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Aktuelle Fallbeispiele

Die hausärztliche Behandlung des Vorhofflimmerns

Herzrhythmusstörungen sind in der Allgemeinarztpraxis oft ein Zufallsbefund. Das Vorhofflimmern ist dabei die häufigste Herzrhythmusstörung. Die Symptomatik ist äußerst vielfältig und selten spezifisch – es sei denn, es zeigen sich im paroxysmalen Anfall die typischen Palpitationen und das für den Patienten unangenehme Herzrasen. Ob der Patient etwas von seiner Rhythmusstörung spürt oder nicht, ist für die Prognose unerheblich, so dass in jedem Fall weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen notwendig sind.

Verschlüsselung nach ICD-10

Die Symptomatik des Vorhofflimmerns gestaltet sich – soweit sie überhaupt vorhanden ist – unterschiedlich. Schweißausbrüche, Schwindel und Übelkeit werden ebenso angegeben wie Angstzustände, Dyspnoe, Brustenge und Schwäche in den Beinen. Die Ursachen des Vorhofflimmerns sind ebenso vielfältig wie seine Symptomatik. Als kardiale Grundkrankheiten sind zu nennen die dilatative Kardiomyopathie, das rheumatische Mitralklappenvitium, die KHK, die AV-Knoten-Störung, das Cor pulmonale, die Hypertonie oder die Perikarditis. Zu den extrakardialen Grundkrankheiten, die für das Auftreten von Vorhofflimmern verantwortlich sind, zählen: Störungen der Schilddrüsenfunktion, Hormonstörungen und Alkoholabusus. Eine dritte Möglichkeit stellt das idiopathische Auftreten von Vorhofflimmern dar.

In jedem Fall bedarf das Vorhofflimmern der therapeutischen Intervention, da vor allem ein erhöhtes Thromboembolie-Risiko vorliegt. Obwohl die elektrische Kardioversion die sicherste und schnellste Methode darstellt, um den Rhythmus zu normalisieren, wird in der Allgemeinarztpraxis doch zunächst ein medikamentöser Rhythmisierungsversuch unternommen. Dabei ist die i.v.-Applikation der oralen vorzuziehen. Auf Grund neuer Erkenntnisse wird in jedem Fall bei einem Rhythmisierungsversuch die stationäre Überwachung empfohlen. Die Ergebnisse der Rhythmisierung sind im Allgemeinen jedoch ernüchternd, da selbst unter medikamentöser Prophylaxe nach einem Jahr etwa 50 Prozent der Patienten wieder arrhythmisch sind und somit ein Rezidiv aufweisen.

Der Fall

Die Ehefrau eines 47-jährigen, stark übergewichtigen Patienten (171 cm, 98kg) ruft gegen 22.30 Uhr an und bittet um einen Hausbesuch, da ihr Ehemann seit etwa drei Stunden über Herzrasen klagt. Vorhofflimmern ist bei diesem Patienten seit vier Jahren bekannt; damals erlitt er einen ähnlichen Anfall am Wochenende. Die medikamentöse Rhythmisierung war seinerzeit erfolgreich. Beim Eintreffen zeigt sich der Patient unruhig, nervös bis ängstlich und leicht kaltschweißig. Der Blutdruck ist mit 145/70 mm Hg normal, die Herzfrequenz liegt bei 164 Schlägen pro Minute. Nach der körperlichen Untersuchung wird ein EKG abgeleitet, das den Verdacht auf eine absolute Tachyarrhythmie mit Vorhofflimmern bestätigt.

1. Konsultation (Nachtbesuch)

EBM

GOÄ

Nrn.

Punkte

Legende

Nrn.

Punkte

       1

        265

Ordinationsgebühr

       1

        80

       –

           –

Untersuchung

       7

      160

       5

        300

Nachtgebühr

      G

51,30 DM

   603

        250

EKG *)

   651

      253

     26

        600

Besuch – sofort/dringend

     50

      320

7237

12,40 DM

Wegekosten

       –

14 DM

       –

           –

Injektion i.v.

   252

        40

     40

        900

Verweilzeit, mehr als 30 Min.

     56

      180

*)   Im Notfall-Hausbesuch wäre bei Aufzeichnung von weniger als 12 Ableitungen alternativ zum EKG nach Nr. 603 EBM das Rhythmus-EKG nach Nr. 602 EBM mit 100 Punkten (Nr. 650 GOÄ / 152 Punkte) abzurechnen.

 

Beim letzten derartigen Geschehen vor vier Jahren zeigte sich bei dem Patienten Verapamil zur Rhythmisierung als sehr wirkungsvoll, so dass auch diesmal eine Ampulle Verapamil i.v. verabreicht und dann bis zur Rhythmisierung abgewartet wird. Der Patient wird zur Untersuchung und Ursachenabklärung einbestellt. Eine Röntgenaufnahme der Thoraxorgane wird veranlasst.

2. Konsultation

  *)        nur mit KV-Genehmigung

**)        Nr. 1 GOÄ nur einmal im Behandlungsfall neben „Sonderleistungen“

 

Labordiagnostik O I/O II bzw. M I/II

EBM

GOÄ

Nrn.

DM

Legende

Nrn.

Punkte

Blutentnahme

    250

      40

3550

0,50

BKS

  3501

      60

3843

2,10

Großes Blutbild

  3550

      60

3844

0,80

Zuschlag zu 3842/3843 bei mikroskopischer Differenzierung

  3502

    120

3661

0,50

Glucose

  3560*)

      40

3664

0,50

Gesamtcholesterin

  3562.H1

      40

3665

0,50

HDL-Cholesterin

  3563.H1

      40

3666

0,50

LDL-Cholesterin

  3564.H1

      40

3667

0,50

Triglyzeride

  3565.H1

      40

3668

0,50

Harnsäure

  3583.H1*)

      40

3670

0,50

Kreatinin

  3585.H1*)

      40

3683

0,50

y-GT

  3592.H1*)

      40

3694

0,50

Kalium

  3557*)

      30

3695

0.50

Calcium

  3555

      40

3696

0,50

Natrium

  3558

      30

3707

1,50

Zuschlag für Trockenchemie im eigenen Labor

       –

        –

*) GOÄ-Nummern aus dem Basislabor (M II); ggf. durch Nummern des Praxislabors (M I) zu ersetzen

 

Die Untersuchung bringt keine pathologischen Ergebnisse, so dass mit dem Patienten die Diagnose des idiopathischen Vorhofflimmerns und die Notwendigkeit der Änderung der Lebensgewohnheiten zur Gewichtsreduktion ausführlich erörtert wird.

3. Konsultation

EBM

GOÄ

Nrn.

Punkte

Legende

Nrn.

Punkte

2

50

Konsultationsgebühr

*)

17

300

Erörterung, mindestens 10 Minuten

34

300

18

300

Zuschlag zu Nr. 10,11,17 bei mehr als 30 Minuten Dauer

*) Nr. 1 GOÄ nicht neben Nr. 34 GOÄ erbringbar

 

Da selbst unter rhythmisierender Dauermedikation die Rezidivquote des Vorhofflimmerns hoch ist, wird die Frage der Notwendigkeit einer Rhythmisierung bei den Kardiologen kontrovers diskutiert. Bei asymptomatischen Patienten mit fehlendem Beschwerdebild und uneingeschränkter körperlicher Belastbarkeit scheint eine Frequenzkontrolle ausreichend zu sein. In jedem Fall ist bei persisitierendem – wenn auch intermittierendem – Vorhofflimmern die Therapie mit Antikoagulanzien zwingend notwendig.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 06/2000, Seite 13

Quelle: Seite 13 | ID 99886