logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

Arzneimittelverordnung

„Aut-idem“: Diese Regeln müssen Sie jetzt beachten!

Am 1. Februar 2002 hat das so genannte Arzneimittelausgaben-Begrenzungsgesetz (AABG) den Bundesrat passiert. Nach der inzwischen erfolgten Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt ist das AABG noch im Februar in Kraft getreten. Direkt betroffen von den gesetzlichen Neuerungen sind die niedergelassenen Ärzte bei der Verordnung von Arzneimitteln.

Kurzer Rückblick: Die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bescherte den Ärzten kurz nach ihrem Amtsantritt zunächst eine freudige Überraschung: Sie schaffte das Arzneimittelbudget und damit die globale Sippenhaft aller Ärzte für Budgetüberschreitungen ab. Geblieben sind allerdings die Richtgrößenprüfungen, über die wir in „Abrechnung aktuell“ schon mehrfach berichtet haben.

Nach Aufhebung der Arzneimittelbudgets belegten aktuelle Zahlen einen deutlichen Anstieg der Verordnungskosten von Medikamenten im Laufe des Jahres 2001. Folglich wirkten insbesondere die Krankenkassen massiv auf die Ministerin ein, mit geeigneten Schritten einem weiteren Anstieg der Arzneimittelausgaben entgegenzuwirken. Daraufhin wurde das Arzneimittelausgaben-Begrenzungsgesetz (AABG) aus der Taufe gehoben, das unter anderem eine Neugestaltung der jetzt so intensiv diskutierten Aut-idem-Regelung vorsieht.

Die bisherige Aut-idem-Regelung

Bekanntlich werden Arzneimittel (daneben auch Hilfsmittel) über den Rezeptvordruck (Muster 16) zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet. Dieser Vordruck weist amlinken Rand drei Kästchen untereinander auf, in denen jeweils „Aut-idem“ steht. Drei Kästchen sind deshalb vorhanden, weil der Vertragsarzt auf einem Rezept nicht mehr als drei Arzneimittel für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen verordnen soll. Bereits bisher konnte der Arzt es dem Apotheker durch Ankreuzen von „Aut-idem“ ermöglichen, das von ihm gewählte Präparat durch ein anderes, wirkstoffgleiches Präparat mit gleicher Indikation und gleicher Darreichungsform zu ersetzen. Allerdings wurde von dieser Möglichkeit bei weniger als 1 Prozent der Verordnungen Gebrauch gemacht.

Die neue Aut-idem-Regelung

Mit In-Kraft-Treten des AABG wird die Bedeutung der Kästchen „Aut-idem“ genau umgekehrt: Streicht der Arzt bei einer Verordnung dieses Kästchen – wie bisher fast immer – nicht durch, ist der Apotheker gehalten, ein preisgünstiges Medikament im unteren Preisdrittel abzugeben, auch wenn der Arzt ein teureres Präparat aufgeschrieben hat. Nur wenn der Arzt jetzt nach Inkrafttreten des AABG das Kästchen „Aut-idem“ durchstreicht und damit eine Substitution des verordneten Medikaments ausschliesst, ist der Apotheker verpflichtet, genau das Mittel abzugeben, das der Arzt auf dem Rezept vermerkt hat. Mit dem In-Kraft-Treten des AABG hat somit eine automatische Umkehr der Bedeutung des Aut-idem-Kästchens auf Muster 16 (Rezeptvordruck) stattgefunden.

Ursprünglich war vorgesehen, das Rezeptformular um ein zusätzliches Kästchen zu erweitern, damit der Arzt in jedem Fall durch Ankreuzen entscheiden kann, ob er die Substitution mit einem anderen wirkstoffgleichen Arzneimittel will oder nicht. Jetzt ist es so, dass dieser Mechanismus schon allein durch das Unterlassen des Durchstreichens eintritt. Offenbar will man die erhofften Einspareffekte auch dadurch erzielen, dass die Ärzte bei ihren Verordnungen den bisherigen Gewohnheiten treu bleiben und das Kästchen „Aut-idem“ nicht durchstreichen, so dass dann der Apotheker auf preisgünstigere Arzneimittel zurückgreifen kann.

Auswirkungen des geänderten „Aut-idem“ für den Arzt

Die Bedeutungsumkehr des Aut-idem-Kästchens führt weniger zu einer Mehrarbeit der verordnenden Ärzte, sondern eher zu einem erheblichen bürokratischen Mehraufwand für die abgebenden Apotheker. Ist das Kästchen nicht durchgestrichen, hat der Apotheker ein Arzneimittel abzugeben, das preislich im unteren Drittel liegt. Dieses untere Drittel wird ermittelt, indem bei wirkstoffgleichen Arzneimitteln der arithmetische Mittelwert der drei teuersten und der drei kostengünstigsten Arzneimittel errechnet wird. Der Abstand zwischen diesen Rechenwerten wird gedrittelt, wobei dann Präparate bis zur unteren Preisdrittellinie durch den Apotheker abgegeben werden dürfen.

Beispiel

Bei einem Präparat ist der Mittelwert der drei teuersten Medikamente 21 EUR, der drei kostengünstigsten 9 EUR. Die Drittellinie zur unteren Preisgrenze betrüge dann 13 EUR, so dass alle Arzneimittel unter dieser Grenze vom Apotheker zur Substitution einer teureren Verordnung eingesetzt werden könnten. Verordnet aber der Arzt von sich aus namentlich– keine Generikabezeichnung – ein Präparat im unteren Preisdrittel, dann darf der Apotheker keine Substitution vornehmen, er ist also an die Verordnung des Arztes gebunden.

Diese „Drittelbildung“ greift jedoch nur dann, wenn es im unteren Preisdrittel mehr als vier Präparate gibt. Sonst gelten automatisch die fünf preisgünstigsten Arzneimittel als substitutionsfähig.

