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01.11.2007 | Kassenabrechnung

Der neue EBM: So rechnen Sie ab dem 1. Januar 2008 ab!

Es war eine schwere Geburt, aber jetzt steht fest: Zum 1. Januar 2008 tritt der neue EBM in Kraft. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat am 11./12. und 19. Oktober die zwischen KBV und Krankenkassen noch strittigen strukturellen Fragen und die künftige Bewertung der ärztlichen Leistungen entschieden. Dabei konnte sich die KBV mit ihren Forderungen nach einer Berücksichtigung der Umsatzsteuererhöhung und einer Anhebung des kalkulatorischen Arztlohnes im Wesentlichen durchsetzen. Insgesamt resultiert aus diesen Entscheidungen eine im Durchschnitt etwa 10 Prozent höhere Bewertung der Leistungen (in Punkten). „Abrechnung aktuell“ informiert nachfolgend über die für Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte wichtigsten Änderungen. 

Die neuen Versichertenpauschalen

Kernelemente des EBM 2008 sind die neuen – wie beim derzeitigen Ordinationskomplex – nach Altersgruppen gestaffelten Versichertenpauschalen. In die Versichertenpauschalen einbezogen wurden  

 

  • die hausärztliche Grundvergütung,
  • die versorgungsbereichspezifischen Bereitschaftspauschalen,
  • die Ordinations- und Konsultationskomplexe,
  • die Beratungs- und Erörterungsleistungen,
  • die Laborgrundgebühr Nr. 32000,
  • diverse Einzelleistungen aus den Kapiteln 1, 2, 3 und 4.

 

Voraussetzung für die Abrechnung der Versichertenpauschalen ist ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt. Für ausschließlich telefonische Arzt-Patienten-Kontakte gibt es die eigenständige Abrechnungsposition Nr. 01435. 

 

1. Die „normalen“ Versichertenpauschalen

Die normalen Versichertenpauschalen sind wie folgt gegliedert und bewertet: 

 

Versichertenpauschalen

EBM-Nr. 

Leistungslegende 

Punkte 

03110 

04110 

Versichertenpauschale für Versicherte bis zum vollendeten 5. Lebensjahr 

1.000  

03111 

04111 

Versichertenpauschale für Versicherte ab Beginn des 6. bis zum vollendeten 59. Lebensjahr 

900  

03112 

04112 

Versichertenpauschale für Versicherte ab Beginn des 60. Lebensjahres 

1.020  

Die Versichertenpauschale ist einmal im Behandlungsfall (Quartal) berechnungsfähig. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Patient im Laufe des Quartals ohne Überweisung einen weiteren Hausarzt aufsucht oder nicht. Mit ihrer Forderung nach Minderung der Pauschalen bei Inanspruchnahme eines weiteren Haus- oder Kinderarztes ohne Überweisung konnten sich die Krankenkassen im Erweiterten Bewertungsausschuss nicht durchsetzen. 

 

2. Versichertenpauschalen bei Überweisungen und Vertretungen

Bei Überweisung zur Mit-, Weiterbehandlung oder Konsiliaruntersuchung durch einen weiteren Facharzt derselben Arztgruppe sowie im Vertretungsfall sind andere – in der Bewertung etwa um die Hälfte reduzierte – Versichertenpauschalen zu berechnen:  

 

Pauschalen bei Überweisungen und Vertretungsfällen

EBM-Nr. 

Leistungslegende 

Punkte 

03120 

04120 

Versichertenpauschale bei Überweisungen oder im Vertretungsfall für Versicherte bis zum vollendeten 5. Lebensjahr 

500  

03121 

04121 

Versichertenpauschale bei Überweisungen oder im Vertretungsfall für Versicherte ab Beginn des 6. bis zum vollendeten 59. Lebensjahr 

450 

03122 

04122 

Versichertenpauschale bei Überweisungen oder im Vertretungsfall für Versicherte ab Beginn des 60. Lebensjahres 

535  

3. Versichertenpauschale bei unvorhergesehener Inanspruchnahme

Für den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt bei unvorhergesehener Inanspruchnahme gibt es eine eigenständige Versichertenpauschale: 

 

Pauschale bei unvorhergesehener Inanspruchnahme

EBM-Nr. 

