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01.12.2006 | EBM 2000plus

Akupunktur: Ab 1. Januar 2007 endgültig Kassenleistung

In der Nr. 8/2006 berichtete „Abrechnung aktuell“ bereits über die Aufnahme der Akupunktur bei chronischen Rücken- und Kniebeschwerden in den EBM. Ursprünglich sollten die für die Akupunktur vorgesehenen Leistungspositionen 30790 und 30791 zum 1. Oktober 2006 in den EBM aufgenommen werden. Im Bewertungsausschuss konnte allerdings zunächst keine endgültige Einigung über die Leistungslegenden zur Abrechnung der Akupunktur erzielt werden. Außerdem waren die Qualifikationsvoraussetzungen noch nicht definiert. Inzwischen aber ist beides geschehen, so dass die neuen Nrn. 30790 und 30791 – in leicht abgewandelter – Form ab dem 1. Januar 2007 Bestandteil des EBM sind. Die neuen Leistungslegenden lauten: 

 

Neue Leistungslegende zu Nr. 30790 (in Kapitel 30.7 „Schmerztherapie“)

EBM-Nr. 

Leistungslegende 

Punkte 

30790 

Eingangsdiagnostik und Abschlussuntersuchung zur Behandlung mittels Körperakupunktur gemäß den Qualitätssicherungsvereinbarungen nach § 135 Abs. 2 SGB V bei folgenden Indikationen: 

  • chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule,

oder 

  • chronische Schmerzen eines oder beider Kniegelenke durch Gonarthrose

 

Obligater Leistungsinhalt 

  • Schmerzanalyse zu Lokalisation, Dauer, Stärke und Häufigkeit,
  • Bestimmung der Beeinträchtigung in den Alltagstätigkeiten durch den Schmerz,
  • Beurteilung des Schmerzeinflusses auf die Stimmung,
  • Integration der Akupunkturbehandlung in ein schmerztherapeutisches Gesamtkonzept,
  • Schmerzanalyse und Diagnostik nach den Regeln der traditionellen chinesischen Medizin (zum Beispiel anhand von Leitbahnen, Störungsmustern, konstitutionellen Merkmalen oder mittels Syndromdiagnostik),
  • Erstellung des Therapieplans zur Körperakupunktur mit Auswahl der Leitbahnen, Spezifizierung der Akupunkturlokalisationen, Berücksichtigung der optimalen Punktekombinationen, Verteilung der Akupunkturlokalisationen,
  • eingehende Beratung des Patienten einschließlich Festlegung der Therapieziele,
  • Durchführung einer Verlaufserhebung bei Abschluss der Behandlung,
  • Dokumentation,
  • Dauer mindestens 40 Minuten,
  • Bericht an den Hausarzt,

 

Fakultativer Leistungsinhalt 

  • Erläuterung zusätzlicher, flankierender Therapiemaßnahmen

 

einmal im Krankheitsfall 

1.060 

 

Prüfzeit: 30 Minuten (Anrechnung nur auf Quartalsprofil) 

 

 

Neue Leistungslegende zu Nr. 30791 (in Kapitel 30.7 „Schmerztherapie“)

EBM-Nr. 

Leistungslegende 

Punkte 

30791 

Durchführung einer Körperakupunktur und ggf. Revision des Therapieplans gemäß den Qualitätssicherungsvereinbarungen nach § 135 Abs. 2 SGB V zur Behandlung bei folgenden Indikationen: 

  • chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule,

oder 

  • chronische Schmerzen eines oder beider Kniegelenke durch Gonarthrose

 

Obligater Leistungsinhalt 

  • Durchführung der Akupunktur gemäß dem erstellten Therapieplan,
  • Aufsuchen der spezifischen Akupunkturpunkte und exakte Lokalisation,
  • Nadelung akupunkturspezifischer Punkte mit sterilen Einmalnadeln,
  • Verweildauer der Nadeln von mindestens 20 Minuten,

 

Fakultativer Leistungsinhalt 

  • Beruhigende oder anregende Nadelstimulation,
  • Hervorrufen der akupunkturspezifischen Nadelwirkung (De-Qui-Gefühl),
  • Berücksichtigung der adäquaten Stichtiefe,
  • Adaption des Therapieplanes und Dokumentation,
  • Festlegung der neuen Punktekombination, Stimulationsart und Stichtiefe,