Erste Preisdrittellinien liegen voraussichtlich im Juni vor

Zunächst wird der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen für die Ermittlung der Preisdrittellinien die zu bildenden Gruppen der Arzneimittel – ähnlich den Festbetragsgruppen – definieren. Das sind etwa 160 Gruppen von Arzneimitteln. Erste Preisdrittellinien für verschiedene Gruppen werden voraussichtlich erstmals im Juni im Bundesanzeiger publiziert. Erst wenn die dafür erforderliche Software für den Praxiscomputer bereit steht, können entsprechende Verordnungen direkt vom PC abgerufen und vom Arzt einfach vorgenommen werden. Da die Herstellung der Software etwa sechs bis acht Wochen beansprucht, ergibt eine realistische Zeitrechnung, dass wohl erst zum vierten Quartal 2002 der Arzt einen direkten Überblick per PC hat, welche Präparate definitiv im unteren Preisdrittel liegen, so dass er dann bei Verordnungen namentlich auf diese zurückgreifen kann. Die Preisdrittellinie wird einen Monat vor Quartalsbeginn den Ärzten bekannt gegeben. Im Laufe eines Quartals werden die Preisdrittellinien nicht geändert, gegebenenfalls erst wieder zum nächsten Quartal.

Wie ist bis zur endgültigen Umsetzung zu verfahren?

Um sicher zu gehen, dass ein preisgünstiges Medikament abgegeben wird, ist es das Einfachste, auf dem Rezept nur den Wirkstoff zu vermerken. Zwar kann der Apotheker auch bei der Angabe von Handelsnamen mit einem preisgünstigeren Arzneimittel substituieren (falls nicht das Kästchen Aut-idem durchgestrichen ist), jedoch ist davon auszugehen, dass dann der Apotheker auf das namentlich verordnete Präparat zurückgreifen wird. Dies wird er allein schon deswegen machen, um sich nicht in langwierige Diskussionen mit den Patienten verwickeln zu lassen.

Schwierigkeiten in der Arzneimittelspezialitäten-Liste bereiten derzeit die mehr als 10.000 Reimporte, die bei der Errechnung der Preisdrittellinien einbezogen werden. Bei vielen Wirkstoffen sind die günstigsten Arzneimittel des unteren Preisdrittels immer solche des Reimports. Bei Reimport-Medikamenten ist davon auszugehen, dass die Apotheker nicht immer den gesetzlichen Forderungen nach einer entsprechenden Substitution nachkommen können, weil sie diese Präparate nicht vollständig vorrätig haben werden.

Auch Phytotherapeutika fallen unter die Aut-idem-Regelung. Hierzu wird das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) pflanzliche Wirkstoffe über das Extraktverhältnis, die Stammpflanze und das Auszugsmittel definieren. Der Bundesausschuss wird auch für diese Arzneimittel entsprechende Gruppen bilden.

Keine Geltung hat die Aut-idem-Regelung für Betäubungsmittel, die nach der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung auf gesonderten Rezepten (BTM-Rezepte) zu verordnen sind, und für Nahrungsergänzungsmittel.

Weitere Aspekte, die Sie berücksichtigen sollten

Der Apotheker darf für ein verordnetes Arzneimittel nur eine identische Substitution vornehmen. Das bedeutet, dass die gleiche Darreichungsform (zum Beispiel Tabletten, Suppositorien usw.), die gleiche Dosierung, der gleiche Wirkstoff, die gleiche Packungsgröße und natürlich die identische Indikation gewählt werden muss. Die auf den Rezepten vom Arzt vermerkten Packungsbezeichnungen N1, N2 und N3 sind für die Substitution irrelevant, da diese lediglich die Zuzahlungsstufe für die Patienten festlegen, mit der Packungsgröße hinsichtlich einer möglichen Substitution aber weniger zu tun haben. Entscheidend für die Substitution sind damit insbesondere die Anzahl der Tabletten, der Suppositorien usw. in einer Packung und die Wirkstoffkonzentration.

Löst ein Patient ein verordnetes Arzneimittel erst mehrere Tage oder gar Wochen nach der Verordnung ein, ist entscheidend für die Substitution und die Auswahl eines anderen Mittels aus dem unteren Preisdrittel der Einlösetag in der Apotheke, nicht der Tag der Rezeptausstellung.

Fazit

Mit der Aut-idem-Regelung bzw. deren Neugestaltung ist eine weitere bürokratische Hürde – diesmal vornehmlich für die Apotheker – errichtet worden. Ob dieser bürokratische Aufwand in einer Relation zu den angestrebten Einsparungen steht, bleibt abzuwarten. Fachleute bezweifeln jedenfalls, dass diese Neuregelungen zu nennenswerten Einsparungen des Gesamt-Verordnungsvolumens führen werden.

Nicht endgültig geklärt ist die Richtgrößenproblematik, die sich dadurch ergibt, dass der Arzt bei Substitution eines von ihm verordneten Arzneimittels nicht weiß, welches Präparat zu welchem Preis letztlich abgegeben wird. Damit kann der Arzt im Laufe des Quartals zumindest nicht genau verfolgen, wie er mit seinen Verordnungen in Bezug auf die für ihn festgelegte Richtgröße liegt. Hier werden sich noch interessante Aspekte ergeben – besonders dann, wenn Ärzte von niedrigpreisigen Arzneimitteln ausgehen, tatsächlich aber durch – wenn auch nur geringfügig – teurere Arzneimittel die Richtgrößengrenzen überschritten werden, so dass es zu einer Richtgrößenprüfung und gar zu einem Regress kommt.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 03/2002, Seite 1

Quelle: Ausgabe 03 / 2002 | Seite 1 | ID 100037