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Privatliquidation

Mit dem IGEL aufs Wasser – Selbstzahlerleistungen für den Erwerb eines Sportbootführerscheins

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS- Servicestelle, Köln

Über attraktive hausärztliche IGEL-Leistungen, die im Zusammenhang mit dem Mobilitätsbedürfnisvon Patienten stehen, haben wir bereits mehrfach berichtet. Heutestellen wir einen Sonderfall vor – nämlich IGEL- Leistungenim Zusammenhang mit dem Erwerb eines Sportbootführerscheins.

Der Sportbootführerschein

Für das Führen bestimmter Boote –dazu zählen auch Jetbikes und ähnliche – ist einSportbootführerschein vorgeschrieben. Wenn ein Boot bestimmteGrenzkriterien überschreitet, besteht auf deutschen GewässernFührerscheinpflicht. Dabei gibt es die verschiedensten Arten vonFührerschein – so zum Beispiel einen„Sportbootführerschein Binnen“, einen„Sportbootführerschein Segel“, entsprechendes fürdie See (küstennahe Zonen), eine Fahrerlaubnis speziell fürden Bodensee und und und ... . Die Regelungen sind nicht überalleinheitlich. In manchen Bundesländern beginnt die Pflicht zumFühren eines amtlichen Sportbootführerschein schon bei 0 PS(meist erst ab 5 PS), in Berlin gibt es sogar einen„Sportbootführerschein Binnen fürSegelsurfbretter“.

Voraussetzung für den Erwerb einesSportbootführerscheins ist die Vorlage eines ärztlichenZeugnisses. Segel- und Motorbootsport- Schulen nennen denFührerscheinanwärtern oft Ärzte, die sich mit derUntersuchung auskennen. Nicht selten wird aber der Hausarzt auch vomAnwärterselbst gefragt. Noch besser aber wäre es, wenn derInteressent – zum Beispiel durch einen entsprechenden Aushang imWartezimmer – schon vorher wüsste, dass auch sein Hausarztentsprechende Zeugnisse ausstellt.

Die Führerscheinanwärter wissen meist,welches ärztliche Zeugnis sie benötigen, da sie schon vomVerein oder der privaten Schulungsstätte ein entsprechendesFormular erhalten haben. Dabei bleibt nichts dem Zufallüberlassen. Die Untersuchungen erfolgen nach den Anforderungen derSportboot- Führerscheinverordnung (Spboot- FüV) und dasärztliche Zeugnis ist auf einem vorgeschriebenen Vordruck zuerstellen.

Der geforderte Untersuchungsumfang

Am Beispiel der von den„Durchführungsrichtlinien zur Sportboot-Führerscheinverordnung See“ geforderten Untersuchungkönnen Sie erkennen, dass der Führerscheinanwärter dasärztliche Zeugnis beim Hausarzt erhalten kann. Die Untersuchungumfasst:

  • die Überprüfung der Sehschärfe. Diese muss aufdem einen Auge 0,7 und auf dem anderen Auge 0,5 betragen. Werden dieseAnforderungen nicht erreicht, muss die Sehschärfe eines Auges mitoder ohne Sehhilfe mindestens 1,0 betragen. Zudem darf dann diecampimetrische Untersuchung des Auges mit der besseren Sehschärfekeine Einschränkung der Gesichtsfeldaußengrenzen und keinepathologischen Skotome aufweisen. Darüber hinaus darf das Auge mitder besseren Sehschärfe keine fortschreitende Augenerkrankunghaben.
  • die Überprüfung desFarbunterscheidungsvermögens mit Hilfe zweier anerkannter Systeme(Farbtafeln). In Zweifelsfällen muss eine augenärztlicheUntersuchung mit dem Anomaloskop durchgeführt werden.
  • dieÜberprüfung des Hörvermögens für Sprachegewöhnlicher Lautstärke (einfacher Hörtest oderAudiometrie).
  • den Ausschluss anderer körperlicher undgeistiger Mängel. Dazu zählen beispielsweise Anfallsleiden,Bewusstseins-  oder Gleichgewichtsstörungen, Erkrankungen desNervensystems mit wesentlichen Funktionsstörungen, nichtregulierbarer Diabetes oder sonstige endokrinologische Erkrankungen,schwere Erkrankungen der blutbildenden Systeme, Bronchialasthma mitAnfällen, Herz- Kreislauferkrankun- gen mit Einschränkungender Leistungs-  bzw. Regulationsfähigkeit oder erheblicherReinfarktgefährdung, Neigung zu Gallen-  oder Nierenkoliken,Beeinträchtigungen der Greiffähigkeit oder der Stand- bzw. Gangsicherheit, erhebliche Einschränkungen der groben Kraftoder der Beweglichkeit sowie Sucht- , Gemüts oderGeisteskrankheiten.

Die Leistungen und deren Abrechnung

Das ärztliche Zeugnis für denSportbootführerschein muss der Patient selbst bezahlen, es istkeine GKV- Leistung. Wenn sein Hausarzt das Zeugnis ausstellen kann,hat dies für den Patienten den entscheidenden Vorteil, dass ihmeventuell ein Teil der Untersuchungen erspart bleibt, sofern derHausarzt auf vorliegende GKV- Befunde – zum Beispiel denGanzkörperstatus – zurückgreifen kann.

Die Leistungen umfassen:

Anmerkungen:

  1. Die Sportbootführerschein- Verordnung spricht von„Anzeichen für Krankheiten oder körperlicheMängel, die den Bewerber als Schiffsführer untauglicherscheinen lassen...“und von„Bedenken gegen diekörperliche oder geistige Eignung“, nicht abervom„Ausschluss von Krankheiten“. Zu der Feststellungreichen deshalb Anamnese und Ganzkörperstatus. Ergeben sich darausZweifel, so beziehen sich eventuell weiterführende Untersuchungenauf einen konkreten Krankheitsverdacht und sind deshalb eine GKV-Leistung.
  2. Die orientierende Prüfung desHörvermögens ist Bestandteil der Untersuchung nach Nr. 8.Ergeben sich Anzeichen für ein beschränktesHörvermögen, so kann ein für denSportbootführerschein ausreichendes Hörvermögengegebenenfalls von einem HNO- Arzt bescheinigt werden.
  3. Wenn Sieals Hausarzt die Überprüfung des Sehvermögens nichtdurchführen möchten oder können, kann dies außerAugenärzten auch ein als Führerscheinsehteststellezugelassener Augenoptiker vornehmen und diesen Teil des Formularsausfüllen. Gegebenenfalls ist eine weiterführendeaugenärztliche Untersuchung zu veranlassen.
  4. DieBescheinigung in Form des durch die Spboot FüV vorgeschriebenenFormulars geht über eine kurze Bescheinigung nach Nr. 70 GOÄhinaus, erreicht aber nicht den vollen Umfang eines Arztbriefes nachNr. 75.

Muster des ärztlichen Zeugnisses

Ein Muster des ärztlichen Zeugnisses erhalten Sie zum Beispiel im Internet unter

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 01/2003, Seite 7

Quelle: Ausgabe 01 / 2003 | Seite 7 | ID 100124