Leistungslegende 

Punkte 

03130 

04130 

Versichertenpauschale bei unvorhergesehener Inanspruchnahme zwischen 19:00 und 07:00 Uhr, an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen, am 24.12. und 31.12. bei persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt im Zusammenhang mit der Erbringung der Leistungen entsprechend den Nrn. 01100, 01101, 01411, 01412 oder 01415 

480  

 

Die Abrechnung der Versichertenpauschale nach den Nrn. 03130 bzw. 04130 ist im Behandlungsfall neben der normalen Versichertenpauschale oder der Versichertenpauschale bei Überweisung bzw. im Vertretungsfall ausgeschlossen.  

 

Praxistipp: Allerdings sind die Nrn. 03130 bzw. 04130 bis zu zweimal im Behandlungsfall berechnungsfähig. Wenn also eine Inanspruchnahme im Sinne der Nrn. 01100, 01101, 01411, 01412 oder 01415 zweimal im Quartal erfolgt, ist der zweimalige Ansatz der Nrn. 03130 bzw. 04130 mit insgesamt 960 Punkten (zweimal Nrn. 03130 bzw. 04130 à 480 Punkte) bei Versicherten ab Beginn des 6. bis zum vollendeten 59. Lebensjahr günstiger als der einmalige Ansatz der Versichertenpauschale Nr. 03111 bzw. 04111 mit 900 Punkte. Allerdings kann dann kein Morbiditätszuschlag berechnet werden. Bei den übrigen Versicherten haben die normalen Versichertenpauschalen eine höhere Punktzahl. 

 

Aber: Dem Vernehmen nach sind bei dieser Versichertenpauschale kurzfristig noch Änderungen geplant. Wir halten Sie auf dem Laufenden.  

Die neue Konsultationspauschale

Bei definierten Überweisungen können die neuen Versichertenpauschalen nicht berechnet werden, sondern nur die neue Konsultationspauschale. 

 

Konsultationspauschale

EBM-Nr. 

Leistungslegende 

Punkte 

01436 

Konsultationspauschale mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt bei 

  • Überweisung zur Durchführung von Auftragsleistungen
  • Überweisung zur Erbringung von Leistungen der präoperativen Diagnostik nach den Nrn. 31010 bis 31013
  • Überweisung innerhalb derselben Arztgruppe zur Durchführung von Leistungen der Abschnitte 31.2 (ambulante Operationen), 31.4 (postoperative Behandlung) und/oder 31.5 (Anästhesie)

50  

Beispiel

Patient Schulz wird vom Hausarzt Dr. Meier zum Hausarzt Dr. Müller zur Durchführung eines Belastungs-EKG überwiesen. Dr. Müller kann neben der Nr. 03321 für das Belastungs-EKG nur die Konsultationspauschale nach Nr. 01436 abrechnen, nicht jedoch die altersentsprechende Versichertenpauschale. 

Der Morbiditätszuschlag

Neu ist auch der Morbiditätszuschlag, der zusätzlich zu den Versichertenpauschalen nach Nrn. 03110 bis 03112 bzw. 04110 bis 04112 berechnet werden kann. Mit diesem Morbiditätszuschlag, gegen den sich die Krankenkassen lange gesträubt haben, soll die unterschiedliche Morbiditätsstruktur der Versicherten in den haus- und kinderärztlichen Praxen berücksichtigt werden. 

 

Morbiditätszuschlag

EBM-Nrn. 

Leistungslegende 

Punkte 

03212 

04212 

Zuschlag zu den Versichertenpauschalen nach den Nrn. 03110 bis 03112 (04110 bis 04112) für die Behandlung eines Versicherten mit einer oder mehreren schwerwiegenden chronischen Erkrankung(en) gemäß § 2 Abs. 2 der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Definition schwerwiegender chronischer Krankheiten im Sinne des § 62 SGB V 

495 

 

Die Abrechnungsvoraussetzungen

In die Berechnung dieses Morbiditätszuschlages sind die Leistungen nach den Nrn. 03001, 03002, 03210 und 03211 bzw. die entsprechenden Leistungen des Kapitels 4 (Kinder- und Jugendmedizin) eingegangen. Obligater Leistungsinhalt sind mindestens zwei Arzt-Patienten-Kontakte. Die Prüfzeit beträgt 20 Minuten im Quartalsprofil. 

