logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

Kassenabrechnung

Neu ab 1. Oktober: Dickdarmkarzinom-Früherkennung

Bereits seit Anfang des Jahres 2002 wird mit einer breit angelegten Pressekampagne der Öffentlichkeit verkündet, dass in Kürze auch Untersuchungen zur Früherkennung kolorektaler Karzinome als Kassenleistung durchgeführt werden können. Der Druck auf die Vertreter der Spitzenverbände der Krankenkassen und der Ärzteschaft, möglichst bald zu einer Regelung zu kommen, war offensichtlich groß genug, so dass jetzt in rascher Sitzungsfolge die Modalitäten zur Einführung und Abrechnung der neuen Leistungen geklärt wurden.

Wie so oft, wenn neue Kassenleistungen eingeführt werden sollen, haperte es im Endeffekt – so auch in diesem Fall – an der Vergütungsfrage. Nach einem Sitzungsmarathon Ende August 2002 wurden die Krebsfrüherkennungs-Richtlinien um präventive Untersuchungen zur Früherkennung kolorektaler Karzinome ergänzt.

Präventive Koloskopie ist die Kernleistung

Kernstück der Erweiterung der Krebsfrüherkennungs-Richtlinien ist die präventive Koloskopie, die Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen ab dem vollendeten 55. Lebensjahr wahrnehmen können.

Die Einführung der präventiven Koloskopie wird begleitet von einer Qualitätssicherungsvereinbarung, die ebenfalls zum 1. Oktober 2002 in Kraft treten wird. In dieser Vereinbarung sind die Voraussetzungen festgelegt, die Ärzte erfüllen müssen, um präventive Koloskopien abrechnen zu dürfen. Gefordert werden:

  • die Berechtigung zum Führen bestimmter Gebietsbezeichnungen (Innere Medizin mit der Fachkunde „Sigmoido-Koloskopie“ bzw. der Schwerpunktbezeichnung „Gastroenterologie“ oder die Gebietsbezeichnung „Chirurgie“),
  • der Nachweis einer bestimmten Anzahl durchgeführter Koloskopien und Polypektomien sowie
  • eine Mindestausstattung der Praxis zur Durchfürhung vonKoloskopien.

Ärzte des hausärztlichen Versorgungsbereichs können präventive Koloskopien nicht abrechnen.

Für Hausärzte: Neue Beratungsleistung über Darmkrebsfrüherkennungs-Maßnahmen

Vor einer präventiven Koloskopie sieht die Erweiterung der Krebsfrüherkennungs-Richtlinien eine umfassende Beratung über kolorektale Karzinome vor. Diese Beratung können alle Versicherten ab Vollendung des 55. Lebensjahres beanspruchen. Diese Beratung kann von allen an Krebsfrüherkennungs-Programmen teilnehmenden Ärzten durchgeführt und abgerechnet werden – also auch von allen Hausärzten, die andere Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen durchführen. Im Klartext heißt das: Wer Früherkennungs-Untersuchungen nach den Nrn. 157 (bei Frauen), 158 (bei Männern) bzw. die mit der Gesundheitsuntersuchung kombinierten Leistungen nach den Nrn. 161 oder 162 abrechnet, kann auch die Beratung zur Darmkrebsfrüherkennung abrechnen, die unter der Nr. 154 zum 1. Oktober 2002 in den EBM aufgenommen wird. Die Leistungslegende lautet:

Nach den Richtlinien hat die Beratung zur Darmkrebsfrüherkennungs-Untersuchung folgende Inhalte zu umfassen:

  • Häufigkeit und Krankheitsbild,
  • Ziele und zugrundeliegende Konzeption der Früherkennungs-Untersuchungen,
  • Effektivität (Sensitivität, Spezifität) und Wirksamkeit der jeweiligen Früherkennungs-Untersuchungen,
  • Nachteile (Belastungen, Risiken) der jeweiligen Früherkennungsuntersuchungen,
  • Vorgehensweise bei einem positiven Befund.

Die Erfüllung dieser Anforderungen an den Inhalt einer Beratung nach Nr. 154 sind unbedingt in den Behandlungsunterlagen zu dokumentieren. Immer wieder entsteht bei Prüfungen aufgrund mangelhafter Dokumentationen der Verdacht, bestimmte Leistungen seien nicht oder nicht vollständig erbracht worden.

