logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.09.2006 | EBM 2000plus

Fehler bei der Erfassung der Praxisgebühr – Verschenken Sie kein Geld!

Ist Ihnen Ähnliches auch schon passiert? Im Honorarbescheid der KV werden Ihnen unter der Rubrik „Einbehaltene Zuzahlungen gemäß § 28 Absatz 4 SGB V“ 6.500 Euro vom Honorar abgezogen. Ihr Kassenbuch weist für dieses Quartal aber nur Einnahmen in Höhe von 6.250 Euro aus. Die mühsame Suche nach der Differenz von 250 Euro beginnt. Die häufigsten Ursachen für derartige Differenzen sind nach unseren Erfahrungen das Vergessen von Ausnahmekennziffern sowie die fehlerhafte Erfassung bei Sozialhilfeempfängern und Versicherten der Sonstigen Kostenträger. 

Ausnahmekennziffern

Bei Versicherten über 18 Jahre geht die KV grundsätzlich davon aus, dass Sie die Praxisgebühr erhoben haben. Hat der Versicherte nicht gezahlt oder ist er zur Zahlung nicht verpflichtet, müssen Sie eine der nachfolgenden Ausnahmeziffern auf dem Abrechnungsschein eintragen: 

 

Mögliche Ausnahmekennziffern

80032 

Praxisgebühr nicht erhoben, da Befreiung von der Zuzahlung nachgewiesen wurde 

80033 

Praxisgebühr nicht erhoben, da eine Quittung über die bereits gezahlte Praxisgebühr vorgelegt und entwertet wurde 

80040 

Praxisgebühr nicht erhoben, da 

  • Kassenwechsel des Patienten im Quartal
  • Widerruf der Kostenerstattung gemäß § 13 SGB V durch den Patienten im laufenden Quartal (Nachweis der Krankenkasse hat vorgelegen)
  • Vertretung in der Schwangerenvorsorge

80044 

Patient hat nach schriftlicher Zahlungsaufforderung die Praxisgebühr bisher nicht bezahlt; die gesetzte Frist ist abgelaufen 

80045 

Patient hat nach schriftlicher Zahlungsaufforderung die Praxisgebühr bisher nicht bezahlt; die gesetzte Frist ist nicht abgelaufen 

80046 

Gegebenenfalls Portokosten für die schriftliche Zahlungsaufforderung 

80047 

Zahlungsaufforderung nicht zustellbar 

Bitte beachten Sie auch etwaige spezielle Regelungen Ihrer KV. 

 

Insbesondere die Eintragung der Nr. 80033 bei Urlaubs- bzw. Krankheitsvertretung wird häufig vergessen. Die Nr. 80033 tragen Sie auf dem Vordruck-Muster 19 ein, wenn der Patient Sie im Rahmen der Kollegial-Vertretung in Anspruch nimmt und die 10 Euro bereits bei dem Hausarzt, den Sie vertreten, gezahlt hat. Die Nr. 80033 ist auch dann einzutragen, wenn der Patient die Praxisgebühr im aktuellen Quartal bereits bei Ihrem Vertreter gezahlt hat und jetzt wegen weiterer Behandlung zu Ihnen kommt. Entsprechendes gilt auch für die Inanspruchnahme im kollegialen ärztlichen Hintergrunddienst. 

Wichtig: Seit 1. Juli 2006 ist auch bei der Inanspruchnahme ein und desselben Arztes sowohl in der Regelversorgung als auch im organisierten Notfalldienst die Praxisgebühr nur einmal zu zahlen. Die zweite Inanspruchnahme kennzeichnen Sie mit der Nr. 80033 (siehe Ausgabe 8/2006), Seite 7 ff.). 

Sonstige Kostenträger und Sozialhilfeempfänger

Nicht bei jedem Versicherten der so genannten sonstigen Kostenträger ist eine Praxisgebühr fällig. Keine Praxisgebühr zahlen Patienten, deren Kosten getragen werden von 

  • Bundeswehr und Bundespolizei
  • Postbeamte A
  • Zivildienst
  • Polizeibeamte
  • Freie Arzt- und Medizinkasse (FAMK)
  • Gesetzlicher Unfallversicherungsträger (bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten).

 

Ebenfalls ausgenommen von der Entrichtung der Praxisgebühr sind Versorgungsberechtigte nach Kriegsopferversorgung (BVG), Bundesentschädigungsgesetz (BEG) und Jugendarbeitsschutz. 

 

Bei Sozialhilfeempfängern müssen Sie folgendes beachten: Seit dem 1. Januar 2004 wird die Krankenbehandlung von Sozialhilfeberechtigten nach den Bestimmungen des Bundessozialhilfegesetzes und des Asylbewerbergesetzes von einer gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Dieser Personenkreis erhält eine Krankenversichertenkarte mit dem Status 4. Für diese Gruppe gelten die gleichen Bestimmungen wie für die übrigen Mitglieder der Gesetzlichen Krankenkassen: Nur wenn vor der Behandlung eine Bescheinigung über die Befreiung von der Zuzahlung gemäß § 62 SGB V vorgelegt wird, entfällt die Verpflichtung zur Zahlung der Praxisgebühr.  

 

Keine Praxisgebühr ist bei Sozialhilfeberechtigten fällig, wenn der Patient mit einem Krankenbehandlungsschein (Kostenübernahmeerklärung) des Sozialhilfeträgers zu Ihnen kommt. 

 

Tipp: Wenn Sie erst nach Zugang des Honorarbescheides feststellen, dass Sie in Einzelfällen die Ausnahmekennziffer nicht eingetragen haben, ist es häufig zu spät. Die meisten KVen lehnen eine nachträgliche Anerkennung von Befreiungstatbeständen ab. Bei Differenzen sollten Sie deshalb die Organisation um die Praxisgebühr gemeinsam mit Ihren Mitarbeiterinnen nochmals aufarbeiten. 

Quelle: Ausgabe 09 / 2006 | Seite 2 | ID 84551