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01.11.2006 | Selbstzahlerleistungen

IGeL bei Migränepatienten – Behandlungsmethoden und Abrechnung

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS Consult, Köln

Migräne ist eine sehr häufig vorkommende Erkrankung. Da viele Migränepatienten nach Alternativen zur medikamentösen Behandlung suchen, lohnt es sich darüber nachzudenken, ob auch das IGeL-Angebot der eigenen Praxis um Leistungen erweitert werden sollte, die zur Behandlung von Migräne sinnvoll sind. Nachfolgend werden einige in Frage kommende Behandlungsmethoden vorgestellt und es wird dargelegt, mit welchen Gebührennummern der GOÄ die entsprechenden Methoden berechnungsfähig sind.  

Abgrenzung GKV/IGeL bei Migräne

Die gezielte Migräne-Anamnese und -diagnostik ist zu Lasten der GKV zu erbringen. Ebenso sind die medikamentöse Behandlung, klassisches autogenes Training und physikalisch-medizinische Behandlungen grundsätzlich zu Lasten der GKV möglich. Zu beachten sind Verordnungsausschlüsse für Arzneimittel und Richtgrößen.  

 

Besonders Kopfschmerz- und Migränepatienten sind häufig erfolgreich mit Methoden zu behandeln, die nur als IGeL-Angebot möglich sind. Dabei handelt es sich um Behandlungsmethoden, die  

  • nicht im EBM angeführt sind oder
  • vom Bundesausschuss nicht als zu Lasten der GKV erbringbar eingestuft wurden oder
  • aus Sicht der GKV unwirtschaftlich sind.

 

Es folgen einige Beispiele und deren Abrechnungsmöglichkeiten. 

Akupunktur

Die Akupunktur bei Kopfschmerz oder Migräne ist eine der wirksamsten IGeL-Behandlungsmethoden. In Selbsthilfegruppen und „Migräne-Foren“ wird sehr häufig auf die Behandlungsmöglichkeit durch Akupunktur und deren Wirksamkeit hingewiesen. Da zu Lasten der GKV nur die Akupunktur bei chronischen Knie- oder Rückenschmerzen möglich ist, erfolgt die Abrechnung als IGeL-Leistung mit der Nr. 269 bzw. 269a GOÄ je Sitzung. 

Biofeedback

Bei der Biofeedback-Behandlung wird der Durchmesser der Schläfenarterien mit Infrarotlicht gemessen. Der Patient lernt durch Verfolgung auf einem Monitor, ob von ihm angewandte Entspannungsverfahren zur gewünschten Verringerung des Gefäßdurchmessers führen. Durch erfolgreiche Versuche lernt er, die Körpervorgänge gezielt zu beeinflussen. Je Sitzung kann dafür zum Beispiel die Nr. 846 GOÄ analog berechnet werden. 

Jacobson´sche Relaxationstherapie

Auch dies ist eine der von Patienten favorisierten Behandlungsmethoden. Mit der Methode nach Jacobson lernt der Patient das bewusste und aktive Herbeiführen des muskulären Entspannungszustands. Als Entspannungstechnik, die dem autogenen Training ähnelt, erfolgt die Abrechnung der ärztlich geleiteten Sitzungen mit der Nr. 846 GOÄ. 

Schmerzbewältigungstraining

Mit positiver Selbstinstruktion lernt der Patient, dem Schmerz weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Ebenfalls kann – ähnlich dem autogen Training – Nr. 846 GOÄ je Sitzung berechnet werden. 

Quellgastherapie

Bei der Quellgastherapie wird Kohlendioxid subkutan injiziert. Die Abrechnung erfolgt deshalb mit der Nr. 252 GOÄ. 

Hochtontherapie

Über Klebeelektroden werden Hochtonfrequenzen appliziert, durch die positive biochemische und bioelektrische Prozesse hervorgerufen werden. Die Abrechnung kann je Sitzung mit der Nr. 555 oder 269 analog erfolgen. 

Beratungen zur Therapie mit IGeL

Zusätzlich zu den angewandten Verfahren können speziell dazu erfolgte Beratungen als IGeL privat liquidiert werden. Als Beratungsziffern kommen dafür in erster Linie die Nrn. 1 und 3 GOÄ in Frage. Zusätzliche therapeutische Gespräche können mit der Nr. 849 oder 804 GOÄ analog berechnet werden. 

Fazit

Zum Teil ist Ärzten nicht bekannt, dass auch bei Migräne IGeL möglich sind. Viele Patienten suchen nach Alternativen zur medikamentösen Behandlung. Zum Teil finden sie diese in ihrer Umgebung nur bei nichtärztlichen Heilberufen. Aufgrund des Vertrauensverhältnisses zu ihrem Arzt würden sie solche Leistung häufig lieber beim eigenen Hausarzt in Anspruch nehmen statt sich anderen Personen zuzuwenden. Daher ist es durchaus empfehlenswert zu prüfen, ob für die eigene Praxis eines der voranstehend kurz angerissenen IGeL-Angebote in Frage kommt. 

 

Quelle: Ausgabe 11 / 2006 | Seite 13 | ID 84610