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·Fachbeitrag ·EBM 2014

Chroniker-, Geriatrie- und Palliativpositionen bei Vertretungen

von Dr. med. Heinrich Weichmann, Lippetal

| Mit der Änderung der Chronikerpauschalen und der Neuaufnahme der Positionen für die geriatrische und die palliativmedizinische Versorgung in den Hausarzt-EBM zum IV. Quartal 2013 wurden keine Regelungen definiert, ob und wann diese Positionen bei Vertretungen Hausarzt-Hausarzt berechnet werden können. Nachfolgend wird daher erläutert, was bei Berechnung der neuen Hausarztpositionen in Vertreterfällen zu beachten ist. |

Chronikerpauschalen - EBM-Nrn. 03220/03221

Die Chronikerpauschale Nr. 03220 EBM ist nur als Zuschlag zur Versichertenpauschale Nr. 03000 berechnungsfähig, die Nr. 03221 seit dem 1. Juli 2014 als Zuschlag zur Nr. 03220 beim zweiten persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt (APK) mit einem Chroniker im Quartal. Da bei Vertretungen Hausarzt-Hausarzt die Versichertenpauschale Nr. 03010 abzurechnen ist, sind die Chronikerpauschalen auch bei längerer Vertretung eines anderen Hausarztes nicht berechnungsfähig.

Hausärztliche Erörterung - EBM-Nr. 03230

Bei einer Erörterungsdauer von mindestens 10 Minuten und dann weiter je vollendete 10 Minuten Erörterung ist die Nr. 03230 auch bei Vertretungen uneingeschränkt berechnungsfähig.

Geriatriepositionen - EBM Nrn. 03360/03362

Liegen die Voraussetzungen zur Berechnung der Geriatriepositionen vor (Pflegestufe oder Alter über 70 Jahre plus geriatrietypische Erkrankung oder - bei Alter unter 70 Jahren - Erkrankung nach einem ICD-10-Kode F 00 - F 02, G 30, G 20.1 oder G 20.2), sind die Positionen 03360/03362 nach dem EBM nicht von einer Berechnung im Rahmen von Vertretungen ausgeschlossen.

 

Aber: Die Erbringung des Basisassessments nach Nr. 03360 EBM ist darauf ausgerichtet, dass die Behandlung eines geriatrischen Patienten durch den diese Positionen erbringenden Hausarzt über einen längeren Zeitraum erfolgt. Aber auch wenn man argumentiert, dass die im Rahmen des Basisassessments anfallenden Untersuchungen/Testverfahren unter Umständen auch für einen kürzeren Behandlungszeitraum zur Verfügung stehen müssen - eine routinemäßige Abrechnung der Nr. 03360 bei Patienten über 70 Jahren dürfte bei Vertretungen schwerlich zu begründen sein.

 

Die geriatrische Betreuung nach Nr. 03362 EBM mit Erstellung eines Medikationsplans usw. setzt auf jeden Fall eine geplante längere Betreuung voraus.

 

PRAXISHINWEIS | Entscheidend ist in erster Linie die Dauer der Vertretung. Bei einer sehr kurzfristigen Vertretung von nur einem oder zwei Tagen wird man die Notwendigkeit der Erbringung des Basisassessments 03360 nur schwerlich und das Erfordernis einer geriatrischen Betreuung nach 03362 überhaupt nicht begründen können. Anders ist die Sachlage bei längeren Vertretungen, hier sollte der vertretende Hausarzt im Einzelfall entscheiden, ob das Basisassessments 03360 und die Betreuung nach 03362 im Rahmen der Vertretung zur Behandlung erforderlich sind. Werden diese Positionen bei Vertretungen abgerechnet, ist deren Notwendigkeit detailliert zu dokumentieren. Es ist damit zu rechnen, dass die Abrechnung der 03360/03362 durch Vertreter penibel geprüft wird. Eine definitive Zeitvorgabe für die Dauer einer Vertretung als Voraussetzung zur Berechnung der 03360/03362 gibt es nicht, hier ist mit einem gewissen „Fingerspitzengefühl“ vorzugehen.

 

Palliativpositionen - EBM-Nrn. 03370 bis 03373

Schon die Geriatriepositionen 03360/03362 werden nach Auswertung der ersten Abrechnungsquartale nach Einführung dieser Positionen relativ selten, im Durchschnitt nur bei jedem 4. bis 5. der über 70-jährigen Patienten, abgerechnet. Bei den Palliativpositionen fällt die Abrechnungsfrequenz noch erheblich niedriger aus, nur mit einer Frequenz im Promillebereich werden die Nrn. 03370 bis 033373 abgerechnet. Dennoch: Auch bei Vertretungen sind die, wenn auch wenigen, Palliativpatienten zu betreuen.

 

  • Nr. 03370: Diese nur einmal pro Jahr (einmal im Krankheitsfall) bei einem Patienten berechnungsfähige Position ist dem Leistungsinhalt nach (u.a. Erstellung eines palliativmedizinischen Behandlungsplans) darauf ausgelegt, dass eine längere Betreuung erfolgt. Somit sollte die Nr. 03370 bei Vertretungen nur unter den Vorgaben berechnet werden, wie oben bei den Positionen 03360 /03362 ausgeführt.
  • Nr. 03371: Die Palliativmedizinische Betreuung nach Nr. 03371 ist nur zusätzlich zur Versichertenpauschale 03000 berechnungsfähig, kommt also bei Vertretungen mit Abrechnung der 03010 nicht infrage.
  • Nrn. 03372 und 03373: Diese Besuchszuschläge (Nr. 03372 bei Besuchen nach 01410 oder 01413, Nr. 03373 bei Besuchen nach 01411, 01412 oder 01415) sind uneingeschränkt auch bei Vertretungen berechnungsfähig, wenn Besuche bei Palliativpatienten durchgeführt werden. Dies gilt auch unabhängig davon, über welchen Zeitraum ein anderer Hausarzt vertreten wird. Sie wären also auch berechnungsfähig, wenn im Rahmen einer nur eintägigen Vertretung ein Besuch bei einem Palliativpatienten erfolgt. Beachten Sie bei der Nr. 03372 die Mindestdauer von 15 Minuten und die Berechnungsmöglichkeit je weitere vollendete 15 Minuten bis zu fünfmal bei einem Besuch. Für die Nr. 03373 sind keine Zeitvorgaben festgelegt.

 

FAZIT | Erörterungen nach EBM-Nr. 03230 und die Besuchszuschläge 03372/ 03373 sind bei Vertretungen uneingeschränkt berechnungsfähig. Die Geriatriepositionen 03360/ 03362 und die Erhebung des Status nach Nr. 03370 bei Palliativpatienten sind in der Regel nur bei längeren Vertretungen berechenbar, die Notwendigkeit der Erbringung dieser Leistungen im Rahmen der Vertretung ist detailliert zu dokumentieren. Die Chronikerpauschalen 03220/03221 und die palliativmedizinische Betreuung nach 03371 sind bei Vertretungen nicht berechnungsfähig.

 
Quelle: Ausgabe 08 / 2014 | Seite 3 | ID 42832645