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·Fachbeitrag ·ABC der Abrechnung

„F“ - Fremdkörperverletzung als Arbeitsunfall

von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Reilingen, www.vita-lco.de

| Die Entfernung von Fremdkörpern in der Körperoberfläche werden in den Gebührenordnungen unterschiedlich abgerechnet. In der GOÄ finden sich für die Entfernung von Fremdkörpern zwei Leistungspositionen, die Nrn. 2009 und 2010. Die UV-GOÄ kennt ebenfalls die zwei Gebühren nach den Nrn. 2009 und 2010 für die Entfernung von Fremdkörpern. Im EBM wird die Entfernung von Fremdkörpern nach Nr. 02301 abgerechnet. |

 

Oberflächlich oder tiefsitzend?

Bei der Differenzierung der beiden Gebühren (Nrn. 2009 und 2010 GOÄ) kommt es darauf an, ob es ein oberflächlicher oder ein tiefsitzender Fremdkörper ist. Oberflächlich bedeutet unter der Oberfläche der Haut. Dabei kann sich der Fremdkörper durchaus noch in der Haut selbst befinden. Er kann auch teilweise noch aus der Haut herausschauen, wie zum Beispiel ein Dorn oder ein Holzsplitter. Die Differenzierung „oberflächlich - tiefsitzend“ kann auf verschiedenen Wegen vorgenommen werden. So wird ein oberflächlicher Fremdkörper z. B. mit einer Pinzette oder einem scharfen Löffel, ohne operativen Eingriff entfernt. Auch die Notwendigkeit einer Lokalanästhesie kann als mögliches Kriterium zur Abgrenzung gegenüber dem „tiefsitzenden Fremdkörper“ nach GOÄ bzw. UV-GOÄ genutzt werden. In der Gebühr nach Nr. 2010 GOÄ/UV-GOÄ heißt es bezüglich der Lokalisation des Fremdkörpers lediglich „tiefsitzend“. Hier ist jedoch ein weiteres Kriterium zu berücksichtigen: „Die Entfernung auf operativem Wege“. Als tiefsitzend müsste demnach alles definiert werden, was eben nicht gerade mal unter der Oberfläche der Haut liegt und auf operativem Wege, das heißt durch einen kleinen Schnitt oder durch Eröffnung der Körperoberfläche unter Anwendung einer Lokalanästhesie, zu entfernen ist.

 

MERKE | Nach der GOÄ ist für die Entfernung eines tiefsitzenden Fremdkörpers nach Nr. 2010 noch der Zuschlag nach Nr. 442 (400 Punkte, Faktor 1,0: 23,31 Euro) abzurechnen. Nach den Allgemeinen Bestimmungen sind die Zuschläge zu ambulanten Operationen nach den Nrn. 442 bis 445 GOÄ nur mit einfachem Satz berechnungsfähig. Die notwendige Anästhesie lässt sich zusätzlich mit der Nr. 490 (Anästhesie kleiner Bezirk) bzw. 491 (Anästhesie großer Bezirk) GOÄ abrechnen. Dazu natürlich die Beratung nach Nr. 1 und die symptombezogene Untersuchung nach Nr. 5 GOÄ. Für die Berechnung der Zuschläge für ambulante Operationen in der GOÄ benötigt man keine gesonderte Genehmigung. Die Fremdkörperentfernung gilt als operativer Eingriff. Damit greifen die Allgemeinen Bestimmungen, wonach daneben Verbandleistungen nach der Nr. 200 GOÄ nicht berechnungsfähig sind. Dennoch können Sie natürlich die für den Wundverband entstandenen Kosten als Auslagen gemäß § 10 GOÄ berechnen. Um ein Nachbluten zu verhindern, ist ggf. die Anlage eines Druckverbands notwendig. Diesen können Sie nach GO-Nr. 204 GOÄ auch neben operativen Leistungen berechnen. Auch hierfür rechnen Sie die entstandenen Sachkosten nach § 10 ab.

