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Arztzahlentwicklung

Drohender Ärztemangel: Ist die Wertminderung der Praxis vorprogrammiert?

Nach jahrelanger „Ärzteschwemme“, die letztlich den niedergelassenen Ärzten auch die Bedarfsplanung und Zulassungssperren beschert hat, brechen jetzt möglicherweise Zeiten der „Dürre“ an. Immer deutlicher stellt sich heraus, dass vakant werdende Hausarztpraxen – überwiegend in ländlichen Gebieten – nicht mit Nachfolgern besetzt werden können.

Immer weniger Studienabgänger wollen „Kassenarzt“ werden!

Die Zahl der Absolventen im Fach „Humanmedizin“ an den deutschen Universitäten sinkt: Während im Jahre 1994 noch exakt 11.978 Studenten das Studium der Humanmedizin abschlossen, waren es sechs Jahre später im Jahre 2000 nur 9.165. Dieser Rückgang des Nachwuchses um etwa 25 Prozent wäre für sich allein noch nicht dramatisch, da auch die derzeitige Gesamtzahl der Studienabgänger im Fachbereich Medizin den Nachwuchsbedarf decken könnte.

Bedenklich ist aber, dass etwa ein Drittel der derzeitigen Studienabgänger keinen „Dienst am Patienten“ antritt. Gefragt sind Beschäftigungen in der Industrie, bei Versicherungen usw. Lediglich etwa 6.000 Aspiranten pro Jahr verbleiben für eine Weiterbildung in den Kliniken, von denen sich dann wiederum nur ein Teil für die Tätigkeit als Kassenarzt entscheidet.

Überproportional viele Vertragsärzte müssen auf Grund der Altersgrenze ihre Praxistätigkeit aufgeben

Niedergelassene Vertragsärzte müssen gemäß § 95 (7) SGB V in dem Quartal ihre vertragsärztliche Tätigkeit aufgeben, in dem sie das 68. Lebensjahr vollenden. Die Altergruppenstruktur aller Vertragsärzte zeigt, dass in den Lebensalterstufen um das 55. bis 60. Lebensjahr derzeit deutlich mehr Vertragsärzte ihre Praxistätigkeit ausüben als in den jüngeren Jahrgängen mit einem Lebensalter von etwa 45 bis 55. In den „ganz jungen“ Jahrgängen zwischen 35 und 45 sind allerdings wieder pro Altersstufe mehr Vertragsärzte niedergelassen.

Dies hat zur Folge, dass in den kommenden Jahren überproportional viele Vertragsärzte auf Grund der Altersgrenze ihre Praxistätigkeit aufgeben müssen. Sie können dann nur noch als Vertreter tätig sein bzw. Privatpraxen betreiben.

Prognostizierte Bruttoabgänge bei niedergelassenen Ärzten von 2002 bis 2010

Besonders dramatisch ist die Prognose der Arztzahlentwicklung – jedenfalls im Vergleich zu anderen Fachgebieten – bei den Hausärzten. Dies gilt besonders für die neuen Bundesländer. Unter Einbeziehung der Altersgrenze wird von der Bundesärztekammer für Allgemeinärzte/Praktische Ärzte und für Internisten der nachfolgend tabellarisch dargestellte Bruttoabgang pro Jahr angenommen, wobei allerdings nicht unterschieden wird zwischen hausärztlich und fachärztlich tätigen Internisten. Da von allen Internisten etwa 75 Prozent im hausärztlichen Versorgungsbereich tätig sind, kann man davon ausgehen, dass auch ein Anteil von 75 Prozent der in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Internisten dem hausärztlichen Versorgungsbereich angehören.

Die nachfolgend zusammengefassten graphischen Darstellungen aller Hausärzte zeigen die signifikante Altersverteilung, vor allem in den neuen Bundesländern.

Die Übersichten machen deutlich, dass in den kommenden Jahren wohl mehr Hausärzte ihre Praxis aufgeben werden als Interessenten für eine Übernahme nachrücken.

65 Prozent der Planungsbereiche für Hausärzte sind derzeit geöffnet

Abgesehen davon, dass sich der einzelne Arzt unter Beachtung der Arztzahlentwicklung grundsätzlich Gedanken machen muss, ob er überhaupt einen Nachfolger für seine Praxis findet, ist der Einfluss der Arztzahlentwicklung auf die Bedarfsplanung und damit die Festlegung von Zulassungssperren von eminenter Bedeutung. Die Bundesrepublik ist in 406 Zulassungsbereiche unterteilt. Für jeden dieser Zulassungsbereiche sprechen die Zulassungsausschüsse bei Überversorgung für die einzelnen Fachgebiete Zulassungssperren aus. Für die im hausärztlichen Versorgungsbereich tätigen Ärzte (Allgemein-/Praktische Ärzte und Internisten, ausgenommen Kinderärzte) werden als einheitliche Arztgruppe eigene Zulassungssperren festgelegt. Von den 406 Planungsbereichen sind 263 – das sind knapp 65 Prozent – derzeit offen für die Niederlassung weiterer Hausärzte. Konkret ist in den einzelnen KVen das Verhältnis zwischen offenen und geschlossenen Planungsbereichen wie folgt (Stand Anfang 2001):