 

Voraussetzung ist weiter, dass der Versicherte an mindestens einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung im Sinne der Chroniker-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) leidet. Ob dies der Fall ist oder nicht, mussten Hausärzte schon bisher im Zusammenhang mit der Befreiung von Zuzahlungen prüfen und gegebenenfalls auf Vordruck-Muster 55 bescheinigen. Wegen der besonderen Bedeutung ab Januar 2008 dokumentieren wir nachfolgend den entsprechenden Auszug aus der Chroniker-Richtlinie des G-BA. 

 

Definition „Schwerwiegende chronische Krankheit“ laut Chroniker-Richtlinie

1. Eine Krankheit i. S. d. § 62 Abs. 1 Satz 2 SGB V ist ein regelwidriger körperlicher oder geistiger Zustand, der Behandlungsbedürftigkeit zur Folge hat. Gleiches gilt für die Erkrankung nach § 62 Abs. 1 Satz 4 SGB V.

 

2.Eine Krankheit ist schwerwiegend chronisch, wenn sie wenigstens ein Jahr lang, mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt wurde (Dauerbehandlung) und eines der folgenden Merkmale vorhanden ist:
a) Es liegt eine Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe 2 oder 3 nach dem zweiten Kapitel SGB XI vor.
b) Es liegt ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 60 oder eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 60 % vor, wobei der GdB oder die MdE nach den Maßstäben des § 30 Abs. 1 BVG oder des § 56 Abs. 2 SGB VII festgestellt und zumindest auch durch die Krankheit nach Satz 1 begründet sein muss.
c) Es ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Behandlungspflege, Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln) erforderlich, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die aufgrund der Krankheit nach Satz 1 verursachte Gesundheitsstörung zu erwarten ist.

Hinzuweisen ist insbesondere darauf, dass der Morbiditätszuschlag nur in Verbindung mit der normalen Versichertenpauschale berechnet werden kann, nicht jedoch für eine Inanspruchnahme durch Überweisung. Dies ist insbesondere für diabetologische Schwerpunktpraxen nachteilig, denen von anderen Hausärzten Patienten zur diabetologischen Behandlung überwiesen werden. Allerdings sind hier noch Änderungen in der Diskussion. 

Die Notfallabrechnung

Die bisherigen Ordinations- und Konsultationskomplexe im organisierten Notfalldienst wurden geändert und heißen ab Januar „Notfallpauschalen“. 

 

Neu eingeführt werden Zusatzpauschalen für die ständige ärztliche Besuchsbereitschaft für die aufsuchende Tätigkeit im Notfalldienst. Diese Pauschalen sind berechnungsfähig, wenn die zuständige KV die Besuchsbereitschaft für Notfallbehandlungen im Rahmen des organisierten Notfalldienstes festgestellt hat. Die neuen Pauschalen im Notfalldienst sind wie folgt definiert und bewertet: 

 

Die neuen Pauschalen im organisierten Notfalldienst

EBM-Nrn. 

Leistungslegenden 

Punkte 

01210 

Notfallpauschale im organisierten Notfalldienst mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt 

405  

01211 

Zusatzpauschale zur Nr. 01210 für die Besuchsbereitschaft 

255 

01214 

Notfallkonsultationspauschale (weiterer persönlicher oder anderer Arzt-Patienten-Kontakt) außerhalb der Zeiten nach Nr. 01216 und 01217 

100 

01215 

Zusatzpauschale zur Nr. 01214 für die Besuchsbereitschaft 

50 

01216 

Notfallkonsultationspauschale (weiterer persönlicher oder anderer Arzt-Patienten-Kontakt) bei Inanspruchnahme zwischen 19:00 und 22:00 Uhr, an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen, am 24.12. und 31.12. zwischen 07:00 und 19:00 Uhr 

330 

01217 

Zusatzpauschale zur Nr. 01216 für die Besuchsbereitschaft 

205 

01218 

Notfallkonsultationspauschale (weiterer persönlicher oder anderer Arzt-Patienten-Kontakt) bei Inanspruchnahme zwischen 22:00 und 07:00 Uhr, an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen, am 24.12. und 31.12. zwischen 19:00 und 07:00 Uhr 

405 

01219 

Zusatzpauschale zur Nr. 01218 für die Besuchsbereitschaft 

255 

Die Zusatzpauschalen für die Besuchsbereitschaft sind je Inanspruchnahme durch einen Patienten und unabhängig davon berechnungsfähig, ob in dem jeweiligen Behandlungsfall auch tatsächlich ein Besuch durchgeführt wurde. Wird dann zusätzlich ein Besuch im Notfalldienst durchgeführt, kann die Nr. 01411 berechnet werden. 