 

Der Fall (1. Konsultation)

Ein Patient (36 Jahre, 184cm, 81kg, RR 130/70, Puls 66), von Beruf Gärtner, verletzt sich bei der Arbeit. Er stellt sich sofort bei seinem Hausarzt vor. Es ist der erste Kontakt im Quartal. Der Patient ist ansonsten gesund und ohne chronische Erkrankungen. Die Untersuchung zeigt einen tiefsitzenden Holzsplitter in der Unterarmmuskulatur. Nach symptombezogener Untersuchung, wie auch einer genauen Untersuchung der versorgenden Gefäße und Nerven, wird in Lokalanästhesie der tiefsitzende Fremdkörper durch einen kleinen Schnitt entfernt. Der anschließende Wundverschluss erfolgt primär mittels Steristrips. Anschließend erfolgen ein Wund- und ein Druckverband. Dem Patienten wird für den Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt und für den folgenden Tag ein Termin zur Wundkontrolle vereinbart.

 

Wichtig | In den Tabellen zum Fallbeispiel sind die Abrechnungsmöglichkeiten nach EBM, GOÄ und UV-GOÄ der Übersicht halber dargestellt. Als Arbeitsunfall ist in diesem Fall aber ausschließlich nach UV-GOÄ abzurechnen.

 

  • Die Abrechnung 1. Konsultation - Fremdkörperentfernung
EBM
GOÄ
UV-GOÄ

Legende

Nr.

Punkte

Euro

Nr.

Punkte

Nr.

Allg. HB

Sachkosten

Versichertenpauschale/ Beratung

03003

122

12,73

1

80

1

6,21

1,30

Vorhaltepauschale

03040

144

15,03

-**

-

-**

-

-

NäPA-Zuschlag

03060

22

2,30

-**

-

-**

-

-

Symptombezogene Untersuchung

-*

-

-

5

80

-***

-

-

Unfallmeldung

-*

-

-

-**

-

125

-

7,50

AU

-*

-

-

70

40

143

-

2,74

Verband

-*

-

-

-****

-

-

-****

1,19

Druckverband

-*

-

-

204

95

203A

6,56

6,78

Lokalanästhesie, groß

-*

-

-

491

121

491

8,35

6,49

Fremdkörperentfernung

02301

129

13,46

2010

379

2010

26,16

16,98

Zuschlag f. ambulantes Operieren

-*

-

-

442

400

442

27,60

-

Tetanusimpfung*****

89124

-

7,20

375

80

375

3,45

1,70

 

* Nach EBM nicht gesondert berechnungsfähig, sondern mit der Versichertenpauschale abgegolten.

** Hierfür gibt es keine entsprechende Leistung in der GOÄ bzw. der UV-GOÄ.

*** Die hier ggf. infrage kommende GO-Nr. 6 UV-GOÄ, kann wegen der fehlenden Voraussetzungen wie dem differenzialdiagnostischen Aufwand und/oder der Beteiligung mehrerer Organe, nicht berechnet werden. Die Untersuchung ist nach UV-GOÄ in diesem Fall mit der GO-Nr. 1 abgedeckt.

**** Der Verband nach GO-Nr. 200 GOÄ bzw. UV-GOÄ, ist nicht neben operativen Leistungen berechnungsfähig und entfällt. Jedoch sind die Sachkosten nach § 10 GOÄ zusätzlich zu berechnen. Nach UV-GOÄ sind die besonderen Kosten (1,19 Euro) für den Verband berechnungsfähig.

***** Impfungen werden nach den regionalen Impfvereinbarungen unterschiedlich abgerechnet und vergütet.

 

Nach GOÄ wie auch nach UV-GOÄ ist zu der Leistung nach Nr. 2010 noch der Zuschlag nach Nr. 442 (400 Punkte, Faktor 1,0: 23,31 Euro) abzurechnen. Nach den Allgemeinen Bestimmungen sind die Zuschläge zu ambulanten Operationen nach den Nrn. 442 bis 445 nur mit einfachem Satz berechnungsfähig. Die UV-GOÄ kennt keine Faktorsteigerung, sondern unterscheidet lediglich zwischen allgemeiner und besonderer Heilbehandlung. Die besondere Heilbehandlung kann nur durch den Unfallversicherungsträger, den D-Arzt oder den Handchirurgen bei Vorliegen einer Verletzung nach Ziffer 8 des Verletzungsartenverzeichnisses berechnet werden. Die notwendige Anästhesie lässt sich mit der Nr. 490 (Anästhesie kleiner Bezirk) bzw. 491 (Anästhesie großer Bezirk) nach GOÄ, wie auch nach UV-GOÄ, abrechnen. Beratung und Untersuchung werden nach GOÄ mit den Nrn. 1 und 5 abgerechnet. Nach UV-GOÄ sind diese beiden Leistungen mit der Nr. 1 abgegolten. Die Untersuchung Durchblutung (Gefäße), Sensibilität, Reflexe und der Motorik kann nach GOÄ mit der Nr. 800 berechnet werden. Nach UV-GOÄ ist die neurologische Untersuchung nach Nr. 800 den Neurologen vorbehalten. Für die Berechnung der Zuschläge für ambulante Operationen in der GOÄ bzw. UV-GOÄ benötigt man keine gesonderte Genehmigung.