Die Leistungslegende und die Anmerkung zu Nr. 154 legen fest, dass jeder Patient nur einmal berechtigt ist, diese Beratung in Anspruch zu nehmen, und demzufolge auch nur ein Arzt bei ein und demselben Patienten die Nr. 154 berechnen kann. Problem: Auf der einen Seite sind Sie gehalten, alle Patienten ab 55 Jahre über die Möglichkeiten der präventiven Darmkrebsuntersuchung zu informieren. Hat jedoch ein berechtigter Patient diese Beratung bereits bei einem anderen Arzt in Anspruch genommen und erwähnt er dies bei der Konsultation bei Ihnen nicht, kann es zur Mehrfachberechnung der Nr. 154 kommen, die Ihnen aber in dieser Konstellation nicht als Falschabrechnung angelastet werden kann.

Neuregelungen zur Untersuchung auf Blut im Stuhl

Eine weitere wesentliche Änderung für Hausärzte betrifft die künftigen Berechnungsmöglichkeiten der präventiven Untersuchungen auf Blut im Stuhl. Derzeit ist zusammen mit den Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen ab dem 45. Lebensjahr (44. Geburtstag!) die präventive Untersuchung auf Blut im Stuhl durchzuführen (Nr. 159 EBM). Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen (Nr. 157 EBM) bei Frauen werden von Hausärzten nur in geringem Umfang durchgeführt, bei Männern (Nr. 158 EBM) deutlich häufiger.

Ab dem 1. Oktober 2002 kann die präventive Untersuchung auf Blut im Stuhl erst ab dem 50. Lebensjahr (49. Geburtstag!) durchgeführt und abgerechnet werden. Die Leistungslegende zu Nr. 159 wird wie folgt geändert:

Damit ist die Untersuchung auf Blut im Stuhl nach Nr. 159 unabhängig von den Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen durchführbar und berechnungsfähig, aber – wie bisher auch – nur einmal pro Jahr. Nachteil: Die bisher ab dem 45. Lebensjahr möglichen Untersuchungen auf Blut im Stuhl entfallen bis zum 50. Lebensjahr. Die Krebsvorsorge-Untersuchungen bei Männern und Frauen sind wie bisher durchzuführen und können mit der Stuhluntersuchung auf Blut kombiniert werden, müssen es aber nicht.

Komplizierte Regelungen ab dem 55. Lebensjahr

Die geänderten Krebsfrüherkennungs-Richtlinien sehen vor, dass vom 50. bis zum vollendeten 55. Lebensjahr einmal jährlich eine Stuhluntersuchung auf Blut erfolgen soll. Mit Vollendung des 55. Lebensjahres hat der Versicherte die Wahl: Entweder er nimmt die präventive Koloskopie wahr oder er lässt weiter lediglich Untersuchungen auf Blut im Stuhl durchführen, dann aber nur noch im Abstand von jeweils zwei Jahren. Lässter sich koloskopieren (präventiv), kann eine weitere präventive Koloskopie nach Verlauf von zehn Jahren vorgenommen werden. Präventive Stuhluntersuchungen auf Blut sind dann nicht möglich, auch nicht im Zusammenhang mit den anderen Krebsvorsorgeuntersuchungen.

Auch wenn dem Hausarzt die Beratung nach Nr. 154 mit 180 Punkten nicht gerade fürstlich vergütet wird, ist zu bedenken, dass diese Leistung außerhalb der Begrenzungen durch Praxisbudgets, Individualbudgets usw. zusätzlich vergütet wird und außerdem mit den Krankenkassen ein fester Punktwert zu vereinbaren ist.

Schlussfolgerung: Etwa 20 Mio. Bundesbürgern stehen (theoretisch) die neuen Leistungen zur Früherkennung von Darmkrebserkrankungen zu. Für die Beratung nach Nr. 154 ist nur eine Mindestaltersgrenze (55 Jahre) festgelegt, keine Höchstgrenze. Damit wird es zumindest einen „Anfangsboom“ geben, da ein Großteil der in Frage kommenden Patienten entsprechend beraten wird. Auch wenn für die einzelne Beratung nur 180 Punkte vergütet werden, was in der Realität – je nach Punktwert – einer Vergütung von etwa 8 Euro entsprechen dürfte, kommt unter Berücksichtigung der großen Zahl beratungsberechtigter Patienten doch insgesamt ein nennenswertes zusätzliches Honorar zur Ausschüttung.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 09/2002, Seite 1

Quelle: Ausgabe 09 / 2002 | Seite 1 | ID 100087