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Aktuelle Fallbeispiele

Nächtliche Wadenkrämpfe – Diagnose, Therapie und Abrechnung der Leistungen

Nächtliche Wadenkrämpfe sind für die jeweils Betroffenen eine schwerwiegende Gesundheitsstörung, weil sie extrem schmerzhaft sein können und Schlafstörungen verursachen. Dabei ist zu beachten, dass Muskelkrämpfe keineswegs nur im Bereich der Wadenmuskulatur vorkommen und damit vorwiegend den M. gastrocnemius und den M. soleus betreffen. Letztendlich können in allen tonischen Muskeln Verspannungen bis hin zu schmerzhaften Verkrampfungen auftreten. Ein typisches Zeichen der tonischen Muskulatur ist die Neigung zur Verkürzung.

Ein verkürzter Muskel ist leicht neuromuskulär erregbar. Probleme im Bereich der Halswirbelsäule und des Schultergürtels verursachen häufig Muskelkrämpfe im M. levator scapulae sowie im oberen Drittel des M. trapezius. Bei chronischen Rückenschmerzen können Verspannungen der thorakolumbalen Muskulatur verantwortlich sein. Häufig treten auch Krämpfe im pelvio-femoralen Bereich auf, deren Ursache in der Verkürzung des M. rectus femoris, des M. iliopsoas, der Adduktoren und der ischio-cruralen Muskulatur zu suchen ist. Häufig treten solche Crampi auch als Begleiterscheinung anderer Grunderkrankungen auf.

Bei der Ursachen der Wadenkrämpfe gehen die Meinungen noch auseinander. Auch die pathophysiologischen Grundlagen werden unterschiedlich diskutiert. Die gesteigerte neuromuskuläre Erregbarkeit ist jedoch als grundlegender Sachverhalt anerkannt.

Die Diagnostik von Wadenkrämpfen ist im Prinzip einfach und unkompliziert. Gerade deshalb muss aber auch an die differentialdiagnostischen Möglichkeiten gedacht werden, um sich nicht vorschnell auf die Muskelkrämpfe festzulegen. Differential-diagnostisch sind neben degenerativen und rein statischen Störungen auch neoplastische Erkrankungen, viszerale Erkrankungen, generelle wie auch neurodystrophische WS-Veränderungen, destruktive und entzündliche Prozesse auszuschließen. Nicht zuletzt ist auch an ein thromboembolisches Geschehen zu denken.

Der Fall

Ein 57-jähriger, leicht übergewichtiger Patient (178 cm, 86 kg) klagt über seit Wochen zunehmende nächtliche Wadenkrämpfe. Diese seien zu Beginn noch leicht schmerzhaft gewesen, würden aber in letzter Zeit deutlich an Intensität zunehmen, so dass auch die Nachtruhe vehement gestört sei. Sportliche Betätigung wird verneint, eine muskuläre Überanstrengung ist auszuschließen. Stuhl und Miktion sind regelrecht. Er nimmt keine Medikamente. Die körperliche Untersuchung ist bis auf eine Blockierung im rechten Iliosakralgelenk sowie Muskelverspannungen in der Lumbal- und HWS-Region unauffällig. Die neurologische Untersuchung ist ebenfalls ohne pathologischen Befund. Mittels Beinvenendoppler wird ein thromboembolischs Geschehen ausgeschlossen. Zum Ausschluss eines entzündlichen Prozesses oder einer anderen Grunderkrankung wird eine Blutentnahme zur Bestimmung der entsprechenden Parameter vorgenommen.

*)   Die neurologische (Teil-)Untersuchung nach EBM-Nr. 801 ist nicht neben der Erhebung des Ganzkörperstatus nach Nr. 60 EBM (Nr. 8 GOÄ) abzurechnen.

**)  Die hier abzurechnende Nr. 3 GOÄ ist nicht neben Sonderleistungen berechnungsfähig.

***) Nur Allgemeinärzte oder hausärztlich tätige Internisten mit Zusatzbezeichnungen wie „Physikalische Therapie“ und/oder „Chirotherapie“ dürfen die Leistungen nach den EBMNrn. 503, 504, 507, 509 und 524 abrechnen und lösen damit ein qualifikationsbedingtes Zusatzbudget aus. Dieses Zusatzbudget des gelben Bereiches berechnet jede KV gesondert. Hausärzte, Allgemeinmediziner, Praktische Ärzte, Internisten und Kinderärzte, die die genannten Zusatzbezeichungen nicht erworben haben, können die aufgeführten Positionen dann abrechnen, wenn sie staatlich geprüfte Krankengymnasten beschäftigen und entsprechende Leistungen an sie delegieren.

 

Nach der Untersuchung schließt sich eine Massage im Bereich der LWS und der Beinmuskulatur an. Es werden Bewegungsübungen ausgeführt und für die Selbstanwendung bei Wadenkrämpfen erklärt. Zur Ergebnisbesprechung der Laboruntersuchung und der Festlegung des weiteren Vorgehens wird ein zusätzlicher Termin vereinbart.

Die Laboruntersuchung ergibt keinen pathologischen Befund. Normale BKS., Blutbild, Harnsäure, Kreatinin und Rheumafaktoren liegen im Normbereich. Die Laborwerte werden dem Patienten erklärt und Therapie-Optionen besprochen. Es werden weitere Termine zur therapeutischen Lokalanästhesie in Verbindung mit Massagen vereinbart.

*)   Die Beratung nach GOÄ-Nr.1 ist neben den Leistungen nach den Abschnitten C bis O im Behandlungsfall nur einmal berechnungsfähig.

**)  Die ausführliche Erörterung nach GOÄ-Nr. 3 ist nicht neben Sonderleistungen berechnungsfähig und kann somit nicht abgerechnet werden.

***)Die therapeutische Lokalanästhesie (TLA) – EBM-Nr. 415 – setzt drei Sitzungen im Behandlungsfall voraus, so dass die Leistung erst nach drei Behandlungen berechnet werden kann.

 

Die Ursachen der gesteigerten neuromuskulären Erregbarkeit, die für die Entstehung der nächtlichen Wadenkrämpfe verantwortlich sind, haben vielfältige therapeutische Ansätze. In erster Linie sollte der Patient angelernt werden, durch gezielte Muskeldehnung den nächtlichen Wadenkrampf zu lösen. Bei orthopädischen Ursachen sind diese erst einmal zu beheben. Außer rein medikamentöser Schmerzbehandlung und Krampflösung stehen die manuelle Therapie, Triggerpunktbehandlung, therapeutische Lokalanästhesie, Akupunktur und Akupressur zur Verfügung.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 10/2002, Seite 14

Quelle: Ausgabe 10 / 2002 | Seite 14 | ID 100106