 

Beispiele

Beispiel 1: Patient Müller sucht am Samstag um 14 Uhr den diensthabenden Hausarzt Dr. Meier zur Notfallbehandlung auf. Dr. Meier kann für diese Notfallbehandlung die Notfallpauschale nach Nr. 01210 sowie die Zusatzpauschale Nr. 01211 berechnen.  

 

Beispiel 2: Patient Müller kontaktiert am darauf folgenden Sonntag um 8 Uhr wegen anhaltender Beschwerden telefonisch nochmals Hausarzt Dr. Meier. Dr. Meier kann für diesen telefonischen Kontakt die Notfallkonsultationspauschale nach Nr. 01216 sowie die Zusatzpauschale Nr. 01217 berechnen.  

Die Zusatzpauschalen sind auch deshalb interessant, weil in den meisten KVen Notfall-Leistungen außerhalb von Mengenbegrenzungen mit relativ hohen festen Punktwerten vergütet werden.  

Die Qualitätszuschläge

Entgegen den ursprünglichen Beschlussvorlagen zum EBM 2008 (siehe Ausgabe 10/2007) gibt es zum 1. Januar 2008 zunächst lediglich einen Qualitätszuschlag für Psychosomatik. 

 

Qualitätszuschlag Psychosomatik

EBM-Nrn. 

Leistungslegende 

Punkte 

03235 

04235 

Qualifikation Psychosomatik 

20  

Voraussetzung für die Abrechnung dieses Qualitätszuschlags ist eine Genehmigung zur Erbringung psychosomatischer Leistungen nach den Nrn. 35100 und 35110. Der Zuschlag wird für jeden Patienten gewährt, und zwar unabhängig davon, ob im Behandlungsfall psychosomatische Leistungen erbracht wurden oder nicht.  

 

Übende Verfahren und Hypnose nach den Nrn. 35111 bis 35120 sind davon nicht betroffen und können wie bisher als Einzelleistung berechnet werden. 

 

Mindestfrequenzen an psychosomatischen Gesprächen im Quartal oder im Jahr sind für den Qualitätszuschlag „Psychosomatik“ nicht vorgegeben. Mit dem Zuschlag wird lediglich die besondere Qualifikation des Haus- bzw. Kinder- und Jugendarztes honoriert. Der Zuschlag dürfte von der KV automatisch zugesetzt werden.  

 

Beispiel

Hausarzt Dr. Müller verfügt über die Genehmigung zur Erbringung von Leistungen der psychosomatischen Grundversorgung. Er rechnet 900 Behandlungsfälle ab. Für diese 900 Behandlungsfälle erhält er einen Qualitätszuschlag „Psychosomatik“ in Höhe von 18.000 Punkten (900 Fälle x 20 Punkte). 

Verschobene Qualitätszuschläge

Zunächst verschoben wurde die Einführung von folgenden Qualitätszuschlägen:  

 

  • Sonographie,
  • Prokto-, rektoskopische Diagnostik,
  • Aufzeichnung eines Langzeit-EKG,
  • Langzeit-Blutdruckmessung,
  • Spirometrie,
  • Ergometrie,
  • Tympanometrie

 

Grund für die Verschiebung ist, dass sich KBV und Krankenkassen nicht über Mindestfrequenzen zur Abrechnung dieser Qualitätszuschläge einigen konnten. Angestrebt wird nun die Einführung von Qualitätszuschlägen für diese Leistungsbereiche zum 1. Juli 2008. Begleitend sollen in Qualitätssicherungsvereinbarungen gemäß § 135 Abs. 2 SGB V Mindestfrequenzen für die entsprechenden Leistungen aufgenommen werden. 

