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Aktuelle Fallbeispie
Behandlung eines Alkoholabhängigen: Diagnose, Therapie und Abrechnung
Nach aktuellen Schätzungen sind 1,7 bis 2 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig. Das ist nicht nur schlimm für die Betroffenen und deren Familien - es hat auch negative Auswirkungen auf die gesamte Volkwirtschaft, denn Alkoholabhängige arbeiten weniger effizient und sind häufiger krank. Vor allem durch die Behandlung der Folgeerkrankungen des chronischen Alkoholismus (chronische Gastritis, Ulcus ventriculi, Mallory-Weis-Syndrom, Leberzirrhose, Pankreatitis, kardio-vaskuläre Erkrankungen und neuropsychiatrische Erkrankungen) entstehen immense Kosten.
Nun ist und bleibt die Bekämpfung des Alkoholismus in der einzelnen Arztpraxis keine volkswirtschaftliche, sondern in erster Linie eine therapeutische und humanitäre Aufgabe. Jedoch tun sich Ärzte oft schwer im Umgang mit der Krankheit: Das Problem wird zwar häufig erkannt oder zumindest vermutet, angesprochen wird es aber zu selten. Diese Barriere gilt es zu nehmen, denn nur durch ein offenes Gespräch und gezielte Fragen kann wirkungsvoll Hilfestellung gegeben und die richtige Therapie eingeleitet werden.
ICD-10
DiagnoseICD-10 GM
AlkoholabhängigkeitF10.2
AlkoholabususF10.1
Alkohol-AbstinenzsyndromF10.3
Alkohol-DelirF10.4
Alkohol - GastritisK29.2
Mallory-Weiss-SyndromK22.6
Der Fall
Ein 51-jähriger, normgewichtiger Patient (bisher nur wenig krank) stellt sich wegen Problemen im oberen Bauchbereich in der Praxis vor. Ihm sei relativ häufig übel und er habe oft Sodbrennen. Die Oberbauchbeschwerden würden vor allem in der Nacht auftreten. Zuvor hatte die Ehefrau des Patienten den behandelnden Arzt bereits zweimal auf Alkoholprobleme ihres Ehemannes hingewiesen - was auch den Kindern schon aufgefallen sei.
Die körperliche Untersuchung ergibt folgenden Befund: normaler Blutdruck, Herztöne rein, tachycard, Pulmo o.B., leichter foetor ex ore, stark gerötete Zunge, "Brustglatze", geringes Palmarerythem und typisch epigastr. Druckschmerz. Auf Grund dieses Befundes wird der Patient darauf angesprochen, ob er regelmäßig Alkohol trinkt. Daraufhin berichtet er über berufliche und finanzielle Probleme. Das Alkoholproblem sei ihm durchaus bewusst, er habe es bislang jedoch trotz mehrfacher Bemühungen selbst nicht in den Griff bekommen.
Die Verdachtsdiagnose einer Refluxösophagitis verbunden mit einer chronischen Gastritis wird dem Patienten erklärt. Das weitere Vorgehen zur Diagnostik und zur Therapie einschließlich der unterschiedlichen Möglichkeiten einer Entzugstherapie wird besprochen. Es erfolgt eine Blutentnahme und die Ableitung eines EKG. Ein weiterer Termin für die Durchführung einer Oberbauchsonographie und die Besprechung des weiteren Vorgehens wird vereinbart.
1. Konsultation: Untersuchung, Erörterung
EBM GOÄ
ZiffernPunkteLegendeZiffernPunkte
1265Ordinationsgebühr180
60320Ganzkörperstatus8260
603250EKG651253
10300Erörterung-*-
--Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung7040
*Die der Erörterung nach Nr. 10 EBM entsprechende Nr. 3 GOÄ ist nicht neben der Beratung nach Nr. 1 GOÄ berechnungsfähig und auch nicht neben Sonderleistungen. Deshalb entfällt diese Leistung nach GOÄ.
Labordiagnostik
EBMLegendeGOÄ
ZiffernEuro  ZiffernPunkte
--Blutentnahme25040
35500,25BKS350160
36600,25Gesamteiweiß3573.H130
36610,25Glucose356040
36640,25Gesamtcholesterin3562.H140
36650,25HDL-Cholesterin3563.H140
36660,25LDL-Cholesterin3564.H140
36670,25Triglyzeride3565.H140
36680,25Harnsäure3583.H140
36810,25GOT3594.H140
36820,25GPT3595.H140
36830,25y-GT3592.H140
37224,00(HbA1c)3561200
38431,10Großes Blutbild355060
--KohlehydratdefizientesTransferrinz.B. A4400300
Die Laboruntersuchungen dienen dem Ausschluss anderer Grund-erkrankungen sowie dem Erkennen verschiedener Risikofaktoren bzw. Folgeerkrankungen. Die im Rahmen der Labordiagnostik bei Alkoholabusus zuerst durchgeführte Untersuchung von y-GT und MCV (großes Blutbild) sind zwar äußerst empfindlich, aber keineswegs spezifisch. Die yGT stellt einen überaus sensitiven Parameter für Leberschädigungen dar, ist aber zur Beantwortung der Frage, ob nun Alkohol oder andere toxische Einflüsse (Cholestase, Verfettung, Lösungsmittel) Ursache der Leberschädigung sind, genauso wenig geeignet wie die Erhöhung des mittleren korpuskulären Volumens des Erythrozyten (MCV).
