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Privatliquidation

Schilddrüsen-Screening: Nutzen Sie die Akzeptanz in der Bevölkerung für diese Vorsorgeleistung

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS-Servicestelle, Köln

Seit fast zwei Jahren läuft bundesweit eine Initiative zur Schilddrüsen-Vorsorge. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist groß, und für die Praxis ist die Untersuchung nicht nur medizinisch sinnvoll. Ergreifen auch Sie jetzt die Initiative!

Schilddrüsenstörungen werden von Laien oft als Entschuldigung bei Befindensstörungen gebraucht. So soll die Schilddrüse zum Beispiel Nervosität oder Gewichtsschwankungen zu verantworten haben. Allerdings: Nicht jeder Patient liegt damit daneben. Jeder dritte Erwachsene hat eine Schilddrüsenfehlfunktion! Doch nur wenige wissen das. Ein Screening auf Schilddrüsenerkrankungen ist daher in jedem Fall medizinisch sinnvoll.

Anders sieht das für die Krankenkassen aus. Selbstverständlich ist eine Abklärung bei entsprechenden Hinweisen in der Anamnese oder bei entsprechenden Befunden eine Kassenleistung. So ist zum Beispiel die Abklärung eines krankhaften Über-/Untergewichtes eindeutig eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Anders liegt die Sache bei nur ästhetisch störendem Übergewicht.

Obwohl Schilddrüsenstörungen weit verbreitet und medizinisch relevant sind, ist die Screening-Untersuchung keine GKV-Leistung. Wenn Sie dennoch auf diesem Gebiet aktiv werden wollen, müssen Sie die Untersuchung als Selbstzahlerleistung (IGEL) anbieten. Ob die Zurückhaltung der GKV mit der Sorge um eine weitere Kostenexplosion zusammenhängt, sei dahingestellt. Auf jeden Fall zählen für den Arzt in der Beurteilung dessen, was er als medizinisch sinnvolle Maßnahmen für seine Patienten ansieht, andere Kriterien als für die GKV.

Dies erkennend hat ein Pharma-Unternehmen eine Screening-Initiative von Endokrinologen unterstützt: die Papillon-Initiative. Sowohl im eigenen Unternehmen als auch in anderen Betrieben, ja selbst im Bundestag wurden inzwischen Screening-Untersuchungen bei Zehntausenden von Probanden gemacht. Bei etwa einem Drittel wurden dabei pathologische Befunde erhoben – von der Jodmangelstruma bis zum Karzinom. Wichtigstes Ziel des Screenings ist dabei nicht nur die Aufdeckung schon bestehender Schilddrüsenfehlfunktionen oder von Knotenbildungen, sondern die Aufdeckung der zahlreichen unbekannten Schilddrüsenvergrößerungen mit ihrem hohen Risiko für benigne und maligne Folgeerkrankungen.

Was gehört zur Screening-Untersuchung?

Wie immer sind Anamnese, Allgemeinuntersuchung und die gezielte Untersuchung der Schilddrüse die Säulen der Diagnostik. In den meisten Fällen zählen sie schon wegen anderer Fragestellungen zum Bereich der GKV. Eine erneute Erhebung und Berechnung als IGEL erübrigt sich daher. Ergibt sich aus diesen Eingangsuntersuchungen bereits ein Hinweis auf eine Schilddrüsen-Störung, ist die weitere Abklärung eine GKV-Leistung. Allerdings ergeben sich nur selten aus der GKV-Anamnese und der körperlichen Untersuchung Hinweise auf eine Schilddrüsen-Störung. In diesen Fällen ist die weitere Untersuchung als Selbstzahlerleistung zu erbringen. Dann wird sich bei der Sonographie oder dem Labor zeigen, ob ein pathologischer Befund vorliegt.

Hinweis: Kommt ein Patient ausdrücklich nur mit dem Wunsch des Schilddrüsen-Screenings zu Ihnen, sind schon die Anamnese und die Untersuchung privat zu liquidieren.

Zur weiterführenden Diagnostik zählen außer der Sonographie auch Laboruntersuchungen. Als Laborparameter raten Experten zur Bestimmung des basalen TSH. Erst wenn dieser Wert erniedrigt oder erhöht ist, folgen weitere Laboruntersuchungen (zum Beispiel fT3 und fT4). In diesen Fällen ist die weitere Abklärung des bei der IGEL-Untersuchung erhobenen pathologischen Befundes wieder eine GKV-Leistung. Ergänzt wird die Screening-Untersuchung um einer Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse. Dies ist mit einem gebräuchlichen 5-MHz-Schallkopf ausreichend sicher möglich.