Der Folgetermin (2. Konsultation)

Am Tag nach dem Eingriff ist eine Wundkontrolle mit Verbandwechsel notwendig. Nach GOÄ ließe sich der Verbandwechsel mit der Kombination der Beratung nach Nr. 1 und der symptombezogenen Untersuchung nach Nr. 5 oder ggf. auch der Erörterung nach Nr. 3 und Nr. 5 berechnen. Die Wundversorgung bzw. der Verband ist daneben wegen der Ausschlussregelung in den Allgemeinen Bestimmungen nicht berechnungsfähig, da die Nrn. 1 und 5 schon beim ersten Kontakt neben den operativen Leistungen berechnet wurden. Da nun aber die Kombination aus Beratung und symptombezogener Untersuchung 160 Punkte ergeben, Verband und Druckverband jedoch nur 140 Punkte, werden erstere berechnet. Die Sachkosten für den Verband und Druckverband können Sie jedoch in Rechnung stellen, auch wenn die Verbandsleistungen als solche nicht berechnet wurden. Eine ähnliche Überlegung ergibt sich bei der Abrechnung des Arbeitsunfalles nach UV-GOÄ. Nur ergeben die Gebühren für Verband und Druckverband ein höheres Honorar als die Nr. 1. Zudem können Sie nach UV-GOÄ keine gesonderten Sachkosten berechnen, denn die besonderen Kosten sind an die jeweilige Gebührenordnungsposition gebunden. Insofern werden Sie im Rahmen des Arbeitsunfalls den Verband und den Druckverband abrechnen.

 

  • Die Abrechnung 2. Konsultation - Wundkontrolle, Verbandwechsel
EBM
GOÄ
UV-GOÄ

Legende

Nr.

Nr.

Punkte

Nr.

Allg. HB

Sachkosten

Beratung

-*

1

80

1

6,21

1,30

Symptombezogene Untersuchung

-*

5

80

-**

-

-

Verband

-*

200

45

200

3,24

1,19

Druckverband

-*

204

95

203A

6,56

6,78

 

* Nach EBM nicht gesondert berechnungsfähig, sondern mit der Versichertenpauschale abgegolten.

** Die hier ggf. infrage kommende GO-Nr. 6 UV-GOÄ kann wegen der fehlenden Voraussetzungen, wie dem differenzialdiagnostischen Aufwand und/oder der Beteiligung mehrerer Organe, nicht berechnet werden. Die Untersuchung ist nach UV-GOÄ in diesem Fall mit der GO-Nr. 1 abgedeckt.

 

Aus Platzgründen finden Sie die gewohnte Übersichtstabelle zur Abrechnung nach EBM und GOÄ sowie eine gesonderte Tabelle zur UV-GOÄ im Internet unter aaa.iww.de > Archiv > Ausgabe 1/2016 > „F“ - Fremdkörperverletzung.

 

 

  • Tabelle: Fremdkörper als Arbeitsunfall, nach UV-GOÄ abgerechnet
Diagnose
ICD-10-GM*
Leistung
UV-GO-Nr.
Allg. HB
Bes. HB
Bes. Kost.
Allg. Kost.
Sachkosten

Fremdkörper der Haut und Unterhaut

T14.04

Symptomzentrierte Untersuchung bei Unfallverletzungen oder bei Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit einschließlich Beratung.