 

je dokumentierter Indikation bis zu zehnmal, mit besonderer Begründung bis zu 15-mal im Krankheitsfall 

480  

 

Prüfzeit: 10 Minuten (Anrechnung auf Tages- und Quartalsprofil) 

 

Hintergrund der Verschiebung der Einführung

Probleme gab es bei der Verabschiedung der Leistungslegenden zu den Nrn. 30790 und 30791, weil die Akupunkturbehandlungen bei Schmerzen in der Lendenwirbelsäule (LWS) bzw. bei Schmerzen in den Kniegelenken durch „und/oder“ miteinander verbunden waren. Das hätte bedeutet, dass bei einem Patienten insgesamt höchstens 10 Akupunkturbehandlungen (bzw. mit Begründung bis zu 15 Behandlungen) abrechnungsfähig gewesen wären – und zwar auch dann, wenn sowohl Behandlungen der LWS als auch der Kniegelenke vorgenommen werden.  

 

In der nunmehr endgültigen Formulierung der Leistungslegenden zu den Nrn. 30790 und 30791 sind die Akupunkturbehandlungen der Lendenwirbelsäule und die der Kniegelenke durch „oder“ miteinander verknüpft. Dadurch ist klargestellt, dass jeweils bis zu 10 Akupunkturbehandlungen durchgeführt und abgerechnet werden können bzw. mit besonderer Begründung jeweils bis zu 15 Behandlungen. Damit können insgesamt bis zu 20 bzw. mit Begründung 30 Behandlungen durchgeführt und abgerechnet werden, wenn sowohl LWS-Schmerzen als auch Kniegelenksschmerzen durch Akupunktur behandelt werden.  

 

Verbliebener Mangel

Nicht behoben wurde der bereits in „Abrechnung aktuell“, Nr. 8/2006, kritisierte Mangel, dass bei Berechnung der Nr. 30790 sowohl die Eingangsdiagnostik als auch die Abschlussuntersuchung obligate Leistungsbestandteile sind. Kommt ein Patient nach der Eingangsdiagnostik und nach Einleitung der Akupunkturbehandlung nicht zur Abschlussuntersuchung, sind nicht alle Leistungsinhalte der Nr. 30790 erfüllt und die Position kann nicht abgerechnet werden.  

Erläuterung der Abrechnungsmodalitäten

Bei der Berechnung der Nrn. 30790 bzw. 30791 sind vor allem folgende Modalitäten zu beachten:  

 

  • Die Nr. 30790 kann nur einmal im Krankheitsfall berechnet werden, auch wenn die Eingangsdiagnostik und die Abschlussuntersuchung zur Akupunkturbehandlung sowohl Schmerzen der Lendenwirbelsäule als auch Schmerzen in den Kniegelenken betreffen. Einmal im Krankheitsfall bedeutet, einmal pro Patient und Jahr. Wird die Nr. 30790 bei einem Patienten somit im Januar 2007 abgerechnet, kann diese Position erst im ersten Quartal 2008 erneut bei demselben Patienten berechnet werden.

 

  • Wird eine Akupunkturbehandlung nach Nr. 30791 durchgeführt, kann diese Position ohne besondere Begründung zehnmal für die Behandlung von Schmerzen der LWS und zehnmal für die Behandlung von Schmerzen in den Kniegelenken berechnet werden. Die Kniegelenkschmerzen müssen durch eine Gonarthrose bedingt sein.

 

  • Weitere Voraussetzung zur Berechnung der Akupunkturleistungen ist, dass die Schmerzen – sowohl der LWS als auch in den Kniegelenken – seit mindestens sechs Monaten bestehen.

 

  • Bei der Behandlung beider Kniegelenke sind nur bis zu 10 Akupunkturbehandlungen im Krankheitsfall (pro Jahr) berechnungsfähig, mit Begründung bis zu 15.

 

  • Für Akupunkturbehandlungen sind sterile Einmalnadeln zu verwenden, deren Kosten nicht gesondert berechnungsfähig sind.