Die Abgrenzung zwischen privater Leistung und Kassenleistung erfolgt wie bei der Laboruntersuchung: Ergeben sich aus dieser Sonographie abklärungsbedürftige Befunde, so ist die weitere Diagnostik (zum Beispiel Sonographie mit Spezialschallköpfen, Szintigraphie oder Punktionszytologie) wieder eine GKV-Leistung. Erst recht ist eine eventuell notwendige Therapie dann einer GKV-Leistung.

Tipp: Machen Sie Ihren Patienten bei der IGEL-Aufklärung deutlich, dass ihr finanzielles Risiko durch die mögliche Weiterbehandlung auf Kassenkosten relativ gering ist. So können Sie die Inanspruchnahme der Leistung erheblich ankurbeln.

So wird das Schilddrüsen-Screening privat abgerechnet

Die Beratung zum Schilddrüsen-Screening ist eine von den GKV-Leistungen unabhängige Leistung. Folglich kann dafür die GOÄ-Nr. 1 berechnet werden. Beachten Sie: Die Anamnese und die körperliche Untersuchung liegen meist als GKV-Leistung vor. Ist das nicht der Fall, sind sie mit den GOÄ-Nrn. 1 und 5 berechenbar. Die Nr. 1 kann zu diesem Termin aber nicht erneut berechnet werden, es bleibt beim einmaligen Ansatz.

Die Blutentnahme ist mit der GOÄ-Nr. 250 berechenbar, wenn zu demselben Termin keine Blutentnahme aus GKV-Anlass erfolgt. Nur das Ankreuzen der TSH-Bestimmung allein begründet keine eigenständige Berechenbarkeit einer Blutentnahme als private Leistung. Auch rechtfertigt das Abfüllen eines weiteren Probenröhrchens nicht die Abrechnung der Nr. 250.

Die TSH-Bestimmung ist mit der GOÄ-Nr. 4030 berechenbar. Leider wurde die TSH-Bestimmung aus rein ordnungspolitischen Gründen nicht in den Abschnitt M II der GOÄ, sondern in M III aufgenommen. So muss dann – wenn Sie die Bestimmung nicht selbst vornehmen – der Laborarzt die Rechnung stellen. Darüber, dass er eine gesonderte Rechnung vom Laborarzt erhält, ist der Patient aufzuklären. Für die Sonographie der Schilddrüse ist GOÄ-Nr. 417 anzusetzen.

Nach Eintreffen des Laborergebnisses ist eine abschließende Beratung erforderlich. Dafür kann die GOÄ-Nr. 1 berechnet werden, wenn kein pathologischer Befund vorliegt. Wenn doch, ist die Beratung nicht abschließend. Das Besprechen des weiteren Vorgehens ist dann keine IGEL-, sondern eine GKV-Leistung.

Für den Minimalfall haben wir die Ziffern für Sie zusammengefasst:

In diesem Minimalfall errechnet sich zum Beispiel mit dem Ansatz des 1,43fachen Faktors zur Nr. 417 ein Endpreis von 45 Euro. Der Preis läge damit deutlich unterhalb der psychologischen Schwelle von 50 Euro. Dies steigert die Akzeptanz der Selbstzahlerleistung erheblich, ist aber selbstverständlich nicht bindend. Selbst ein Preis von 55 Euro (Schwellenwert) wird gut akzeptiert. Letztlich müssen Sie selbst abwägen, wo in Ihrer Praxis der betriebswirtschaftlich optimale Punkt zwischen Preis und Nachfrage liegt.

Sie können auch den Preis für den Standardfall einschließlich der abschließenden Beratung (GOÄ-Nr. 1) darstellen und dem Patienten erklären, dass sich der Preis bei einem sich ergebenden krankhaften Befund entsprechend mindert. Beachten Sie: Es ist besser, den gesetzten Preis nicht nachträglich zu verteuern. Das würde die Vertrauenswürdigkeit Ihres Angebotes untergraben.

Als Alternative bleibt noch, die mögliche Preisspanne (mit oder ohne Blutentnahme und Anschlussberatung) darzustellen. Da erbrachte Leistungen auch berechnet werden müssen, ist dies rechtlich sogar der korrekte Weg, aber häufig schwerer vermittelbar. Leichter wird dies, wenn Sie mit Ihrem Laborarzt und einer Abrechnungsstelle zusammen eine Gesamtdarstellung Ihres Angebotes erarbeiten.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 11/2002, Seite 9

Quelle: Ausgabe 11 / 2002 | Seite 9 | ID 100111