1

6,21

7,73

-

1,30

1,30

Fremdkörper, oberflächlich ohne Wunde

T14.04

Umfassende Untersuchung verbunden mit nach Umfang und Zeit besonderem differenzialdiagnostischen Aufwand und/oder Beteiligung mehrerer Organe einschl. Klärung oder Überprüfung des Zusammenhangs mit der Berufstätigkeit sowie der notwendigen Beratung

6

14,50

18,04

-

2,60

2,60

Fremdkörper, penetrierend mit Wunde

T14.1

Unfallmeldung Vordruck F1050

125

-

-

-

-

7,50

Fremdkörper im Weichteilgewebe

M79.59

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

143

-

-

-

-

2,74

Fremdkörper des Unterarmes

M79.53

Verband

200

3,24

4,04

1,19

2,50

3,69

Druckverband

203A

6,56

8,16

1,76

2,90

4,66

Lokalanästhesie, klein

490

4,21

4,24

1,48

2,00

3,48

Lokalanästhesie, groß

491

8,35

10,39

2,23

3,80

6,03

Fremdkörperentfernung, oberfl.

2009

6,90

8,59

-

4,00

4,00

Fremdkörperentfernung, tief

2010

26,16

32,55

7,78

9,20

16,98

Zuschlag f. ambulantes Operieren

442

27,60

-

-

-

-

Impfung

375

3,45

4,29

-

1,70

1,70

 

* Zusatzkennung: A=Ausschluss, G=Gesichert, V=Verdacht, Z=Zustand nach (nur für GKV, Angabe bisweilen auch von UV-Trägern, vorwiegend bei Rückfragen verlangt)

 

  • Tabelle Fremdkörper, abgerechnet nach EBM und GOÄ
Diagnose
ICD-10-GM*
Leistung
EBM-Abrechnung
GOÄ-Abrechnung

Nr.

Punkte

Euro

Nr.

Punkte

Euro / 2,3-fach

Euro / 3,5-fach

Fremdkörper Haut und Unterhaut

T14.04

 

Versichertenpauschale / Beratung

03001

236

24,63

1

 

 

 

3

80

10,72

16,32

Fremdkörper oberfl. ohne Wunde

T14.04

03002

150

15,65

Fremdkörper, penetrierend mit Wunde

T14.1

03003

122

12,73

150

20,11

30,60

Fremdkörper im Weichteilgewebe

M79.59

03004

157

16,38

Fremdkörper des Unterarmes

M79.53

03005

210

21,92

Vorhaltepauschale

03040

144

15,03

-***

-

-

-

Unfallmeldung

-**

-

-

-***

-

-

-

AU-Bescheinigung

-**

-

-

70

40

5,36

8,16

NäPA-Zuschlag

03060

22

2,30

-***

-

-

-

Symptombezog. Untersuchung

-**

-

-

5

80

10,72

16,32

Hausärztl. Gespräch / Erörterung

03230

90

9,39

3

150

20,11

30,60

Verband

-**

-

-

200*****

45

6,03

9,18

Druckverband

-**

-

-

204*****

95

12,74

19,38

Lokalanästhesie, klein

-**

-

-

490*****

61

8,18

12,44

Lokalanästhesie, groß

-**

-

-

491*****

121

16,22

24,68

Fremdkörperentfernung, oberfl.

02301

129

13,46

2009*****

100

13,41

20,40

Fremdkörperentfernung, tief

02301

129

13,46

2010*****

379

50,81

77,32

Zuschlag f. ambulantes Operieren

-**

-

-

442

400

23,31

(F.1,0)

-

Entfernung von Fäden

-**

-

-

2007*****

40

5,36

8,16

DT-Polio-Pertussis / Impfung

89400

-

7,20

375

80

10,72

16,32

 

 

* Zusatzkennung: A=Ausschluss, G=Gesichert, V=Verdacht, Z=Zustand nach

** Diese Leistungen sind nach EBM nicht gesondert berechnungsfähig sondern mit anderen Pauschalen abgegolten

*** Hierfür gibt es keine entsprechende Leistung in der GOÄ

**** Hierfür gibt es keine entsprechende Leistung in der UV-GOÄ

***** Sachkosten nach § 10 GOÄ nicht vergessen

Quelle: Ausgabe 02 / 2016 | Seite 17 | ID 43819710