Einzelleistungen im Haus- und Kinderarztkapitel

Von den bisherigen Einzelleistungen sind – weil Bestandteil der Versichertenpauschale – folgende Leistungspositionen nicht mehr als Einzelleistung berechnungsfähig: 

 

  • Nrn. 03311, 03312, 03313, 03320, 03340, 03350, 03351 und 03352 bzw.
  • Nrn. 04311, 04312, 04313, 04320, 04333, 04334, 04340, 04341, 04350, 04351, 04352, 04353 und 04354.

 

Die übrigen hausärztlichen und kinderärztlichen Einzelleistungen sind zunächst inhaltlich unverändert übernommen worden, die Bewertungen wurden allerdings überwiegend erhöht.  

 

Für schwerpunktorientierte kinder- und jugendmedizinische Leistungen sowie Kinder- und Jugendärzte mit Zusatzweiterbildung gibt es eigenständige Abrechnungspositionen in den Abschnitten 4.4 und 4.5. Die Inhalte entsprechen im Wesentlichen den vergleichbaren Leistungsbeschreibungen in den fachinternistischen Gebührenordnungspositionen des Kapitels 13. 

Die Änderungen in Kapitel 1

Neu aufgenommen wurde eine eigenständige Leistungsposition für den dringenden Besuch in beschützenden Wohnheimen bzw. Einrichtungen bzw. Pflege- oder Altenheimen mit Pflegepersonal. Im Übrigen gibt es bei den Besuchen keine inhaltlichen Änderungen. 

 

Neue Position für dringende Besuche in Heimen

EBM-Nr. 

Leistungslegende 

Punkte 

01415 

Dringender Besuch eines Patienten in beschützenden Wohnheimen bzw. Einrichtungen bzw. Pflege- oder Altenheimen mit Pflegepersonal wegen der Erkrankung, unverzüglich nach Bestellung ausgeführt 

1.545 

 

Änderung beim Verwaltungskomplex

Eine weitere Änderung betrifft den Verwaltungskomplex: Die Nr. 01430 ist künftig nicht mehr berechnungsfähig, wenn in demselben Arztfall (das heißt durch denselben Arzt) eine Versichertenpauschale abgerechnet wird. Damit wird in etwa der Zustand wiederhergestellt, der vor Inkrafttreten des EBM 2000plus galt. 

 

Neue Ziffer für Telefonberatungen

Ebenfalls neu ist die Abrechnungsziffer 01435 für die telefonische Beratung eines Patienten: 

 

Telefonische Beratung

EBM-Nr. 

Leistungslegende 

Punkte 

01435 

Telefonische Beratung des Patienten im Zusammenhang mit einer Erkrankung  

60 

Auch diese Leistungsposition kann nicht abgerechnet werden, wenn in demselben Arztfall eine Versichertenpauschale berechnet wird. Auch ist die Nr. 01435 nicht neben anderen Gebührenordnungspositionen berechnungsfähig. 

 

Entfallene Einzelleistungen

Einige Einzelleistungen, unter anderem Leistungen nach den Nrn. 01420, 01610 bis 01612, sind wegen der Einbeziehung in die Versichertenpauschalen nicht mehr als Einzelleistung berechnungsfähig. 

 

Unveränderte Einzelleistungen

Die Nrn. 01100 bis 01102 für die unvorhergesehene Inanspruchnahme und die Samstags-Sprechstunde können wie bisher berechnet werden. Auch bei den Präventionsleistungen gibt es keine inhaltlichen Änderungen. 

 

Die Änderungen bei der Kleinchirurgie

Die Leistungsinhalte der Kleinchirurgie (Kapitel 2) nach den Nrn. 02300 bis 02302 sind unverändert geblieben. Neu ist jedoch, dass die Nrn. 02300 bis 02302 bei der Diagnose Nävuszellnävussyndrom (ICD-10-GM: D22.-) und/oder mehreren offenen Wunden (ICD-10-GM: T01.-) mehrfach in einer Sitzung – höchstens fünfmal am Behandlungstag – berechnungsfähig sind.  

 

Einige Einzelleistungen – unter anderem Leistungen nach den Nrn. 02100, 02101, 02350 und 02360 – sind wegen der Einbeziehung in die Versichertenpauschalen nicht mehr als Einzelleistung berechnungsfähig. 

Die Änderungen im Kapitel 30

Bei den für Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte relevanten Leistungen des Kapitels 30 gibt es keine inhaltlichen Änderungen. Neu ist lediglich, dass künftig Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Phlebologie“ auch die intermittierende apparative Kompressionstherapie nach Nr. 30401 abrechnen können. 