Bayern: 50 Planungsbereiche von insgesamt 79 offen; Berlin: 4 von 12; Brandenburg: 12 von 16; Bremen 1 von 2; Hamburg: 1 von 1; Hessen: 11 von 26; Koblenz: 8 von 11; Mecklenburg-Vorpommern: 11 von 13; Niedersachsen: 37 von 44: Nordbaden: 5 von 11; Nordrhein: 21 von 27; Nord-Württemberg: 12 von 13; Pfalz: 5 von 10; Rheinhessen: 2 von 3; Saarland: 3 von 6; Sachsen: 12 von 26; Sachsen-Anhalt: 21 von 23; Schleswig-Holstein: 7 von 13; Südbaden: 3 von 10; Südwürttemberg: 3 von 9; Thüringen: 15 von 20; Trier: 4 von 4; Westfalen-Lippe: 15 von 27.

Die Anzahl der offenen Planungsbereiche in den KVen ist wegen der enormen regionalen Streuung innerhalb der einzelnen KVen nur bedingt aussagekräftig. Wenn zum Beispiel in Bayern von insgesamt 79 Planungsbereichen 50 für Niederlassungen weiterer Hausärzte offen sind, werden in den gemeinhin als attraktiv bezeichneten Bereichen wie München und Oberbayern relativ wenig freie Hausarztsitze vorhanden sein, in der Oberpfalz bzw. in Niederbayern dagegen wahrscheinlich mehr.

Verkaufspreis der Praxis sinkt, wenn der Planungsbereich geöffnet wird

Für diejenigen Hausärzte, die in nicht gesperrten Planungsbereichen niedergelassen sind, wird sich wenig ändern. Die Suche nach einem Nachfolger wird mangels Interessenten möglicherweise schwieriger werden – insbesondere dann, wenn für die Praxisübergabe ein guter Preis erzielt werden soll. Das ist schmerzlich, weil der Verkaufserlös der Praxis in der Regel in die Alterssicherung eingeplant ist. Erscheint einem Interessenten der Übergabepreis zu hoch, kann er sich jederzeit – unter Umständen sogar in der Nachbarschaft – in einer eigenen Praxis niederlassen.

Völlig anders stellt sich die Situation für Ärzte in gesperrten Bereichen dar. Das sind zumeist die für Niederlassungen begehrteren Bereiche in Großstädten oder attraktiven Landstrichen. Für diese Praxen wird ein deutlich höherer Veräußerungspreis erzielt als in nicht gesperrten Bereichen, denn der übernehmende Arzt kann relativ sicher sein, dass sich in der Nachbarschaft kein weiterer Hausarzt niederlassen wird. Werden aber wegen der zurückgehenden Bewerberzahl künftig freiwerdende Hausarztsitze nicht mehr besetzt, so wird der Zulassungsausschuss wegen Wegfalls der Überversorgung die Zulassungssperren aufheben – mit der Folge, dass sich weitere Hausärzte in der Nachbarschaft niederlassen, was den Verkaufspreis einer Praxis mindern kann.

Empfehlung: In jeder KV ist für jeden Planungsbereich der Versorgungsgrad der einzelnen Gebietsärzte bekannt. Der Zulassungsausschuss bzw. die Abteilung für Zulassung und Sicherstellung hat exakte und aktuelle Zahlen, wie viele Ärzte in jedem Bereich über das „Soll“ hinaus niedergelassen sind. Geben entsprechend viele Kollegen eines Fachgebiets ohne Nachfolger ihre Praxistätigkeit auf, wird spätestens dann der Planungsbereich geöffnet.

Beispiel: In einem Planungsbereich besteht eine Überversorgung von drei Hausärzten. Geben in diesem Bereich vier oder mehr Hausärzte – ob es sich um Internisten oder Allgemein-/Praktische Ärzte handelt, spielt keine Rolle – ihre Zulassung ohne einen Nachfolger auf, so wird der Zulassungsausschuss den Planungsbereich für neue Zulassungen öffnen. Falls in diesem Bereich fünf Hausärzte ihre Tätigkeit ohne Nachfolger aufgeben, werden dann allerdings nur zwei Neuzulassungen vom Zulassungsausschuss bewilligt, da mit diesen beiden dann die Grenze zur Überversorgung wieder erreicht ist.

Fazit: Betroffene Hausärzte, die in absehbarer Zeit – dabei sollte durchaus ein Zeitraum von zehn und mehr Jahren ins Auge gefasst werden – ihre Praxis aufgeben wollen, müssen unbedingt die örtlichen Verhältnisse der Bedarfsplanung in ihre Kalkulation einbeziehen. Dies gilt insbesondere für zulassungsgesperrte Bereiche. Droht eine Aufhebung der Zulassungssperre, könnte es ratsam sein, gegebenenfalls bereits frühzeitiger an die Veräußerung der Praxis zu denken – unter Umständen in Kombination mit einem entsprechend gestalteten Übergabevertrag.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 05/2002, Seite 1

Quelle: Ausgabe 05 / 2002 | Seite 1 | ID 100053