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07.01.2009 |Fallbeispiel

Grippaler Infekt am Samstag: Diagnose, Therapie und Abrechnung

Erkältungskrankheiten treten je nach Jahreszeit in unterschiedlichen Häufigkeiten auf. Aber selbst im Frühjahr und Sommer gehört deren Behandlung zum Praxisalltag - und im Herbst und Winter sowieso. Der grippale Infekt ist die wohl häufigste Infektionskrankheit und bis heute nicht ursächlich zu behandeln. Durchschnittlich drei Erkältungen hat jeder Mensch im Laufe eines Jahres, Kinder sogar bis zu zehn.  

Abgrenzung „banale“ Grippe von „Influenza“

Die „banale“ Grippe ist durch einen meist recht milden und kurzen Verlauf gekennzeichnet. Differentialdiagnostisch ist der banale grippale Infekt von einer echten Influenza zu unterscheiden. Dies ist vor allem auch deshalb notwendig, weil die Influenza schwere Verläufe haben kann - bis hin zu lebensbedrohenden Folgeerkrankungen bzw. Komplikationen. Bei der Differenzierung zwischen grippalem Infekt und der echten Influenza hilft vor allem die unterschiedliche Symptomatik. Folgende Tabelle bietet eine gute Orientierungshilfe. 

 

Differentialdiagnostik banale Grippe - Influenza*

Symptome 

Grippe 

Influenza 

Auftreten plötzlich 

- 

+ 

Auftreten langsam 

+ 

- 

Fieber 

+/- 

+++ 

Kopf-/ Gliederschmerzen 

+ 

+++ 

Husten 

++ 

+++ 

Frösteln 

+ 

+++ 

Schnupfen 

+++ 

+ 

Abgeschlagenheit 

++ 

+++ 

Erreger 

Rhino-Adeno-Viren 

Influenza-Viren 

(Typ A und B) 

* „+++“ = besonders stark ausgeprägt“, „++“ = mittel, „+“ = leicht 

 

Als Komplikationen des grippalen Infektes tritt häufig eine Bronchitis, aber auch eine begleitende Sinusitis auf. Nicht zu verwechseln ist der grippale Infekt - auch „unechte Grippe“ genannt - mit der „echten” Virusgrippe, der Influenza.  

 

Die Symptome des grippalen Infektes sind wohl jedem bekannt: Man muss niesen, es stellt sich ein allgemeines Schwächegefühl ein. Später beginnt die Nase zu laufen, die Patienten klagen über Halsschmerzen und sind heiser. Kopf und Glieder schmerzen, die Körpertemperatur ist leicht bis mäßig stark erhöht (bis etwa 38,5 Grad). Hinzu kommt etwas später oft noch Husten mit schleimigem Auswurf, die Bronchitis.  

 

Bei den meisten grippalen Infekten handelt es sich um Virusinfektionen, die mit einem herkömmlichen Antibiotikum nicht zu beeinflussen sind. Dennoch können verschiedene leicht verlaufende bakterielle Infektionen einen banalen grippalen Infekt vortäuschen.  

 

ICD-10-GM*

Diagnose 

ICD-10 

Grippaler Infekt 

J06.9 

Virusinfektion Atemwege 

J98.8 

Fieberhafte Virusinfektion 

B34.9 

Akute Virus-Bronchitis 

J20.8 

Virus-Pharyngitis 

J02.8 

Laryngitis 

J04.0 

Laryngo-Tracheitis 

J04.2 

Grippe (Influenza) 

J11.1 

Akute Sinusitis 

J01.- 

Sonstige Sinusitis 

Jo1.8 

Sinusitis n.n.b. 

Jo1.9 

* Zur Abrechnung ist die Zusatzkennung mit A = Ausschluss, G = Gesichert, V=Verdacht, Z = Zustand nach ... zwingend vorgeschrieben. Lokalisationsangabe ist fakultativ: R = rechts, L = links, B = beidseits. 

Der Fall

Ein 47-jähriger Patient ruft am Samstag in einer Praxis an, in der keine reguläre Samstags-Sprechstunde abgehalten wird. Er klagt über anhaltende Beschwerden in Form von Kopf- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Husten und Abgeschlagenheit und stellt sich kurze Zeit später in der Praxis vor.  

 

Im Gespräch mit dem Arzt macht er noch folgende Angaben: Den Schnupfen habe er seit etwa einer Woche. Vor drei Tagen seien dann die Kopf- und Gliederschmerzen hinzugekommen, außerdem Hustenreiz und Fieber (leicht erhöhte Temperatur). Beim Husten täte der gesamte Brustraum weh.  

Untersuchung und Abrechnung

Bei der Untersuchung des HNO-Gebietes zeigen sich unauffällige Gehörgänge, die Trommelfelle sind regelrecht. Larynx und Pharynx sind deutlich gerötet. Die Nervenaustrittspunkte können deutlich druckschmerzhaft ertastet werden.  