Eine hohe Spezifität hat die Bestimmung des kohlehydratdefizienten Transferrins (CDT). Bei längerem, allerdings erhöhtem Alkoholkonsum, wird durch eine entsprechend höhere Acetaldehydkonzen-tration die Glykolisierung des Transferrins gehemmt, woraus eine Erhöhung des CDT resultiert. Da diese Erhöhung erst bei längerem erhöhten Alkoholkonsum festgestellt werden kann, stellt die Bestimmung des CDT zwar eine äußerst spezifische, dafür aber wenig sensible Methode dar. Erst die Kombination der Erhöhung von y-GT und MVC (geringe Spezifität, hohe Sensitivität) und der Erhöhung des CDT (hohe Spezifität, geringe Sensitivität) bieten ausreichend Hinweise auf einen chronischen Alkoholabusus.
2. Konsultation
EBM GOÄ
ZiffernPunkteLegendeZiffernPunkte
250Konsultationsgebühr-*-
378520Sonographie Oberbauch410 +
3 x 420**
200 +
3 x 80
801170Neurologische Unter
suchung
800195
17300Erörterung34300
18300Zuschlag zu Nr. 17 bei mehr als 30 Minuten--***-
*Die Beratung nach Nr. 1 GOÄ ist im Behandlungsfall nur einmal neben Sonderleistungen berechnungsfähig und entfällt deshalb.
**Nach GOÄ ist die sonographische Untersuchung eines Organs nach Nr. 410 abzurechnen. Für jedes weitere Organ (bis maximal drei) ist dann jeweils die Ziffer 420 berechnungsfähig. Zu beachten ist dabei, dass das jeweils untersuchte Organ angegeben werden muss.
***In der GOÄ gibt es keine entsprechende Leistungsziffer. Hier kann für die Leistung nach Nr. 34 ein höherer Faktor verwendet werden.
Nach dem Vorliegen aller Ergebnisse können die wichtigen aufklärenden Gespräche - möglicherweise auch unter Hinzuziehung eines ausgebildeten Suchtberaters - durchgeführt werden.
3. Konsultation: Gesprächstherapie/Einleitung weiterer Maßnahmen
EBM GOÄ
ZiffernPunkteLegendeZiffernPunkte
250Konsultationsgebühr-*-
11300Hausärztliches psychiatrisches Gespräch804150
-**-Einleitung/Koordination flankierender Maßnahmen15300
*Für diese Leistung gibt es nach der GOÄ keine direkt abrechnungsfähige Leistungsposition, die entsprechende Nr. 1 ist nicht neben der Nr. 804 berechnungsfähig.
**Für diese Leistung gibt es nach EBM keine direkt abrechnungsfähige Leistungsposition
Ziele der Gesprächstherapie
Die Gesprächstherapie hat vier wichtige Ziele:
  • Aufklärung des Patienten und Motivation zum Entzug
  • Unterstützung der Entzugsphase
  • Reintegration des Patienten
  • Stabilisierung und Konsolidierung der Abstinenz
    Im Allgemeinen wird die Entzugstherapie mit einer Entgiftung eingeleitet, der dann die Entwöhnungstherapie folgt. Diese soll den Patienten zur völligen Abstinenz bringen und dazu befähigen, in seinem psychosozialen Umfeld ein geregeltes Leben zu führen.
    Fazit
    Im Vordergrund der Behandlung der Alkoholabhängigkeit wird - neben der Motivation zur Abstinenz - das ausführliche ärztliche Gespräch stehen. Dies muss, wie auch die aufwändigen Bemühungen um Einleitung und Koordination begleitender Maßnahmen, dem niedergelassenen Vertragsarzt entsprechend honoriert werden.
    Der betreuende Arzt hat als erster Ansprechpartner - aber auch als Koordinator und als Gesprächstherapeut - eine zentrale Stellung. Seine Aufgabe ist es, die verschiedenen Therapieansätze - die neueren pharmakologischen Entwicklungen mit eingeschlossen - erfolgreich zu kombinieren und damit den Patienten dauerhaft von seiner Alkoholsucht zu befreien. Damit leistet er auch einen wichtigen Beitrag, um die Kosten, die der Volkswirtschaft durch Alkoholismus entstehen, zu reduzieren.
    Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 08/2004, Seite 17
    Quelle: Ausgabe 08 / 2004 | Seite 17 | ID 100315