Dokumentation

Bei Abrechnung der Nr. 30790 sind die obligaten Leistungsinhalte unbedingt zu dokumentieren. Die Nr. 30790 beinhaltet unter anderem als obligaten Leistungsbestandteil auch einen Bericht an den Hausarzt. Das bedeutet, dass die Nr. 01600 bzw. Nr. 01601 für den Bericht an den Hausarzt nicht gesondert berechnet werden kann.  

Qualifikationsvoraussetzungen

Die Qualifikationsvoraussetzungen zur Abrechnung von Akupunkturleistungen sind erheblich: Entweder muss die von der Bundesärztekammer in der Muster-Weiterbildungsordnung definierte Zusatz-Weiterbildung „Akupunktur“ erworben werden oder eine gleichwertige Qualifikation. Der Nachweis einer gleichwertigen Qualifikation wird anerkannt, weil noch nicht in allen Landesärztekammern die Zusatz-Weiterbildung „Akupunktur“ Bestandteil der regionalen Weiterbildungsordnung ist.  

Übergangsregelungen

Ab Januar 2007 dürfen Ärzte, die eine Weiterbildung nachweisen können, die in Struktur und zeitlichem Umfang den Vorgaben der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer für die Zusatz-Weiterbildung „Akupunktur“ entspricht, Akupunkturleistungen bis zum 31. Dezember 2007 nach den Nrn. 30790 und 30791 abrechnen. Ab dem ersten Quartal 2008 müssen die Akupunktur-Qualifikationsvoraussetzungen vollständig erfüllt werden. Diese setzen zusätzlich Kenntnisse in der psychosomatischen Grundversorgung voraus und außerdem die Teilnahme an einem von der Ärztekammer anerkannten interdisziplinären Kurs über Schmerztherapie. Ärzte, die diese Qualifikationen noch nicht erworben haben, müssen dann jeweils 80 Stunden Weiterbildung (psychosomatische Grundversorgung und Schmerztherapie) bis Ende 2007 nachweisen.  

 

Aufgrund der hohen Qualifikationshürden werden viele Ärzte, die jetzt Akupunkturbehandlungen im Rahmen von Modellversuchen durchführen, künftig keine Akupunkturleistungen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erbringen und abrechnen.  

Akupunktur als IGeL

Der eng begrenzte Indikationsbereich für Akupunkturbehandlungen als GKV-Leistungen lässt leicht erkennen, dass die Mehrzahl der in Arztpraxen durchgeführten Akupunkturbehandlungen auch künftig als IGeL nach der GOÄ abgerechnet werden – und zwar nach den Nrn. 269 und 269a. 

 

Erfüllt ein Patient die Voraussetzungen zur Abrechnung von Akupunkturbehandlungen als GKV-Leistung (chronische LWS- oder Knieschmerzen), verfügt aber der konsultierte Arzt nicht über eine Genehmigung zur Abrechnung von Akupunkturleistungen nach den Nrn. 30790 und 30791, muss er den Patienten darüber aufklären, dass diese speziellen Akupunkturbehandlungen bei entsprechend qualifizierten Ärzten auch als vertragsärztliche Leistungen durchgeführt werden können. Sollte der Patient trotz dieser Aufklärung eine Akupunkturbehandlung von dem konsultierten Arzt wünschen, könnte eine Behandlung als IGeL vereinbart werden. Aus der Vereinbarung sollte dann unbedingt hervorgehen, dass der Patient über die Erstattungsfähigkeit als GKV-Leistung aufgeklärt worden ist. 

 

Ärzte, die Akupunkturbehandlungen bei anderen Indikationen durchführen und als IGeL abrechnen, werden einige Aufklärungsarbeit zu leisten haben, da durch Veröffentlichungen bei Patienten vielfach der Eindruck entstanden ist, Akupunkturbehandlungen seien nunmehr generell zu Lasten der GKV berechnungsfähig. Ärzte, die Akupunkturbehandlungen weiter als IGeL anbieten, sollten daher ihre Patienten entsprechend aufklären – zum Beispiel in Form einer entsprechenden Auslage im Wartezimmer. 

Quelle: Ausgabe 12 / 2006 | Seite 1 | ID 84625