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Aktuelle Fallbeispiele

Alopecia areata in der Allgemeinpraxis: Diagnose, Therapie und Abrechnung der Leistungen

Haarausfall hat höchst unterschiedliche Ursachen und Ausprägungen. Meist kommen Patienten aus Angst vor einer Glatze zu Ihnen in die Praxis. Die Krankheitsform Alopecia areata nimmt dabei eine gewisse Sonderstellung ein. Meist lassen sich die betroffenen Stellen lange und gut überkämmen. Dadurch werden die Patienten in der Regel erst spät beim Arzt vorstellig. Diese Alopezie tritt meistens am Hinterkopf und an den Schläfen auf. Sie kann jedoch auch an anderen Stellen (Bart, Augenbrauen, Wimpern) auftreten. Kennzeichnend sind scharf begrenzte Kahlstellen auf unversehrter Haut. Zuweilen sind auch follikuläre Entzündungen vorhanden.

Die Alopecia areata befällt auch jüngere Männer, in 20 Prozent der Fälle besteht eine familiäre Häufung. Das Auftreten von Kadaver- oder Kolbenhaaren und die leichte Epilierbarkeit der Haare an der Alopezie sind Zeichen des Krankheitsfortschritts. Als Ursache der Alopecia diffusa wird eine Autoimmunpathogenese und die Möglichkeit psychischer bzw. psychosomatischer Ursachen diskutiert. Weiterhin können Diabetes mellitus, Eisenstoffwechselstörungen und eine Schilddrüsenfunktionsstörung zur Ausbildung einer Alopezie beitragen.

Der Fall: Bei einem 31-jährigen Patienten mit Übergewicht werden Zwei-Euro-Stück-große Kahlstellen auf seborrhoischer Haut am Hinterkopf und über den Ohren diagnostiziert. Ansonsten besteht kräftiger Haarwuchs. Die Haare am Rande der Kahlstellen sind fest und unauffällig. Die Hautuntersuchung ergibt eine generelle Seborrhoe, sowie Akne vulgaris. Die Fingernägel sind abgekaut. Kein weiterer pathologischer körperlicher Befund ist zu erheben, auch die Schilddrüse ist nicht tastbar verändert. Der Patient wirkt insgesamt nervös. Anamnestisch ist zu erfahren, dass berufliche Probleme vorliegen. Außerdem habe die Mutter seit Jahren Probleme mit der Schilddrüse. Die Verdachtsdiagnose einer Alopecia areata wird erörtert. Ein Termin zur Blutentnahme vereinbart, um Schilddrüse, Eisen- und Glukosestoffwechsel zu kontrollieren. Wegen der bestehenden Seborrhoe werden einige Hinweise zur Ernährung gegeben und außerdem einige Akneknoten behandelt.

*) Die ausführliche Beratung nach GOÄ-Nr. 3 (150 Punkte) ist nicht neben Sonderleistungen und nicht neben der einfachen Beratung nach Nr. 1 GOÄ  abzurechnen und muss entfallen. Würde man auf die Nr. 1 und die Nr. 758 verzichten, könnte man die Nr. 3 berechnen, würde dann aber 5 Punkte verlieren.

 

*)  Die Beratung nach GOÄ-Nr.1 ist im Behandlungsfall (zeitdefiniert: vier Wochen) nur einmal neben   Sonderleistungen berechnungsfähig.

**) Leistungen des Speziallabors (gegebenenfalls Abrechnung durch Laborarzt).

 

Die Blutparameter sind bis auf die erhöhten Werte für Cholesterin, Triglyceride und LDL, im Normbereich, so dass eine stoffwechselbedingte Ursache ausgeschlossen werden kann. Ein Trichogramm zur weiteren Diagnostik erscheint in diesem Zusammenhang nicht notwendig, da die Behaarung im Randbereich der Kahlstellen unauffällig ist und sich auch keine Haare problemlos epilieren lassen.

Heilungserfolge dank einer psychosomatischen Analyse und einer radikalen Umstellung der Ernährungsgewohnheiten

Die Ergebnisse werden erörtert und der Patient auf den Zusammenhang der Alopezie mit seiner Ernährungsweise aufmerksam gemacht. Weiterhin wird mit dem Patienten besprochen, dass der umschriebene Haarausfall vor allem auch mit seiner psychophysischen Belastungssituation in Zusammenhang zu bringen ist. Diesbezüglich wird ein ausführliches Gespräch zur Klärung psychosomatischer Krankheitszustände geführt. Nach einer Aknebehandlung wird ein weiterer Gesprächstermin vereinbart, eine steroidhaltige Lösung zur Lokalbehandlung verordnet und ein schriftlicher – individuell angefertigter – Ernährungsplan mitgegeben.

*) Die Beratung nach Nr. 1 GOÄ ist nicht neben der Leistung nach GOÄ-Nr. 806 berechnungsfähig.

 

Im vorliegenden Fall kann von einer psychophysischen Ursache ausgegangen werden, da durch die wiederholten psychosomatisch-therapeutischen Gespräche eine deutliche Besserung der Gesamtsymptomatik und in Kombination mit dem steroidhaltigen Externum ein Rückgang der Kahlstellen erreicht werden konnte.

*) Die Beratung nach Nr. 1 GOÄ ist nicht neben der Leistung nach GOÄ-Nr. 806 berechnungsfähig.

 

Die Ernährungsumstellung brachte einer Besserung der Seborrhoe und auch der Akne. Beachten Sie: Die Berechnung der EBM-Nrn. 850 und 851 setzt eine Qualifikation zur psychosomatischen Therapie voraus. Zur Abrechnung brauchen Sie eine KV-Genehmigung.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 08/2002, Seite 14

Quelle: Ausgabe 08 / 2002 | Seite 14 | ID 100086