Die Änderungen in den Kapiteln 31 bis 35

Bei den für Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte relevanten Leistungen der Kapitel 31 bis 35 gibt es – abgesehen von Bewertungsänderungen und dem Wegfall der Laborgrundgebühr – keine inhaltlichen Änderungen.  

Die Änderungen bei Gemeinschaftspraxen

Für Gemeinschaftspraxen werden keine Zuschläge auf die Versichertenpauschalen gewährt. Der bisherige Zuschlag von 60 Punkten auf den Ordinationskomplex bei Gemeinschaftspraxen ist ersatzlos entfallen.  

 

Bei fachverschiedenen Gemeinschaftspraxen werden die Pauschalen nicht mehr aus dem arithmetischen Mittel der in der Gemeinschaftspraxis vertretenen Fachgebiete ermittelt. Vielmehr rechnet jeder Arzt einer Gemeinschaftspraxis seine Versicherten- bzw. Grundpauschale ab.  

 

Beispiel

In einer Gemeinschaftspraxis zwischen einem Hausarzt und einem Facharztinternisten mit Schwerpunkt Gastroenterologie rechnet der Hausarzt seine Versichertenpauschale nach den Nrn. 03110 bis 03112 ab, der Fachinternist bei Inanspruchnahme seine Grundpauschale nach den Nrn. 13390 bis 13392.  

Die neue Dokumentation

Die weitgehende Pauschalierung im haus- und kinderärztlichen Bereich erfordert die Einführung eines Dokumentationsinstruments. Eine solche Abrechnungsdokumentation soll spätestens zum 1. Juli 2008 pragmatisch in die Praxisverwaltungssysteme integriert werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde die eigentlich zum 1. Januar 2008 vorgesehene Einführung persönlicher Arztnummern, die während der gesamten vertragsärztlichen Tätigkeit unverändert bleiben, und die Zuteilung von Betriebsstättennummern auch auf den 1. Juli 2008 verschoben. 

Wirksamkeit/Veröffentlichung

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat zwei Monate Zeit, den Beschluss des erweiterten Bewertungsausschusses zu prüfen und gegebenenfalls zu beanstanden. Es ist allerdings davon auszugehen, dass das BMG keine Einwände erhebt. Allerdings ist damit zu rechnen, dass es einige inhaltliche Korrekturen und Klarstellungen gegenüber der Beschlussfassung vom 19. Oktober 2007 geben wird. 

 

Eine Veröffentlichung des neuen EBM auf CD-ROM als Beilage zum Deutschen Ärzteblatt ist für November geplant; möglicherweise erfolgt auch eine Neuauflage in Buchform. Auf der Homepage der KBV www.kbv.de wurde der neue EBM bereits veröffentlicht. 

Die finanziellen Auswirkungen

Die Erhöhung des Punktzahlvolumens durch die Neubewertungen um bis zu zehn Prozent wird sich im Jahre 2008 leider noch nicht im Portemonaie der Ärzte bemerkbar machen. Bei einem im Wesentlichen unveränderten Honorarbudget in 2008 führt die Zunahme der Punktzahlmenge tendenziell nur zu einem niedrigeren Auszahlungspunktwert. Dem Vernehmen nach werden die meisten KVen ihre gegenwärtigen Begrenzungsregelungen in den Honorarverteilungsmaßstäben beibehalten. Lediglich bei Leistungen, die außerhalb von Mengenbegrenzungen vergütet werden, insbesondere Präventionsleistungen, ist im nächsten Jahr eine höhere Vergütung zu erwarten. 

 

Mit der Höherbewertung der ärztlichen Leistungen sind aber die Voraussetzungen geschaffen worden, im Zuge der ab 2009 greifenden gesetzlichen Regelungen zur Honorarreform (Stichworte: feste Punktwerte; Euro-Gebührenordnung) die Honorarsituation der Vertragsärzte zu verbessern. 

 

Ausblick: In den nächsten Ausgaben geht „Abrechnung aktuell“ auf weitere Details zum EBM 2008 ein. Wir halten Sie auf dem Laufenden! 

Quelle: Ausgabe 11 / 2007 | Seite 1 | ID 114964