Bei der Untersuchung des Thorax sind keine pathologischen Geräusche vernehmbar, über den Hauptbronchien ist ein verschärftes Atemgeräusch wahrzunehmen. Die Herzaktionen sind regelmäßig und normofrequent, die Konjunktiven leicht gerötet. 

 

1. Konsultation

EBM 

Legende 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

 

Ziffern 

Punkte 

03111 1) 

900 

Versichertenpauschale/
Beratung 

- 2) 

- 3) 

Untersuchung HNO/Thorax 

160 

01100 

555 

Unvorhergesehene Inanspruchnahme am Samstag 

D 4) 

220 

- 3) 

Beratung, Abklärung 

150 

1)Da es der erste persönliche Kontakt in diesem Quartal ist, wird die Versichertenpauschale abgerechnet. 

2)Die hier zu berechnende Beratung nach Nr. 1 GOÄ ist nicht neben der Erörterung nach Nr. 3 GOÄ berechnungsfähig und muss entfallen. 

3)Diese Leistungen sind im EBM nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhang 1 sind sie mit der Versichertenpauschale abgegolten. 

4)Die Zuschläge in der GOÄ für Inanspruchnahmen zu besonderen Zeiten sind nur mit dem einfachen Faktor berechnungsfähig. Da am Samstag keine Sprechstunde stattfindet, kann der Zuschlag „D“ mit 220 Punkten berechnet werden. Würde eine reguläre Sprechstunde am Samstag stattfinden, dann wäre der Zuschlag „D“ nur mit dem halben Gebührensatz zu berechnen. Interessant ist dabei, dass die GOÄ - im Gegensatz zum EBM - für den Samstag keinerlei Zeiten angibt, zu denen eine reguläre Sprechstunde als begrenzender Faktor für die Berechnung des Zuschlages „D“ gilt. 

Therapie und Abrechnung

Der Befund und die Diagnose einer akuten Virusgrippe mit Beteiligung der Nasennebenhöhlen im Sinne einer Sinusitis werden mit dem Patienten ausführlich besprochen, ebenso die allgemein-therapeutischen Möglichkeiten. Ihm wird empfohlen, physiologische Kochsalzlösung zu inhallieren, Kamillendampfbäder zu nehmen und reichlich Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Auch wird ihm zu einer Rotlichtbehandlung geraten. Für den Montag wird eine Kontrolluntersuchung vereinbart.  

 

Am Montag hat sich der Befund des Patienten ein wenig gebessert. Er habe aber noch starken Husten mit Auswurf bekommen. Die Untersuchung des Thorax ergibt wieder keine Hinweise auf eine Pneumonie. Die Stirnkopfschmerzen haben etwas zugenommen, sodass eine zusätzliche Mikrowellenbestrahlung eingeleitet wird. Zum Ausschluss einer bakteriellen Infektion wird eine Blutprobe entnommen, um BKS, CRP und Leukozyten zu bestimmen.  

 

Der Patient erhält eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und es wird ein Kontrolltermin vereinbart. Zwischenzeitlich wird täglich eine Mikrowellenbehandlung durchgeführt, die jeweils mit der Nr. 02510 EBM bzw. 54 GOÄ abgerechnet wird.  

 

2. Konsultation

EBM 

 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

Legende 

Ziffern 

Punkte 

- 1) 

Beratung 

80 

- 1) 

Untersuchung - Thorax, HNO 

160 

02510 

55 

Mikrowelle 

548 

37 

- 1) 

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung 

70 

40 

Blutentnahme 

250 

40 

32042 

0,25 

BKS 

3501 

60 

- 2) 

C-reaktives Protein 

3524 

100 

32036 

0,25 

Leukozytenbestimmung 

3505 

60 

1) Diese Leistungen sind im EBM nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhang 1 sind sie mit der Versichertenpauschale abgegolten. 

2) Durch die Laborreform seit 1. Oktober 2008 werden Leistungen der Laborgemeinschaft von dieser direkt mit der KV abgerechnet. Damit entfällt die Berechnung. Leistungen, die direkt in der Praxis durchgeführt werden - wie zum Beispiel BKS und Leukozytenzählung - können weiterhin abgerechnet werden. 

 

Die Beschwerden haben sich nach einigen Tagen deutlich gebessert. Die Auskultation der Lunge ist ohne pathologischen Befund, die Nervenaustrittspunkte sind reizlos. Der Patient klagt lediglich noch über etwas Müdigkeit und Abgeschlagenheit. 

 

3. Konsultation

EBM 

 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

Legende 

Ziffern 

Punkte 

- 1) 

Beratung 

80 

- 1) 

Untersuchung Thorax/HNO 

160 

1) Diese Leistungen sind im EBM nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhang 1 sind sie mit der Versichertenpauschale abgegolten. 

Quelle: Ausgabe 01 / 2009 | Seite 17 | ID 123755