzeln abgerechnet werden.

 

Die folgende Blutentnahme zur Labordiagnostik dient dem Ausschluss einer organischen Ursache. Zum Abschluss wird mit der Patientin noch ein Valsalva-Manöver durchgeführt. Dabei kommt es zu unfreiwilligem Urinabgang, was im Grunde die Diagnose der Stressinkontinenz sichert. Es wird ein Termin zur Befundbesprechung und Therapieeinleitung vereinbart.

 

  • Laboruntersuchungen
EBM
GOÄ

Ziffern

Punkte

Euro

Legende

Ziffern*

Punkte

32042

-

0,25

BKS

3501

60

32122

-

1,10

Blutbild

3550

60

32057

-

0,25

Blutzucker

3560

40

32060

-

0,25

Cholesterin

3562.H1

40

32067

-

0,40

Kreatinin

3585.H1

40

32128

-

1,15

C-reaktives Protein

3524

100

32081

-

0,25

Kalium

3557

30

32083

-

0,25

Natrium

3558

30

 

* Laboruntersuchungen der Abschnitte MIII und MIV der GOÄ sind ausschließlich von dem Arzt berechnungsfähig, der die Laboruntersuchungen selbstständig erbracht hat. Werden Laborärzte mit der Durchführung solcher Laboruntersuchungen beauftragt, so rechnen diese direkt mit dem Patienten ab.

 

Im Labor werden Blutsenkung, kleines Blutbild, CRP, Kalium, Natrium, Cholesterin, Glukose und Kreatinin bestimmt. Abrechnungstechnisch sind Laboruntersuchungen im Rahmen des EBM bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr gesondert berechnungsfähig. Laborleistungen, die von der Laborgemeinschaft bzw. dem Speziallabor durchgeführt werden, werden direkt mit der zuständigen KV abgerechnet. Im Rahmen der GOÄ sind die Laborleistungen jedoch gesondert zu berechnen.

 

  • 2. Konsultation: Befundbesprechung und Therapieeinleitung
EBM
GOÄ

Ziffern

Punkte

Euro

Legende

Ziffern

Punkte

-*

t-

-

Symptombezogene Untersuchung

5

80

03230

90

9,12

Gespräch, Erörterung

34

300

 

* Diese Leistungen sind im EBM nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhangs 1 gelten diese Leistungen mit der Versichertenpauschale als abgegolten.

Die Untersuchungen zeigten insgesamt keine pathologischen Werte, sodass von der Diagnose „Harninkontinenz“ ausgegangen werden kann. Das Ergebnis und vor allem die Therapieoptionen wurden mit der Patientin ausführlich besprochen. Es wurde ein weiterer Termin zur Verlaufskontrolle vereinbart.

 

  • 3. Konsultation
EBM
GOÄ

Ziffern

Punkte

Euro

Legende

Ziffern

Punkte

03230

90

9,12

Hausärztliches Gespräch, Erörterung

3

150

-*

-

-

Untersuchung

7

160

 

* Diese Leistungen sind im EBM nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhangs 1 gelten diese Leistungen mit der Versichertenpauschale als abgegolten.

Die Therapie

Jede Form der Harninkontinenz bedarf einer individuellen Behandlung. Es ist zwischen nicht-operativer und operativer Behandlung zu unterscheiden.Neben dem Training der Harnblase mit gezieltem Einüben einer regelmäßigen Harnblasenentleerung ist bei einer Vielzahl von Patienten durch eine medikamentöse Therapie die Spannung der Blasenmuskulatur zu erreichen.

Bei gering ausgeprägter Stressinkontinenz kann die Beckenbodengymnastik unter entsprechender fachlicher Anleitung das Gewebe straffen und stärken. Angestrebt wird durch diese Übungen auch das Training für die willkürliche Kontrolle der Harnblase (Biofeedbacktraining). Bei stark ausgeprägter Stressinkontinenz, das heißt Harnverlust bereits bei einfachen Verrichtungen des täglichen Lebens, muss eine Kombination von nicht-operativer/medikamentöser Therapie mit einer operativen Behandlung bzw. ein alleiniges operatives Verfahren erwogen werden. Insgesamt sind Patienten mit einer Harninkontinenz Betreuungspatienten, bei denen die Chronikerleistungen nach den EBM-Nrn. 03220 und 03221 zu berechnen sind. Nach GOÄ käme dafür eventuell die Nr. 15 einmal im Kalenderjahr zur Abrechnung.

 

  • Übersicht Abrechnung Inkontinenz
Diagnose
ICD-10-GM*
Leistung
EBM-Abrechnung
GOÄ-Abrechnung

GO-Nr.

Punkte

Euro

GO-Nr.

Punkte

Euro /Faktor: 2,3

Euro /Faktor: 3,5

 

Versichertenpauschale/Beratung

03001

236

23,91

 

 

 

 

1

 

 

 

 

 

 

80

 

 

 

 

10,72

 

 

 

 

16,32

Harninkontinenz

R32

03002

150

15,20

Dranginkontinenz

N39.42

03003

122

12,36

Dranginkontinenz organisch

N39.48

03004

157

15,90

Dranginkontinenz extraurethral

Neurogene Dranginkontinenz

N39.43

N31.0

03005

210

21,27

 

Grundpauschale (urologisch)/Beratung

26210

149

15,09

Dranginkontinenz, nicht organisch

F98.0

26211

166

16,82

26212

198

20,06

Stressinkontinenz

N39.3

Vorhaltepauschale

03040

144

14,59

-***

-

-

-

Hausärztliches Gespräch

03230

90

9,12

3

150

20,11

30,60

eingehende Erörterung

34

300

40,22

61,20

Symptombezogene Untersuchung

-**

-

-

5

80

10,72

16,32

Untersuchung Abdomen/Harnwege

-**

-

-

7

160

21,45

32,64

Ganzkörperstatus

-**

-

-

8

260

34,86

53,04

Chronikerzuschlag I

03220

130

15

300

40,22

61,20

Chronikerzuschlag II

03221

40

Neurologische Untersuchung

-**

-

-

800

195

26,14

39,78

Blutentnahme

-**

-

-

250

40

4,20

5,83

Sonographie

33042

157

15,90

410

+420

200

+80

26,81

+10,72

40,80

+16,32

Sonographie Uro-Genital-Organe

33043

87

8,81

Urethro(-zysto)skopie des Mannes

26310

444

44,98

1787

252

33,78

51,41

Urethro(-zysto)skopie der Frau

26311

272

27,55

Urethradruckprofilmessung

26312

290

29,38

1793

400

53,62

81,60

BKS

32042

-

0,25

3501

60

4,02

4,55

Blutbild

32122

-

1,10

3550

60

4,02

4,55

Blutzucker

32057

-

0,25

3560

40

2,68

3,03

Cholesterin

32060

-

0,25

3562.H1

40

2,68

3,03

Kreatinin

32067

-

0,40

3585.H1

40

2,68

3,03

C-reaktives Protein

32128

-

1,15

3524

100

6,70

7,58

Kalium

32081

-

0,25

3557

30

2,01

2,27

Natrium

32083

-

0,25

3558

30

2,01

2,27

 

* Zusatzkennung: A=Ausschluss, G=Gesichert, V=Verdacht, Z=Zustand

** Diese Leistungen sind nach EBM nicht gesondert berechnungsfähig, sondern mit anderen Pauschalen abgegolten

*** In der GOÄ keine entsprechende Gebühr

Quelle: Ausgabe 08 / 2014 | Seite 21 | ID 42831523